Die blank-slate-Hypothese

Inhaltsübersicht

Zusammenfassung

Die allgemeine blank-slate-Hypothese postuliert, daß Menschen hinsichtlich ihrer sozialen, psychologischen, sexuellen, intellektuellen usw. Merkmale als "unbeschriebenes Blatt" geboren werden, also prinzipiell alle gleich sind. Die hier verwendeten Begriffe sind unscharf, daher gibt es mehrere Varianten bzw. Konkretisierungen der blank-slate-Hypothese (mehr dazu weiter unten). Da einzelne Menschen ganz offensichtlich verschieden sind, wird die Gleichheit oft statistisch verstanden und auf Menschengruppen bezogen, die mehr oder weniger willkürlich anhand von Geschlecht, Ethnizität, Religion oder anderen Merkmalen gebildet werden.

Wenn man die blank-slate-Hypothese negiert, also von statistischen Unterschieden zwischen Menschengruppen ausgeht, und wenn man zusätzlich diese Gruppen moralisch, intellektuell oder anders bewertet, kommt man zu Suprematie-Hypothesen. Solche Suprematie-Hypothesen besagen, daß es z.B. intelligentere Geschlechter, Völker, Ethnien etc. gibt. Diverse konkrete Suprematie-Hypothesen sind historisch immer wieder als Begründung für Völkermord, Rassenhaß, Sklaverei, Frauenunterdrückung u.ä. benutzt worden. Aus diesem Grund ist die Negierung der blank-slate-Hypothese hochgradig tabuisiert. Oft ist nur noch eine extreme Interpretation der blank-slate-Hypothese politisch korrekt, wonach es nicht nur keine angeborenen Unterschiede zwischen Personengruppen, sondern auch keine Unterschiede zwischen Individuen gibt. Als Konsequenz hiervon werden beobachtbare Unterschiede zwischen Personen(gruppen) ausschließlich als Effekt von sozialen Einflüssen angesehen. Die sozialen Einflüsse werden wiederum als willkürlich und unbegründet bewertet. Die schlechter Abschneidenden sind damit automatisch Opfer von Diskriminierungen.

Daß aus diversen Suprematie-Hypothesen unmenschliche Folgerungen abgeleitet wurden, ist aber prinzipiell kein Beweis, daß ihr indirektes Gegenteil, die blank-slate-Hypothese, stimmt.

Wer die blank-slate-Hypothese vertritt, muß sie daher eigentlich explizit beweisen. Dies ist aber praktisch unmöglich. Die politisch/ideologischen Machtverhältnisse setzen daher oft durch, daß kein expliziter Beweis der blank-slate-Hypothese verlangt werden darf, ähnlich wie religiöse Dogmen nicht hinterfragt werden dürfen. Alleine das Verlangen eines Beweises der blank-slate-Hypothese wird oft scharf geahndet. In Debatten wird sie oft als versteckte Null-Hypothese vorausgesetzt.

Speziell auf die Geschlechterunterschiede bezogen, um die es hier vor allem geht, ist die blank-slate-Hypothese in vielen einzelnen Punkten wissenschaftlich unhaltbar, speziell man einzelne Persönlichkeitsmerkmale betrachtet und die Unterschiede nicht pauschalisierend verallgemeinert.



Die allgemeine blank-slate-Hypothese

Die blank-slate-Hypothese postuliert, daß Menschen hinsichtlich ihrer sozialen, psychologischen und sexuellen Merkmale als "unbeschriebenes Blatt" (blank slate = leere Schiefertafel) auf die Welt kommen, also ohne Sprache, Vorwissen und angeborene Moralvorstellungen in relevantem Ausmaß geboren werden und kulturell beliebig geformt werden können bzw. müssen. Im Englischen wird dies auch als tabula rasa-Hypothese bezeichnet.

