Gender Studies - Zusammenfassung
Gender Studies - Einführung
- Gender Studies - Selbstdarstellungen, Institutionen, Personen und Studiengänge
- Gender Studies: "offizielle" Selbstdarstellungen
- Gender Studies: Institutionen
- Gender Studies: Personen, insb. Geschlechterverteilung
- Gender Studies: Studiengänge und Studienfächer
- Gender Studies: Handbücher und einführende Lehrbücher
Gender Studies - Kritik, Protektion und Debatten
- Kritik, Protektion und Debatten
- Gender Studies als "Wissenschaftlicher Feminismus" und Machtinstrument
- Mediale Kritik an der Wissenschaftlichkeit der Gender Studies
- Mediale Unterstützung der Gender Studies
- Feministische Kritik an den Gender Studies
Die (Un-) Wissenschaftlichkeit feministischer Gender Studies
- Übersicht
- Sind die Gender Studies überhaupt eine Wissenschaft?
- Wissenschaftsevaluation der Gender Studies
- Die Feministische Standpunkttheorie
- Der Kampfbegriff "Wissensproduktion"
- Kritik von Wissenschaftlern an der Wissenschaftlichkeit der Gender Studies
- Irrelevanz und Unzuverlässigkeit
- "Real Peer Review"
Fragen und Antworten
- Die Gender-Professuren sind nur 0,4 Prozent aller Professuren
- Gehen Gender Studies zu Lasten anderer Disziplinen?
- Sind die Gender Studies nicht wie andere Wissenschaften durch die Wissenschaftsfreiheit geschützt?
- Einerseits wird ein wissenschaftlicher Anspruch formuliert, Geschlechterdifferenzen, "Geschlechterverhältnisse" oder Diskriminierungen (fast ausschließlich von Frauen) zu erforschen.
- Andererseits wird ein politischer Anspruch im Sinne einer angewandten Wissenschaft formuliert und in der Realität auch praktiziert, die vorgegebene feministische Ideologie praktisch umzusetzen und die Gesellschaft nach den eigenen Wünschen zu verändern ("Sozialingenieure"). Ein typisches Ziel ist, die postulierte "Geschlechterhierarchie", in der "die Frauen" durch "die Männer" unterdrückt werden, zu bekämpfen, oft mit Bezug auf politische Machtstrukturen wie die Gender Mainstreaming-Doktrin.
- die personelle Verflechtung von politischem Aktivismus und (angeblicher) wissenschaftlicher Forschung, insb. die aktive Verbreitung feministischer Propaganda durch Genderforscherinnen, die hochumstrittene soziologische Theorien über das Geschlechterverhältnis als wissenschaftlich gesicherte, zuverlässige Erkenntnisse darstellen,
- die institutionelle Verflechtung mit feministischen Think Tanks, die über parteinahe Stiftungen finanziert werden,
- der massive Einfluß feministischer Parteien bzw. Machtstrukturen auf die personelle Besetzung, die Inhalte und Arbeitsweisen der Gender Studies, auch an Universitäten bzw. Fachhochschulen.
Ein zweiter Hauptkritikpunkt an den Gender Studies besteht darin, einerseits eine Wissenschaft sein zu wollen, andererseits seine Themen und Methoden (bzw. Wissenschaftstheorien) nicht eingrenzen zu können oder zu wollen und diesbezüglich ein systematisches Versteckspiel zu betreiben.
Seriöse Forschung, die sich mit Männern, Frauen. deren Unterschieden und Geschlechterfragen i.a. befaßt, gab es schon immer in großem Umfang, namentlich in der Biologie (inkl. Medizin) und der Soziologie. Die Gynäkologie ist ein Beispiel für ein ganzes geschlechtsspezifisches Wissenschaftsgebiet und einen zugehörigen Beruf. Diese klassischen geschlechtsbezogenen Forschungen verteilen sich über alle großen Wissenschaftsgebiete, wurden und werden aber nicht als Gender Studies bezeichnet. Sie bilden keine homogene, eigene Wissenschaftsdisziplin, da die Forschungsthemen und -Methoden praktisch keine Gemeinsamkeiten aufweisen. Beispielsweise haben Stoffwechselprozesse in weiblichen Körperzellen nichts gemein mit der Frauendarstellung in der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts.
In den Debatten reklamieren die Befürworter der Gender Studies oft die Zuständigkeit für alle erdenklichen Phänomene, in denen Frauen oder Geschlechterunterschiede vorkommen. Damit wären u.a. praktisch die komplette Soziologie, Psychologie, Medizin, Literaturwissenschaft und viele andere Gebiete Unterabteilungen der Gender Studies. Zwischen diesem Anspruch und der Wirklichkeit klafft eine enorme Lücke, alleine aufgrund der fehlenden fachlichen Qualifikation der vorhandenen Gender-Lehrstühle. Der "wissenschaftliche Beitrag" besteht regelmäßig nur darin, der vorhandenen Forschung mantraartig vorzuwerfen, sie sei männerzentriert, würde die Sichtweisen von Frauen nicht berücksichtigen oder sei aufgrund patriarchaler Strukturen verfälscht. Hier wird die Rolle eines Verbraucherschutzvereins eingenommen, der Produkte kritisiert, ohne es selber besser machen zu können. Wissenschaftskritik ist legitim, aber selber i.a. keine Wissenschaft.
- die Verwendung hochumstrittener feministischer Dogmen als "wissenschaftliche" Grundlage, namentlich die strikte Negierung relevanter biologischer Einflüsse auf das Sozialverhalten, für die die Biologie und die Neurowissenschaften seit rund 20 Jahren überzeugende Belege liefern,
- die systematische Leugnung bzw. Nichtbeachtung einer männlichen Perspektive bei psychologischen oder sozialen Themen,
- der Anspruch, eine weiblich geprägte Gegenwissenschaft gegen die existierenden Wissenschaften zu sein ("Women's Studies") und nach Belieben unerwünschte Erkenntnisse, insb. auch wissenschaftliche Kritik, ignorieren zu können,
- die verwendeten Methoden und Wissenschaftstheorien, z.B. die feministische Standpunkttheorie, die außerhalb der Gender Studies nicht als wissenschaftlich anerkannt sind.
Gender Studies werden oft auch als "Geschlechterforschung", "Frauen- und Geschlechterforschung" oder "Women's Studies" bezeichnet; ein Bedeutungsunterschied ist in den Debatten nicht klar erkennbar. Der Begriff "Women's Studies" deutet an, daß es sich um Studien von Frauen über Frauen aus der einseitigen Perspektive von Frauen handelt.
Wenn man nach konkreten Definitionen sucht, was die (real existierenden) Gender Studies sind oder tun, findet man wenig Konkretes und sehr viele Widersprüche. Auch die direkt involvierten Aktivisten scheinen sich nicht einig zu sein. Es äußern sich sowohl Politiker, Wissenschaftler als auch Journalisten (m/w) mehr oder minder qualifiziert dazu, was "die Gender Studies" wollen und leisten (sollten). Die Debatte über die Gender Studies ist ein Teil des "Problems Gender Studies". Dies führt zur Frage, wer überhaupt befugt ist zu definieren, was die Gender Studies sind bzw. machen. In dieser Hinsicht wird in diesem Text versucht, vor allem den Ist-Zustand zu beschreiben, und es werden vor allem die (halboffiziellen) Darstellungen von Institutionen, die sich selber den Gender Studies zuordnen, herangezogen.
"Kein Fach im üblichen SinneDie Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung der FU Berlin stellte fest:Dabei verstehen sich die Genderstudies nicht als ein Fach im üblichen Sinne. Es ist ein interdisziplinärer Fächerverbund und darüber hinaus eine politische Bewegung, innerhalb und außerhalb der Wissenschaften. Den Genderstudies genügt es nicht, Wissen im akademischen Feld zu generieren: Sie fragen ebenso danach, wie gendertheoretische Diskurse in die Praxis überführt werden können."
"Geschlechterforschung ist ein interdisziplinäres Wissenschaftsfeld und kann nicht mit einer traditionellen Einzeldisziplin verglichen werden."In ähnlicher Weise betont das Gender-Portal Gender Politik Online:
"die unmittelbare Praxisrelevanz von Kenntnissen zur Kategorie 'Gender' beispielsweise in der heute allgegenwärtigen Strategie des 'Gender Mainstreaming', mit deren Hilfe das Geschlecht zum integralen Bestandteil aller politischen Entscheidungsprozesse ... gemacht werden soll."Tatsächlich benutzt wird der Begriff "Gender Studies" mit wenigstens drei kategoriell verschiedenen Bedeutungen: (a) als wissenschaftliches Forschungsgebiet, (b) als Studiengang, der für bestimmte Berufe qualifiziert, (c) als Menge von Personen und Institutionen, die nach eigener oder fremder Zuschreibung Gender Studies betreiben.
- wissenschaftliche Forschung und Lehre,
die sich zur unvoreingenommenen Wahrheitsfindung und der
Einhaltung wissenschaftlicher Standards verpflichtet
versteht. Die adressierten Themen kann man als Teilgebiete
oder Denkschulen innerhalb der Soziologie, Politologie,
Geschichte und ähnlichen größeren Disziplinen
einordnen, oder als interdisziplinäre Behandlung von
Querschnittsthemen.
Der Anspruch, Wissenschaft zu betreiben, ergibt sich schon
daraus, daß in Deutschland rund 190
Professuren eine Teil- oder Hauptdenomination in
Gender Studies haben und etliche, als wissenschaftlich
bezeichnete Bachelor- und Masterstudiengänge
vorhanden sind.
Die Wissenschaftlichkeit dieser akademischen Anteile der (real existierenden) Gender Studies und die Validität ihrer Ergebnisse sind heftig umstritten. Die wichtigsten Kritikpunkte sind:
- Man kann keinen eigenen fachlichen Kern aus zentralen Theorien und Erkenntnissen erkennen, die in einem klar umrissenen Problembereich Grundlagen für Lösungen bereitstellen, die andere Wissenschaften nicht bieten. Stattdessen werden nur andere eigenständige Wissenschaften kritisiert, weil sie zu wenig auf Geschlechtsunterschiede achten, und ggf. punktuell ergänzt. Insofern wird oft verneint, daß die akademischen Gender Studies überhaupt eine eigene Wissenschaft darstellen. Weil ein eigener fachlicher Kern fehlt, kann man die Gender Studies auch nicht als angewandte oder als interdisziplinäre Wissenschaft bezeichnen.
- Die üblichen wissenschaftlichen Qualitätssicherungssysteme sind entweder nicht vorhanden oder weisen eklatante, offensichtliche Mängel auf.
- politischer Aktivismus, auch außerhalb der Wissenschaft, darunter auch Zuarbeit zur Agenda feministischen Parteien. Zum Einsatz kommen hier oft Propagandamethoden, die bewußt mit falschen oder einseitigen Aussagen arbeiten, die also das Gegenteil von Wissenschaftlichkeit darstellen. Die Trennung zwischen wissenschaftlichen und propagandistischen Anteilen ist schwierig. Viele Personen, die wissenschaftliche Gender-Forschung betreiben oder zumindest diesen Anspruch erheben, betätigen sich zugleich propagandistisch bzw. politisch und erwecken den Eindruck, vor allem ideologisch gewünschte Interpretationen von fragwürdigen Forschungsergebnissen zu verbreiten. Umgekehrt berufen sich viele feministische Politiker oder propagandistisch tätige Akteure auf angebliche Erkenntnisse der Gender-Forschung, oft ohne Quellen anzugeben und eine Überprüfung ermöglichen. In der öffentlichen Wahrnehmung entstehen dadurch Irritationen, was tatsächlich die Themen und akzeptierte Ergebnisse der Gender Studies sind.
