Inhalt

Einstiegslektüre:

* Maskulismus in zwei Minuten
* Kernthemen und -Forderungen
* Maskulismus für Anfängerinnen

"Maskulismus die radikale Ansicht,
daß Männer keine Schweine sind,
sondern Menschen."

Hauptthemen:

* Maskulismus
* Feminismus und feministische Politik
* Gender-Studies und feministische Theorie
* Feministische Rhetorik und Kampfbegriffe
* Medien und feministische Propaganda

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Sonntag, 15. Juli 2018

#WalkAway, Brandon Straka und der russische Geheimdienst







In den USA braut sich gerade eine interessante Geschichte zusammen, die mit einem schwulen Friseur anfängt und inzwischen die internationale Politik erreicht hat. Aktuell in der Hauptrolle: der russische Geheimdienst.

Das Coming-Out von Brandon Straka

Alles fängt an am 26.05.2018. Da postete Brandon Straka, ein schwuler Friseur und angehender Schauspieler in New York, der auf Facebook und Youtube unter dem Benutzernamen "The Unsilent Minority" unterwegs ist, das Video #WalkAway Campaign - WHY I LEFT LIBERALISM & THE DEMOCRATIC PARTY. Das Video ist eine flammende Anklage gegen die Demokraten und eine Begründung, warum er aus der Partei austritt und von ihr weggeht. Einige Textauszüge:
The Democratic Party has adopted a deleterious belief system, happily and without skepticism, separating people into groups based of off identity and organizing them into camps of victims and oppressors
(Die Demokratische Partei hat ein schädliches Glaubenssystem angenommen, vergnügt und ohne jede Skepsis, in dem sie Menschen auf der Grundlage ihrer Identität in Gruppen trennt und sie in Lager von Opfern und Unterdrückern organisiert hat)
...
... social justice warriors who intentionally misrepresent and misconstrue facts, evidence, and events to confirm their own biases that everybody who does not comply with their prejudicial conclusions and follow their orders is a racist, a bigot, a nazi, a white supremacist, homophobic, islamophobic, xenophobic, misogynistic - an "alt-right extremist".

(... Soziale-Gerechtigkeits-Krieger, die Fakten, Beweise und Ereignisse absichtlich falsch darstellen und missverstehen, um ihre eigenen Vorurteile zu bestätigen, damit jeder, der sich nicht an ihre voreingenommenen Erkenntnisse hält und ihren Befehlen folgt, ein Rassist, ein Fanatiker, ein Nazi, ein weißer Rassist, homophob, islamophob, fremdenfeindlich, frauenfeindlich - ein "alt-right-Extremist" ist.)
...
The left has decided that the solution to problems with race relations in America... is MORE racism.

(Die Linke hat entschieden, dass die Lösung für Probleme in den Rassenbeziehungen in Amerika.... MEHR Rassismus ist.)
Straka veröffentlichte später am 17.06.2018 ein vollständiges Transkript des Videos. Anzumerken zum Inhalt wäre noch, daß der Name Clinton nicht erwähnt wird und daß überhaupt nicht auf Sachthemen (Immigration, Arbeitslsigkeit etc.) eingegangen wird, sondern fast nur auf den Politikstil der Demokraten, der auf das Erzeugen von Haß und identitären Gruppen abzielt und Schwule wie ihn vor ihren Karren gespannt hat.

Im Kern wirft Straka den Demokraten vor, systematisch Angst vor Andersdenkenden zu erzeugen und so die Wähler hinterhältig zu manipulieren. Angsterzeugung ist ein klassisches Instrument der Identitätspolitik. Deren Konsequenzen - Haß und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit - und die damit eng verbundene feministische Privilegientheorie wurden und werden seit Jahren auf den einschlägigen Masku-Blogs immer wieder diskutiert und sind bestens bekannt. Selbst in der breiteren Presselandschaft sind diese Themen im Gefolge des Brexit und des Wahldebakels von Hillary Clinton breit diskutiert worden.