Die gegenteilige Hypothese lautet, daß die sozialen, psychologischen, intellektuellen und sexuellen Merkmale von Menschen in erheblichem Umfang biologisch bestimmt sind, insb. Intelligenz, sexuelle Attraktion, Temperament, Risikoaversion, teilweise sogar die politische Grundeinstellung. Man spricht hier auch von biologischen Dispositionen, um auszudrücken, daß ein statistisch signifikanter Einfluß vorhanden ist, nicht hingegen ein Determinismus, der einzelne Details einzelner Personen unwiderruflich bestimmt. Beispielsweise haben intelligente Eltern meist intelligente Kinder, aber nicht zwangsläufig.

Diese beiden gegensätzlichen Hypothesen werden auch als "Natur- vs. Kultur"-Gegensatz (engl. nature vs. nurture) bezeichnet. Diese Frage ist eine der grundlegendsten und meistdiskutierten philosophischen Fragen, die Antwort darauf hat gravierende Konsequenzen für die Wahrnehmung und Interpretation sozialer Phänomene, Moralvorstellungen u.a.m.

Ein fulminante inhaltliche Widerlegung der allgemeinen blank-slate-Hypothese lieferte Pinker (2002).



Die blank-slate-Hypothese im Kontext der Geschlechterdebatte

In dieser Seite behandeln wir die blank-slate-Hypothese in einem speziellen Sinn, nämlich ob geschlechtsspezifisches Verhalten biologisch beeinflußt wird und insb. ob in diesem Bereich statistisch relevante Verhaltensunterschiede in wesentlichem Umfang auf biologische Einflußfaktoren zurückgeführt werden können.

Wesentliche Verhaltensunterschiede sind empirisch nachweisbar in folgenden Verhaltensbereichen (Quellenangaben siehe unten):

Wenn man von der blank-slate-Hypothese ausgeht, dann können diese statistischen Geschlechtsunterschiede nur kulturell verursacht ("sozial konstruiert") sein, z.B. daß Frauen risikoaverser sind und daß Berufe wie Maurer, Soldat oder Ingenieur männlich dominiert sind, medizinische und erziehende Berufe hingegen weiblich. Die blank-slate-Hypothese ist eine grundlegende Annahme, um nicht zu sagen ein Dogma, der Gender Studies und weiter Teile der (radikal-) feministischen Ideologie. Die blank-slate-Hypothese wird dort oft als folgende Hypothese formuliert: "Geschlecht ist sozial konstruiert" (z.B. Meissner (2008)).

Diese Hypothese bzw. damit verbundene Ideologie wird auch als Genderismus bezeichnet.

Die begriffliche Unklarheit der (geschlechtsbezogenen) blank-slate-Hypothese

Die blank-slate-Hypothese "Geschlecht bzw. geschlechtsspezifisches Verhalten ist sozial konstruiert" wird regelmäßig durch eine Nebelwand von Vagheiten und Begriffsverschiebungen vor einer kritischen Hinterfragung geschützt:

  1. Der vorausgesetzte Begriff "Geschlecht" ist hochgradig mehrdeutig. Dieser abstrakte Begriff ist völlig unbrauchbar für konkrete Debatten, er ist nur Oberbegriff für mehrere biologische, psychologische und soziale Geschlechtsbegriffe, s. hierzu die separate Seite Kampfbegriff "Gender". Unklar bleibt:

    1. Die Begriffskategorie, also ob es sich um einen biologischen, psychologischen oder sozialen Geschlechtsbegriff handelt,
    2. die Menge der Ausprägungen, also die Klassifizierung von Menschen anhand von deren wahrgenommenen Geschlechtsmerkmalen in verschiedene Personenkategorien, die als "Geschlechter" bezeichnet werden. Letztere ist zumindest teilweise Ergebnis sozialer Prozesse. In allen Kulturen werden allerdings die beiden klar wahrnehmbaren biologischen Geschlechter Mann und Frau (die den biologischen Funktionen Ei- und Samenproduzent entsprechen) unterschieden. In manchen Kulturen gibt es aber zusätzliche Sonderfälle.
  2. Unklar bleibt ferner, wann und wie dieser Konstruktionsprozeß abläuft, welche Personen bzw. sozialen Gruppen als Konstrukteure arbeiten und welche Personen "sozial konstruiert" werden. Denkbar bzw. üblich sind hier zwei Interpretationen:

    1. die bei einer einzelnen Person vorliegende Ausprägung ihres Geschlechts ist sozial konstruiert, hätte unter anderem sozialen Einfluß auch anders sein können und kann - bei einer extremen Interpretation von "Konstruktion" - bei Bedarf auch nachträglich geändert, also umgebaut werden.