- eine Kaderschule, in der feministische Missionare ausgebildet werden, die "gendertheoretische Diskurse in die Praxis überführen" (s.o.). Es wird also Personal für die operative Ebene der Feministischen Infrastruktur z.B. Frauenbeauftragte, ausgebildet. iel ist dabei vor allem, die ideologisch geprägte selektive Realitätswahrnehmung auf die (fast ausschließlich weiblichen) Studenten zu übertragen (Beispiel) und Propagandamethoden, die tendenziell das Gegenteil von wissenschaftlich seriös sind, zu entwickeln bzw. zu erlernen, in denen die Ideologie an der Basis durchgesetzt wird.
- Ausbau der Feministischen Infrastruktur an Universitäten: In der weitverzweigten feministischen Infrastruktur spielen die Universitäten eine zentrale Rolle auf der strategischen und taktischen Ebene, z.B. bei der Weiterentwicklung und diskursiven Absicherung der feministischen Ideologie, Öffentlichkeitsarbeit usw. (was mit dem obigen Punkt 2 "politische Aktivitäten" überlappt). Die Gender Studies sind somit eine Methode, die Feministische Infrastruktur unauffällig aus öffentlichen Mitteln zu finanzieren.
Das Problem der widersprüchlichen Auskünfte führt zur Folgefrage, wer überhaupt befugt ist, über die Gender Studies Auskunft zu erteilen. Das sind offensichtlich die Personen, die nach eigener oder fremder Zuordnung zu den Gender Studies gehören und offiziell Genderforschung betreiben, namentlich die ca. 200 Genderprofessorinnen. Nicht zu diesem Personenkreis gehören (anonyme) Bloggerinnen, Freizeitforscher, Promotionsstudenten oder ähnliche Nachwuchskräfte an den Gender-Lehrstühlen oder Journalistinnen (auch dann, wenn diese Kolumnen in Mainstream-Medien haben; deren Meinungen hat zwar eine große mediale Reichweite, ist deswegen aber nicht unbedingt fundiert).
Auch dieser Personenkreis äußert sich in verschiedenen Kontexten unterschiedlich sorgfältig und ausführlich. Interessant sind daher "offizielle" Darstellungen der Gender Studies, die entweder explizite Antworten auf die Kritik an den Gender Studies sind oder bei denen die Absicht vermuten kann, eine offizielle Darstellung zu geben. Ferner wurden bei der folgenden Liste von Selbstdarstellungen bevorzugt Texte von Inhabern von Gender-Professuren berücksichtigt.
- Andrea Geier: Gender als Analysekategorie - Entwicklungen und Tendenzen in den Gender Studies. Forschung und Lehre 11/14, S. 884-886, 2014.
- Regina Frey, Marc Gärtner, Manfred Köhnen, Sebastian Scheele: Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie - Argumente im Streit um Geschlechterverhältnisse (2. Auflage). Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung, 18.09.2013. https://www.boell.de/sites/default/files/gender_wissens ... age.pdf
- Reinhard Jellen (Paula-Irene Villa): "Wer hat die Grenzziehung zwischen Männern und Frauen wie gemacht?". Telepolis, 01.06.2013. https://heise.de/-3399006
- Paula-Irene Villa (Reinhard Jellen): "Geschlecht ist nichts anderes als andauernde prozesshafte Konstruktion". Telepolis, 02.06.2013. https://heise.de/-3503693
- Ilse Lenz: Keine Angst vorm bösen Gender. Tagesspiegel, 01.09.2015. https://www.tagesspiegel.de/wissen/serie-gender-in-der- ... 04.html
- Geschlechterforschung - Bericht und Empfehlungen. Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen, 2013-02. https://www.wk.niedersachsen.de/download/75596
Professuren
Zentrale Beratungs- und Servicestellen
Parteinahe Stiftungen
Fachgesellschaften
Man kann die Gender Studies u.a. über die Institutionen charakterisieren, die sich entweder selber den Gender Studies zuordnen oder in Übersichten zugeordnet werden. Die mit Abstand bedeutendsten Institutionen sind staatliche finanzierte Professuren an Universitäten und Fachhochschulen, ggf. auch an damit verbundenen, formell ggf. unabhängigen Forschungseinrichtungen, insb. von parteinahen Stiftungen. Relevant sind ferner einschlägige Fachgesellschaften.
Diese Professuren sind diversen Fachgebieten zugeordnet, vor allem der Soziologie, sozialen Arbeit, Pädagogik, Geschichte, Literatur oder Psychologie, in einigen Fällen auch den Ingenieurdisziplinen. Kein einziger Lehrstuhl ist der Biologie zugeordnet, nur 3 der Medizin, weniger als 10 % den Natur- und Ingenieurwissenschaften, fast alle den Sozial- und Kulturwissenschaften.
Die tatsächliche Anzahl der Gender Studies-Professuren kann noch höher sein. Die Datenbank basiert auf der offiziellen Denomination der Professuren, also der offiziellen thematischen Einordnung, bzw. den Angaben in der Stellenausschreibung. Es gibt allerdings auch viele Professuren, z.B. in der Soziologie, die faktisch einen langfristigen Schwerpunkt in der Geschlechterforschung haben, ohne daß die Denomination dies erkennen läßt (Beispiel). Die genaue Menge dieser inoffiziellen Gender Studies-Professuren kann nur sehr schwer ermittelt werden, zumal sich die Arbeitsschwerpunkte einer Professur mit der Zeit verschieben können.
Die Zahl der Gender-Lehrstühle wird in manchen Publikationen heruntergespielt. So behauptete Detjen (2015) mit Verweis auf den WDR, es gäbe nur 15 "explizite Gender-Lehrstühle" (also vermutlich Voll-Denominationen). Der WDR verwies wiederum auf die ZEFG-Datenbank (inzwischen hier). Dort wiesen bei den beiden Disziplinen "Frauen- und Geschlechterforschung (Gender Studies)" bzw. "Gender und Diversity" insg. 15 Professuren auf, davon allerdings 6 außerhalb von Deutschland. Der WDR übersah leider die Fußnoten an den beiden Disziplinen: "Genannt sind hier zwei wissenschaftliche Felder, die keine eigenständige Fachdisziplin bilden. Die Professuren in diesen Feldern sind meist interdisziplinär angelegt." D.h. es handelt sich hier nicht um wörtliche Denominationen, was wegen der inhaltlichen Unschärfe des Begriffs "Gender Studies" auch problematisch wäre. Generell ist bei allen Einträgen der ZEFG-Datenbank nicht bekannt, welchen Anteil Gender-Themen in der tatsächlichen Arbeit der Stelle haben.
Die Genderlehrstühle sind typischerweise in der jeweiligen Universität institutionell eng vernetzt mit der Frauen- bzw. Gleichstellungsbeauftragten bzw. entsprechenden Kommissionen, zentralen Service-Stellen, angelagerten Instituten usw. Die Frauenbeauftragten haben ihrerseits Mitspracherechte bei der Besetzung von Professuren. Man kann daher davon ausgehen, daß Personen nur dann eine Chance auf eine Berufung auf einen Genderlehrstuhl haben, wenn sie ihre feministische Gesinnung deutlich gemacht haben. Hirschauer konstatiert dazu nüchtern, daß Gender Studies reine Frauenfördermaßnahmen sind, durch die einfach mehr Frauen (mit der erwünschten ideologischen Ausrichtung) in das Universitätssystem eingeschleust werden sollen.
Die Universitäten finanzieren über ihre Personalmittel nicht nur die Genderlehrstühle, sondern ggf. zusätzliche Institute, die Arbeitsschwerpunkte bilden sollen. Sowohl Genderlehrstühle wie Gender-Institute werben zusätzliche Drittmittel bei der DFG, einschlägigen Ministerien und sonstigen Fördereinrichtungen ein und können damit zusätzliche Stellen finanzieren.
In Deutschland findet man nur eine Fachgesellschaft, die "Gender Studies" in der Selbstbezeichnung führt, die Fachgesellschaft Geschlechterstudien // Gender Studies Association. Nach eigenen Angaben hat sie über 400 Mitglieder, deren professionelle Ausrichtung aber beliebig zu sein scheint. Ob dort z.B. eine Großteil der ca. 150 deutschen Gender-Professoren Mitglied ist, erscheint fraglich.
Ferner gibt es in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), die sich als Standesvertretung der akademischen Soziologie darstellt, unter den 36 Sektionen eine Sektion Frauen- und Geschlechterforschung. Der Sprecherrat besteht aus 8 Frauen (Stand: 2014). Über Größe und Zusammensetzung der Mitgliederschaft finden sich keine Informationen auf der Webseite. Die Aktivitäten / Initiativen der Sektion haben wenig mit Fachwissenschaft zu tun und mehr mit feministischem Aktivismus. Der ausgiebige Gebrauch von genderfeministischen Symbolen wie z.B. Tiefstrichen macht die ideologische Positionierung sehr deutlich.
Beide Gesellschaften scheinen sich personell zu überschneiden und eng zu kooperieren. Beide sind wesentlich kleiner als übliche Fachgesellschaften, vor allem hinsichtlich der Breite der fachlichen Aktivitäten in Arbeitsgruppen oder der Repräsentation einer Forschungsgemeinde. Die geringe Größe steht in auffälligem Gegensatz zur enormen thematischen Breite und gesellschaftlichen Relevanz, die die Gender Studies üblicherweise für sich beanspruchen.
Geschlechterverteilung: (zwangsläufige) extreme Dominanz von Frauen
Strukturelle Diskriminierung von Männern
Auswirkungen auf die Qualifikation des wissenschaftlichen Personals
Quellen
Die fachliche Ausbildung des Personals in der Genderforschung ergibt sich i.w. schon aus der fachlichen Zuordnung der Lehrstühle, da i.d.R. einschlägige akademische Abschlüsse gefordert werden.
- Die Gender Studies sind historisch entstanden aus den "Women Studies", die sich als Gegenwissenschaft zu den etablierten, personell von Männern dominierten Wissenschaften verstanden und die Männer bewußt ausschlossen. Aus dieser Ära stammen noch viele der heutigen Stelleninhaberinnen. Auch wenn der explizite Ausschluß von Männern heute politisch nicht mehr opportun ist und offziell das Gegenteil behauptet wird, scheint die grundsätzliche Ablehnung von Männern auch heute noch verbreitet zu sein und sich weiterhin auf Stellenbesetzungen auszuwirken.
-
Gemäß der feministischen Standpunkttheorie - eine
prägende offizielle Denkschule in den Gender Studies -
haben Frauen aufgrund der ideologisch unterstellten
patriarchalen Herrschaftsverhältnisse einen objektiveren
Zugang zu Geschlechterfragen und damit eigentlich zu allen
Themen, denn irgendwie sind fast überall Männer oder
Frauen beteiligt. Anders gesagt wird Männern attestiert,
unfähig oder zumindest unerwünscht in der
Geschlechterforschung zu sein.
(Anmerkung: Naturwissenschaftlich geprägte Leser muß man
hier daran erinnern, daß es in Gebieten wie der
Soziologie, Philosophie u.ä. keine objektive Wahrnehmung
bzw. absoluten Wahrheiten gibt, sondern die
Realitätswahrnehmung immer vom Standpunkt einer Person
abhängt.)
Diese Haltung ergibt sich auch aus der häufig auftretenden Aussage "Gender Studies erforschen Geschlechterhierarchien": Dieses Beispiel von feministischem Doublespeak enthält zwei unbewiesene bzw. falsche Behauptungen als versteckte Botschaften, nämlich erstens daß Männer und Frauen zwei homogene Kollektive bilden und zweitens daß Frauen generell den Männern untergeordnet sind und von Männern diskriminiert werden, also unten in der Hierarchie sitzen. Als charakterlich minderwertige Konstrukteure und Profiteure dieser Hierarchie sind Männer offensichtlich ungeeignet, Geschlechterhierarchien zu erforschen.
- Die Bevorzugung von Frauen entspricht dem häufig erkennbaren feministischen Anspruch, daß Fragen des Geschlechterverhältnisses alleine von Frauen entschieden werden, da Frauen über besserer Empathiefähigkeit oder weitere intellektuelle Vorteile gegenüber Männern verfügen. Männer sind allenfalls als unterstützende, sich bedingungslos unterordnende "Allies" erwünscht.
