Montag, 9. Februar 2015

#QuestionsForMen und #FalseFeministAssertions





Inhaltsübersicht

#QuestionsForMen und #FalseFeministAssertions




#QuestionsForMen und #FalseFeministAssertions


Zur Zeit ist der Hashtag #QuestionsForMen auf Twitter en vogue und wird als die australische Version des Aufschreis gehandelt.

Von dort scheint es auch auf andere Medien überzuschwappen. Daher werfen wir hier ausnahmsweise nicht die Frage auf, ob man sich überhaupt an den üblichen verbalen Prügeleien auf Gezwitscher beteiligen sollte, anscheinend kommt man nicht an diesem Phänomen vorbei.

Die Fragen richten sich laut Hashtag an "die Männer", praktisch aber oft an einen konkreten Mann, und sind immer von Frauen zu stellen. Man kann diese Fragen wörtlich nehmen und versuchen, sie direkt zu beantworten - dann ist man in den meisten Fällen schon hereingefallen, weil man ungewollt feministische Propaganda bestätigt.

Diese Fragen sind nämlich keine normalen Fragen zwecks Informationsgewinn ("Bist Du schon einmal nachts durch eine dunkle Stadt gelaufen?"). Es sind auch keine rhetorischen Fragen ("Ist das Dein Ernst?"), die nur mit ja oder nein beantwortet werden können und bei denen es um Zustimmung oder Ablehnung zu einer Selbstverständlichkeit bzw. einer vorherigen Behauptung geht.

Stattdessen sind diese Fragen fast immer implizite Behauptungen, die inhaltlich falsch sind und als feministische Propaganda einzustufen sind. Genauer gesagt trifft das nur auf die "interessanteren" Fragen zu; manche Fragen sind schlicht dumm oder die Fragestellerin ist mit der Bildung impliziter Behauptungen überfordert.

Die Fragen betreffen jeweils einen Sachverhalt, in dem sich Männer und Frauen unterscheiden - nach Auffassung der Fragestellerin zuungunsten von Frauen. Die Frage fragt typischerweise, ob ein negativer Zustand oder Vorfall bei Männern (oder bei dem konkreten angesprochenen Mann) vorkommt. Die erwartete Antwort ist, daß dies bei "den Männern" nicht oder nur selten vorkommt. Dies dient aber nur dazu, implizit eine oder mehrere entgegengesetzte Behauptungen über Frauen zu machen bzw. im Unterbewußtsein des Gefragten zu aktivieren und so ein diffuses Schuldgefühl zu erzeugen. Ein Beispiel:

#questionsformen In a job interview have you ever been asked how you will juggle work and home?

- Jane Caro (@JaneCaro) February 3, 2015

(Bist Du schon irgendwann einmal bei einem Vorstellungsgespräch gefragt worden, wie du Job und Haushalt zugleich unter einen Hut bringen kannst?)

Erwartete Antwort auf die wörtlich genommene Frage: "Nein", denn so viele Vorstellungsgespräche hat man i.a. nicht und die Frage nach dem Haushalt wäre indiskret und seltsam (zumindest in Deutschland und sofern man das Thema als Bewerber nicht selber angesprochen hat). Selbst wenn einem Mann die Frage schon ein oder wenige Male gestellt worden ist, interessiert diese Auskunft als solche die Fragestellerin überhaupt nicht - was sollte sie mit der Information anfangen?

Implizite Behauptung(en): Im Kontext derartiger Fragen wird stets unterstellt, daß für Frauen i.w. das Gegenteil wie für Männer zutrifft. In unserem Beispiel kann das sein:
(a) Nur Frauen werden durch Job und Haushalt doppelt belastet.
(b) Frauen werden immer wieder / häufig / jedesmal indiskret danach gefragt, wie sie neben dem Job den Haushalt schmeißen, und damit in diese Rolle gedrängt.
(c) Frauen haben deswegen schlechtere Chancen, einen Job zu bekommen.

Die impliziten Behauptungen für Frauen sind aus mehreren Gründen unscharf: Die Bildung des Gegenteils der Aussage über "die Männer" hat i.d.R. Interpretationsspielraum. Ferner ist die Behauptung über die Männer ggf. aufgrund der Antwort nicht sehr präzise. Die Unschärfe der impliziten Behauptungen über Frauen ist aber ein Vorteil, sie ist ein bekannter rhetorischer Trick (Hypnosetechnik Ambiguität). D.h. es wird ein ganzer Schwarm nur angedeuteter Vorwürfe geäußert, die ein diffuses Schuldgefühl erzeugen sollen und auf die man sich nicht direkt beziehen kann, um sie erwidern. Die impliziten Behauptungen sind in der Regel in ihrer Pauschalität falsch oder unbewiesen.