      Die These, daß biologische bzw. medizinisch meßbare Geschlechtsausprägungen sozial beeinflußbar sind, ist völlig absurd. Daß das "soziale Geschlecht" einer konkreten Person völlig unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht sein soll, ist bei fast allen Einzelpersonen ebenfalls absurd.

      Fast alle Vertreter der blank-slate-Hypothese behaupten übrigens gleichzeitig, bei Homosexuellen sei die sexuelle Attraktion biologisch determiniert und nicht "heilbar". Die biologisch determinierte sexuelle Attraktion hat aber einen massiven Einfluß auf das Sozialverhalten, dies widerspricht der blank-slate-Hypothese.

    2. die (gleichmäßige) Verteilung der Bevölkerung auf die postulierten Geschlechtskategorien. Bei dieser Variante der blank-slate-Hypothese wird konzediert, daß im Einzelfall zwar ein biologischer Einfluß vorhanden sein kann - zumal dieser heute nicht mehr seriös abgestritten werden kann. Es wird aber postuliert, daß bei Männern und Frauen als Kohorte eigentlich, also "von Natur aus" und ohne soziale Einflüsse, die sozialen Geschlechtskategorien statistisch gleichartig verteilt auftreten. Weil die sozialen Geschlechtskategorien begrifflich nicht klar definierbar sind, bezieht man sich ersatzweise auch auf einzelne Verhaltensmuster bzw. Präferenzen. Daher kann man dies auch als statistische blank-slate-Hypothese bezeichnen. Die statistische blank-slate-Hypothese ist unbewiesen und praktisch nicht beweisbar, s.u.


Bedeutung und Verwendung der blank-slate-Hypothese

Moralische Bedeutung und Kontext der blank-slate-Hypothese

Von weitem betrachtet kann man sich wundern, wieso überhaupt eine spezielle, nicht beweisbare Hypothese über biologische bzw. psychologische Merkmale eine solche politische Bedeutung hat und mit nahezu religiösem Fanatismus als Dogma durchgedrückt wird, z.B. 2017 in der Google-Damore-Affäre.

Erklärbar ist dies relativ leicht durch die moralischen Grundwerte egalitärer Ideologien, zu denen die feministische Ideologie zählt. Dort werden soziale Ungleichheiten prinzipiell als Unrecht und besonders unmoralisch verstanden. Erkennbar ist dies an der extremen Priorität, mit der die Beseitigung von sozialen Ungleichheiten durch Gleichstellungsmaßnahmen gefordert bzw. durchgesetzt wird.

An dieser Stelle ist es wichtig, sich klarzumachen, daß die extrem negative Beurteilung von sozialen Ungleichheiten in egalitären Ideologien ein völlig willkürliches moralisches Werturteil ist (Liberale und Konservative sehen sozialen Ungleichheiten in weitem Bereichen als unproblematisch an). Man kann diesem willkürlichen moralischen Standpunkt nun scheinbar eine objektive Begründung verschaffen, indem man

  1. von der blank-slate-Hypothese ausgeht und
  2. postuliert, daß dann in einer diskriminierungsfreien Gesellschaft - die ebenfalls moralisch hoch geschätzt wird - keine sozialen Ungleichheiten auftreten würden. Diese These klingt zwar plausibel, der faktische Reichtum und die Machtfülle der Funktionärskaste in der DDR oder der Sowjetunion deutet aber auf das Gegenteil hin.
Wenn umgekehrt die blank-slate-Hypothese nicht gelten würde, wären sozialen Ungleichheiten sehr wahrscheinlich, ein unerträglicher Gedanke in egalitären Ideologien. Die Vehemenz, mit der die blank-slate-Hypothese vertreten wird und ihre "Leugner" bekämpft werden, erklärt sich also mit dem moralischen Werten egalitärer Ideologien.