- Das intrinsische Interesse einer Person an diesem Fach ist offensichtlich umso höher, je stärker diese Personen feministisch eingestellt bzw. radikalisiert worden sind. Bei diesem Personenkreis handelt es sich fast nur um Frauen.
- Ein sehr großer Anteil des Arbeitsmarkts für die Absolventen steht nur Frauen offen. Bei den Gleichstellungs- bzw. Frauenbeauftragtenstellen sind Männer durch gesetzlicher Zwänge ausgeschlossen. An universitären Stellen führen die schon oben erwähnte Funktion der Gender Studies als reine Frauenfördermaßnahme (s. auch Hirschauer (2014)) und ähnliche politische Einflußnahmen auf die Stellenbesetzungen zu fast ausschließlich weiblichen Stellenbesetzungen. Bei den wenigen verbleibenden Stellen, bei denen Männer nicht durch prinzipiell ausgeschlossen sind, sind sie aufgrund des feministischen Kontexts (vgl. Mansplaining-Vorwurf) i.d.R. für die Feministinnen, die über die Besetzung von Stellen entscheiden, nicht tragbar. Man wird auch keinen Muslim als Küster in ein katholischen Pfarrei einstellen. Das Arbeitsplatzrisiko ist also für männliche Absolventen extrem hoch und weitaus höher als für weibliche. Die Chance, überhaupt einen Arbeitsplatz in dem für diese Ausbildung einschlägigen Arbeitsmarkt zu bekommen, tendiert für Männer gegen Null.
- Aufgrund der feministischen Lehrinhalte der Gender Studies sitzen männliche Studenten und Mitarbeiter ständig wegen ihrer Erbsünde, ein Mann und Mitglied des Patriarchats zu sein, auf der Anklagebank (vgl. Erfahrungsbericht eines männlichen Studenten). Die Lehrinhalte als solche stellen aufgrund des ihnen innewohnenden Sexismus gegen Männer eine permanente Aggression gegen männliche Studenten dar. Diese Mobbing-Situation ist kaum mit einem halbwegs normalen Selbstwertverständnis vereinbar, zumal Widerspruch gegen offensichtlich falsche oder fragwürdige feministische Dogmen nicht erlaubt ist.
- Aufgrund der hohen Konzentration (radikal-) feministischer Personen, speziell auch als Dozenten, Prüfer und in anderen Machtpositionen, ist ein feindseliges Klima gegen Männer (sowie nichtfeministischen Frauen) vorhanden. Dies äußert sich u.a. durch die hohe Präsenz von Gendersternen und ähnlichen Symbole radikalfeministischer Denkweisen bzw. dem Zwang, diese Symbole entgegen der eigenen politischen Orientierung verwenden zu müssen.
Feministische Akteure betonen normalerweise bei allen erdenklichen Gelegenheiten - vor allem bei lukrativen Positionen in Aufsichtsräten - die zwingende Notwendigkeit und Vorteilhaftigkeit von Geschlechterdiversität. Vor diesem Hintergrund ist es extrem überraschend (und ein weiteres Beispiel für feministisches Doublespeak), daß der faktische Ausschluß von Männern von den Gender Studies achselzuckend hingenommen wird - Maßnahmen zur Erhöhung des Männeranteils sind unbekannt oder stoßen sogar auf heftigen Widerspruch.
Einen deutliches Indiz hierfür liefert eine Untersuchung sämtlicher Berufungen auf Professuren in Soziologie in Deutschland von 1980 bis 2013 (s. Lutter). Diese Untersuchung zeigt, daß Frauen wesentlich weniger als Männer publiziert haben mußten, um berufen zu werden.
- Frauen im Vorteil - Wie man zu einer Soziologie-Professur kommt. FAZ, 29.01.2015. https://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/wie-man ... 69.html
- Mark Lutter, Martin Schröder: Who Becomes a Tenured Professor, and Why? - Panel Data Evidence from German Sociology, 1980-2013. Research Policy 45:5, p.999-1013, DOI 10.1016/j.respol.2016.01.019, 06.2016. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048733316300129
- Yiftach Shiloni: Why is gender studies dominated by one gender? Haaretz, 12.05.2010. https://www.haaretz.com/print-edition/features/why-is-g ... .289830
Erfahrungsbericht eines männlichen Studenten mit einem Gender-Studies-Studiengang.
Einzelne Veranstaltungen
Studiengänge
Berufsbild: feministischer Aktivist
Feministische Indoktrination
Curriculare Schwerpunkte
Quellen
Die Teilnehmer "... sollen befähigt werden, die postulierte Geschlechtsneutralität der Chemie zu hinterfragen und die Ergebnisse zu Geschlecht und Chemie in die Geschlechterforschung in Naturwissenschaft und Technik allgemein einzuordnen. ...". Die Lerninhalte vermitteln, "... wie sich die Geschlechterverhältnisse auf das Wissen und die Produkte, die in der Chemie produziert werden, sowie auf die Forschungs- und Entwicklungsrichtungen, die von ihr verfolgt werden, auswirken" und "hinterfragen das insbesondere in der scientific community noch immer wirkmächtige Selbstverständnis der Chemie als eine exakte und objektive Naturwissenschaft".
.... In den Gender Studies Modulen wird Geschlecht als ein Mechanismus begriffen, über den soziale Positionen, Arbeit, Macht, Ressourcen und Anerkennung different und hierarchisch zugewiesen werden. Die Analyse dieser Mechanismen und der Konstruktionsprinzipien von Geschlecht und hierarchischen Geschlechterverhältnissen in Theorie und Praxis bilden den Gegenstand von Gender Studies und feministischer Wissenschaft. .... Ein wichtiges Anliegen des Studienprogramms ist die Entwicklung von Perspektiven für eine Überwindung hierarchischer Geschlechterverhältnisse in Wissenschaft und Gesellschaft.Der Begriff "Geschlechterhierarchie" ist ein verbreiteter Kampfbegriff, der die versteckte, offensichtlich falsche Botschaft übermittelt, Frauen seien überall unterdrückt. Ohne Zustimmung zu dieser stark ideologischen Sichtweise ist ein erfolgreiches Studium vermutlich nicht möglich. Dies dürfte der Grund sein, warum es vor Beginn des Studiums des Programms notwendig ist, in der - sicherheitshalber nur mit Frau*innen besetzten - Geschäftsstelle an einem "Beratungsgespräch" teilzunehmen, das man kaum anders als als Gesinnungstest interpretieren kann.
Die Absicht, feministische Agitatoren auszubilden, wird u.a. in § 2 der Ordnung für das Studienprogramm Gender Studies und feministische Wissenschaft unmißverständlich ausgedrückt:
Das Ziel des Studienprogramms besteht darin, Studierende wissenschaftlich fundiert auf eine durchaus auch geschlechtsspezifisch geprägte Berufspraxis vorzubereiten und dazu zu qualifizieren, gesellschaftliche Strukturen und ihren aktuellen Wandel in einer geschlechtssensiblen Reflektion zu erkennen; gleichzeitig sollen sie die Fähigkeit erwerben, in geschlechtergerechter Weise in diesen Prozess zu intervenieren.Als Arbeitgeber werden u.a. benannt der öffentlichen Dienst, Antidiskriminierungsstellen, Kinder- und Jugendarbeit, Beratungsberufe u.ä. In Privatwirtschaft wird aufgrund von EG-Richtlinien ein wachsender Bedarf nach Gender-Expertise erwartet.
Die Absicht, feministisch zu indoktrinieren, ist auch in der "didaktischen" Publikation Kleinman (2006) erkennbar: diese schlägt explizit Methoden vor, wie man die zu erwartenden Zweifel der Studenten am Dogma von der allgegenwärtigen Unterdrückung der Frauen bekämpfen kann.
Es ist indes fraglich, ob man von Indoktrination in dem Sinne reden kann, daß ideologisch unvoreingenommene Studenten indoktriniert werden. Die meisten Immatrikulierten dürften schon vor Beginn des Studiums indoktriniert gewesen sein. Analog dazu wird man sich als überzeugter Atheist wohl kaum in einen Studiengang für katholische Religionslehre immatrikulieren, weil man mit seinen Ansichten nur aneckt und sehr wahrscheinlich Opfer von Mobbing und das Studium abbrechen wird.
Analog dazu braucht man als Mann einen ausgeprägten Masochismus, ein Fach zu studieren, in dem es Prüfungsstoff und unhinterfragbare Wahrheit ist, daß Männer die Ursache allen Übels sind, wo Verschwörungstheorien von einem Patriarchat gelehrt werden und wo feministische Quellen, die vor Männerhaß nur so strotzen, Pflichtlektüre sind. Männer sind daher (und aus weiteren guten Gründen) in den Gender-Studies-Studiengängen eine winzige Minderheit. (Vor diesem Hintergrund ist es bizarr, wenn Feministen rätseln, warum so wenige Männer Gender Studies studieren.)
Es gibt daher nur wenige Berichte von "Dissidenten". Zu den wenigen in größeren Medien veröffentlichten Fällen gehört eine Klage gegen das Gender Institute der LSE, London, wegen dessen anti-male bias. Airaksinen (2016) und Irvine (2018) beklagen die faktenwidrige politische Propaganda und Indoktrination, der sie im Studium ausgesetzt waren. Schneider (2019) berichtet u.a. von der starken ideologischen Vorprägung der Immatrikulierten und dem "Verdrängen" (durch Studienabbruch) Andersdenkender.
Dieser Eindruck bestätigt sich auch bei der Durchsicht einschlägiger Lehr- und Handbücher, s. nächsten Abschnitt.
- Toni Airaksinen: What I Learned In My Women's Studies Classes. Quillette, 26.08.2016. https://quillette.com/2016/08/26/what-i-learned-in-my-womens-studies-classes/
- Tony Bonnici: Former student sues LSE over its 'gender bias' against men. Evening Standard, 05.09.2011. https://www.standard.co.uk/hp/front/former-student-sues ... 12.html
- Amelia Irvine: Women's Studies emphasizes activism over academics: My experience at Georgetown University. Washington Examiner, 25.05.2018. https://www.washingtonexaminer.com/red-alert-politics/w ... versity
- Sherryl Kleinman, Martha Copp, Kent Sandstrom: Making Sexism Visible: Birdcages, Martians, and Pregnant Men. Teaching Sociology 34:2, p.126-142, DOI: 10.1177/0092055X0603400203, 04.2006. https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0092055x0603400203
- Anna Schneider: "Wir sind alle Opfer hier". addendum, 22.11.2019. https://www.addendum.org/news/opferstudium/
- Zoe Strimpel: Why do so few men take gender studies courses? Guardian, 19.11.2012. https://www.theguardian.com/lifeandstyle/the-womens-blo ... studies
- Ordnung für das Studienprogramm Gender Studies und feministische Wissenschaft an der Philipps-Universität Marburg vom 17.12.2008. Philipps-Universität Marburg, 17.12.2008. https://archive.is/?url=https://www.uni-marburg.de/de/u ... ies.pdf
In normalen Wissenschaften gibt es stets grundlegende (ggf. sehr dicke) Lehrbücher, in denen die Grundlagen dieser Wissenschaft oder wesentlicher Teilgebiete derselben dargestellt werden, deren Kenntnis von jedem akademisch Gebildeten in diesen Fächern erwartet wird. Diese Lehrbücher sind oft für Erstsemester geschrieben und stellen sowohl die Methoden wie die wichtigsten Themenfelder und die zugehörigen Ergebnisse dar.
Die unten folgende Liste von Werken ist das Ergebnis einer Suche nach entsprechenden Werken für die Gender Studies, die (a) auf deutsch geschrieben sind und die die deutschen Themenschwerpunkte der Gender Studies abbilden, (b) maximal 15 Jahre (Stand: 2017) alt sind, (c) über den Buchhandel allgemein erhältlich sind bzw. eine gewissen Verbreitung haben.
