Freitag, 10. Juni 2016

Gleichstellung nach Düsseldorfer Art im Dienstrechtsmodernisierungsgesetz NRW




Nachtrag 07.09.2016: VG Düsseldorf: Neuregelung zur Frauenförderung verfassungswidrig
Nachtrag 19.09.2016: VG Arnsberg stellt ebenfalls Verfassungswidrigkeit fest
Nachtrag 28.09.2016: VG Aachen folgt, Landesregierung setzt Kläger unter Druck
Nachtrag 03.02.2017: FDP NRW präsentiert Gutachten, das Verfassungswidrigkeit bestätigt
Nachtrag 21.02.2017: OVG NRW: Frauenbevorzugung im DRModG ist verfassungswidrig



Harte Frauenquoten sind zwar verfassungswidrig, gelten aber trotzdem im real existierenden und regierenden Feminismus als opportunes Mittel der Wahl, die sog. strukturelle Diskriminierung von Frauen zu reduzieren, indem man auch weniger qualifizierten Geschlechtsgenossinnen zu einträglichen Positionen verhilft und männliche Konkurrenz wegen unpassender Genitalien aus dem Wettbewerb um Stellen und Positionen entfernt.

Der unermüdliche Kampf der Landesregierung NRW gegen Art. 3 GG

Der Bruch von Art. 3 GG ist seit langem ein besonderes Anliegen der Landesregierung von NRW, namentlich Frau Kraft (SPD) und ihrer Vertreterin Frau Löhrmann (Grüne), beide zusätzlich radikalfeministisch unterstützt durch eine vermutlich weltweit einmalige Emanzipationsministerin Steffens (Grüne). Die Regierung Kraft / Löhrmann ist mit weiblicher Gründlichkeit vorgegangen und hat schon vor rund 2 Jahren einen bekannten Verfassungsjuristen (Hans-Jürgen Papier) gekauft damit beauftragt "... rechtliche Spielräume zur verbindlichen Festlegung von Zielquoten ..." zu erkunden. "Zielquoten" sind als Quoten zugunsten von Frauen zu verstehen, "verbindliche Festlegung von Zielquoten" ist eine Umschreibung des Begriffs "harte Quote", der wegen seiner offensichtlichen Verfassungswidrigkeit vermieden wurde.

Herr Papier lieferte wie gewünscht, sein umfangreiches Gutachten schlägt folgende Strategie vor, wie man das Grundrecht auf Gleichberechtigung für Männer unterlaufen kann:

  • Man nutzt das in diversen untergeordneten Gesetzen implementierte Prinzip der Bevorzugung von Frauen bei "gleicher Qualifikation" (bei Einstellungen oder Beförderungen).
  • Man verbietet gesetzlich, bei der Messung der "Qualifikation" die normalerweise üblichen Maßstäbe anzulegen, also z.B. alle tätigkeitsrelevanten Qualifikationsmerkmale in die Arbeitsplatzbeschreibung aufzunehmen, die Qualifikation anhand der Anforderungen zu bewerten oder genaue Benotungen zu verwenden. Beispielsweise kann man alle Noten auf ganze Zahlen runden - dann ist 1.7 = 2.3 - oder alle Diplome, egal in welchem Fach, als gleichwertig ansehen.
Im Endeffekt wird das Prinzip der Bestenauslese weitgehend ausgehebelt, also Art. 33 Abs. 2 GG unterlaufen, um damit unter Nutzung drittrangiger Gesetze die Gleichberechtigung nach Art. 3 Abs. 2 GG aushebeln zu können.

Soweit die Vorgeschichte, offen war bisher nur, wie genau Frau Kraft die Bestenauslese außer Kraft setzen würde. Das Geheimnis wurde am 09.06.2016 gelüftet. An diesem Tag hat der Landtag NRW mit den Stimmen der SPD und den Grünen das Dienstrechtsmodernisierungsgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (Dienstrechtsmodernisierungsgesetz - DRModG NRW) beschlossen. Selbiges enthält in Artikel 1 das "Gesetz über die Beamtinnen und Beamten des Landes Nordrhein-Westfalen (Landesbeamtengesetz - LBG NRW)". Von diesem sind wiederum § 14 Einstellung und § 19 Beförderung relevant.

Das neue LBG NRW, § 14 "Einstellung" - die übliche Diskriminierung

§ 14 Einstellung diskriminiert wie üblich Männer mit der zum Mißbrauch einladenden Bevorzugung von Frauen bei "gleicher Qualifikation":
(2) Soweit im Zuständigkeitsbereich der Ernennungsbehörde in der angestrebten Laufbahn innerhalb der Ämtergruppe mit gleichem Einstiegsamt weniger Frauen als Männer sind, sind Frauen bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt einzustellen, sofern nicht in der Person eines Mitbewerbers liegende Gründe überwiegen;

Das neue LBG NRW, § 19 "Beförderung" - die gesteigerte Diskriminierung

In § 19 "Beförderung" ist Absatz (6) relevant, der die folgenden 7 Sätze enthält (Numerierungen und Anmerkung i.f. zusätzlich eingefügt):
[1] Beförderungen sind nach den Grundsätzen des § 9 des Beamtenstatusgesetzes vorzunehmen.
Anmerkung: Beamtenstatusgesetz §9 "Kriterien der Ernennung" lautet: "Ernennungen sind nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung ohne Rücksicht auf Geschlecht, Abstammung, Rasse oder ethnische Herkunft, Behinderung, Religion oder Weltanschauung, politische Anschauungen, Herkunft, Beziehungen oder sexuelle Identität vorzunehmen.
[2] Frauen sind bei im Wesentlichen gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt zu befördern, sofern nicht in der Person eines Mitbewerbers liegende Gründe überwiegen.
[3] Von einer im Wesentlichen gleichen Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung im Sinne von Satz 2 ist in der Regel auszugehen, wenn die jeweils aktuelle dienstliche Beurteilung der Bewerberin und des Mitbewerbers ein gleichwertiges Gesamturteil aufweist.
[4] Satz 2 und 3 finden Anwendung, solange im Bereich der für die Beförderung zuständigen Behörde innerhalb einer Laufbahn der Frauenanteil in dem jeweiligen Beförderungsamt entweder den Frauenanteil im Einstiegsamt oder den Frauenanteil in einem der unter dem zu besetzenden Beförderungsamt liegenden Beförderungsämter unterschreitet und der Frauenanteil in dem jeweiligen Beförderungsamt 50 Prozent noch nicht erreicht hat.
[5] Ist mit der Beförderung die Vergabe eines Dienstpostens mit Vorgesetzten- oder Leitungsfunktion verbunden, gilt Satz 4 bezogen auf die angestrebte Funktion.
[6] Abweichend von Satz 4 ist maßgeblich der Geschäftsbereich der obersten Landesbehörde, die den Beförderungsvorschlag macht, wenn die Landesregierung die für die Beförderung zuständige Behörde ist.
[7] Weitere Abweichungen von dem gemäß Satz 4 maßgeblichen Bezugsbereich oder in Bezug auf die Vergleichsgruppenbildung regelt die oberste Dienstbehörde durch Rechtsverordnung.
Satz 2 betont durch die Formulierung bei im Wesentlichen gleicher Eignung, ... (gegenüber der Standard-Formulierung "bei gleicher Eignung"), daß die Qualifikation nicht genau festgestellt werden soll, um auch schlechter qualifizierten Frauen eine Recht auf bevorzugte Beförderung zu verschaffen.

Satz 3 definiert eine "in der Regel" anzuwendende (also nur in genau zu begründenden Ausnahmefällen nicht anzuwendende) Definition des unscharfen Begriffs "im Wesentlichen gleiche Eignung, Befähigung und fachliche Leistung": ein "gleichwertiges Gesamturteil" in der jeweils aktuellen dienstlichen Beurteilung der Bewerberin und des Mitbewerbers.

Dienstliche Beurteilungen

Für dienstliche Beurteilungen gibt es relativ umfangreiche Vorschriften. Eine Übersichtsdarstellung bietet Tresselt (2016), ein Beispiel ist dieser Erlaß des Schulministeriums. Hierin lautet Abschnitt 4.6:
Das Gesamturteil ist wie folgt zu formulieren:
- die Leistungen übertreffen die Anforderungen in besonderem Maße,
- die Leistungen übertreffen die Anforderungen,
- die Leistungen entsprechen den Anforderungen,
- die Leistungen entsprechen im Allgemeinen noch den Anforderungen,
- die Leistungen entsprechen den Anforderungen nicht.
Diese Formulierungen entsprechen den Schulnoten 1.0 bis 5.0. Es sind nur diese ganzzahligen Schulnoten zulässig, keine weitere Differenzierung.