Offensichtlich ist es hochgradig wissenschaftsfeindlich, aus moralischen Standpunkten abzuleiten, welche biologischen bzw. psychologischen Erkenntnisse zulässig bzw. politisch korrekt sind.

Politische Bedeutung der blank-slate-Hypothese

Von der blank-slate-Hypothese werden viele massive Eingriffe in den Rechtsstaat und rechtliche Diskriminierungen von Männern abgeleitet. Ein Beispiel ist die Schlußfolgerung, daß Männer und Frauen statistisch gleichstarkes Interesse an allen Berufen haben und auch gleich gut dazu befähigt sind. Die in vielen Berufen auftretenden ungleichen Geschlechterverhältnisse weichen also von der ideologisch postulierten Gleichverteilung ab. Diese Diskrepanz zwischen Ideologie und Realität wird als Beweis dafür gewertet, daß Frauen diskriminiert werden. Aus den unterstellten Diskriminierungen von Frauen wird in einem weiteren Schritt abgeleitet, kompensatorische rechtliche Diskriminierungen von Männern durch Frauenquoten einzurichten.


Verbreitung der blank-slate-Hypothese

Verbreitung der blank-slate-Hypothese in den Gender Studies

Die real existierenden Gender Studies sind untrennbar mit der feministischen Ideologie verbunden, namentlich über die blank-slate-Hypothese. Statt von der blank-slate-Hypothese ist in Gender-Studies-Texten bzw. -Lehrbüchern eher von der sozialen Konstruktion einer Geschlechterhierarchie die Rede, was auf das gleiche hinausläuft.

Die blank-slate-Hypothese ist in den Gender Studies extrem verbreitet. Der Übersichtstext Meissner (2008) stellt z.B. fest: Die Annahme, dass Geschlecht eine soziale Konstruktion ist, kann in weiten Teilen der Frauen- und Geschlechterforschung als eine Art Minimalkonsens gelten. ....

Wenn man die blank-slate-Hypothese unterstellt, steht man vor dem Problem zu erklären, wieso sich Männer und Frauen nachhaltig geschlechtstypisch verhalten, und zwar gerade in egalitären Gesellschaften, die fast keinen Druck in Richtung geschlechtstypischem Verhalten aufweisen (s. Literatur zu Geschlechterunterschieden in feministischen Kulturen). Eine zentrale Publikation, in der die blank-slate-Hypothese begründet wird, ist "Doing Gender" (West (1987)). Diese Publikation postuliert, daß Geschlechtsmerkmale alleine durch Kopieren von Verhalten weitergegeben werden, also durch einen sozialen Prozeß erzeugt und dann immer wieder reproduziert werden. Diese These ist empirisch nicht haltbar und in zahllosen Gegendarstellungen widerlegt worden, eine der bekanntesten ist Steven Pinker's The Blank Slate .

"Doing Gender" wird laut Google Scholar in über 9000 anderen Publikationen zitiert, war und ist also extrem einflußreich. Stern (2016) analysierte eine Stichprobe von 20 dieser Publikationen aus dem Zeitraum 2004 - 2014, die von bekannteren Autoren stammen und die ihrerseits oft zitiert wurden. Von diesen erwähnt nur eine einzige die vehemente Kritik an der blank-slate-Hypothese, alle anderen bestätigen die These explizit oder übernehmen sie kritiklos. Stern kommt zum Fazit:

findings [of my investigation] are consistent with an image of gender sociology as a subfield that has insulated its sacred beliefs from important scientific challenges. - vulgo: die Gender Studies leben in einer Filterblase, in der man die eigenen Dogmen vor allen dagegensprechenden Erkenntnissen anderer Wissenschaften schützt.