Das Ergebnis der Suche ist nicht allzu ergiebig. Lehrbücher im klassischen Sinn sind nur Degele (2008) und Schoessler (2008). Weitere Werke sind eher Handbücher, Lexika bzw. Materialsammlungen, die aus einer Vielzahl isolierter Beiträge von verschiedenen Autoren bestehen und die man i.a. nicht von Seite 1 an lesen wird: Becker (2010), Buehrmann (2014), Bussmann (2005), Kroll (2002), vonBraun (2006) und vonBraun (2013). Als Beispiel für eine Monographie, die als Schlüsseltext angesehen wird und die ein ähnliches Themenspektrum wie die vorstehenden Handbücher abdeckt, sei Lorber (1999) genannt.
- Hochumstrittene Dogmen der feministischen Ideologie, insb. die blank-slate-Hypothese, werden regelmäßig betont und als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse dargestellt (Belege s.u.).
- Die Bandbreite der Themengebiete bzw. Kontexte, in denen die Frauenfrage behandelt wird, ist enorm groß. Dies ist insb. bei den umfangreicheren Handbüchern (Becker (2010), von Braun (2013)) gut sichtbar. Die einzelnen Themen werden daraus folgend nur kurz auf 10 - 40 Seiten behandelt. Eine so oberflächliche Einführung vermittelt nicht genug Wissen, um in den verschiedenen Themengebieten fachlich seriös mitreden zu können.
- Die Wissensgebiete Medizin, Biologie, insb.
Verhaltensbiologie, und verwandte Gebiete sind selbst in
umfangreichen Werken wie von Braun (2013)
überhaupt nicht vertreten, Psychologie nur am Rande.
- Bemerkenswert ist ferner, daß keinerlei Methodenwissen für empirische Sozialforschung erwähnt wird, das eigentlich obligatorisch für Psychologie- und Soziologie-Studiengänge ist und dort üblicherweise erheblichen Raum einnimmt.
- Auffällig ist der breite Raum, den die Geschichte der Frauenbewegung und davon kaum trennbar die der Gender Studies selber (die sich hier scheinbar selbst erforschen!) einnimmt. Zur Lösung eventuell heute noch existierender sozialer Probleme trägt dieses Wissen praktisch nichts bei. Umgekehrt stärkt es aber die Fehlwahrnehmung, schon immer und auf Ewigkeit ein unterdrücktes Geschlecht zu sein.
"... die Einsicht der Gender Studies, daß Weiblichkeit und Männlichkeit nicht aus biologischen Konstanten abgeleitet werden können, sondern auf historisch-zeitgebundenen, soziokulturellen Konstruktionen von sexueller Identität basieren ... ... bei der gesellschaftlichen Konstruktion der Geschlechterhierarchie gespielt haben."Degele (2008) nimmt an, "... dass in Geschlechtern, Sexualitäten und Körpern mehr Soziales als Natürliches steckt". von Braun (2013) stellt die in ihrer Unbegrenztheit völlig absurde Behauptung auf: "Geschlechternormen sind von der Antike bis in die Gegenwart jeder Form des Wissens eingelagert. Sie bilden das unbewusste Fundament unserer Kultur und Gesellschaft." Lorber (1999) ist überzeugt, "eine Kategorie von Menschen [sei] Untertanen der anderen Kategorie."
Die deutschen Lehrbücher unterscheiden sich hinsichtlich der blank-slate-Hypothese nicht von den englischen. Stern (2016) hat eine relevante Stichprobe entsprechender englischer Lehrbücher untersucht, wie dort die (unrichtige) blank-slate-Hypothese behandelt wird. In fast allen Texten wurde sie explizit propagiert, nur in einem einzigen Fall wurde sie hinterfragt.
- Die lautesten Stimmen auf beiden Seiten stammen nicht aus der Forschung, sondern aus dem Politik- und Parteienumfeld, der feministischen Infrastruktur (Beispiel: LaKoG-Kampagne zugunsten der Gender Studies) sowie dem feministischen Journalismus.
- Wegen der engen Verbindung mit der feministischen Ideologie und wegen der Interessen feministischer Parteien führt eine fachliche Wissenschaftskritik reflexartig zur bedingungslosen Protektion durch feministische Parteien und Medien.
- Die meisten der Kritisierten, vor allem der knapp 200 Gender-Professoren, nehmen erstaunlicherweise gar nicht an der öffentlichen Debatte teil. Grob geschätzt nur ca. 10 Gender-Professorinnen sind in öffentlich sichtbarer Weise aufgetreten, daneben eine ähnliche Zahl von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der Lehrstühle.
- Viele Protagonisten der Gender Studies, denen Raum in reichweitenstarken Medien gegeben wird, stammen aus dem Parteienumfeld, ideologischen Think-Tanks wie dem Gunda-Werner-Institut oder bestenfalls der 2. oder 3. Reihe der Forschungsinstitutionen, repräsentieren also selber keine führende Forschungskompetenz.
Im Endeffekt sind keinerlei politische Konsequenzen der viele Jahre andauernden Debatten um die Gender Studies erkennbar. Hirschauer spricht von einer Wagenburg-Mentalität seitens der Kritisierten, diese Wagenburg scheint aufgrund der politischen Rückendeckung auch gut zu funktionieren. Insofern ist nicht zu erwarten, daß eine selbst eine fundierte fachliche Kritik an den Gender Studies, insb. an deren (Un-) Wissenschaftlichkeit, irgendwelche realen Konsequenzen haben wird, z.B. eine Reduktion der Zahl der Professuren.
Die folgenden Abschnitte beleuchten die Debatte um die Gender Studies von mehreren Seiten, insb. welche Akteure mit welchen Standpunkten auftreten und welche Rolle die Medien hierbei spielen. Interessanterweise gibt es auch erhebliche interessengesteuerte feministische Kritik an den Gender Studies.
Die Unwissenschaftlichkeit einer solchen feministischen Zweckwissenschaft ist politisch toleriert oder sogar - mit Blick auf die Funktion als Kaderschule für die Feministische Infrastruktur - gewollt. Öffentliche Kritik an der Unwissenschaftlichkeit ist unerwünscht und wird nach Möglichkeit unterdrückt, als Frauenfeindlichkeit dämonisiert und tabuisiert. Fachliche Kritik führt jedenfalls nicht zur Einstellung der Finanzierung der Zweckwissenschaft und ist insofern politisch wirkungslos.
Ebenfalls keine Rolle spielt die bei normalen Fächern übliche Frage, ob für die Absolventen der Studiengänge ein Arbeitsmarkt vorhanden ist bzw. ob die Professuren voraussichtlich in der Lehre ausgelastet werden. Die Denkweise ist gerade umgekehrt: die angebotene Lehrkapazität soll zu Maßnahmen zu deren Auslastung führen, also zu einer von oben gesteuerten Lehrnachfrage, z.B. indem Pflicht- oder Wahlfächer in vorhandenen Studiengängen eingerichtet werden. Diese Lehrangebote werden oft als "Soft Skills", "überfachliche Kompetenzen" o.ä. vermarktet. Hierdurch soll eine möglichst breite Basis zur Verbreitung feministischer Dogmen geschaffen werden.
Stellen für Gender-Studies-Forscherinnen können auch außerhalb von üblichen universitären Stellenplänen und Finanzierungsmodellen eingerichtet bzw. finanziert werden, z.B. mit Hinweis auf die gesellschaftliche Aufgabe, die geplante gesellschaftliche Transformation wissenschaftlich zu unterstützen.
Aufgrund dieser Machtverhältnisse besteht auch für Instanzen, die Gender Studies betreiben, keinerlei Zwang, sich an Evaluationen zu beteiligen. Im Gegensatz zu normalen Fächern ist daher eine externe Evaluation praktisch unmöglich bzw. deren Resultate werden politisch vorgegeben.
Der überwiegende Teil der Mainstream-Medien in Deutschland ist seit Jahrzehnten mehr oder weniger stark feministisch geprägt und sieht seine Aufgabe nicht darin, die Leser ergebnisoffen aufzuklären oder sogar zu eigener Kritik zu ermächtigen, sondern im Gegenteil zu "erziehen", also zu indoktrinieren. Speziell durch die Lobbying-Organisation ProQuote Medien wird diese feministische Prägung in letzter Zeit sogar noch expliziter sichtbar und aggressiver verfolgt: die dort vereinigten Journalistinnen benutzen feministische Dogmen, um persönliche Vorteile für sich als Gruppe zu fordern. Da diese Dogmen konstitutiv für die Gender Studies sind, ist eine unvoreingenommene Berichterstattung ist von den Journalistinnen von ProQuote nicht zu erwarten.
Substantielle Kritik an den "wissenschaftlichen Gender Studies" wurde und wird daher in den feministischen Mainstream-Medien nicht oder nur in homöopathischen Dosen zugelassen. In einer Zeitung wie z.B. der Süddeutschen ist ein Artikel, der die bekannte massive Kritik an den Gender Studies thematisiert oder sogar harte Konsequenzen fordert, kaum denkbar. Am ehesten findet sich noch Kritik in der FAZ (Beispiel) oder der Welt, dort allerdings eher im Zusammenhang mit Kritik am Feminismus oder dem Prinzip Gender Mainstreaming. Diese stellen die feministischen Dogmen und damit implizit die Wissenschaftlichkeit der Gender Studies infrage, was aber keine explizite Debatte ersetzt.
Unter den feministischen Zeitschriften leistete sich die ZEIT in 2013 eine vielbeachtete Ausnahme von der Nichtbeachtung der Kritik an den Gender Studies, und zwar mit dem Artikel Schlecht, schlechter, Geschlecht von Harald Martenstein. Dieser Text löste eine lange anhaltende öffentliche Debatte über die Unwissenschaftlichkeit der Gender Studies aus.
Eine ganze Serie von Artikeln und Interviews löste kürzlich das Buch "Adams Apfel und Evas Erbe" des hochdekorierten Biologieforschers Axel Meyer aus (Beispiel). Darin greift er die These der dominierenden Denkschulen innerhalb der Gender Studies an, wonach es keine biologisch begründeten Präferenzen für soziales Verhalten gibt.
Inhaltlich ähnliche Standpunkte werden seit längerem von dem Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera vertreten, allerdings nur außerhalb der MSM. Mehr Aufmerksamkeit erregte ein Interview im RBB. Dieses führte zu einem Artikel in den HNA, der von einer drastischen Stellungnahme Kutscheras begleitet war. Diese führte zu weiteren Reaktionen.
- Richard Friebe: Genderstudies und Biologie: "Da treffen zwei Welten aufeinander". Tagesspiegel, 13.09.2013. https://www.tagesspiegel.de/wissen/genderstudies-und-bi ... 96.html
- Bastian Ludwig: Kritik an Gender-Forschung: Biologe sieht "Sekte" am Werk. HNA, 31.08.2015 - 10:00. https://www.hna.de/kassel/kritik-gender-forschung-biolo ... 26.html
- Harald Martenstein: Schlecht, schlechter, Geschlecht. DIE ZEIT, ZEITmagazin Nr. 24/2013, 06.06.2013. https://www.zeit.de/2013/24/genderforschung-kulturelle- ... ansicht
Auf Plattformen mit großer Reichweite wie Spiegel Online oder ZEIT Online erscheinen in der Größenordnung von 100 Artikeln p.a., die die Diskriminierung von Frauen beklagen und die dabei zentrale (unrichtige) Dogmen der Gender Studies mantrahaft wiederholen. Durch deren massenhafte Wiederholung erscheinen die Dogmen dem Publikum irgendwann als gesichterte Erkenntnis (s. Woozle effect).