Es gibt Richtlinien, wonach die Note 1.0 maximal an 10 % der Mitarbeiter vergeben werden soll, die Note 2.0 maximal an 20 % der Mitarbeiter. Sofern diese Richtlinien angewandt werden, dürfte die Mehrheit der Mitarbeiter die gleiche Standardnote 3.0 bekommen. Ein Unterschied von einer Note stellt also einen erheblichen Qualifikations- bzw. Leistungsunterschied dar. M.a.W. muß ein männlicher Mitarbeiter erheblich besser sein, um sich gegen einen weiblichen Mitbewerber um eine Stelle durchzusetzen.

Laut einem Artikel in der Rheinischen Post werden bis zu 30 Prozent aller Landesbeamten laut Laufbahnverordnung mit "sehr gut" oder "gut" beurteilt, die besser qualifizierten Mitarbeiter weisen also die gleichen Spitzennoten auf. Weiter: Faktisch erfolgt die Beurteilung innerhalb der Spitzengruppe deshalb über "Bewertungspunkte", die die Beamten zusätzlich zur Gesamtnote erhalten. Diese können auch bei formal gleicher Gesamtnote erhebliche Qualifikationsunterschiede beschreiben.

Konsequenzen des Dienstrechtsmodernisierungsgesetzes NRW

  • Details der Qualifikation, z.B. Anzahl der Berufsjahre und Umfang der Erfahrung, zusätzliche Kenntnisse usw., spielen bei einer Konkurrenz zwischen Männern und Frauen keine Rolle, es kommt nur auf die stark vergröbernde Gesamtnote an.
  • Die Einschlägigkeit der fachlichen Erfahrung spielt laut dem Gesetz keine Rolle. Wenn z.B. eine Beförderungs-Stelle in der Steuerfahndung ausgeschrieben wird und es bewerben sich eine Frau aus dem Schulamt und ein erprobter Steuerfahnder, beide mit gleicher Note, dann hat die Frau ein Recht auf die Stelle. Die Frau ist offensichtlich mehr oder weniger unbrauchbar für die Stelle; da das Gesetz aber explizit bestimmt, daß die Befähigung alleine an der Gesamtnote zu messen ist, spielt die fachliche Unfähigkeit der Frau keine Rolle. Unter "Befähigung" versteht man laut Tresselt (2016) die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, die jemand in seinem Beruf als Lehrer auszeichnen. Das sind z.B. Fachkenntnisse, Hobbys, Vorerfahrungen, Konfliktfähigkeit, Organisationsvermögen, Konzeptentwicklung, Teamfähigkeit u. a..
  • Aufgrund der faktischen Notenvergabe haben im mittleren Leistungsbereich i.w. männliche Mitarbeiter nur noch dann eine Chance, sich gegen weibliche Mitbewerber um eine Stelle durchzusetzen, wenn sie eine ganze Note besser sind. Im oberen Leistungsbereich haben männliche Mitarbeiter praktisch keine Chance mehr.
  • Wenn zwei Frauen um eine Stelle konkurrieren, gilt Satz 1 in §19(6), nicht mehr Satz 2. Wenn beide gleiche Gesamtnoten haben, werden die üblichen Kriterien wie Befähigung, die in sehr detaillierten Punkteschemata bewertet werden, wieder entscheidungsrelevant. D.h. der Wettbewerb unter Frauen findet nach völlig anderen Regeln statt als der Wettbewerb zwischen Männern und Frauen, ein absurder Zustand.

Stellungnahmen der Fraktionen

Der Bericht des Innenausschusses erwähnt ab S. 523 noch folgende Stellungnahmen der Fraktionen:
  • CDU: "[die CDU-Fraktion begrüßt] das Vorhaben der Frauenförderung ..., jedoch zweifelt sie an der Verfassungsmäßigkeit der Maßnahmen."
  • FDP: "die Fraktion der FDP ... führt aus, dass das Leistungsprinzip zu kurz komme, auch in Verbindung mit der Frauenförderung."
  • BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: "Zur Frage der Verfassungsmäßigkeit der Frauenfördermaßnahmen verweist die Fraktion auf ein dieses bestätigendes Gutachten des früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier."
Die FDP prüft laut diversen Quellen eine Verfassungsklage gegen gegen das DRModG NRW. In einer diesbezüglichen Presseerklärung ist allerdings nur von der Beamtenbesoldung die Rede. Gemäß einem Artikel in der Rheinische Post sagte der FDP-Fraktionsvize Ralf Witzel: "Beamtenrecht und Leistungsprinzip werden auf den Kopf gestellt, wenn nun eine schlechter qualifizierte Frau einem besser qualifizierten Mann vorgezogen wird. Der Verfassungsgerichtshof muss diese ideologisch motivierte Männerdiskriminierung stoppen." Allerdings stellt die FDP-Fraktion nur neun Prozent der Abgeordneten im Landtag. Einer Verfassungsklage müssen sich mindestens 20 Prozent der Abgeordneten anschließen.

Fazit

  • Wir danken der SPD und den Grünen, mit dem "Dienstrechtsmodernisierungsgesetz" öffentlich und klar verständlich bekundet zu haben, Männerdiskriminierung für modern und fortschrittlich zu halten. (Diese Erkenntnis ist aber zugegebenerweise nicht neu.)
  • Wer bisher die AfD wegen Verfassungsfeindlichkeit nicht wählen mochte, kann völlig beruhigt sein: der Bruch der Verfassung ist bei den Regierungsparteien in NRW guter Brauch, betroffen sind dort außerdem nicht nur religiöse Minderheiten, sondern argumentativ rund die Hälfte der Bevölkerung (konkret natürlich bisher nur männliche Beamte, aber die Regierung in NRW wird sicher nicht ruhen, bis das Gesetz analog auch auf Angestellte angewandt wird).
  • Es ist bekannt, daß gerade bei Männern Depressionen sehr oft übersehen und nicht diagnostiziert werden. Wer als Mann die SPD oder Grünen wählt, sollte sich möglichst umgehend auf Selbsthaß, Masochismus und weitere Depressionen untersuchen lassen.




Nachtrag 07.09.2016: Neuregelung zur Frauenförderung verfassungswidrig

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat am 05.09.2016 die Neuregelung zur Frauenförderung (bzw. Männerdiskriminierung) in NRW für verfassungswidrig erklärt.

Die Hauptursache der Verfassungswidrigkeit liegt darin, daß der Bund für die Regelung der Statusrechte und -pflichten der Beamten zuständig ist und das Land NRW keine Gesetze erlassen kann, die Bundesgesetzen widersprechen, hier dem Beamtenstatusgesetz (BeamtStG), dessen § 9 "Kriterien der Ernennung" festlegt: Ernennungen sind nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung ohne Rücksicht auf Geschlecht, Abstammung, ..... vorzunehmen.

Vordergründig wirkt diese Begründung so, als sei das Gesetz an einer rein bürokratischen Klippe gescheitert. Dieser Eindruck ist mMn falsch.

Das Gesetz ist deswegen verfassungswidrig, weil es dem Beamtenstatusgesetz (BeamtStG) und dort dem § 9 "Kriterien der Ernennung" widerspricht. Dieser § 9 wiederholt aber nur die wesentlichen Inhalte von GG Art.3. Der § 9 könnte also eigentlich wegfallen, weil er mit Blick auf das übergeordnete Grundgesetz redundant ist. In vielen Gesetzestexten werden Inhalte aus übergeordneten Gesetzen wiederholt, diese theoretisch verzichtbaren Anteile verbessern die Lesbarkeit und Verständlichkeit der Gesetze, sie sind zulässig, obwohl diese Gesetze bzw. deren Gesetzgeber dafür gar nicht zuständig sind.

NRW ist unzuständig, ein dem BeamtStG § 9 direkt widersprechendes und GG Art.3 indirekt widersprechendes Gesetz zu erlassen. D.h. die Feststellung der Unzuständigkeit des Landes stellt implizit auch den Verfassungsbruch (GG Art. 3) fest.