Denkschulen, die die blank-slate-Hypothese ablehnen

Der Differenzfeminismus und alle bekannten Varianten des Maskulismus verneinen die blank-slate-Hypothese, postulieren also, daß es einen relevanten biologischen Einfluß geben kann bzw. sehr wahrscheinlich gibt. Als Evidenz wird auf eine Vielzahl von Forschungsergebnissen in der Verhaltensbiologie (Zwillingsforschung, Vererblichkeiten von Talenten usw.) verwiesen. Steven Pinker (2002) stellt den Forschungsstand um die Jahrtausendwende dazu sehr umfangreich dar. Eine sehr breite, etwas neuere Übersicht über den Forschungsstand mit rund 400 Referenzen liefert Susan Pinker (2008).

Noch massiver fällt die Kritik mehrerer Biologen an der blank-slate-Hypothese aus.

Die Behauptung des Differenzfeminismus ist deutlich weniger präzise als die des Genderfeminismus, weil das das Ausmaß dieses Einflusses offen bleibt, und von daher viel leichter mit Indizien zu unterstützen und somit weitaus leichter plausibel zu begründen. Die blank-slate-Hypothese steht vor dem großen Problem, daß sie mit sehr vielen biologischen und medizinischen Erkenntnissen nicht kompatibel ist und daß man für ihre Begründung zu kaum beweisbaren Hilfsannahmen greifen muß.



Die blank-slate-Hypothese als versteckte Null-Hypothese und andere Diskursstrategien

Eigentlich müßten die Verfechter der blank-slate-Hypothese diese selber beweisen. Das ist allerdings nicht möglich, weil sie je nach Präzisierung einfach falsch ist. Deshalb werden verschiedene Diskursstrategien benutzt, um einen Beweis der Hypothese zu vermeiden:
  • Man verlangt man von Kritikern, das Gegenteil der blank-slate-Hypothese zu beweisen. Man kann das Gegenteil, also einen relevanten Einfluß biologischer Dispositionen, nicht formal beweisen, sondern nur Indizien dafür vorlegen. Daß kein Beweis des Gegenteils möglich ist, wird dann als Beweis der blank-slate-Hypothese gewertet - dies ist indes ein krasser Fehlschluß.
  • Man beschimpft Kritiker der BSH als Frauenhasser, Nazis, Suprematisten usw., kündigt den Arbeitsplatz (z.B. im Fall Damore) oder vernichtet sie sozial. Extrem linke Kreise arbeiten mit physischer Gewalt, Vortragsstörungen, Sachbeschädigungen und anderen Straftaten.
Die beiden vorstehenden Strategien sind offensichtlich unzulässig, dies ist auch leicht erkennbar und angreifbar. Eine dritte, sehr häufig angewandte Diskursstrategie ist nicht offensichtlich erkennbar: die implizite Benutzung der (statistischen) blank-slate-Hypothese als versteckte Null-Hypothese in Diskriminierungsbehauptungen. Beispiele sind in Behauptungen, daß Durchschnittslöhne von Männern und Frauen "von Natur aus" gleich sein müßten, daß "eigentlich" gleich viele Frauen wie Männer in der IT-Branche arbeiten müßten, daß "eigentlich" Mädchen die gleichen Leistungen in der Mathematik erbringen wie Jungen (aber nicht in den Sprachen, da sind Mädchen auf einmal "talentierter") usw.usw. Die beobachtbaren Ungleichheiten werden als Beweis für Sexismus und Frauendiskriminierung angesehen. Über den Begriff Diskriminierung wird unterschwellig folgende Argumentationskette unterstellt:
  1. Vorausgesetzt wird die statistische blank-slate-Hypothese: "von Natur aus" haben Frauen statistisch die gleichen Interessen, Talente usw. wie Männer.
  2. Daraus folgt, daß sich überall 50% Geschlechterquoten, gleiche Durchschnittslöhne etc. ergeben, die Geschlechterunterschiede sind also "von Natur aus" statistisch null.
  3. Soziale Ungleichheiten beweisen daher die Existenz von Diskriminierungen, die nicht "von Natur aus" vorhandenen, sondern sozial konstruiert sind.
  4. Diskriminierungen sind schlecht und verändern eine Gesellschaft zum schlechteren (daher richten sich Interventionen immer gegen solche Diskriminierungen, z.B. schädliche Geschlechter-Stereotype).
Diskursiv wird hier der Trick angewandt, die These von der Gleichverteilung von Interessen, Talenten usw., also die statistische blank-slate-Hypothese, nur implizit aufzustellen. "Bewiesen" wird sie nicht direkt, sie wird noch nicht einmal explizit erwähnt, sondern implizit durch die Argumentation als zutreffend unterstellt. Der entscheidende Trick sind reine Unterstellungen, daß "von Natur aus" oder "eigentlich" bestimmte Verhältnisse herrschen würden. Diese Beweiskette ist absurd. Es spricht im Gegenteil sehr viel dafür, daß ohne Kultur und soziale Einflüsse noch viel größere Ungleichheiten, um nicht zu sagen Mord und Totschlag, auftreten würden.

