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Einstiegslektüre:

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* Maskulismus für Anfängerinnen

"Maskulismus die radikale Ansicht,
daß Männer keine Schweine sind,
sondern Menschen."

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* Maskulismus
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Mittwoch, 4. Juli 2018

Die Opfer von #metoo - Episode 7, mit Asia Argento und Rose McGowan




Haifische

Hollywood ist ein Haifischbecken, wie jeder weiß. Es geht um Ruhm und Millionen Dollar, jeder kämpft gegen jeden um den Erfolg, mit allen Mitteln. Die Weinstein-Affäre hat gezeigt, mit wie harten Bandagen gekämpft wird, und daß heute die wirksamste Waffe die Denunziation in den sozialen Netzwerken ist.

Denunziation funktioniert nur dann, wenn der Denunzierende eine weiße Weste hat, idealerweise auch einen hohen Opferstatus. Da trifft sich gut, daß es sich bei den Anklägerinnen von Weinstein und anderen Männern meist um Schauspielerinnen handelt, also Experten darin, eine Rolle zu spielen und das Publikum zu Tränen zu rühren. Die Weste der metoo-Klägerinnen ist dermaßen weiß, daß die Frage nach deren Rolle als aktiv Bestechende weitgehend unter den Teppich gekehrt werden konnte. Oder die Frage, ob diese mit Ruhm und Millionen gesegneten Damen nicht Kollaborateure eines Systems waren, in dem sie heute genauso skrupellos agieren wie seinerzeit Weinstein.

Denunziation ist als Waffe so wirksam, daß sie bisher 6 Menschenleben gekostet hat. Die denunzierten Personen haben sich selber umgebracht. 5 der 6 Fälle waren Männer, die sexueller Übergriffe beschuldigt wurden. Ein Fall ist atypisch: Jill Messick (†07.02.2018) war Mitarbeiterin von Weinstein und Mitwisser der Vorgänge um Weinstein. Sie wurde von Rose McGowan, der Hauptinitiatorin der #metoo-Kampagne, medial massivst angegriffen. Man wird nicht klären können, ob McGowan die Haupt- oder nur eine Mitverantwortung für Messicks Selbstmord trägt. Bemerkenswert ist, daß sich praktisch niemand für diese Kollateralschäden der metoo-Kampagne interessiert (diesen Zynismus hat schon ONeill (2018) angeprangert). Der Heiligenschein von Rose McGowan und anderen metoo-Anklägerinnen ist eben unantastbar.

Nr. 7 Anthony Bourdain

Anthony Bourdain, *25.06.1956 in New York City, war ein Starkoch, eine international bekannte mediale Berühmtheit. Er lernte 2017 Asia Argento kennen, fing eine Beziehung mit ihr an, die sich im Verlauf intensivierte.

Asia Argento, *20.09.1975 in Rom, ist eine der wichtigsten Figuren der metoo-Kampagne. In dem legendären Artikel von Ronan Farrow im New Yorker - der den Sturz Weinsteins einleitete und der entscheidende Anschub für die metoo-Kampagne war - wird Asia Argento nicht weniger als 24 Mal als Opfer und Zeugin erwähnt. Sie ist sozusagen der wichtigste Kronzeuge gegen Weinstein, und diese neue Rolle als Frontkämpfer gegen Sexismus und die Unterdrückung der Frauen machte sie berühmt und erfolgreich.

Argento und Bourdain gingen eine feste Beziehung ein. Bourdain wurde zu einem klassischen feministischen Ally: er verfiel ihr regelrecht, förderte sie und ihre Aktivitäten bei jeder Gelegenheit. Das Glück dauerte nur ein gutes halbes Jahr, dann wurde Argento von Fotografen bei intimen Begegnungen mit einem anderen, deutlich jüngeren Mann, Hugo Clément, erwischt, s. z.B. http://masahble.com/asia-argento-hugo-clement.html und zahllose andere Artikel in der Klatschpresse, die solche Fälle mit Wonne breittritt.