Mögliche Reaktionen: In der Regel ist es falsch, die Frage wörtlich zu nehmen und als Auskunftsfrage zu beantworten. Mit der erwarteten Antwort werden nur die impliziten Behauptungen bestätigt.

Wenn die korrekte Antwort das Gegenteil der erwarteten Antwort ist - z.B. "ja, das wurde ich in jedem zweiten Vorstellungsgespräch gefragt" - dürfte diese unerwünschte Antwort angezweifelt oder als atypisch dargestellt werden und allenfalls zum baldigen Abbruch des Gesprächs führen. Dies läßt aber die impliziten Behauptungen unwidersprochen im Raume stehen.

Bessere Reaktionen:

  • Ggf. mit einer Gegenfrage die impliziten Behauptungen explizit machen:

    "Warum interessiert Dich das so sehr?"

    "Willst Du damit andeuten, als Frau würde man das in jedem Bewerbungsgespräch gefragt? Gibt es zu dieser These irgendwelche Belege?"

  • Ggf. den postulierten Unterschied zwischen Männern und Frauen zu hinterfragen:

    "Verrate ich Dir nur, wenn Du mir sagst, wie oft das Dir schon passiert ist."

    "Wäre interessant zu wissen, ob so eine blöde Frage heutzutage bei Männern häufiger als bei Frauen vorkommt, denn bei Vorstellungsgesprächen ist meistens eine Frauenbeauftragte dabei, die fuchsteufelswild wird, wenn man einer Frau so eine Frage stellt. Bei einem Mann hört sie diese Frage dagegen gerne, wegen des Aufbrechens von Rollenmustern."






Thema: #QuestionsForMen und #FalseFeministAssertions



Nachtrag 24.06.2015: 21 Beispiele in 8 Kategorien


Aus gegebenem Anlaß eine Liste von #FalseFeministAssertions, die mir in den letzten Tagen begegnet sind. Alle getarnt als #QuestionsForMen, praktisch alle mit impliziten Falschbehauptungen, die belegen sollen, wie schrecklich es den Frauen überall geht. Die Falschbehauptung ist jeweils offensichtlich, am besten gibt man die üblichen Standardantworten wie
"Warum interessiert Dich das so sehr?"
"Willst Du damit andeuten, daß ..?"
"Haben Sie für die versteckte Behauptung irgendwelche Belege?"

In einigen Fällen bieten sich zusätzliche, auf die Falschbehauptung bezogene Antworten und Gegenfragen an.

Thematische Übersicht:
1 FFA-J: Arbeit / Job
   - Ablehnung
   - Männerberuf
2 FFA-P: Politik / Macht
   - Machtpositionen
3 FFA-A: Aussehen
   - Sich herausputzen
   - Kritik weil zu sexy
   - Belästigung weil zu sexy
   - Rasur
4 FFA-I: Intelligenz
   - Hübsch vs. intelligent
5 FFA-S: Sexualität / Anmache / Belästigung / Vergewaltigung
   - Flirten
   - Alleine im Club
   - Schlampe
   - Nacktfotos
   - Nachpfeifen
6 FFA-B: Benehmen / Gesellschaftliche Erwartung
   - Höflichkeit
   - Nackter Oberkörper
   - Dominanter Charakter
7 FFA-R: Repräsentation / Sichtbarkeit
   - In Filmen / Büchern
   - In der Kirche
8 FFA-V: Verschiedenes
   - Eier vs. Pussy
   - Fräulein
   - Männlicher Geschmack


FFA-J: Arbeit / Job

Ablehnung

Pseudo-Frage FFA-J1: Bist du schon einmal in einem Job abgelehnt worden, weil du ein Mann warst?

Spezielle Antwort: s.o.

Männerberuf

Pseudo-Frage FFA-J2: Reagieren die Leute überrascht, wenn sie hören, dass du gut in Technik oder Mathematik oder Maschinenbau oder Astrophysik bist?

Spezielle Antwort: Nicht alle, aber viele, verbunden mit der Frage, wie es sich so lebt als Nerd. Ansonsten: Was ist jetzt daran so schlimm?

FFA-P: Politik / Macht

Machtpositionen

Pseudo-Frage FFA-P1: Ist dir bekannt, dass es auf der Welt viel weniger Frauen in Machtpositionen gibt als Männer?