Inhaltlich also eigentlich absolut nichts Neues. An dieser Stelle kommt das Video ins Spiel, das man sich unbedingt ansehen muß. Es ist sehr gut gemacht, das ganze ist sozusagen ein Gesamtkunstwerk. Der Sprecher setzt sich sehr wirkungsvoll in Szene, es werden viele dokumentierende Bilder kurz eingeblendet, das ganze Video ist mit Musik untermalt usw. Es soll wohl auch die Probearbeit bzw. Visitenkarte des angehenden Schauspielers sein.

Was dann geschah

Das Video wurde in den ersten Wochen vermutlich ca. 50-100.000 Mal pro Woche auf Facebook und Youtube abgerufen. Das ist sehr ordentlich für einen Newcomer, aber manche Katzenvideos schaffen ein Mehrfaches.

Beachtlich ist allerdings die Zahl der Antwort-Videos. Auf Youtube liefert die Suche nach "#walkaway campaign" z.Z. über 4000 Treffer. Viele dieser Videos sind auf einer #WalkAway Fansite zusammengefaßt. Man kann davon ausgehen, daß hunderte von Antworten auf das Coming-Out-Video folgten. Die meisten dieser Videos sind persönliche Erklärungen, den Demokraten den Rücken zu kehren. Die meisten wurden nur einige Dutzend bis Hunderte Male abgerufen, einige aber mehrere 10.000 Mal. Bei einer kurzen Recherche ist mir als Spitzenreiter mit über 150.000 Abrufen das Video einer vorher kaum bekannten Vanessa Berben aufgefallen. Die Summe der Abrufzahlen dürften im einstelligen Millionenbereich liegen.

Freudensprünge auf der rechten Seite

Eine kleinere Gruppe von Videos stammt von Nachrichtenkanälen, z.B. dieses von Fox vom 04.07.2018. Daß Medien, die die Republikaner unterstützen (Breitbart, Epoch Times etc.), gerne ausführlich über jeden berichten, der zum Verlassen der Demokratischen Partei auffordert, kann nicht überraschen. Während rechte Medien signifikant Werbung für die Kampagne machen, wird sie von linken Medien natürlich totgeschwiegen. Daher kann man davon ausgehen, daß es weit überwiegend Wähler der Republikaner waren, die sich die Videos angesehen haben, und daß die Reichweite beim eigentlichen Zielpublikum, bisherigen Wählern der Demokratischen Partei, nur gering ist.

Insofern sind Meldungen über den bevorstehenden Untergang der Demokraten der üblichen psychologischen Kriegsführung zuzuordnen. Beispielsweise twittern die Students For Trump: "Millions of Americans are walking away from the Democrat Party!". Reines Wunschdenken. Realistischer dürfte die Größenordnung ca. einigen 100 sein, weswegen in der Parteizentrale der Demokraten wohl niemand in Panik gerät. Die Partei hat 44 Mio. Mitglieder, davon dürfte alleine ca. 1.5% alters- bzw. todesbedingt p.a. ausscheiden, macht knapp 2000 Fälle pro Tag, die durch neue, jüngere Mitglieder kompensiert werden. Die paar Weggeher gehen in der Fluktuation unter.

Einmarsch: die Russen

Anfang Juli erschienen Meldungen (Washington Post, 02.07.2018, Huffington Post, 08.07.2018, Salon, 09.07.2018), wonach das Hashtag #WalkAway vor allem von russischen Bots verbreitet wird und die ganze Bewegung ein reiner Fake ist, der nur den Demokraten schaden soll. Eine bessere Werbung konnte sich die #WalkAway-Bewegung nicht wünschen, denn durch die Verbindung zu internationalen Machenschaften der Russen bekommt sie internationale Aufmerksamkeit.