Die öffentliche Demütigung, von seiner rund 20 Jahre jüngeren Partnerin, mit der er lange liiert war und die er lange bedingungslos unterstützt hatte, betrogen worden zu sein, kann man sich als Normalmensch wohl kaum vorstellen.

Es kam zum Bruch zwischen Argento und Bourdain, mit einer wie üblich in solchen Fällen eher unschönen finalen Phase.

Diese finale Phase endete damit, daß sich Bourdain in einem Hotelzimmer erhängte. Am 08.06.2018 wurde er dort vom Personal gesucht und tot aufgefunden, nachdem schon am Tag zuvor vermißt worden war. Nach Auskunft der französischen Behörden befanden sich bei seinem Tod keine relevanten Narkotika in seinem Körper (Severson (2018)).

Einmal Opfer, immer Opfer

Offensichtlich stellt sich hier die Frage, welche Rolle Asia Argento beim Selbstmord von Anthony Bourdain gespielt hat, nicht zu reden von einem Anfangsverdacht, daß sie ihn in den Selbstmord getrieben hat. Mit vertauschten Rollen (Selbstmord einer Frau, die von ihrem Freund, für den sie alles gegeben hat, betrogen und verlassen wurde) wäre der Fall sonnenklar.

Von Argento kam aber zunächst nichts außer einer kurzen, üblichen Beileidsbekundung. Wenige Tage später erschien dann ein offener Brief, der dutzendfach veröffentlicht wurde, u.a. hier. Dieser Brief stammt - was für einen solchen Fall reichlich seltsam ist - nicht von ihr, sondern von ihrer metoo-Kollegin Rose McGowan und ist im Auftrag von und im Einverständnis mit ihr verfaßt worden. Er beginnt wie folgt:

Dear Fellow Humans,

Sitting across from me is the remarkable human and brave survivor, Asia Argento, who has been through more than most could stand, and yet stand she does. She stood up to her monster rapist and now she has to stand up to yet another monster, suicide. The suicide of her beloved lover and ally, Anthony Bourdain. I write these truths because I have been asked to. ....

(Liebe Mitmenschen,

Mir gegenüber sitzt der bemerkenswerte Mensch und tapfere Überlebende, Asia Argento, die mehr durchgemacht hat, als die meisten ertragen könnten, und dennoch hält sie stand. Sie bot ihrem Monster-Vergewaltiger die Stirn und muß sich nun gegen ein weiteres Monster, den Selbstmord, behaupten. Den Selbstmord ihres geliebten Liebhabers und Verbündeten Anthony Bourdain. Ich schreibe diese Wahrheiten, weil ich darum gebeten wurde. ...)

Asia Argento ist also nach eigener und Rose McGowans Einschätzung nicht nur "Überlebende" eines "Monster-Vergewaltigers", sondern auch noch unschuldiges Opfer eines ähnlich monströsen Schicksalsschlags, eines Selbstmords, also des Verlusts einer unendlich wichtigen Bezugsperson.

Die Beziehung zu Bourdain stellt sich in dem Brief als eine offene heraus ("Anthony and Asia had a free relationship, they loved without borders of traditional relationships"), wozu nicht ganz paßt, daß Argento offenbar versucht hatte, die Veröffentlichung der Photos mit Clément zu verhindern.

Ebenfalls erfährt die staunende Öffentlichkeit, daß Bourdain seit langem unter schwersten Depressionen litt ("... suffered from intermittent deep depression"). Auf der sehr ausführlichen Seite der englische Wikipedia über Bourdain kommt das Wort Depression oder mental illnes nicht vor, seine zahllosen Fans scheinen gravierende Wissenslücken über ihr Idol zu haben. Der Brief behauptet "he even wrote a book about them [seine Depressionen]" - ich finde unter Dutzenden Kochbüchern und einigen fiktionalen Texten von Bourdain kein zu dieser Behauptung passendes Buch.

Klar ist immerhin, er alleine ist selber schuld, Argento hat absolut nichts mit seinem Tod zu tun, ihr wird das ungerechtfertigt angelastet ("[his suicide] was very much his choice. His decision, not hers. ... Anthony's internal war was his war, but now she's been left on the battlefield to take the bullets.") Beide Metoo-Aktivistinnen engagieren sich in den kommenden Tagen für Präventionsmaßnahmen gegen Suizide. Schade, daß Argento nicht schon früher diese geniale Idee hatte, wenn sie (als einzige?) doch schon so lange von den schweren Depressionen Bourdains wußte.