In einigen unterstützenden Artikeln in Mainstream- und Sparten-Medien wurden die Gender Studies direkt thematisiert, u.a. Artikel von Hark/Villa (17.12.2014), Detjen (07.08.2015), Newmark (17.07.2015), Lenz (01.09.2015), Palm (08.09.2015), Peter (12.09.2015), Zeller (15.09.2015), Schutzbach (17.09.2015), Lettow (13.10.2015), Villa (02.08.2017), Butler (02.08.2017) u.a.
Erwähnenswert ist fermer der Sammelband Anti-Genderismus (Hark/Villa, 2015) (dessen Titel unfreiwillig bestätigt, daß es so etwas wie Genderismus gibt und die Autoren diesen unterstützen).
Praktisch alle Artikel sind voll von Argumentationsfehlern. Auf die zentralen Kritikpunkte, namentlich die politischen Verflechtungen der Gender Studies, gehen die Artikel i.d.R. überhaupt nicht ein.
Stattdessen wird regelmäßig eine Argumentation benutzt, die man analog zum true Scotsman-Denkfehler als true Gender Studies-Diskursstrategie bezeichnen kann: man unterstellt schon begrifflich, daß unter (den echten) "Gender Studies" nur wissenschaftliche, qualitativ hochwertige Forschung zu verstehen ist (zumindest potentiell). Die massenhaft auftretenden Fehlleistungen werden zur Randerscheinung deklariert, das offensichtliche Versagen eines wissenschaftlichen Qualitätssicherungssystems wird ignoriert.
Dessen ungeachtet werden - was ein innerer Widerspruch ist - vielfach Argumente benutzt, die den Wert der Gender Studies darin begründen, sie würden "Emanzipation" und dem "gesellschaftlichen Fortschritt" ermöglichen.
Die hochumstrittenen Dogmen der Gender Studies werden als gesicherte Erkenntnisse dargestellt, die von niemandem hinterfragt werden (Beispiel: Detjen). Aus der breiten Kritik an den Gender Studies werden ggf. die schrillsten Stimmen zitiert und als "aggressive Polemik" dargestellt, weswegen alle Kritik als unsachlich anzusehen ist und man sich auch nicht mit seriös formulierter wissenschaftlicher Kritik befassen muß.
Statt auf die Kritik einzugehen, werden Kritiker persönlich attackiert (eine typische ad-hominem-Attacke bzw. -Provokation). Newmark bezeichnet bspw. Kritiker als "die Gegner von Frauen und Emanzipationsinteressierten", die Angst vor einem besseren, gerechteren Leben haben, also als geistig eher rückständig, den 1950ern verhaftet und offenbar zu begriffsstutzig sind, um die Segnungen der Gender Studies und des Feminismus zu erkennen.
Insgesamt wehren die genannten (und andere) Artikel die Kritik an den Gender Studies pauschal ab, d.h. die Gender Studies werden praktisch blind unterstützt. .
Eine sehr umfängliche Darstellung der Gender Studies durch Prof. Villa erschien in Telepolis (Teil 1, Teil 2). Prof. Villa zeichnet dort ein stark idealisiertes Bild von Gender Studies im Sinne reiner Wissenschaft.
- Judith Butler, Sabine Hark: Die Verleumdung. Zeit Online, 02.08.2017. https://www.zeit.de/2017/32/gender-studies-feminismus-e ... ansicht
- Marion Detjen: Schafft doch gleich die Geisteswissenschaften ab! ZEIT Online, 07.08.2015. https://www.zeit.de/kultur/2015-08/gender-studies-mange ... ansicht
- Sabine Hark, Paula Villa: Das dubiose Gender (Attacken auf die Geschlechterforschung). Tagesspiegel, 17.12.2014. https://www.tagesspiegel.de/wissen/attacken-auf-die-ges ... 28.html
- Sabine Hark, Paula-Irene Villa: Anti-Genderismus - Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen. Bielefeld: transcript, 2015. https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3144-9/anti-genderismus
- Reinhard Jellen (Paula-Irene Villa): "Wer hat die Grenzziehung zwischen Männern und Frauen wie gemacht?". Telepolis, 01.06.2013. https://heise.de/-3399006
- Paula-Irene Villa (Reinhard Jellen): "Geschlecht ist nichts anderes als andauernde prozesshafte Konstruktion". Telepolis, 02.06.2013. https://heise.de/-3503693
- Ilse Lenz: Keine Angst vorm bösen Gender. Tagesspiegel, 01.09.2015. https://www.tagesspiegel.de/wissen/serie-gender-in-der- ... 04.html
- Susanne Lettow: Philosophieren über Gender (Serie: Gender in der Forschung 6). Tagesspiegel, 13.10.2015. https://www.tagesspiegel.de/wissen/serie-gender-in-der- ... 80.html
- Catherine Newmark: Aus Angst vor einem anderen Leben. Zeit Online, Kultur - Gender Studies, 17.07.2015. https://www.zeit.de/kultur/2015-07/gender-studies-femin ... ansicht
- Kerstin Palm: Das Biologische ist auch sozial. Tagesspiegel, 08.09.2015. https://www.tagesspiegel.de/wissen/serie-gender-in-der- ... 80.html
- Lilian Peter: Gender-Debatte: Die gekränkten Kritiker. Spiegel, 12.09.2015. https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/gender-debat ... 77.html
- Franziska Schutzbach: Die Vielfalt zum Schweigen bringen. WOZ Die Wochenzeitung, Nr. 38/2015, 17.09.2015. https://www.woz.ch/1538/genderstudies/die-vielfalt-zum-schweigen-bringen
- Paula-Irene Villa / Janna Degener-Storr: Gender Studies: Na, hast du auch Vorurteile? unicum, 02.08.2017. https://www.unicum.de/de/studentenleben/zuendstoff/gend ... urteile
- Jessica Zeller: Feindbild Gender. RBB Kulturradio, Di 15.09.2015, 19:04 - 19:30 Uhr, 15.09.2015. https://www.kulturradio.de/programm/sendungen/150915/kulturtermin_1904.html
Die Abwesenheit biologischer Einflüsse wird nicht nur statistisch für die Kohorten aller Männer bzw. Frauen postuliert, sondern sogar beim einzelnen Individuum bis hin zu dessen sexueller Orientierung und Identität. Kleinkinder seien zunächst für alle sexuellen Orientierungen offen und würden erst durch sozialen Einfluß und infolge der zu bekämpfenden Heteronormativität in eine der üblichen "normalen" Rollen gezwungen. Radikale Minderheiten gehen so weit, ihre sexuelle Orientierung bzw. Identität gar nicht festlegen zu wollen und je nach Stimmung und Tageslaune eine andere zu haben. Unter Schlagworten wie Sexuelle Vielfalt, UnOrdnung der Geschlechter und Überwindung des sexuellen Binarismus wird ein Kontinuum an sexuellen Orientierungen und Identitäten gefordert.
Unter dieser Annahme können sich auch Männer jederzeit als Frauen deklarieren und als Konsequenz Ämter und Stellen besetzen, die für Frauen reserviert sind, und die Unterstützung der Feministischen Infrastruktur beanspruchen.
"Gender" löst m.a.W. das Konzept "Frau" auf. Dies ist natürlich nicht erwünscht. Die grundsätzlich freie Wahl der sexuellen Orientierung und Identität ist grundlegend für große Teile der Gender Studies und u.a. für die feministischen Konzepte zur sexuellen Erziehung von Kindern. Diese Freiheit ist andererseits interessenpolitisch völlig inakzeptabel und wird aus dieser Position heraus strikt verneint.
-
Anja Kühne: Feminismus und Gender: "Werd' Feministin!". Tagesspiegel, 10.07.2013. https://www.tagesspiegel.de/wissen/feminismus-und-gende ... 96.html
Schwerer ... wiegt es nach Meinung einer Reihe von Autorinnen ..., dass "Gender" den Gegenstand feministischer Forschung, nämlich die Frau, zum Verschwinden gebracht hat.
-
Anja Kühne, Sarah Schaschek: Weniger Gender, mehr Feminismus. Tagesspiegel, 03.06.2015. https://www.tagesspiegel.de/wissen/streit-ueber-geschle ... 7771536
Besprechung von: Anne Fleig (Hrsg.). Die Zukunft von Gender. Begriff und Zeitdiagnose. Campus-Verlag, Frankfurt/New York 2014, ISBN 978-3-593-50084-3
Das Kollektiv "Frau", für das die feministische Wissenschaft bislang gesprochen hatte, wurde [im Poststrukturalismus der 1990er] radikal infrage gestellt. ... die "Frau" [wurde] unter dem Einfluss des Poststrukturalismus generell als ein Konstrukt erkannt, das durch die Gesellschaft, nämlich durch ihre (Sprach-)Handlungen, erst hervorgebracht und dabei normiert und naturalisiert wird.
.... Die in dem Band versammelten Wissenschaftlerinnen stellen zentrale Erkenntnisse der Gender-Forschung nicht infrage - wie etwa die Einsicht, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt ist. Sie loben die erheblichen Impulse, die Gender der Theoriebildung gegeben habe. Doch inzwischen halten sie Gender für unwirksam oder sogar kontraproduktiv, weil es auf Kosten der Frauen gehe.
- Es gibt viele Wissenschaften und etablierte Standards, was unter Wissenschaft bzw. Wissenschaftlichkeit zu verstehen ist. Danach sind die Gender Studies sogar nach vielen Eigendarstellungen keine normale Wissenschaft. Nur für die Teile der Gender Studies, die einen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben, kann dieser Anspruch diskutiert werden. Diese Teile sind oft keine eigene Wissenschaft, sondern nur Spezialgebiete vorhandener Wissenschaften, in denen Geschlechterunterschiede eine Rolle spielen.
- Sehr viele als Gender Studies etikettierte Spezialgebiete vorhandener Wissenschaften sind für aktuelle politische Debatten belanglos, z.B. Analysen der Geschlechterrollen in alter Literatur, die fast niemand mehr liest bzw. versteht. Am relevantesten sind Themen innerhalb der Soziologie und Psychologie. Kritik an der Unwissenschaftlichkeit der Gender Studies wird sehr oft implizit auf die politisch relevanten Anteile bezogen (auch im folgenden in diesen Text), vor allem wegen des Anspruchs der Gender Studies, gesellschaftliche Transformationen zu steuern und die Grundlage für praktische politische Entscheidungen, Gesetze usw. zu liefern.
- Es gibt mehrere Methoden der Wissenschaftsevaluation, die "eine Wissenschaft" aus verschiedenen Perspektiven bewerten. Schon bei diesen globalen Herangehensweisen sind gravierende Defizite der Gender Studies unübersehbar.
- Zu den wichtigsten Merkmalen einer Wissenschaft gehört eine "funktionierende" Wissenschaftstheorie, also fachspezifische Kriterien, wie die Korrektheit des "Wissens" überprüft werden kann, und Methoden, wie Forschungaktivitäten strukturiert sein sollten, um zu korrekten Ergebnissen zu kommen. Die dominierenden Wissenschaftstheorien in den Gender Studies, insb. der Sozialkonstruktivismus (Social_constructionism) und die damit zusammenhängende Feministische Standpunkttheorie sind hochgradig umstritten und außerhalb der Gender Studies (im Sinne einer Forscherpopulation) nicht anerkannt.
- die "blank-slate-Hypothese": Gemäß diesem Dogma ist "Geschlecht" sozial konstruiert, und soziale Geschlechtsunterschiede können nicht biologisch erklärt und begründet werden, auch nicht teilweise. Die feministischen Begriffe "Geschlecht" und "Gender" werden dabei durch eine Nebelwand von Widersprüchen und Vagheiten vor einer kritischen Hinterfragung geschützt, s. hierzu die separate Seite Kampfbegriff "Gender". Die Annahme, biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen würden keine statistisch signifikanten Auswirkungen auf das Sozialverhalten haben, gilt außerhalb der Gender Studies als falsch und widerlegt. In unmittelbarem Gegensatz dazu steht z.B. ein mehrere 100 Mal zitierter feministischer Klassiker, Lorber (1993), der die Biologie generell als Ideologie denunziert bzw. ablehnt.