Eine zweite Ohrfeige (für die Landesregierung und das gekaufte Papier/Heidebach-Gutachten) ist die folgende theoretisch überflüssige Erwähnung in der Pressemitteilung zur Urteilsfindung:

Vor diesem Hintergrund bedurfte es keiner Entscheidung, ob die Neuregelung zugleich dem in Art. 33 Abs. 2 GG verankerten Leistungsgrundsatz widerspricht. Das Gericht hält es jedoch für fraglich, ob der Gesetzgeber hinreichend berücksichtigt hat, dass das Leistungsprinzip auch dem öffentlichen Interesse an einer Besetzung eines öffentlichen Amtes gerade mit dem leistungsstärksten Bewerber und damit auch der Sicherung der Qualität des öffentlichen Dienstes dient.
Das Gericht hat also deutliche Zweifel, ob die oben erwähnte Entkernung von Art. 33 Abs. 2 GG verfassungsgemäß ist.


Nachtrag 19.09.2016: VG Arnsberg stellt ebenfalls Verfassungswidrigkeit fest

Laut LTO (2016) hat auch das Verwaltungsgericht (VG) Arnsberg die Bevorzugung geringer qualifizierter Kandidatinnen als verfassungswidrig bewertet (Entscheidg. v. 19.09.2016, Az. 2 L 1159/16). Insb. beeinträchtige die Vorschrift des § 19 Abs. 6 Satz 3 LBGNRW den verfassungsrechtlich verankerten Leistungsgrundsatz (Art. 33 Abs. 2 GG) erheblich.


Nachtrag 28.09.2016: VG Aachen folgt, Landesregierung setzt Kläger unter Druck

Laut Reisener (2016) hat inzwischen auch das VG Aachen (1 L 616/16) zugunsten des Grundgesetzes entschieden. Unterdessen setzt die Landesregierung Kläger unter Druck, ihre verfassungsmäßigen Rechte nicht wahrzunehmen und die Klagen zurückzuziehen (s. auch RP (28.09.2016) und Reisener (16.11.2016)).


Nachtrag 03.02.2017: FDP NRW präsentiert Gutachten, das Verfassungswidrigkeit bestätigt

Am 03.02.2017 präsentierte die FDP-Fraktion des Landtags ein im Auftrag der FDP erstelltes Gutachten des Rechtswissenschaftler Prof. Janbernd Oebbecke, das die Frauenförderung im Landesbeamtenrecht von NRW als verfassungswidrig bewertet. Details s. LTO (03.02.2017)


Nachtrag 21.02.2017: Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen erklärt Frauenbevorzugung im DRModG NRW für verfassungswidrig

Das OVG NRW hat am 21.02.2017 in seinem Urteil mit Az. 6 B 1109/16 das Offensichtliche festgestellt: das DRModG verletzt den verfassungsrechtlichen Grundsatz der Bestenauslese, die darin vorgeschriebene Frauenbevorzugung ist daher unwirksam. Details s. LTO (21.02.2017) Bedauerlicherweise fand ein Antrag der FDP-Landtagsfraktion, gegen das LGB NRW am Verfassungsgerichtshof NRW zu klagen, keine Mehrheit, was einmal mehr die nahezu unumschränkte Macht des real existierenden Feminismus illustriert. Diese Klage hätte sehr viel genauer die Grundlagen des Gesetzes und die feministische Interpretation von GG Art. 3 Absatz hinterfragt. Eine so detaillierte Befassung war bei den Verwaltungsgerichten nicht erforderlich, um die Beschwerden zu entscheiden.


Quellen


Montag, 16. Mai 2016

Süddeutsche Propaganda





Inhaltsübersicht



tl;dr


Die Süddeutsche Zeitung hat kürzlich in der Rubrik "Die Recherche" ein sog. Dossier zum Thema "Wie viel Gleichberechtigung brauchen wir noch?" veröffentlicht. Es besteht aus 25 Einzelartikeln mit insg. 27 verschiedenen Autoren und hat einem Gesamtumfang von ca. 50 DIN-A4-Seiten.

Gleichberechtigung, insb. die umfangreiche rechtliche Diskriminierung von Männern, kommt in dem Dossier allerdings nicht vor, stattdessen ist i.w. eine Zusammenstellung aller gängigen feministischen ideologischen Standpunkte. Neue Argumente sind nicht zu finden. Das Dossier hätte auch als Sonderheft der Emma oder von Missy Magazine erscheinen können. Es enthält zahllose halbrichtige oder ganz falsche feministische Propagandaaussagen. Die wichtigsten Botschaften des Dossiers - für einen uninformierten Leser - kann man wie folgt zusammenfassen:

  • Frauen sind hier und heute immer und überall unterdrückte Opfer.
  • Frauen, vor allem Feministinnen, müssen mehr Macht haben, dann wird die Welt besser und auch die Männer werden glücklicher. Das wird auch von vielen männlichen Allies bestätigt.
  • Nur Feministinnen wissen, wie das Geschlechterverhältnis zu gestalten ist. Die feministischen Vorstellungen sind absolut optimal und daher alternativlos. Es gibt keine ernsthafte Kritik am Feminismus. Wenn doch, dann nur in Form von Sexismus und nur von ewiggestrigen Soziopathen.
  • Es gibt grundsätzlich nur 2 Arten von Männern: folgsame oder zumindest werdende Allies und widerwärtige Pöbler.
Die SZ-Recherche demonstriert vor allem, wo medial sozusagen der Hammer hängt, also über welche erdrückende mediale und publizistische Macht der real existierende Feminismus verfügt: man kann Dutzende von Schreiberinnen mobilisieren, die alleine durch die schiere Masse an immer wieder gleicher Propaganda jede Diskussion ersticken können. Kurz gesagt demonstriert man, daß sich die SZ als feministische Propagandaschleuder versteht, die immer wieder die gleichen einseitigen Argumente reproduziert und gegen die jeder Widerstand zwecklos ist.


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Die feministische Recherche "Wie viel Gleichberechtigung brauchen wir noch?"


Als Maskulist hat man regelmäßig den Eindruck, daß unsere Mainstream-Medien von Ausnahmen abgesehen streng feministisch bzw. antimaskulistisch geprägt sind. Strukturell kann man dies an der Parteizugehörigkeit der Politikjournalisten erkennen, bei denen radikalfeministische Parteien stark überrepräsentiert sind.

Der Vorwurf einer einseitig feministischen Indoktrination der Leserschaft kann allerdings nur anhand der publizierten Texte erhärtet werden. Hierzu müßte man z.B. alle innerhalb eines Kalenderjahres erschienen Artikel zur Geschlechterdebatte analysieren. Wenn man neben den Papierausgaben noch die Web-Ausgaben heranzieht, kommt man bei einer Zeitschrift wie ZEIT, Spiegel oder SZ leicht auf mehrere 100 direkt einschlägige Artikel pro Jahr, pro Zeitschrift. Die alle zu lesen und zu analysieren ist extrem aufwendig.

Die Süddeutsche war indessen vor kurzem so freundlich, eine eindrückliche und umfassende Dokumentation ihrer extremen ideologischen Einseitigkeit zu liefern, und zwar in Form einer Serie von nicht weniger 25 Artikeln - auch als "Dossier" bezeichnet - mit jeweils ca. 2 - 3 DIN-A4-Seiten Nettoinhalt. Die Artikel erschienen im Zeitraum 25.04.2016 bis 01.05.2016:

  1. 25.04.2016 Hannah Beitzer: Zu dick, zu dünn, zu nackt, zu angezogen
  2. 25.04.2016 Sebastian Gierke, Antonie Rietzschel, Katharina Brunner: Geld, Oscars, Rock 'n' Roll - so ungleich sind Männer und Frauen
  3. 25.04.2016 Karin Janker: Männer müssen Feministen werden
  4. 25.04.2016 NN (SZ): "Wir kriegen noch 'ne Flasche Wein, leg deine Handynummer dazu"
  5. 26.04.2016 Christian Endt: Warum Männer früher sterben
  6. 26.04.2016 Benedikt Peters: Wir Männer, die Feministen
  7. 26.04.2016 Pia Ratzesberger: Diese Frauen waren die Ersten
  8. 26.04.2016 Barbara Vorsamer: Feministinnen, die Sie kennen sollten
  9. 27.04.2016 Elisa Britzelmeier: Die 7 wichtigsten Fakten zu sexueller Gewalt
  10. 27.04.2016 Simon Hurtz: Pöbeln für die Männlichkeit
  11. 27.04.2016 Karin Janker, Tanja Mokosch: "Ich will kein Feierabend-Papa sein"
  12. 28.04.2016 Matthias Huber: Dafür gibt es den Girls' Day und Boys' Day 2016
  13. 28.04.2016 Oliver Klasen: Frauen, redet mit uns! Streitet mit uns!
  14. 28.04.2016 Sarah Schmidt: Männerjobs, Frauenjobs - was die Lohnlücke aufreißt
  15. 28.04.2016 Sarah Schmidt: Das Gender-Pay-Gap-Experiment
  16. 28.04.2016 Vera Schroeder: "Frauen sind im Sport weniger ehrgeizig"
  17. 29.04.2016 Luise Checchin: Frauen im deutschen Film - nur Männer im Kopf
  18. 29.04.2016 Pia Ratzesberger: Nur Männer bestimmen, was Wirtschaft ist
  19. 29.04.2016 Violetta Simon: Emanzipation zerstört die Erotik
  20. 29.04.2016 Sara Weber: Weg mit dem Krönchen
  21. 30.04.2016 Charlotte Haunhorst, Barbara Vorsamer: Von A wie Aufschrei bis Z wie Zorn
  22. 30.04.2016 NN (SZ): Damit spielen doch nur Mädchen
  23. 01.05.2016 Barbara Galaktionow: Männer, ihr seid dran!
  24. 01.05.2016 Ulrike Heidenreich: Familienpolitik - Kostet viel, bringt wenig
  25. 01.05.2016 Elisabeth Gamperl: Frau zu sein ist teuer
Die Artikel haben 27 verschiedene AutorInnen, darunter sogar 4 Männer.

Anlaß war der Wunsch der Leser, der SZ-Leser als solcher dürstet nämlich stets nach neuen Erkenntnissen über den heroischen Kampf der Frauen gegen ihre Unterjochung. Genauer gesagt hatte die SZ in ihrer Rubrik "Die Recherche" die Leser Anfang 2016 nach einen Wunschthema befragt, eines von drei vorgegebenen Themen lautete "Wie viel Gleichberechtigung brauchen wir noch?".



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Wie viel Süddeutsche Propaganda brauchen wir noch?


Welche Antworten hat die Recherche wohl auf die Frage "Wie viel Gleichberechtigung brauchen wir noch?" gefunden?

Nun ist Gleichberechtigung bekanntlich ein juristisches Thema, das sich direkt auf Grundgesetz, Artikel 3 bezieht und das als rechtliche Gleichbehandlung beschrieben werden kann. In den Artikeln des Dossiers spielt Gleichberechtigung aber praktisch keine Rolle. So bleibt leider abgesehen von wenigen Randnotizen unerwähnt, daß eine Unzahl an Gesetzen Männer diskriminiert - genau hier bräuchte man mehr Gleichberechtigung - und daß Kritiker "den Feminismus", weil er die Antriebskraft hinter diesen und kommenden ähnlichen Gesetzen ist, als die gefährlichste existierende verfassungsfeindliche Organisation ansehen.

Wirklich schade, daß die Autorinnen die Gelegenheit so gründlich verpaßt haben, etwas zum Thema Gleichberechtigung zu schreiben. Sehr viel deutet darauf hin, daß sie den Begriff Gleichberechtigung gar nicht verstanden und mit Gleichstellung verwechselt haben. Die Frage "Wie viel Gleichberechtigung brauchen wir noch?" wird also eigentlich nicht behandelt und beantwortet. Eine inhaltlich besser passende Überschrift für das Dossier wäre stattdessen:

"Feminismus ist alternativlos, wir brauchen unbedingt mehr davon"
Der tatsächliche Inhalt des Dossiers ist eine Sammlung aller wichtigen ideologischen Standpunkte des hierzulande medial und politisch institutionalisierten Feminismus. Alle wichtigen Debatten, z.B. die Gender Pay Gap-Debatte, werden völlig einseitig vom feministischen Standpunkt aus dargestellt. Es wird ständig mit Propagandatechniken wie manipulativer Präsupposition gearbeitet, die falsche oder hochumstrittene Aussagen implizit als korrekt unterstellen, darunter reihenweise haltlose, pauschale Diffamierungen von nichtfeministischen Männern. Nichts ist wirklich neu, die meisten Texte stellen 5 oder 10 Jahre alte ideologische Standpunkte dar. Die feministischen Vorstellungen werden als optimal und alternativlos dargestellt. Ernsthafte Kritik am Feminismus erscheint undenkbar, wenn überhaupt Kritik kommt, dann nur in Form von Sexismus und nur von ewiggestrigen Soziopathen.

Die SZ-Redaktion liefert immerhin eine beeindruckende Dokumentation ihrer Unfähigkeit oder ihres Unwillens, das heute vorhandene Meinungsspektrum wahrzunehmen und angemessen wiederzugeben. Abweichende Meinungen werden dämonisiert oder unterschlagen, Begriffe wie Gleichberechtigung in ihr Gegenteil verbogen. Man ist sich nicht zu schade, als Propagandaschleuder immer wieder die gleichen Halbwahrheiten und Ganzfalschheiten auf die Leserschaft zu ergießen, um sie zu indoktrinieren.

Die Botschaften

Quer über alle Artikel hinweg werden folgende Botschaften vermittelt:
  • das Opfer-Abo: Frauen sind hier und heute immer und überall unterdrückte Opfer. Mehr dazu weiter unten.
  • Frauen, vor allem Feministinnen, müssen mehr Macht haben, notfalls mit Quoten, dann wird die Welt besser und auch die Männer werden glücklicher.
  • Frauen i.a., vor allem Feministinnen, sind gottgleiche, bewundernswerte Wesen (Vorsamer, Ratzesberger).
  • Es gibt grob gesagt nur 2 Arten von Männern: folgsame oder zumindest werdende Allies und widerwärtige Pöbler oder Patriarchen. Mehr dazu weiter unten.

Das Opfer-Abo

Rund die Hälfte aller Artikel hat die alltägliche Unterdrückung der deutschen Frauen als Hauptthema, das in allen Facetten ausgeleuchtet wird. Wenn man auch nur einige der Artikel des Dossiers liest, ist man erschüttert von dem unfaßbaren, unsäglichen Leid, das deutsche Frauen als solche tagtäglich erleiden müssen. Sexismus, gnadenlose Diskriminierung, Mißachtung, finanzielle Schädigung, Todesdrohungen, wohin auch immer das Auge blickt. Der Überlebenswille der deutschen Frau ist mehr als bewundernswert. Weder historisch noch geographisch wurden jemals Frauen so mißhandelt.