FFA: Andeutung, die sei ungerecht.

Spezielle Antwort: Ja!!

FFA-A: Aussehen

Sich herausputzen

Pseudo-Frage FFA-A1: Wurde von dir als junger Erwachsener wie selbstverständlich erwartet, dass du dich für das andere Geschlecht herausputzt, "weil du niemals jemanden finden wirst, wenn du dir so wenig Mühe gibst"?

Spezielle Antwort: Jau, fast täglich, ich leider heute noch darunter!

Kritik weil zu sexy

Pseudo-Frage FFA-A2: Bist du schon einmal vom Unterricht nach Hause geschickt worden, weil deine Kleidung die Mitschüler des anderen Geschlechts angeblich zu sehr ablenkt?

Spezielle Antwort: Leider nein.

Belästigung weil zu sexy

Pseudo-Frage FFA-A3: Wirst du auf der Straße von Frauen belästigt, wenn du im Sommer Shorts trägst?

Spezielle Antwort: Ui, klingt ja spannend, sollte ich mal ausprobieren. Klappt das mit rasierten Beinen besser?
Ansonsten; Shorts im Sinne von Hot Pants gibt es für Männer nicht, und selbst wenn die Teile bis zum Knie gehen würden, würde ich auf der Straßße mit mißbilligenden Blicken belästigt, im Verwandtenkreis dann gerne auch wörtlich mit der Bemerkung, Shorts sähen bei Männern mit diesen pelzigen Beinen ja fürchterlich aus (was übrigens fast immer stimmt ;-) ).

Rasur

Pseudo-Frage FFA-A4: Erwartet die Gesellschaft von dir, dass du immer mit komplett haarlosen Beinen und Achselhöhlen unterwegs ist, und wird hinter deinem Rücken über dich getuschelt, wenn dem nicht so ist?

Spezielle Antwort: Männer dürfen gar keine Achselhöhlen vorzeigen, egal ob mit oder ohne Haaren.

FFA-I: Intelligenz

Hübsch vs. intelligent

Pseudo-Frage FFA-I1: Wird von dir erwartet, dass du entweder hübsch oder intelligent sein musst und du sonst nichts wert bist, du aber - um Gottes Willen - doch nicht beides sein kannst?

Spezielle Antwort: Männer können nicht "hübsch" sein in dem Sinne, alleine damit gesellschaflichen Erfolg oder Erfolg bei den Frauen zu haben. Insofern haben Männer die hier unterstellte Auswahl gar nicht.

FFA-S: Sexualität / Anmache / Belästigung / Vergewaltigung

Flirten

Pseudo-Frage FFA-S1: Hattest du schon einmal Angst vor einer Frau an einer Bar, die mit dir geflirtet hat und sich partout nicht abwimmeln lassen wollte?

Alleine im Club

Pseudo-Frage FFA-S2: Hast du als Teenager darauf geachtet, abends beim Clubbesuch immer mindestens zwei deiner Freunde bei dir zu haben, weil du sonst riskierst hättest, vergewaltigt zu werden?

Spezielle Antwort: Bist Du oder eine Deiner Freunde jemals selber vergewaltigt worden?

Schlampe

Pseudo-Frage FFA-S3: Hast du schon einmal von jemandem gehört, der einen Jungen, der gerne Sex hat, als "Schlampe" bezeichnet hätte, oder der ihm erzählt hätte, dass er nie eine "gute" Frau finden wird, weil er keine Jungfrau mehr ist?

Spezielle Antwort: Bei Jungen sagt man nicht Schlampe, sondern Lustmolch oder Hurenbock.

Nacktfotos

Pseudo-Frage FFA-S4: Hast du schon einmal gehört, dass ein Junge in der Schule als Flittchen verschrien war und niemand etwas mit ihm zu tun haben wollte, weil ein Mädchen Nacktfotos von ihm verbreitet hat?

Nachpfeifen

Pseudo-Frage FFA-S5: Pfeift man dir nach wie einem Hund, wenn du draußen unterwegs bist?

Spezielle Antwort: Die meisten Männer interessieren sich nicht für Hunde und pfeifen Hunden nicht nach. Ansonsten: Nein, Frauen drücken fremden Männern gegenüber generell nie aus, daß sie sie sexuell attraktiv finden, weder in höflicher noch in unhöflicher Weise.