- das
Patriarchatsdogma: Gemäß diesem Dogma existiert in
unserer heutigen Gesellschaft ein Patriarchat in der Form,
daß (a) Männer und Frauen zwei soziale Kollektive bzw.
Klassen sind, (b) die beiden Kollektive eine Hierarchie
bilden, und (c) die Klasse der Frauen in dieser
Geschlechterhierarchie unten steht. Frauen sind also als
immerwährendes Opfer den Männern untergeordnet und
werden von den Männern diskriminiert. Die Patriarchatshypothese ist völlig unhaltbar.
Das damit zusammenhängende Opferstatusdogma steht ebenfalls in eklatantem Gegensatz zu den zahllosen Privilegien für Frauen in unseren Gesetzen und im sozialen Alltag.
Die wissenschaftliche Neutralität und Ergebnisoffenheit wird ferner durch die offiziell proklamierte Haltung unterminiert, anwendungsorientiert zu sein und feministische Prinzipien überall in der Gesellschaft zu implementieren (Gender Mainstreaming), also letztlich radikal egalitäre Strukturen in Kooperation mit feministischen Parteien zu realisieren. Forschungsgegenstand sind daher "Interventionen", also politische Maßnahmen, die die gewünschte feministische Transformation der Gesellschaft erreichen. Analog zu Ingenieuren, die auf der Grundlage der Physik Geräte entwickeln, spricht man hier von "Sozialingenieuren", die die Gesellschaft auf der Grundlage feministischer Theorien transformieren wollen. Psychologische bzw. soziologische Theorien werden hier nur noch akzeptiert, wenn sie der vorgegebenen politischen Agenda dienen können.
- Judith Lorber: BELIEVING IS SEEING: Biology as Ideology. Gender & Society 7:4, p.568-581, 01.12.1993. https://journals.sagepub.com/toc/gasa/7/4
Merkmale eigenständiger Wissenschaften
Merkmale interdisziplinärer Wissenschaften
Okkupation medizinischer Forschung und "Gendermedizin"
... und wenn ja, dann was für eine?
Wesentliche Anteile der Gender Studies sind aufgrund ihrer Natur nicht wissenschaftlich, z.B. Kaderschulung oder reine Frauenförderung; die Unwissenschaftlichkeit dieser Anteile zu diskutieren erübrigt sich. I.f. verstehen wir daher unter "Gender Studies" diejenigen Anteile, die den Anspruch erheben, Wissenschaft zu sein. Dieser wird oft auch als Geschlechterforschung bezeichnet.
Beispielsweise erforscht die Physik die Struktur von Atomen, darin wirkende Kräfte, z.B. elektrische Felder, und atomare Vorgänge, z.B. Kernspaltung. Die Elektrotechnik erforscht Konstruktionsmethoden für alle möglichen elektrischen Geräte und adressiert u.a. deren Zuverlässigkeit, Stromverbrauch und Baukosten. Sie benutzt Theorien aus der Physik und Elektrochemie und sehr viel Mathematik, behandelt aber im Kern eigenständige, darauf aufbauende Probleme. D.h. obwohl Physiker, Elektroingenieure und Mathematiker teilweise die gleichen Lernstoffe lernen, haben sie insg. klar getrennte Themen und Kompetenzen.
Als Kernthemenbereich der Gender Studies wird regelmäßig die Untersuchung von Geschlechterunterschieden angegeben:
"Gender studies is a field of interdisciplinary study devoted to gender identity and gendered representation as central categories of analysis. ... These disciplines study gender and sexuality in the fields of literature, language, geography, history, political science, sociology, anthropology, cinema, media studies, human development, law, and medicine..."Geschlechterunterschiede sind aber kein klar abgegrenzter, sondern ein nahezu uferloser Problembereich. Man kann die Differenz zwischen zwei mathematischen Objekten nur verstehen, wenn man diese mathematischen Objekte (reelle Zahlen, Matrizen, ...) versteht. Geschlechterunterschiede kann man analog nur verstehen, wenn man die den jeweiligen biologischen, psychologischen oder sozialen Kontext verstanden hat. Hierzu sind in erster Linie Fach- und Methodenwissen im jeweiligen Problembereich erforderlich ist. Vor diesem Hintergrund sind Geschlechterunterschiede eher ein sekundäres Querschnittsthema. Wegen der unklaren thematischen Eingrenzung sind einheitliche Theorien und Methoden nicht möglich. Grundlegende Theorien, Lösungsansätze und -Methoden, mit denen sich überall Geschlechterunterschiede erklären und ggf. "behandeln" lassen, sind daher nicht bekannt und kaum vorstellbar.
Die Behauptung, die Gender Studies seien interdisziplinär, wird regelmäßig damit begründet, als zentrales, fächerübergreifendes Thema "das Geschlechterverhältnis" oder "Geschlechterunterschiede" zu untersuchen bzw. Geschlechterunterschiede als Analysekategorie zu verwenden (s. obige Wikipedia-Definition). Die Benutzung von Geschlechterunterschieden als Analysekategorie ist, sofern überhaupt sinnvoll, Teil einer Methodik oder Wissenschaftstheorie, also nur ein Mittel zum Erzielen von Ergebnissen, selber aber kein Ergebnis und keine Lösung realer Probleme. Diese Begründung einer angeblichen Interdisziplinarität ist also falsch.
Sucht man umgekehrt nach interdisziplinär zu behandelnden Fragestellungen, in denen Geschlechterunterschiede eine wesentliche Rolle spielen, so kann man wahrscheinlich in den Geistes- und Sozialwissenschaften fündig werden, beispielsweise in Überschneidungsbereichen von Literaturwissenschaften und Geschichte. Allerdings sind diese Überschneidungsbereiche sowieso auch ohne die Gender Studies vorhanden, die Gender Studies führen allenfalls zu einer weiteren Spezialisierung oder alternativen Denkschulen in diesen Gebieten. Diese Einzelfälle rechtfertigen wiederum nicht, die Gender Studies pauschal als interdisziplinär zu bezeichnen.
Die pauschale Behauptung, die Geschlechterforschung sei interdisziplinär, ist insgesamt nicht nachvollziehbar und eine bewußte Irreführung. Es ist völlig unklar, auf welche grundlegenden Wissenschaften und welche thematischen Überschneidungen derselben man sich bezieht. Tatsächlich erscheinen die meisten Forschungen, denen das Etikett Gender Studies angeheftet ist, nichtinterdisziplinäre Spezialthemen innerhalb der Literaturwissenschaften, der Soziologie u.a. klassischer Wissenschaften zu sein, in denen Geschlechterunterschiede auftreten oder vermutet werden. Insofern sind die Gender Studies ein Sammelsurium von Einzelproblemen und -Resultaten, die in verschiedenen klassischen Wissenschaften liegen und keinen inneren Zusammenhang aufweisen.
Interdisziplinäre Fragestellungen, bei denen auch Natur- oder Ingenieurwissenschaften eine Rolle spielen, sind nicht undenkbar. Wirklich interdisziplinäre Themen der Geschlechterforschung kann man z.B. in der Verhaltensbiologie, die selber nichtinterdisziplinär ist, finden. Gerade diese Themen werden aber in den real existierenden Gender Studies strikt abgelehnt, weil sie ideologische Dogmen gefährden. Eine wirklich interdisziplinäre Behandlung von Themen, in denen Geschlechterunterschiede eine Rolle spielen, steht außerdem vor großen methodischen Problemen und stellt selbst ohne ideologische Voreingenommenheit eine große Herausforderung dar.
- Personell sind die Gender Studies nicht qualifiziert, medizinische Forschung zu betreiben oder den vorhandenen medizinischen Wissensstand fachlich zu kritisieren oder zu widerlegen. Die Entwicklung besser für Frauen geeigneter Dosierungen und Kniegelenke ist ein Teil der Medizin, nicht der Gender Studies.
- Ggf. ist strategische Kritik an der medizinischen Forschung nötig, diese kann aber von der gesamten politischen Öffentlichkeit formuliert werden. Die Gender Studies sind kein besserer Kritiker als ein beliebiger Feuilletonist oder ein Patientenverein.
- Der Kern des Problems sind hier rein biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen. "Gender" in Sinne sozialer Geschlechterrollen spielt hier keine Rolle. Birgit Kelle kommentierte dies in der o.g. er "Hart aber fair"-Sendung, Frauen hätten kein "soziales Knie", sondern ein weibliches. Die Gender Studies verstehen entweder ihren zentralsten Begriff "Gender" selber nicht oder betreiben einmal mehr Doublespeak. Verblüffend ist hier auch, daß die Gender Studies normalerweise biologische Erkenntnisse kategorisch als irrelevant ablehnen.
- Ursache dafür, daß früher überwiegend Männer in den klinischen Tests benutzt wurden, liegt nicht in androzentrischen Denkweisen, sondern in der offensichtlichen Geringschätzung der Gesundheit von Männern, für die das Risiko von Gesundheitsschäden durch die klinischen Tests als nicht so schlimm abgesehen wird wie bei Frauen. Ein klassischer Sexismus gegen Männer wird hier umetikettiert als Frauenunterdrückung.
Die Versuche, medizinische Forschungsergebnisse als Teil der Gender Studies zu okkupieren, sind eine durchsichtige Strategie: Die Wissenschaftlichkeit dieser Forschungen und ihr realer Nutzen stehen außer Zweifel. Wenn man es schafft, diese Ergebnisse als Teil der Gender Studies einzuordnen, hat man (a) leicht verständliche Beispiele für wissenschaftliche Ergebnisse und kann (b) versuchen, dies auf beliebige andere Themen, die als Gender Studies etikettiert werden, zu verallgemeinern.
Methoden der Wissenschaftsevaluation
Evaluation anhand der Forschungsergebnisse
Evaluation anhand der Forschungsmethodik und des Qualitätssicherungssystems
Evaluation anhand der Qualifikation des Personals
Evaluation anhand des Forschungsbetriebs
Quellen
Die Wissenschaftlichkeit einer Forschungsdisziplin kann anhand unterschiedlicher Qualitätsmaßstäbe evaluiert werden; die wichtigsten sind:
- Vorhandensein eines Kernthemenbereichs und grundlegender Theorien, Lösungsansätze und -Methoden, mit denen sich Probleme in diesem Kernthemenbereich lösen lassen. Wie schon oben dargestellt ist dieses Kriterium bei den Gender Studies nicht erfüllt.
- anhand ihrer Ergebnisse
- anhand des Vorhandenseins einer Forschungsmethodik und entsprechenden wissenschaftlichen Standards sowie eines funktionierenden Qualitätssicherungssystems
- anhand der Qualifikation des Personals
- anhand der äußeren Umstände und Merkmale des Forschungsbetriebs
Bei einer "kleinteiligen" Evaluation überprüft man einzelne Publikationen oder andere wissenschaftliche Ergebnisse. Da man nicht Abertausende Einzelpublikationen prüfen kann, muß man sich auf zentrale oder charakteristische Ergebnisse beschränken; bei einem unsauber abgegrenzten, nach eigenem Bekunden praktisch gar nicht abgegrenztem Gebiet wie den Gender Studies ist dies kaum möglich bzw. extrem aufwendig.
Eine summarische Evaluation fragt nur danach, ob die realen Probleme, die eine Forschungsdisziplin adressiert, mit deren Methoden erfolgreich gelöst werden konnten. Eine Evaluation der Gender Studies anhand ihrer Ergebnisse führt zu sehr vielen Beispielen von Versagen. Maßstab ist der generelle Anspruch, auf Basis der Ergebnisse der Gender Studies Geschlechterunterschiede zu reduzieren. Die gesellschaftlichen Transformationen, die seit 1 bis 2 Generationen auf Basis von feministischen Theorien, die sich auf die Gender Studies beziehen, vorgenommen wurden, haben in vielen zentralen Punkten versagt, also den Praxistest nicht bestanden. Am besten ist dies unter den Schlagwort Gender-Paradox in den Filmen von Harald Eia dokumentiert worden.