Darstellung von Männern

Aus maskulistischer Sicht ist natürlich besonders interessant, wie Männer dargestellt werden, welche altbekannten Forderungen an "die Männer" wiederholt werden, und wie man gedenkt, alle Männer endlich zu Feministen zu machen. Männer fallen - zumindest für das Autorenkollektiv des Dossiers - in wenige gut unterscheidbare Kategorien:
  • Manche sind gut, die sind vorbehaltlose Unterstützer der Feministinnen und nennen sich auch Feminist (Wir Männer, die Feministen), leben nach den feministischen Vorschriften, putzen also immer brav die Küche, und versuchen, so gut es geht, das Verhalten einer Frau zu approximieren ("Ich will kein Feierabend-Papa sein"),
  • Manche sind relativ gut, nämlich immerhin auf dem Weg zur Besserung, also zum Feminismus. Sie brauchen aber noch ein paar Ermahnungen bzw. männergerechte klare Ansagen, daß es doch bitte etwas hurtiger zugehen sollte (Männer müssen Feministen werden [ich?? Ich muß gar nichts! Womansplaining!], Männer, ihr seid dran! - man beachte die Doppeldeutigkeit und den drohenden Unterton). Ansonsten drohen schreckliche Konsequenzen (Warum Männer früher sterben). Ein Mindestmaß an Vernunft führt nämlich automatisch zu Frauenquoten und Feminismus.
  • Manche "wollen feministische Ökonominnen mit der klassischen Wirtschaftstheorie verarschen, die nur ein Geschlecht kennt, weil allein ein Geschlecht sie geschaffen hat" (Ratzesberger).
  • Es gibt sogar - bedauerlicherweise - explizit nichtfeministische Männer, bei denen logischerweise die Vernunft nicht sehr ausgeprägt sein kann. Die sind entweder Pöbler und völlige Soziopathen, wie z.B. ein gewisser Herr Schwarz (Pöbeln für die Männlichkeit), oder reuige Sünder, wie ein gewisser Herr Hoffmann, der aber früher in rechtsradikalen Blättern publiziert hat. Im Feminismus-Glossar lernen wir dazu passend unter dem Stichwort Maskulisten:
    Maskulisten: Männer, die der Meinung sind, dass inzwischen Frauen das gesellschaftlich privilegierte Geschlecht sind. Fühlen sich von der -> Quote, sprachlicher Korrektheit (-> X, *, _ und Binnen-I) und Debatten um Alltagssexismus bedroht und bedrohen dann ihrerseits wieder Feministinnen (-> Zorn).
    sowie unter dem Stichwort Zorn:
    Zorn: Gefühl, dass die Feminismus-Debatte bei vielen Menschen auslöst. Bei Frauen, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen und die ganze Sache mit der Gleichberechtigung so langsam vorangeht. Äußert sich aber auch bei Männern, der Soziologie Michael Kimmel spricht hier von den "Angry White Man", die finden, Frauen würden gesellschaftlich bevorzugt werden -> Maskulisten. Dieser Zorn äußert sich primär in Hatespeech-Kommentaren -> Online, kann aber auch in körperlicher Gewalt münden.
    Merke: Zorn ist bei Frauen gut und gerechtfertigt, bei Männern böse und kriminell. Es fehlt eigentlich nur der Vorschlag, weil bekanntlich auch schon die Absicht strafbar ist, den Maskulismus in das StGB als Straftatbestand aufzunehmen, entweder als Körperverletzung oder sexuelle Nötigung oder beides.
Der Gesamteindruck, den das Dossier über "die Männer" bzw. "die Maskulisten" zeichnet, ist grob unausgewogen und verfälschend, passend zum Gesamtinhalt des Dossiers.

Immerhin wird nicht verschwiegen, daß die meisten angefragten Prominenten es abgelehnt haben, sich als Feminist zu bezeichnen. Unverständlicherweise haben sie "Ausreden" präsentiert, denn einen wirklichen Grund, sich nicht als Feminist zu bezeichnen, kann es eigentlich nicht geben.

Ein Kuriosum ist der Artikel von Klasen "Frauen, redet mit uns! Streitet mit uns!" In einer Art doppelten 180-Grad-Wende attestiert er Männern, immer noch die alten, reaktionären Rollen zu spielen, wo sie beruflich reinklotzen und die Familie ernähren, andererseits innerlich danach zu brennen, feministisch korrekt aus diesen Rollen auszubrechen, um auf gar keinen Fall mehr Macht und Einfluß als die bessere Hälfte zu haben. An die Frauen appelliert er folgerichtig, Frauen, redet mit uns! Streitet mit uns! Hinzufügen könnte man um der Klarheit willen: Staucht uns zusammen! Seht uns als Feind im Beziehungsmachtkampf an! Man hat aber eher den Eindruck, daß hier der Feminismus mit "den Frauen" streitet, daß sie sich gefälligst nach feministischen Vorstellungen verhalten (und der "völlig bekloppten Heroisierung der Mutterrolle" abschwören) sollten. Es fällt auf, daß einer der wenigen männlichen Autoren diesen unangenehmen Job machen mußte, die Frauen zu kritisieren (klarer Fall von Mansplaining).

Sehr instruktiv ist es, das negative Bild, das von Feminismuskritikern gezeichnet wird, zu vergleichen mit dem Bild, das von führenden lebenden Feministinnen (Feministinnen, die Sie kennen sollten: Antje Schrupp, Anne Wizorek, Margarete Stokowski, Bascha Mika, Stevie Schmiedel). Letzteren fehlt eigentlich nur noch der Heiligenschein, man erstarrt fast vor Ehrfurcht bei den Selbstdarstellungen. Daß auch historische Frauen (Diese Frauen waren die Ersten) aus den ersten Feminismus-Wellen positiv präsentiert werden, ist schon eher konsensfähig.



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Trivia


Fun Facts, oder besser gesagt feminist facts? Egal.

Der erste Absatz des Artikels Männer müssen Feministen werden, also dessen Zusammenfassung, lautet:

Es ist ein Missverständnis, dass sich der Kampf um Gleichberechtigung gegen sie [die Männer] richtet. Der Feminismus kann Männer und Frauen befreien.
Man weiß hier nicht so recht, ob man in Anlehnung an Poe's Law in lautes Lachen ausbrechen oder sich Sorgen um den kompletten Realitätsverlust der Autorin machen soll.

Dieser Text erscheint in ca. 10 anderen Artikeln des Dossiers als Werbeeinschub auf diesen Artikel.

Die Selbsteinschätzung der Autorinnenkollektivs, das sich im Feminismus-Glossar beim Stichwort Zorn zeigt, autoritär definieren zu können, was "sprachliche Korrektheit" bedeutet, würde man bei vertauschten Geschlechterrollen wohl als patriarchale Oppression und Größenwahn bezeichnen.

Etwas überraschend ist ferner, daß das Autorinnenkollektiv seine eigene sprachliche Korrektheit nicht anwendet. X, *, und _ sind mir nirgendwo aufgefallen, das Binnen-I bzw. die gegenderte Schreibweise fehlte oft. Ist aber verständlich, wer macht diesen Krampf schon freiwillig mit ;-)



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Artikel des SZ-Dossiers "Wie viel Gleichberechtigung brauchen wir noch?"


  1. Hannah Beitzer: Zu dick, zu dünn, zu nackt, zu angezogen. Süddeutsche, 25.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/leben/diskussion-um-frauenko ... 2954387
    Diskussion / Kritik in:
  2. Elisa Britzelmeier: Die 7 wichtigsten Fakten zu sexueller Gewalt. Süddeutsche, 27.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/panorama/vergewaltigung-die- ... 2937498
  3. Luise Checchin: Frauen im deutschen Film - nur Männer im Kopf. Süddeutsche, 29.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/kultur/frauen-im-film-frauen ... 2955140
  4. Christian Endt: Warum Männer früher sterben. Süddeutsche, 26.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/demografie-was-di ... 2967582
  5. Barbara Galaktionow: Männer, ihr seid dran!. Süddeutsche, 01.05.2016. http://www.sueddeutsche.de/leben/die-recherche-maenner-ihr-seid-dran-1.2965858
  6. Elisabeth Gamperl: Frau zu sein ist teuer. Süddeutsche, 01.05.2016. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-recherche-fra ... 2948857
  7. Sebastian Gierke, Antonie Rietzschel, Katharina Brunner: Geld, Oscars, Rock 'n' Roll - so ungleich sind Männer und Frauen. Süddeutsche, 25.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/panorama/gleichberechtigung- ... 2960975
  8. Charlotte Haunhorst, Barbara Vorsamer: Von A wie Aufschrei bis Z wie Zorn. Süddeutsche, 30.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/leben/die-recherche-feminism ... 2949867
  9. Ulrike Heidenreich: Familienpolitik - Kostet viel, bringt wenig. Süddeutsche, 01.05.2016. http://www.sueddeutsche.de/politik/die-recherche-famili ... 2956424
  10. Matthias Huber: Dafür gibt es den Girls' Day und Boys' Day 2016. Süddeutsche, 28.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/girls-day-und-boy ... 2970987
  11. Simon Hurtz: Pöbeln für die Männlichkeit. Süddeutsche, 27.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/digital/maskulisten-poebeln- ... 2968282
    Diskussion / Kritik in:
  12. Karin Janker: Männer müssen Feministen werden. Süddeutsche, 25.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/leben/gleichberechtigung-mae ... 2955747
  13. Karin Janker, Tanja Mokosch: "Ich will kein Feierabend-Papa sein". Süddeutsche, 27.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/leben/die-recherche-ich-will ... 2949338
  14. Oliver Klasen: Frauen, redet mit uns! Streitet mit uns!. Süddeutsche, 28. April 2016. http://www.sueddeutsche.de/leben/die-recherche-frauen-r ... 2961413
  15. Benedikt Peters: Wir Männer, die Feministen. Süddeutsche, 26.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/leben/prominente-zur-gleichb ... 2956464
  16. Pia Ratzesberger: Diese Frauen waren die Ersten. Süddeutsche, 26.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/politik/frauen-in-der-geschi ... 2956492
  17. Pia Ratzesberger: Nur Männer bestimmen, was Wirtschaft ist. Süddeutsche, 29.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/feministische-oek ... 2959878
  18. Sarah Schmidt: Männerjobs, Frauenjobs - was die Lohnlücke aufreißt. Süddeutsche, 28.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/karriere/gleichberechtigung- ... 2958500
  19. Sarah Schmidt: Das Gender-Pay-Gap-Experiment. Süddeutsche, 28.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/karriere/gleichberechtigung- ... 2969136
  20. Vera Schroeder: "Frauen sind im Sport weniger ehrgeizig". Süddeutsche, 28.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/leben/frauen-und-maenner-im- ... 2957825
  21. Violetta Simon: Emanzipation zerstört die Erotik. Süddeutsche, 29.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/leben/die-recherche-gleichbe ... 2948808
  22. NN (SZ): "Wir kriegen noch 'ne Flasche Wein, leg deine Handynummer dazu". Süddeutsche, 25.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/leben/sexismus-wir-kriegen-n ... 2961934
  23. NN (SZ): Damit spielen doch nur Mädchen. Süddeutsche, 30.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/panorama/gender-marketing-da ... 2959829
  24. Barbara Vorsamer: Feministinnen, die Sie kennen sollten. Süddeutsche, 26.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/leben/die-recherche-feminist ... 2931536
    Diskussion / Kritik in:
  25. Sara Weber: Weg mit dem Krönchen. Süddeutsche, 29.04.2016. http://www.sueddeutsche.de/digital/gleichberechtigung-w ... 2957785