Daß die Russen die #WalkAway-Bewegung unterstützen, ist plausibel und stimmt wahrscheinlich, es ist aber egal. Da die #WalkAway-Bewegung sowieso überwiegend von Republikanern getragen wird, spielen die russischen Bots eigentlich keine Rolle.

Die These, daß Brandon Straka ein Fake ist, ist völlig unplausibel. Er ist inzwischen in mehreren Shows interviewt worden, seine leibhaftige Existenz also erwiesen, und seine Bewertung des Politikstils der Demokraten ist korrekt und nichts Neues. Zu behaupten, er sei "fake" oder von bösen Mächten angeheuert, ist eine Verschwörungstheorie, die allenfalls zu einem Eigentor der Verfasser wird.

Erweckungserlebnisse

Wenn man sich die Beiträge von rechts und ggf. von den Russen einmal wegdenkt, was bleibt übrig? Vor allem viele persönliche Bekenner-Videos.

Sehr viele der Bekenner-Videos sind Schilderungen beinahe klassischer Erweckungserlebnisse. Typisch ist, daß zunächst Widersprüche zwischen offizieller Selbstbeweihräucherung der Partei und tatsächlichem Handeln zum Nachdenken führen. Bei Straka war es der beobachtete Haß und die Ausgrenzung Andersdenkender, bei der oben erwähnten Vanessa Berben die von vielen Demokraten verlangte Einschränkung der Meinungsfreiheit Andersdenkender. Viele Bekenner beschreiben, daß sie daraufhin angefangen haben, selber nachzuforschen, wie teuflisch denn die denunzierten Meinungsgegner sind, und dann auf immer mehr Unstimmigkeiten gestoßen sind. Ein Schockerlebnis war dann typischerweise die Reaktion von (Gesinnungs-) "Freunden", denen man seine Beobachtungen und Zweifel mitteilte und von denen man dann sofort als Nazi und alt-right verunglimpft und entsorgt wurde.

Gefährlich für die Demokraten sind diese Bekenner-Videos, weil sie den Politikstil der Demokraten massenwirksam entzaubern und die Denunziationskampagnen, Sprech- und Denkverbote etc. als das sichbar machen, was sie sind: krasse Verstöße gegen amerikanische Grundwerte. Diese Verstöße sind oft genug in ellenlangen Schriftsätzen auf hunderten philosophischer Blogs erläutert worden. Das erreicht nur eine kleine Klientel.

Die Bekenner-Videos sind durchweg einfach und beispielhaft gehalten, zum Teil sehr emotional (z.B. wird der Verlust der alten politischen Heimat betrauert). Trotzdem vermitteln sie das allgemeine Prinzip, wie Identitätspolitik funktioniert und zu welchen Kollateralschäden das führt. Zu allem Überdruß kommen viele Videos von Schwulen oder Farbigen, also von der Stammklientel der Demokraten.

Gefährlich für die Demokraten sind daher nicht die paar hundert ausgetretenen Mitglieder. Gefährlich sind die bei weitaus mehr Leuten entstehenden Zweifel an der moralischen Überlegenheit der Demokraten, die ggf. bei der nächsten Wahl dazu führen können, gar nicht zu wählen.

Quellen

  1. Mary Papenfuss: Russian Bots Linked To Viral Twitter Attacks On 'Hateful' Dems. Huffington Post, 08.07.2018. https://www.huffingtonpost.com/entry/russian-bots-linke ... cf2d083
  2. Bob Cesca: Russian bots are back: #WalkAway attack on Democrats is a likely Kremlin operation. Salon, 09.07.2018. https://www.salon.com/2018/07/09/russian-bots-are-back- ... ration/
  3. Abby Ohlheiser: The #WalkAway meme is what happens when everything is viral and nothing matters. Washington Post, 02.07.2018. https://www.washingtonpost.com/news/the-intersect/wp/20 ... matters
  4. Brandon Straka (a.k.a. The Unsilent Minority): #WalkAway Campaign- Why I Left Liberalism & The Democratic Party. 26.05.2018. https://www.facebook.com/usminority/videos/486555651765405, https://www.youtube.com/watch?v=4Pjs7uoOkag
  5. Brandon Straka (a.k.a. The Unsilent Minority): [Transcript of #WalkAway Campaign-Video]. 17.06.2018. https://m.facebook.com/usminority/photos/a.449421025478 ... __=EH-R