Die eigentliche Qualitätssicherung leisten dabei im Endeffekt normalerweise die Experten aus dem gleichen Fachgebiet ("Peers"), die für Zeitschriften und andere Publikationsmedien eingereichte Beiträge begutachten und die hierbei u.a. die Einhaltung wissenschaftlicher Standards kontrollieren und ggf. eingereichte Publikationen ablehnen. Die Maßstäbe, nach denen ein Gutachter bewertet, müssen öffentlich und klar nachvollziehbar sein. Theoretisch sollte ein Forscher selber ein Gutachten über seine Arbeit schreiben können.
Die Glaubwürdigkeit eines wissenschaftlichen Qualitätssicherungssystems hängt offensichtlich davon ab, ob es imstande ist, Fehlleistungen zuverlässig auszufiltern und z.B. die Publikation von unrichtigen Ergebnissen zu verhindern, ferner davon, ob die wissenschaftlichen Standards auch für Außenstehende plausibel erscheinen.
Im Falle der Gender Studies sind eklatante Defizite im wissenschaftlichen Qualitätssicherungssystem unübersehbar:
- Teilweise wird wissenschaftliche Kritik prinzipiell abgelehnt oder nur von "genehmen" Kritikern zugelassen, also die wissenschaftlichen Qualitätssicherung prinzipiell abgelehnt. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die feministische Standpunkttheorie.
- Wie schon oben erwähnt haben die gesellschaftlichen Transformationen, die feministische Parteien auf Basis der Ergebnisse der Gender Studies durchgesetzt haben, oft den Praxistest nicht bestanden.
- In Einzelfällen wurde das krasse Versagen des Qualitätssicherungssystems genau dokumentiert. Der erste sehr bekannten Fall war die Sokal-Affäre. In 2018 haben Pluckrose, Lindsay und Boghossian eine ganze Serie von Hoax-Artikeln mit z.T. haarsträubenden Inhalten in "angesehenen" feministischen Journalen als peer-reviewte Beiträge untergebracht.
- Über 1000 Publikationen der Gender Studies, die schon anhand der Informationen in der Zusammenfassung offensichtlich keinen Qualitätsstandards genügen, wurden unter dem Twitter-Konto "Real Peer Review" dokumentiert.
Im Falle der Gender Studies werden die meisten potentiellen Forscher faktisch ausgeschlossen: wie schon oben erwähnt praktisch alle Männer, ferner die meisten nichtideologisierten Frauen. Diese drastische Reduktion des Pools talentierter Forscher kann kaum ohne Auswirkungen auf die Qualität der Forschung bleiben. Haidt berichtet über konkrete Fälle und die generellen Strukturen, wie nicht ideologisch bzw. feministisch geprägte Forscher schikaniert und letztlich aus dem Wissenschaftsbetrieb weggemobbt werden.
Die Evaluation von Haidt bezieht sich zwar "nur" auf die Sozialpsychologie (und vermutlich auf Nordamerika). Dieses Fachgebiet ist allerdings zentral für die Gender Studies, und die von Haidt beschriebenen Ursachen (namentlich die extrem unausgewogene ideologisch Positionierung des Personals) dürfte auch in benachbarten Fachgebieten zutreffen. Ferner kann wegen der internationalen Vernetzung und der Dominanz der USA geschlossen werden, daß die beschriebenen Verhältnisse auch in anderen Regionen ähnlich sind.
- José L. Duarte, Jarret T. Crawford, Charlotta Stern, Jonathan Haidt, Lee Jussim, Philip E. Tetlock: Political Diversity Will Improve Social Psychological Science. Behavioral and Brain Sciences 38, e130, doi:10.1017/S0140525X14000430, 03.09.2015. https://www.cambridge.org/core/journals/behavioral-and- ... 890149F
- Jonathan Haidt: It's finally out - The big review paper on the lack of political diversity in social psychology. heterodoxacademy.org, 14.09.2015. https://heterodoxacademy.org/2015/09/14/bbs-paper-on-la ... ersity/
-
Helen Pluckrose, James A. Lindsay,
Peter Boghossian: Academic Grievance Studies and the Corruption of
Scholarship. Areo Magazine, 02.10.2018. https://areomagazine.com/2018/10/02/academic-grievance- ... arship/
s. hier auch Betrogene Betrüger: Was korrumpiert akademische Forschung?
Kurzdarstellung der Standpunkttheorie
Relativismus und Konstruktivismus
Sozialkonstruktivismus
Begründung der Minderwertigkeit von Erkenntnissen privilegierter Forscher
Befangenheit als Qualitätsmerkmal?
Innere Widersprüche der feministischen Standpunkttheorie
Zusammenfassende Wertung der feministischen Standpunkttheorie
Quellen
Die Feministische Standpunkttheorie ist eine Wissenschaftstheorie, die von vielen Gender-Forschern propagiert wird und die einen Eckstein der Gender Studies bzw. "feministischer Wissenschaft" darstellt. In anderen Wissenschaften als den Gender Studies und ähnlichen Zweckwissenschaften gilt die Standpunkttheorie als unwissenschaftlich.
Die Kerngedanken der Standpunkttheorie, wonach Männer als patriarchale Unterdrücker nicht über gültiges Wissen verfügen können, finden sich auch außerhalb der Forschung in der Politik und im feministischen Demokratieverständnis wieder: Das Frauenstatut der Grünen schließt folgerichtig Männer systematisch an der politischen Zeilhabe aus.
- Die Erkenntnisgewinnung hängt von der Position des Forschenden innerhalb gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse ab.
- Es gibt bessere und schlechtere Standpunkte, von denen aus die Welt betrachtet und interpretiert werden kann. Tendenziell ist der Standpunkt einer dominierten Gruppe für eine objektive Wahrnehmung besser geeignet als der Standpunkt einer herrschenden Gruppe.
In der feministischen Standpunkttheorie kommt als weitere Unterstellung hinzu, daß eine Geschlechterhierarchie existiert, in der die Frauen immer die dominierte Gruppe bilden, also den Opferstatus beanspruchen. Hieraus ergibt sich automatisch, daß Frauen bzw. Vertreter feministischer Standpunkte bessere und damit die gültigen Erkenntnisse gewinnen. Kurz gesagt: Frauen haben immer recht.
Aus dem eigenen unterstellten Opferstatus wird also abgeleitet, eine bessere Erkenntnisfähigkeit und besseres Wissen zu haben. Diese Schlußfolgerung kann man auch bei SJWs und den zugehörigen Postcolonial Studies und ähnlichen (Pseudo-) Wissenschaften beobachten.
Die Gruppe der Frauen wird inzwischen im Rahmen der sogenannten Intersektionalität nach weiteren soziale Strukturkategorien wie Klasse, sexuelle Orientierung und Ethnizität untergliedert. Bestimmte Ausprägungen dieser Strukturkategorien sind mit einem höheren Diskriminierungsstatus verbunden und führen zu einem überlegenen Standpunkt. So hat bspw. eine schwarze lesbische Unterschichtfrau bessere Erkenntnisse als eine weiße, heterosexuelle Mittelschichtfrau.
Die Standpunkttheorie, speziell die feministische, steht in krassem Gegensatz zum klassischen, an Objektivität orientierten Wissenschaftsverständnis, wonach Erkenntnisse nicht von der Person des Erkenntnisgewinnenden abhängen dürfen. Dieses klassische Wissenschaftsverständnis wird bei einem feministischen Wissenschaftsverständnis als "maskulin" bzw. "androzentrisch" abgelehnt, ebenso die Annahme, es könne so etwas wie "objektive Erkenntnisse" geben.
Der Sozialkonstruktivismus geht nach Hacking (1999) von der These aus, daß soziale Strukturen, wie man sie - ggf. völlig korrekt - beobachtet, nicht notwendig von Natur aus so sind, sondern willkürlich sozial konstruiert wurden und auch ganz anders hätten konstruiert sein können. Ferner werden soziale Phänomene vor allem dann als sozial konstruiert bezeichnet, wenn sie schlecht oder änderungsbedürftig bewertet werden.
D.h. bevor eine konkrete soziale Realität überhaupt untersucht wird, weiß man schon vorher, daß sie (a) nur zufällig so ist, wie sie jetzt ist, aber auch anders aussehen könnte, und (b) bei Bedarf umkonstruiert werden kann. Es werden also auf der Sachebene bestimmte (ideologisch erwünschte) Erkenntnisse vorgegeben. Genaugenommen geht es hier nicht alleine um die aktuell vorhandene soziale Realität, sondern um ihre Entstehung und ihre Wandelbarkeit. Ferner wird die Beschreibung der Realität i.d.R. nicht getrennt von ihrer moralischen Bewertung.
Diese vorgegebene Beliebigkeit der sozialen Realität ist für die feministische Ideologie unverzichtbar, denn daraus folgt, daß alle Facetten des existierenden Geschlechterverhältnisses als willkürlich und als zu ersetzen durch die moralisch überlegenen feministischen Strukturen dargestellt werden. Das eigentliche Erkenntnisinteresse rückt hier in den Hintergrund, denn die vorhandene Realität wird regelmäßig als schlecht und als umzugestalten angesehen. Relevant ist nur noch die Umgestaltbarkeit der sozialen Verhältnisse.
Da der Sozialkonstruktivismus bestimmte zentrale Erkenntnisse über soziale Strukturen vorschreibt, ist er im engeren Sinne keine Erkenntnistheorie, noch nicht einmal eine auf soziologische Fragestellungen eingeschränkte, denn Erkenntnistheorien schreiben nur Methoden vor, wie Erkenntnisse zu gewinnen sind, nicht die Ergebnisse entsprechender Forschungen. In der Praxis ist der Sozialkonstruktivismus allerdings kaum zu trennen von den Erkenntnistheorien Relativismus, Konstruktivismus und Standpunkttheorie, da sie regelmäßig zusammen benutzt werden.
Ein wesentlicher Begriff des Sozialkonstruktivismus ist die Rekonstruktion sozialer Verhältnisse. Die existierenden Verhältnisse treten langfristig stabil auf, natürliche, namentlich biologische Ursachen werden aber ausgeschlossen bzw. als unwichtig eingestuft. Um die Verhältnisse erklären zu können, wird daher unterstellt, daß sie "kopiert" werden, z.B. von der Elterngeneration auf die Kindergeneration, bzw. allgemeiner gesagt durch bestimmte Mechanismen "rekonstruiert" werden. Diese Kopiermechanismen müssen selber auch immer wieder rekonstruiert werden. Beliebt in diesem Zusammenhang ist der Verweis auf Stereotype (die meist grundlegend falsch verstanden werden).
Die These von der ausschließlichen Rekonstruktion kann allerdings nicht erklären, wie die "Kopiervorlagen" und der Kopiermechanismus initial entstanden sind - ursprünglich standen beide nicht zur Verfügung - oder wie und warum sich viele Verhältnisse ziemlich rasch verändern, z.B. infolge technologischen Wandels. Für die Entstehung und Adaption sozialer Verhältnisse müssen daher andere Mechanismen angenommen werden; dies führt aber zu dem inneren Widerspruch zur These, daß die Rekonstruktion der einzig relevante Mechanismus ist.
- Die falschen Fragen werden erforscht.
Es wird unterstellt, daß die Themen und Fragestellungen, die erforscht werden, von den herrschenden Verhältnissen und Wertungen abhängen. D.h. es werden nur solche Fragen erforscht, die den Interessen und dem Machterhalt der herrschenden Klasse dienen, während andere, wichtigere Themen (aus Sicht der diskriminierten Klasse) nicht erforscht werden. Man kann dies auch als selektive Wahrnehmung der Realität bezeichnen.