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Donnerstag, 5. Mai 2016

#article7 und die "tatsächliche Gleichberechtigung"

Heute, am Vatertag, ist eine gute Gelegenheit, auf die rechtliche Benachteiligung von Männern i.a. und auf die von Trennungsvätern im besonderen hinzuweisen. Auf Twitter wird unter dem Hashtag #article7 auf das Problem aufmerksam gemacht, daß die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Universal Declaration of Human Rights) - Überraschung! - auch für Väter gilt, insb. der
Artikel 7
Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.
Im Grundgesetz entspricht dies dem Artikel 3. Auf folgenden Blogs stehen Beiträge: Ausgerechnet die taz weist in einem lesenswerten Text heute auch darauf hin: Volle Teilhabe an elterlicher Sorge

"Tatsächliche Gleichberechtigung"

Die rechtliche Diskriminierung von Trennungsvätern ist keineswegs neu. Trennungsväter werden nicht nur gesetzlich gegenüber Frauen benachteiligt, sondern auch in der Rechtssprechung. Grund genug, um wieder einmal auf die Frage zurückzukommen, was Gleichberechtigung bedeutet und wie der ominöse Satz
"Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern"
in Grundgesetz, Artikel 3 (2) interpretiert werden sollte. GG Art. 3 verbietet es dem Gesetzgeber im Prinzip, Gesetze zu erlassen, die willkürlich Männer und Frauen verschieden behandeln. Ein Gesetz, das in diesem Sinne geschlechtsneutral formuliert ist, kann trotzdem auch Männer und Frauen ganz verschiedene Auswirkungen haben.

Mein Lieblingsbeispiel ist eine BH-Steuer von 50 Euro auf jeden BH. In dem Gesetz ist von Männern und Frauen keine Rede, allerdings werden ca. 99.9% aller BHs von Frauen gekauft. Es würde also ohne spezielle Rechtfertigung einseitig Frauen belasten. Von seinen praktischen Auswirkungen her behandelt es Männer und Frauen nicht gleich und widerspricht daher dem Sinn von GG Art. 3.

Genauso im Widerspruch zu GG Art. 3 stünde eine Extrasteuer auf Krawatten, Rasiermesser oder Tampons.

"Tatsächlich geschlechtsunabhängige Rechtsprechung"

Eine andere Art von Widerspruch zu GG Art. 3 ist die tatsächliche Rechtsprechung bei Sorgerechtsstreitigkeiten: Diese werden fast automatisch und in unfairer Weise zugunsten der Mütter entschieden und erwecken bei vielen Betroffenen den Eindruck, FamilienrichterInnen seien in Deutschland leider ideologisch verblendet. Unterstützt wird diese geschlechtsabhängige Rechtsprechung durch "Beratungsinstitutionen", die interessierte Mütter zum systematischen Rechtsmißbrauch (der keinen Deut besser ist als z.B. Dividendenstripping) anleiten.

Um die Rechtsprechung endlich geschlechtsunabhängig zu machen, wird es wird darauf ankommen, stärker zu kontrollieren, ob Sorgerechtsprozesse fair durchgeführt wurden und Männer und Frauen tatsächlich gleich, also ohne Vorverurteilung aufgrund des Geschlechts, behandelt werden.

Weitere Informationen

Dienstag, 12. April 2016

"End-of-men"-Feminismus reloaded

Inhaltsübersicht

Arme Frau? Armer Mann? Arme ZEIT!

tl;dr Die meisten feministischen Presseartikel zeichnen ein Bild der unterdrückten Frau und beschwören das Opferabo. Im scheinbaren Widerspruch dazu erscheinen ab und zu Presseartikel, die das Bild von sehr "starken Frauen" zeichnen, die "den Männern" in jeder Hinsicht überlegen sind und vor denen die Männer Angst haben (sollen). Der Widerspruch zum Opferabo ist insofern nur scheinbar, als mit solchen Texten ein anderes, und eher karriereorientiertes Segment des weiblichen Publikums bedient wird. Wir analysieren ein Beispiel eines solchen Artikels und die darin vorkommenden Diskursstrategien. Für Männer, die ebenfalls karriereorientiert sind, ergeben sich einige interessante Schlußfolgerungen.
Kürzlich erschien in der ZEIT - sogar in der Druckausgabe, die eine hohe mediale Reichweite hat - ein bemerkenswerter Artikel: "Arme Frau? Armer Mann!" von Cathrin Gilbert. Der Artikel fällt in die Kategorie der "end-of-men"-Texte, die in letzter Zeit selten geworden ist.

Ein paar Worte zur Einordnung: In unseren feministisch geprägten Leitmedien erscheinen jährlich hunderte Artikel, die fast alle das Leid der armen, vom Patriarchat unterdrücken Frauen beklagen und weitere feministische Dogmen unters Volk bringen. In homöopathischen Dosen kommen auch Artikel vor, die deutliche Feminismuskritik oder zumindest Elemente einer solchen Kritik enthalten, z.B. vonRoenne (2015) oder Lobo (2016), und die obdessen umgehend vom etablierten medialen Feminismus niedergemacht werden oder deren Autorinnen persönlich verunglimpft werden.

Ebenfalls nicht zum dominierenden Jammerfeminismus paßte die Welle der "end-of-men"-Artikel, die in 2010 von Hanna Rosin angestoßen wurde. Diese Artikel argumentieren diametral entgegengesetzt zum üblichen Jammerfeminismus - und widerlegen versehentlich dessen zentrale Argumente. Männer werden im "end-of-men"-Feminismus vor allem im beruflichen Kontext und in der Bildung als ehrgeizlose Verlierertypen portraitiert. Im privaten Bereich der persönlicher Beziehungen werden sie eher als Schmerzensmänner lächerlich gemacht. Frauen werden umgekehrt als stärker, erfolgreicher und generell überlegen dargestellt (natürlich ohne die soziale Ungleichheit als zu behebenden Nachteil oder sogar als Diskriminierung zu interpretieren). Rosin spricht konsequenterweise von einem aufkommenden Matriarchat.

Die Welle der "end-of-men"- bzw. Schmerzensmänner-Artikel ist nach meinem Eindruck aber inzwischen abgeflaut, zumindest in der deutschen Medienlandschaft. Ausnahmen in letzter Zeit waren Raether (2014) und Pauer (2014), ansonsten dominiert medial der Jammerfeminismus. Zu diesem Eindruck tragen natürlich mediale Großereignisse wie die EPD-Kampagne wesentlich bei.

Vor dem Hintergrund dieser feministischen medialen Dauerbeschallung lohnt es sich nur in Ausnahmefällen, sich mit einem Artikel einer Frau in einem Organ wie der ZEIT inhaltlich zu beschäftigen. Beim Text von Gilbert hatte ich diesen Eindruck (zumal sie nicht zu den Unterstützern von Pro-Quote gehört), da er das Psychogramm einer beruflich orientierten Powerfrau entwirft, mit der man(n) im realen Leben rechnen und auf die man passend reagieren können muß.