Leah McSweeney

Am 27.06.2018 veröffentlicht Leah McSweeney in McSweeney (2018) eine sehr ausführliche Darstellung des Falls Argento/Boudain und ergänzend in McSweeney (2018a) eine ausführliche Liste der Ereignisse, die zum Tod von Boudain führten. Ich bin nicht besonders häufig der gleichen Meinung wie Feministinnen, teile aber McSweeneys Einschätzung des McGowan/Argento-Briefs:
I can't even find a word to describe what that is. It is stomach-turning.

(Ich finde kaum Worte, um zu beschreiben, was das ist. Es dreht einem den Magen um.)

Diese Selbstbeweihräucherung bzw. Selbstviktimisierung von zwei der wichtigsten metoo-Aktivistinnen ist in der Tat an Zynismus kaum zu überbieten.

Leah McSweeney ist nicht irgendwer. Sie ist seit langem eine erfolgreiche Unternehmerin, hat die Modemarke "Married to the Mob" gegründet und ist überzeugte und aktive Feministin, wie ihre social-media-Präsenzen (Instagram, Twitter) deutlich machen. Sie ist selber mindestens ein B-Promi und kennt sich in Promi-Kreisen und dem, was vor und hinter den Kulissen passiert, offenbar bestens aus. Sie hat lange geschwiegen, aber der McGowan/Argento-Brief scheint ein Faß zum Überlaufen gebracht zu haben. Sie geht auf Argentos Verhalten nicht nur im Fall Bourdain ein, sondern weist u.a. darauf hin, daß Argento schon in Fall Weinstein jahrelang eine einvernehmliche Beziehung mit Weinstein hatte ("a consensual relationship with Weinstein for several years") und die Vergangenheit dann später, als es sich lohnte, sehr selektiv bis falsch darstellte:

Argento was not blackmailed. She was not threatened. She had a sexual relationship with Weinstein which resulted in a transactional, consensual union, because - let's be honest - that's how Hollywood works. Fast-forward a few years and Argento saw a bigger opportunity: She could brand herself as a survivor.

(Argento wurde nicht erpresst. Sie wurde nicht bedroht. Sie hatte eine sexuelle Beziehung zu Weinstein, die zu einer transaktionalen, einvernehmlichen Verbindung führte, denn - seien wir ehrlich - so funktioniert Hollywood. Ein paar Jahre später sah Argento eine größere Chance: Sie konnte sich selbst ein Markenzeichen als Überlebende besorgen.)

Der Text von McSweeney ist lang, aber lesenswert. Er widerlegt nicht nur das einseitige Opfer-Narrativ von Argento, sondern zeigt die verbreitete Kollaboration von "Opfern" und "Tätern" auf. Er schildert nicht nur den konkreten Fall Bourdain, sondern auch die Unterdrückung der Berichterstattung über Skandale wie den vorliegenden: die Klatschpresse übernahm natürlich umstandslos das Opfer-Narrativ von Argento. McSweeneys Text ist eine hochinteressante Milieu- bzw. Charakterstudie über die Stars in der Medienbranche, gewissenlose Karrieristen, die sich hinter geschminkten Gesichtern und viel Pomp verstecken und die von einer devoten Presse hofiert werden.

Haifische II

Hollywood ist ein Haifischbecken, wie jeder weiß. Bourdain wußte das sicher auch, bzw. er hätte wissen müssen, daß es auch ihn jederzeit treffen kann, daß der neue Medienstar Asia Argento ihn womöglich nur als eine Art Sugar-Daddy benutzt und ihn irgendwann fallen läßt, wenn sie ihn nicht mehr braucht, oder sich sogar gegen ihn wendet, so ähnlich wie vorher bei Weinstein. Und daß er im Fall einer Trennung im Streit völlig blamiert und chancenlos dastehen würde. Bei einer medialen Schlammschlacht hätte er keine Chance gegen "die Überlebende" und ihre Denunziationsmaschinerie gehabt, er wäre allenfalls in die Rolle eines zweiten Weinsteins in Argentos Leben gerutscht.