Nachtrag, 17.07.2018

Unter den vielen Antwortvideos auf das Coming-Out-Video befindet sich ein sehr spezielles. Es stammt von Scott Adams, bekannt durch seine Dilbert Comics und als Autor erfolgreicher Bücher über Verkaufstechniken (also letztlich Propagandatechniken). Persuasion (Überredung) ist sein Lieblingsthema. Er hat als eine der ganz wenigen den Sieg von Trump korrekt vorausgesagt, und zwar aufgrund von Trumps überlegenen Überredungstechniken. Politisch scheint er auf der Seite von Trump zu stehen, insofern fällt er zunächst unter die ohnehin dominierende Republikaner-Fraktion, die die #WalkAway-Kampagne anfeuert.

Als Experte auf dem Gebiet Propagandatechniken hebt er vor allem Strakas Erkenntnis hervor, daß die Demokraten intensiv mit Angsterzeugung arbeiten (und daß Straka genau dies angreift). Er stellt in seinem Video die These auf, daß die Demokraten bei ihren Anhängern regelrechte psychische Schäden verursachen ("... this is a real medical problem ... have caused the entire left to be in physical and mental distress for two years ..."). Er reformuliert den Vorwurf der Angsterzeugung wesentlich schärfer als Straka selber.

Ich habe das zunächst als Übertreibung eines Trump-Anhängers verbucht. Allerdings veröffentlichte soeben die bekannte Radikalfeministin Rebecca Solnit einen ihrer üblichen männerhassenden Artikel (Solnit (15.07.2018)). Dort schreibt sie:

Tatsächlich berichten Psychiater, dass viele mittlerweile an Albträumen, Schlaflosigkeit, Angstzuständen leiden und dies mit der Politik in Verbindung bringen - was ein neues Phänomen ist.
Adams hat offenbar nicht übertrieben. Solnits Text, eine einzige Haßtirade gegen weiße Männer, ist paradoxerweise gut geeignet, bei ihren Anhängerinnen weitere Angstzustände zu erzeugen. Brandon Straka dürfte sich bestätigt fühlen.
  1. Rebecca Solnit / Alexandra Kedves: «Letztes Aufzucken der weissen USA». Tagesanzeiger, 15.07.2018. https://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/letztes ... 8127615

Mittwoch, 4. Juli 2018

Die Opfer von #metoo - Episode 7, mit Asia Argento und Rose McGowan






Haifische

Hollywood ist ein Haifischbecken, wie jeder weiß. Es geht um Ruhm und Millionen Dollar, jeder kämpft gegen jeden um den Erfolg, mit allen Mitteln. Die Weinstein-Affäre hat gezeigt, mit wie harten Bandagen gekämpft wird, und daß heute die wirksamste Waffe die Denunziation in den sozialen Netzwerken ist.

Denunziation funktioniert nur dann, wenn der Denunzierende eine weiße Weste hat, idealerweise auch einen hohen Opferstatus. Da trifft sich gut, daß es sich bei den Anklägerinnen von Weinstein und anderen Männern meist um Schauspielerinnen handelt, also Experten darin, eine Rolle zu spielen und das Publikum zu Tränen zu rühren. Die Weste der metoo-Klägerinnen ist dermaßen weiß, daß die Frage nach deren Rolle als aktiv Bestechende weitgehend unter den Teppich gekehrt werden konnte. Oder die Frage, ob diese mit Ruhm und Millionen gesegneten Damen nicht Kollaborateure eines Systems waren, in dem sie heute genauso skrupellos agieren wie seinerzeit Weinstein.