Eine Variante der Strategie, die unterstellte blank-slate-Hypothese gar nicht zu beweisen, besteht darin, schwache bis unhaltbare Argumente als Beweis zu präsentieren, ein Beispiel hierzu zeigt Clegg (2017).



Literatur



Allgemeinverständliche Übersichten

  • David P Schmitt: How Big are Psychological Sex Differences? Psychology Today, 08.02.2015. https://www.psychologytoday.com/blog/sexual-personaliti ... erences
  • Michael Clegg: Sex and the Seductions of Social Explanation. Quillette, 15.10.2017. http://quillette.com/2017/10/15/sex-seductions-social-explanation/
  • Susan Pinker: Das Geschlechterparadox. Über begabte Mädchen, schwierige Jungs und den wahren Unterschied zwischen Männern und Frauen (Originaltitel: The Sexual Paradox. Extreme Men, Gifted Women and the Real Gender Gap). DVA, 2008.
    Aufbereitung und Verdichtung von rund 400 wissenschaflichen Originalpublikationen mit dem Gesamtresümee, daß Männer und Frauen signifikant verschiedene Talentverteilungen haben und biologische Dispositionen eine wesentliche Ursache des unterschiedlichen Sozialverhaltens sind.

Bücher

Geschlechterunterschiede in feministischen Kulturen

Die folgenden Quellen zeigen, daß in egalitären, feministischen Gesellschaften die Geschlechterunterschiede nicht verschwinden oder kleiner sind, was nach der blank-slate-Hypothese zu erwarten wäre, sondern größer werden.
  1. Erik Bihagen, Tally Katz-Gerro: Culture consumption in Sweden: The stability of gender differences. Poetics, 06.2000. https://www.researchgate.net/publication/223529887_Cult ... erences
  2. Paul Costa, Antonio Terracciano, Robert R. McCrae: Gender Differences in Personality Traits Across Cultures: Robust and Surprising Findings. Journal of Personality and Social Psychology Vol. 81, p.322-31. 10.1037//0022-3514.81.2.322, 09.2001. https://www.researchgate.net/publication/11825676_Gende ... indings
  3. David P. Schmitt, Anu Realo, Martin Voracek, Jüri Allik: Why Can't a Man Be More Like a Woman? Sex Differences in Big Five Personality Traits Across 55 Cultures. Journal of Personality and Social Psychology 2008, Vol. 94, No. 1, p.168-182, 2008. http://www.bradley.edu/dotAsset/165918.pdf
  4. David P. Schmitt, Audrey E. Long, Allante McPhearson, Kirby O'Brien, Brooke Remmert, Seema H. Shah: Personality and gender differences in global perspective. International Journal of Psychology, Vol. 52, Issue S1, Dec. 2017, p.45-56, 21.03.2016. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ijop.12265/full
    Empirically, evidence suggests gender differences in most aspects of personality-Big Five traits, Dark Triad traits, self-esteem, subjective well-being, depression and values-are conspicuously larger in cultures with more egalitarian gender roles, gender socialization and sociopolitical gender equity. Similar patterns are evident when examining objectively measured attributes such as tested cognitive abilities and physical traits such as height and blood pressure. Social role theory appears inadequate for explaining some of the observed cultural variations in men's and women's personalities.