FFA-B: Benehmen / Gesellschaftliche Erwartung

Höflichkeit

Pseudo-Frage FFA-B1: Wird von dir erwartet, dass du höflich, zurückhaltend und "rein" bist, nur aufgrund deines Geschlechts?

Spezielle Antworten: Ich fürchte, Höflichkeit wird unabhängig vom Geschlecht von allen Leuten erwartet. Sofern man speziell als Mann nicht zurückhaltend genug ist, wird man(n) auch gerne mal als # breitmacker beschimpft, nicht nur im Bus. Radikale Feministinnen haben geradezu eine Psychose, Männer würden zuviel Raum einnehmen.

Nackter Oberkörper

Pseudo-Frage FFA-B2: Würde man dich extrem komisch anschauen, wenn du im Freibad mit nacktem Oberkörper herumlaufen würdest?

Dominanter Charakter

Pseudo-Frage FFA-B3: Wirst du als rechthaberisch, herrisch und als "Bitch" bezeichnet, wenn du einen dominanten Charakter hast?

Spezielle Antwort: Männer gelten eigentlich immer als rechthaberisch, herrisch, Breitmacker, Mitglied im Patriarchat usw., selbst wenn sie gar keinen dominanten Charakter haben.

FFA-R: Repräsentation / Sichtbarkeit

In Filmen / Büchern

Pseudo-Frage FFA-R1: Musst du suchen, bist du Filme oder Bücher findest, in denen dein Geschlecht ebenso zahlreich, wichtig und in ebenso einem positiven Licht repräsentiert wird wie das andere?

Spezielle Antwort: Wie oft warst Du schon im Kino? Die Schurken, Mörder, Dummköpfe und miesen Charaktere sind fast ausnahmslos männlich. Negative weibliche Charaktere wären Misogynie. Da bleiben natürlich weniger Rollen für Frauen übrig.

In der Kirche

Pseudo-Frage FFA-R2: Hast du schon einmal darauf geachtet, dass es noch nie einen weiblichen Papst gab?

FFA-V: Verschiedenes

Eier vs. Pussy

Pseudo-Frage FFA-V1: Hast du schon einmal darüber nachgedacht, warum "Eier haben" eine positive Bezeichnung zu sein scheint, während mit "eine Pussy sein" nur Negatives assoziiert wird?

Spezielle Antwort: Ich dachte, Pussy wäre irgendwie schnuckelig gemeint. Eine bekannte deutsche Comedy-Feministin hat übrigens eine Fernsehshow namens Pussy Terror. Das ist witzig gemeint und bedingt, daß Pussy ein positiv besetzter Begriff als Gegensatz zu Terror ist.

Fräulein

Pseudo-Frage FFA-V2: Schon einmal darüber nachgedacht, warum es kein männliches Äquivalent zu der Anrede "Fräulein" für unverheiratete Frauen gibt - weil offenbar erst ein Ehemann eine Frau zur Frau macht?

Spezielle Antwort: Du hast echt gute Geschichtskenntnisse! in welchem Jahrhundert ist dieser Brauch eigentlich zum letzten Mal beobachtet worden?

Männlicher Geschmack

Pseudo-Frage FFA-V3: Sind andere erstaunt oder ungläubig, wenn sie hören, dass du Videospiele oder Rockmusik magst, und stellen dir dann Testfragen darüber, weil sie glauben, dass du lügst, um dem anderen Geschlecht zu gefallen?


Thema: #QuestionsForMen und #FalseFeministAssertions



Nachtrag 08.02.2016: 36 versteckte falsche Behauptungen über Männer


Am 25.02.2016 wurde auf Youtube ein Buzzfeed-Video hochgeladen, in dem sechs Frauen ``36 Questions Women Have For Men'' äußern. Dieses Video erzeugte eine enorme Resonanz mit Dutzenden von Videoantworten und Blogposts.

Der Hauptunterschied zu den früheren #QuestionsForMen liegt darin, daß man sie nicht selber lesen muß, sondern von attraktiven jungen Damen vorgelesen bekommt. Inhaltlich wird durchgängig mit dem gleichen "Trick" wie schon oben beschrieben gearbeitet.

Lucas Schoppe hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht, die 36 Fragen in ihre impliziten Aussagen zu übersetzen. Zu einem großen Teil der impliziten Aussagen kann man nur eine Bemerkung von weiter oben wiederholen: sie sind schlicht dumm, oder aber die Fragestellerinnen waren mit der Bildung impliziter Behauptungen intellektuell überfordert.



Thema: #QuestionsForMen und #FalseFeministAssertions