Bourdain ist kein Opfer der metoo-Bewegung in dem Sinne, daß ihm Sexualstraftaten oder Beihilfe zu Sexualstraftaten vorgeworfen worden wären.

Bourdain ist vielmehr das Opfer der Skrupellosigkeit einer metoo-Aktivistin geworden, was zunächst eine persönliche Angelegenheit ist.

Bourdain wurde erst nach seinem Tod ein Opfer der metoo-Bewegung. Erstens ein Opfer von Rose McGowan, die in ihrem unsäglichen Brief versucht, unter Nutzung ihres metoo-Heiligenscheins Argento reinzuwaschen, und die Bourdain dazu mißbraucht, Argento zum Opfer zu stilisieren. Zweitens ein Opfer der Presse, die das Selbstviktimisierungsnarrativ von Argento und McGowan kritiklos übernommen hat. Daß dies ein Skandal ist, hat McSweeney sehr richtig erkannt, es ist aber keine Überraschung: die mediale Unterstützung durch die feministische Presse ist ein essentielles Merkmal von feministischen Twitter-Kampagnen, die feministische Presse ist essentieller Bestandteil der metoo-Bewegung.

Quellen

Nachtrag 22.08.2018: Argento selber in Sex-Skandal verstrickt

Die Skrupellosigkeit von Asia Argento zeigt sich auch an einem soeben bekannt gewordenen Vorfall im Jahr 2013. Nach einem Bericht der New York Times vom 19.08.2018 hat sie Jimmy Bennett, einen damals 17-jährigen Schauspieler, der zu ihr ein besonderes Vertrauensverhältnis hatte, zu sexuellem Verkehr genötigt, was in Kalifornien eine strafbare Handlung ist. Bennett wurde nach eigener Aussage dadurch so traumatisiert, daß seine vorher erfolgreiche Karriere massiv einbrach. Im Rahmen einer privaten Regelung der Vorwürfe zahlte Argento 380.000 US$ Schadenersatz an Bennett. Argento bestritt am 21.08.2018, mit Bennett Sex gehabt zu haben. Ein danach öffentlich gewordenes Foto zeigt indes Bennett und sie offenbar nackt in einem Bett, was Argentos Glaubwürdigkeit massiv beschädigte.

Quellen

Nachtrag 17.09.2018: Argento droht McGowan Klage an

Feministische Fakten oszillieren bekanntlich gerne zwischen den gerade opportunen Alternativen hin und her. So auch die Frage, ob Asia Argento überhaupt mit Jimmy Bennett Sex hatte und ob sie ihn oder er sie dazu nötigte bzw. damit vergewaltigte. Damit Argento einem Strafverfahren wegen Sex mit Minderjährigen entgeht, verbreitet sie ein Narrativ, wonach Bennett sie genötigt bzw. vergewaltigt hat. Dies ist aber wegen der Beweisfotos nicht plausibel, und ihre alte Kampfgenossin McGowan nimmt Bennett in Schutz. Nunmehr droht Argento damit, McGowan wegen Verleumdung zu verklagen. Es bleibt spannend. Hatte ich schon den Begriff Haifischbecken erwähnt?

Quellen

Nachtrag 09.10.2018: Rose McGowan packt aus

Die primäre Kompetenz von Haifischen in der Medienbranche besteht darin, andere wegzubeißen und deren moralische Abgründe offenzulegen. Eine Lehrstunde darin erteilte soeben Rose McGowan (deren Attacken auf Jill Messick diese angeblich in den Suizid getrieben haben). In mehreren öffentlichen Statements bezeichnet sie u.a. die Time's Up-Kampagne als Lüge, die dort Aktiven seien nur um ihre Karrieren besorgt. Diese Hollywood-Schaupielerinnen, die die MeToo-Kampagne für sich einspannen, seien douchebags und in Wirklichkeit Verlierertypen.

Quellen