Klar ist natürlich, daß ein Medium wie DIE ZEIT stets die Absicht hat, "meinungsbildend" zu sein, vulgo den Leser manipulieren will, und daß man im Kontext der Geschlechterdebatte klar auf einer Seite steht und prinzipiell immer feministische Propaganda betreiben wird, dazu später mehr.



Die neue emanzipierte "Frau um die 30"

Zurück zum Text von Gilbert.
In der ersten Hälfte mokiert sich Gilbert, die sich zur "Generation der Frauen um die 30" zählt, über den Paternalismus der Feministinnen der "Generation 50 plus", konkret am Beispiel von Sabine Rückert ("Macht euch nicht klein!") oder Mariam Lau. Sie fragt sich, wieviel von deren Realitätswahrnehmung "noch mit unserer Welt von heute zu tun" hat. Wenig bis nichts, zumindest in der Welt, in der Gilbert lebt. Gilbert stellt ferner nüchtern fest, daß die Generation 50 plus im Rahmen der Pro-Quote-Bewegung allenfalls die eigenen Karrieren fördern will. Später fügt sie hinzu, weder beim "senilen Birkenstock-Feminismus" noch beim sogenannten Netzfeminismus mitmachen zu wollen und sich am liebsten "vom Feminismus verabschieden" zu wollen.

Im mittleren Teil des Textes geht sie dazu über, sich selber (bzw. ihre Peer Group, sie schreibt durchweg in "wir"-Form) als selbstbewußten Hochleister zu beschreiben, der zu seinen Fehlern steht, selber daraus gelernt hat und keine gutgemeinten Ratschläge braucht. Interessanterweise ist sie sich durchaus bewußt, daß sie "Beschützt. Begehrt. Gefördert." wird, "viele Vorteile - vor allem gegenüber gleichaltrigen Männern" hat und daß "einer Frau ihre Attraktivität hilft". Ihren Charme setzen jüngere Frauen heute "mit einer Mischung aus Naivität, Verletzbarkeit und Härte" bewußt ein, um sich beruflich durchzusetzen.

Im letzten Drittel geht sie auf die Männer in ihrer Generation ein, die ihr "seltsam hilflos, fast schutzbedürftig erscheinen". Die Männer seien "irritiert, und man merkt, dass sie es nicht gewohnt sind zu kämpfen" und "wirkten ... wie gelähmt von der weiblichen Übermacht". Auch privat seien die Männer kein "Gegenüber auf Augenhöhe" mehr und wüßten nicht, "wie sie jetzt mit uns Frauen umgehen sollen". Abschließend appelliert sie an den "Mut junger Männer ... nicht den gleichen Fehler [zu machen], den wir Frauen viel zu lange gemacht haben: jammern."

Die "neue emanzipierte Frau"

Mit etwas Distanz betrachtet liefert Gilbert ein Selbstportrait ab, von dem sie durch die ständige wir-Form ("wir Frauen") beansprucht, daß es ein normales, typisches Persönlichkeitsmuster ist. Die hier skizzierte Person ist enorm selbstbewußt, hat sich sowohl von der Eltern- bzw. Müttergeneration emanzipiert (Väter kommen nicht vor) als auch von "den Männern" ihrer Generation. Letztere werden als Jammerer und Verlierer wahrgenommen. Diese Kritik an "den Männern" ist nicht so ätzend wie bei Rosin oder so ins Lächerliche ziehend wie bei Pauer, aber klar von einer dominierenden Haltung ausgehend. Ich finde keine einzige positive Aussage über "die Männer" in dem Text. Zum Feminismus geht sie zwar formell auf Distanz, hat aber trotzdem genügend feministische Dogmen im unterbewußten Rucksack ("zu wenige Frauen an die Spitze von DAX-Unternehmen", "79 Tage mehr arbeiten, um auf das Gehalt unserer Kollegen zu kommen"), um für den etablierten Feminismus nicht wirklich gefährlich zu sein.

Dass hier präsentierte weibliche Rollenmodell ist hinsichtlich der Wahrnehmung "der Männer" eine weichgespülte Version der weiblichen Suprematie a la Rosin. Weichgespült bzw. besser anschlußfähig insofern, als der matriarchale Machtanspruch vermieden wird und Spott über die Versager und Jammerer durch dosiertes Mitleid und wohlgemeinte (maternalistische?) Ratschläge ersetzt wird. Argumentativ schwimmt dieses Leitbild indes auf der mittlerweile mehrere Jahrzehnte andauernde Welle vom "irritierten Mann in der Krise", der mit den neuen starken Frauen nicht klarkommt und dem der berufliche Ehrgeiz fehlt. Mit den guten alten Alpha-Mädchen hat diese neue emanzipierte Frau alle Haupteigenschaften gemeinsam. Auch die Alpha-Mädchen, die ab etwa 2007 heiß diskutiert wurden, waren schon flexibler, fleißiger, erfolgreicher als die Jungen und besonders ehrgeizig und selbstbewußt.

Der Text enthält ein halbes Dutzend Forderungen an "die Männer" der Form "Wir jungen Frauen wollen ... haben", keine einzige Absichtsbekundung, selber irgendetwas zu geben, oder Spekulationen darüber, was vielleicht die Männer wollen. Man kann argumentieren, daß die Männer besser selber formulieren, was sie von den Frauen wollen, und daß die offensichtliche feministische Egozentrik von daher in Ordnung ist. Festhalten kann man jedenfalls, daß dieses Leitbild eine sehr egozentrische Haltung propagiert. (An dieser Stelle bricht üblicherweise eine Diskussion aus, ob es sich bei vertauschten Rollen die Männer leisten könnten, irgendwelche Forderungen zu äußern, was die Frauen tun oder lassen sollen - der Shitstorm wäre absehbar. Lassen wir also den Rollentausch, der Hinweis sei aber gestattet, daß die stillschweigende Annahme, "die Männer" seien daran interessiert oder dazu verpflichtet, irgendwelche Forderungen "der Frauen" zu erfüllen, noch zu beweisen wäre.)

Reduktion des Geschlechterverhältnisses auf das Berufsleben

Das Wort "Kind" kommt im Text übrigens nicht vor, Thema ist fast ausschließlich das Berufsleben. Darin liegt eine ziemliche thematische Verkürzung, denn in den Debatten über das Geschlechterverhältnis finden sich wenigstens drei große Themenbereiche:
  1. Bildung, Beruf und Karriere
  2. private, sexuelle Beziehungen und Beziehungsanbahnung, sexuelle Belästigung von Frauen und entsprechende Aufschreie
  3. Kinder bzw. die Rolle als Vater und Mutter
Diese Themenbereiche überschneiden sich zwar in vieler Hinsicht, z.B. hinsichtlich der Psychologie von Frauen und Männern, haben aber dennoch eigene Randbedingungen und deutlich andere Kontexte. In diesen Themenbereichen werden auch ganz verschiedene Klagen über den "Mann in der Krise" formuliert.

Man kann die einseitige Übergewichtung von Beruf und Karriere im Text von Gilbert auf triviale Ursachen wie Platzbeschränkungen und gewollte Konzentration auf ein Thema zurückführen; eine Diskussion aller Aspekte ufert in der Tat aus. Der Eindruck dürfte aber nicht ganz falsch sein, daß der hier beschriebene Frauentyp seinen Lebenserfolg weit überwiegend im Beruf, Einkommen und Macht sieht und insofern einem stark verbreiteten feministischen Selbstkonzept entspricht, das das Geschlechterverhältnis auf einen Machtkampf zweier Klassen, "die Männer" vs. "die Frauen", reduziert.



Powerfrauen in der ZEIT-Redaktion

Gilbert postuliert wie schon erwähnt, der von ihr beschriebene neue Frauentyp sei häufig oder sogar normal. Eine quantitative soziologische Analyse, wie weit dieser Frauentyp und der komplementäre Männertyp in der Bevölkerung verbreitet sind, fehlt leider (im Gegensatz zu Rosin, die mit unzähligen Fakten und Statistiken argumentierte). Mit einiger Sicherheit stimmt die Analyse zumindest in dem Milieu, in dem Gilbert lebt, nämlich der ZEIT-Redaktion und deren sozialem Umfeld, das man als Außenstehender grob als feministisches Biotop einstufen würde.

In gewisser Weise portraitiert sich die ZEIT-Redaktion in dem Artikel selber, es ist schwer vorstellbar, daß der Artikel so prominent publiziert worden wäre, wenn er in dieser Hinsicht ein falsches Bild abliefern würde. Man kann den Artikel daher als sehr spezielle Milieustudie ansehen, allerdings bleibt er dennoch wichtig, denn dieses Milieu hat eine enorme Meinungsmacht, weil es eben die Redaktionen der meisten Presseorgane beherrscht.

Jedenfalls ist der von Gilbert postulierte Frauentyp durchaus auch außerhalb der ZEIT-Redaktion gesichtet worden. Ob er nun 20 oder 50 % der weiblichen Bevölkerung ausmacht, ist insofern irrelevant, daß man als Mann damit rechnen muß, diesem oder einem ähnlichen Frauentyp regelmäßig im Alltag zu begegnen - als einem weiteren Frauentyp neben der klassischen femininen Frau, dem Muttertyp, der Kampfemanze usw. Vor allem auf den etwas höheren Stufen der Karriereleiter sollte man(n) verstärkt mit diesem Frauentyp rechnen.

Frauen als Freßfeinde

Erkennbar ist dieser Frauentyp an seinem ausgeprägten Selbstbewußtsein und der Karriereorientierung. In beruflichen Kontexten positioniert er sich aus männlicher Sicht als klassischer "Freßfeind", der erheblichen Ehrgeiz zeigt, sehr fordernd ist und insofern gefährlicher als die gewohnten männlichen Freßfeinde, als er gezielt klassisch weibliche Methoden zusätzlich einsetzt ("Wir spielen mit einer Mischung aus Naivität, Verletzbarkeit und Härte. Geben wir in einem Moment noch das Püppchen, werden wir im nächsten zum Raubtier.") und sich natürlich mit Frauenfördermaßnahmen bestens auskennt. Er wirkt wie ein Musterschüler von Marion Knaths.

Die Powerfrau a la Marion Knaths

Marion Knaths ist eine der vielen Karrieretrainer für Frauen, vermutlich einer der bekanntesten, denn im Zeitraum von ca. 2009 - 2011 veröffentlichte sie auf ZEIT Online unter den Serientitel "Powerfrau" Dutzende Videos mit Karrieretips für Frauen. Sie ist ferner Inhaber des Beratungsunternehmens sheboss, das Frauen beim Aufstieg berät. Die meisten Videos sind auf ZEIT Online nicht mehr vorhanden, man findet sie aber noch auf Youtube. Ein Beispiel ist Powerfrau: Die Regeln der Frauen- und Männersprache - Marion Knaths über die verschiedenen Kommunikationsregeln der Geschlechter, 21. April 2010. Auch später war Knaths wiederholt in der ZEIT präsent.

Die meisten Tips beruhen auf der Annahme typisch männlicher bzw. weiblicher Charaktermerkmale und Verhaltensmuster (deren "natürliche" Existenz übrigens in anderen feministischen Kontexten heftigst abgestritten wird). Die Tips bestehen darin, die eigenen typisch weiblichen Schwächen systematisch zu erkennen und zu bekämpfen und umgekehrt die Schwächen bei Männern systematisch auszunutzen und sich in männerdominierten Kontexten sozusagen mit Guerilla-Taktiken durchzusetzen. Die gleichen Tips finden sich in vielen weiteren Karriereratgebern für Frauen, wir verwenden Knaths hier kurzerhand als Stellvertreter für eine ganze Karriereratgeberindustrie.

Daß der Frauentyp, den Gilbert beschreibt, ein häufiger Fall oder sogar der Normalfall sein soll, ist durchaus plausibel, wenn man sich die Jahrzehnten auf vollen Touren laufende Karriereratgeberindustrie ansieht und unterstellt, daß dieser Frauentyp in beachtlichen Stückzahlen produziert wurde. Den Umfang dieser Industrie erkennt man leicht, wenn man nach Frauen und Karriereberatung googelt: man findet Dutzende Anbieter entsprechender Dienste und zahllose Zeitungsartikel.

Karriereberatung für Männer in einer feministischen Umwelt

Die analoge Suche nach Karriereberatung speziell für Männer, idealerweise unter Berücksichtigung einer feministischen Umwelt, liefert übrigens merklich dürftigere Ergebnisse. Ersatzweise kann man aber auch Männern die Knathsschen Videos nur wärmstens empfehlen: Man lernt etwas über sich selber und darüber, wie ein inzwischen verbreiteter Typus Karrierefrau instruiert worden ist, Männer zu beobachten, einzuschätzen und bei Bedarf auszutricksen und zu bekämpfen. Man muß eigentlich nur an passender Stelle sozusagen das Vorzeichen umkehren und bekommt dann als Mann viele interessante Tips, welche Fehler man sich nicht leisten sollte, was man mit typisch männlichen Verhaltensweisen für das eigene Fortkommen erreichen kann und welche Indizien darauf hindeuten, daß die weibliche Konkurrenz diskurstechnisch aufgerüstet hat und man seinerseits den Rüstungswettlauf eine Stufe steigern muß.


Powerfrauen als Scheinriesen

Das Leitbild Powerfrau als Cargo-Kult

Der Text von Gilbert liest sich hinsichtlich der Ursachen für beruflichen Erfolg übrigens so, als wäre notorisches lautes Rufen nach mehr Gehalt bzw. Beförderungen, Networking usw., generell eine Imitation angeblich typisch männlichen Verhaltens, erfolgsentscheidend. Das ist alles nicht völlig falsch und Standardlehrstoff in Karriereberatungen, unterschätzt aber die Wichtigkeit persönlicher Qualifikation, tatsächlicher Leistung, Eigenantrieb, Selbständigkeit und in vielen Situationen Risikofreudigkeit.

Die feministischen Karriere-Rezepte wie intensives, oft sogar institutionalisiertes Networking (bei Männern übrigens als "Männerbünde" schärfstens verurteilt) beruhen zu wesentlichen Teilen auf einer verfehlten Analyse der Ursachen männlicher Dominanz im Berufsleben, z.B. der simplifizierenden Annahme von patriarchalen Männerbünden. Diese Erfolgsrezepte einfach stupide zu wiederholen erinnert an einen Cargo-Kult, insofern sollte man die Gefährlichkeit der Powerfrauen nicht überschätzen, aber natürlich auch nicht unterschätzen.

Erst recht sollte man es als Mann vermeiden, selber in einen Cargo-Kult zu verfallen und die feministischen Karriere-Rezepte blind zu imitieren. Teilweise geht es auch gar nicht, z.B. das institutionalisierte Networking für Frauen, das diesen gezielt Informations- und Planungsvorteile gegenüber der männlichen Konkurrenz verschaffen soll, ist analog für Männer undenkbar. Man(n) muß schon kreativ sein und selber nachdenken, wie man diesen Konkurrenzvorteil kompensiert - eine gute Gelegenheit übrigens, mit anderen Männern ins Gespräch zu kommen, da man ein gemeinsames Interesse hat.

Die Powerfrau als normatives Stereotyp und Element einer psychologischen Kriegführung

Die feministischen Gesellschaftsanalysen gehen durchwegs davon aus, daß wir alle von Stereotypen geleitet werden, daß Stereotype normativ wirken und daß sie wichtigere Wirkmechanismen sind als z.B. Talente und biologische Dispositionen. Wenn man also an die normative Wirkung von Geschlechtsstereotypen glaubt, kann man in der Realität Personen verändern, indem man Stereotype über sie verbreitet.

So gesehen ist es klar, warum die ZEIT in dem Gilbert-Text das Stereotyp von der starken Powerfrau prominent plaziert verbreitet, obwohl er keine erkennbaren neuen Argumente im Vergleich zu den Rosin-Publikationen enthält: er macht Sinn als Selbsthypnose von Frauen, speziell solchen, die sich überall von böswilligen, misogynen Männern umzingelt sehen und notorisch risikoavers sind, und zur Einschüchterung von Männern, insoweit sie nicht sowieso schon ausreichend verunsichert sind, dient also zur psychologischen Kriegführung im Geschlechterkrieg.

Fazit: der Text ist, wie bei der ZEIT kaum anders zu erwarten, in erster Linie Propaganda. Die gute Nachricht zum Schluß: Man(n) ist zum Glück nicht gezwungen, darauf hereinzufallen.

Quellenangaben