Darüber hinaus wird unterstellt, daß die Realität, die man erforscht, durch den Einfluß der dominierenden Klasse "deformiert" ist. Die Erkenntnisse können daher nur die Absichten und interessengeleiteten Wahrnehmungen der dominierenden Klasse reproduzieren. Beispielsweise kann man in einer Welt, wo es nur Königreiche gibt, nicht über Demokratien forschen. Dieses Problem betrifft auch einen nicht interessengeleiteten Forscher, - Die Antworten sind defizitär, weil dem privilegierten Forscher wesentliche Erfahrungen fehlen, da er nicht persönlich von der Diskriminierung betroffen ist.
Der Vorwurf, die falschen Fragen zu untersuchen oder sich über versteckte Annahmen in den Forschungsthemen nicht bewußt zu sein, deutet auf fehlende wissenschaftliche Standards hin. In Wissenschaften mit funktionierendem Qualitätssicherungssystem ist es üblich, von jeder Publikation selber zu verlangen, den Anwendungsbereich der Ergebnisse einzugrenzen (External validity) und damit vor unzulässigen Verallgemeinerungen zu warnen.
Selbst wenn diese Eingrenzung fehlt oder erst durch Kritik anderer Forscher nachgeliefert wird, werden die Ergebnisse in dem Bereich, wo die Annahmen zutreffen, deswegen nicht ungültig. Der Vorwurf der interessengeleiteten Auswahl von Forschungsthemen kann also nur an die Gesamtheit der Forschungsergebnisse einer Disziplin (nicht an einzelne Forscher oder einzelne Publikationen) gehen, relevante Themen nicht untersucht zu haben. Beheben kann man diesen Mangel nur, indem man die Lücken durch weitere Forschung schließt. Die bisherigen Ergebnisse werden deswegen aber nicht ungültig.
Der Vorwurf Nr. 2 unterstellt i.w., daß Forscher relevante Merkmale in ihrer Person (Klassenzugehörigkeit, sexuelle Traumatisierungen, Männerhaß usw.) haben, die sich wesentlich auf die Ergebnisse ihrer Forschung auswirken, insb. auf die Ergebnisse von Analysen, Durchführung von Experimenten und andere Tätigkeiten. Diese Unterstellung ist nur dann einigermaßen plausibel, wenn die (gefühlte) Diskriminierung in einem thematischen Zusammenhang zum Forschungsthema stehen (daß ein Hartz-4-Empfänger automatisch ein besser als ein Millionär über Kernphysik forscht, ist nicht plausibel).
- Voreingenommenheit bzw. Befangenheit: Die persönliche Betroffenheit wird i.d.R. zu vorweggenommenen Wertungen führen, die bestimmte Untersuchungsergebnisse erwünscht bzw. unerwünscht machen, d.h. es entsteht ein Interessenkonflikt. Überall außerhalb der Gender Studies führt eine offensichtliche Befangenheit einer Person in der Regel dazu, diese Person für ungeeignet zu halten, sie selbst betreffende Untersuchungen durchzuführen oder Wertungen vorzunehmen.
- empirische Irrelevanz: Sofern es sich um empirische Fragestellungen handelt - das trifft für die meisten soziologischen Themen zu -, können diese nur statistisch anhand einer größeren Zahl von Fällen untersucht werden. Ein konkreter Einzelfall spielt keine Rolle, eine Überbetonung eines Einzelfalls verschlechtert die Forschungsergebnisse.
(a) Die Klassifizierung als "diskriminierte Gruppe" wird aufgrund einer Machtposition vorgenommen. Dies ist der Normalfall im institutionalisierten Feminismus und von diesem abhängigen Forscherpopulationen. Die Opferrolle der Frau ist hier ein Dogma, das aufgrund der Machtverhältnisse nicht hinterfragbar und ideologisch vorgegeben ist. Als direkter Nutznießer dieser Machtverhältnisse sind Frauen aber Mitglied einer dominierenden Gruppe. Dies steht im Widerspruch dazu, Frauen pauschal als diskriminiert anzusehen.
(b) Die Zuordnung wird aufgrund einer soziologischen Analyse vorgenommen. Diese Analyse wird i.d.R. strittig sein, d.h. die Frage, wer den besseren Standpunkt hat, entsteht erneut. In vielen Fällen überschneidet sich das Thema der Debatte mit der Frage, wer wie diskriminiert ist (namentlich wegen der Unterstellung, daß selber Betroffene besser forschen). Die Analyse, wer den privilegierten Status als Diskriminierter in einer Debatte einnehmen darf, setzt also Ergebnisse dieser eigentlich noch zu führenden inhaltlichen Debatte voraus.
- Die feministische Standpunkttheorie wird von interessierten Kreisen kritiklos auf beliebige Wissenschaften angewandt, um diese nach Bedarf als irrelevant erklären zu können, speziell die Biologie und generell alle Naturwissenschaften. Die Voraussetzungen der Standpunkttheorie sind dort aber nicht erfüllt, und die Standpunkttheorie ist deswegen dort nicht anwendbar.
-
Die institutionalisierten Gender Studies erfüllen hingegen
auf den Forschungsbetrieb bezogen nachgerade idealtypisch
die Voraussetzungen der Standpunkttheorie (hegemoniale
feministische Machtpositionen, einseitige,
interessengeleitete Themenwahl, keine eigene Betroffenheit
von Diskriminierungen in der Forschung).
Beispielsweise ist die programmatische Vorgabe, bei jeder beliebigen wissenschaftliche Fragestellung spiele das Geschlecht der beteiligten Personen eine Rolle, eine willkürliche und fragwürdige Ausgestaltung des Forschungsdesigns, die fast zwangsläufig dazu führt, irgendwelche Unterschiede zu finden, die eher Zufallsprodukte sind.
Wenn überhaupt, ist die Standpunkttheorie also als grundsätzliche Kritik an den Gender Studies brauchbar. Der eklatante Mangel an Selbstkritik in den Gender Studies, also die fehlende Selbstanwendung der eigenen Wissenschaftstheorie (vgl. hierzu Hirschauer (2014)), ist wiederum nicht überraschend, da diese großenteils als Zweckwissenschaft für feministische Politik fungieren und sich keiner Kritik stellen müssen.
- In den Fällen, wo die Standpunkttheorie zu einer plausiblen Wissenschaftskritik führt (nicht abgedeckte Forschungsthemen, unzulässige Verallgemeinerungen), wird die falsche Schlußfolgerung gezogen, vorhandene Ergebnisse für ungültig erklären zu können. Die richtige Schlußfolgerung wäre, den Anwendungsbereich vorhandener Erkenntnisse genauer einzugrenzen und bekannte oder neue Lücken durch weitere Forschung zu füllen.
- Paul Boghossian (Autor), Markus Gabriel (Nachwort) / Jens Rometsch (Übersetzer): Angst vor der Wahrheit: Ein Plädoyer gegen Relativismus und Konstruktivismus. suhrkamp taschenbuch wissenschaft, Suhrkamp Verlag, ISBN-10: 3518296590, 18.08.2013. https://www.amazon.de/Angst-vor-Wahrheit-Relativismus-K ... 8296590
- Ian Hacking: The Social Construction of What? Harvard University Press, 1999. https://www.hup.harvard.edu/catalog.php?isbn=9780674004122
Produktion hat aber üblicherweise einen anderen Sinn, nämlich die industrielle Herstellung eines bestimmten Guts, wobei das produzierte Gut (die Ware) weitgehend willkürlich gestaltet werden kann, entweder nach Wunsch eines Kunden bei einer Einzelbestellung oder nach den Vorstellungen des Herstellers, der einen Markt bedienen will.
Der Begriff "Wissensproduktion" suggeriert also, daß Wissen weitgehend willkürlich gemäß den Interessen der Beteiligten erzeugt werden kann. Unter Forschung versteht man im Gegensatz dazu die Entdeckung von Regeln und Zusammenhängen, die "von Natur aus" gelten und die nur entdeckt werden. Man kann z.B. die Ursachen einer Krankheit erforschen und als Ursache einen Virus finden. Man kann aber nicht, auch wenn man das gerne möchte, als Ursache Übermüdung finden, weil man die leichter behandeln könnte.
Der Begriff "Wissensproduktion" ist nichts anderes als eine versteckte Behauptung, daß die Standpunkttheorie korrekt ist und daß es keine Wahrheiten gibt, die unabhängig von der Person gelten.
Wissenschaftliche Kritik aus den Gender Studies
Wissenschaftliche Kritik von Soziologen
Wissenschaftliche Kritik von Biologen
Wissenschaftliche Kritik von Psychologen
Wissenschaftliche Kritik auf Basis von Qualitätsanalysen
Quellen
Eine seriöse Geschlechterforschung ist wegen der vielen involvierten Fachdisziplinen hochgradig interdisziplinär und äußerst anspruchsvoll. Eine wissenschaftlich fundierte Kritik an den Gender Studies steht damit vor dem gleichen Problem wie eine seriöse Geschlechterforschung: Die Widerlegung der feministischen Thesen und Theorien verlangt eine vergleichbare Qualifikation, wie sie für das eigene Erstellen solcher Theorien benötigt wird, also sehr gute Kenntnisse in mehreren involvierten Fachdisziplinen. Der Vorrat an solcherart wissenschaftlich qualifizierten Personen ist durchaus beschränkt.
Grundlegende Kritik am (wissenschaftlichen) Feminismus löst ferner regelmäßig massive persönliche Anfeindungen aus dem feministischen Lager aus, wahlweise Masku, Nazi, rechtsradikal, Frauenhasser oder alles gleichzeitig zu sein. Die feministische "silencing"-Strategie, Sachkritik durch persönliche Anfeindungen mundtot zu machen, war in der Vergangenheit sehr erfolgreich und stellt insofern ein hohes persönliches Risiko für Kritiker dar. Hochkarätige Wissenschaftler sind also normalerweise nicht gerade motiviert, ihre Zeit dafür zu investieren, Kritik an den Gender Studies bzw. dem Feminismus zu formulieren und dafür an den Pranger gestellt zu werden.
- Er beklagt, die Gender Studies seien eine "beschwichtigende Umbenennung der feministischen Geschlechterforschung", ein "dünner rhetorischer Lack auf einer traditionellen Frauenforschung, die sich als feministische Gegenwissenschaft versteht". Er fordert: "Die Forschung über Frauen, Männer und Queers muss ihren tradierten politischen Separatismus endlich überwinden und auf dem Weg einer professionellen Distanzierung ihre angestammten Loyalitäten gegenüber sozialen Bewegungen in den Griff kriegen. Gefragt sind nüchterne Bestandsaufnahmen ungleicher Chancen in der Konkurrenz der 'Geschlechter'... von archaischen Gewaltakten gegen Frauen über die Irrelevanz von Geschlecht bis zur Benachteiligung von Männern." In Anlehnung an Hans-Joachim Friedrichs und dessen Auffassung vom Berufsethos von Journalisten postuliert er: "Eine gute Gender Forscherin erkennt man daran, dass sie sich nicht gemein macht mit einer Sache." (Das Femininum in diesem Satz ist mit Sicherheit generisch gemeint.)
- Er beklagt ferner, die Gender Studies seien ein "rhetorisches Mäntelchen für bürokratische Frauenfördermaßnahmen" und bezeichnet das Label 'Gender' als politischen Etikettenschwindel, das hochschulpolitische Versuche tarnt, "hartnäckige Männerdomänen in bestimmten Fächern mit 'Frauenprofessuren' aufzubrechen". Wenn man will, kann man dies auch als Kritik an der reduzierten Qualitätssicherung in Berufungsverfahren und die Auswirkungen hiervon auf das Qualifikationsniveau der Professorenschaft interpretieren.
Nicht minder lesenswert eine scharfe Replik auf den Text von Hirschauer, die auf der WWW-Seite der Fachgesellschaft Geschlechterstudien erschienen ist: Stephan Trinkaus: Wissenschaft braucht den Feminismus nicht. Die Replik wirft Hirschauer vor, Subjekt und Objekt, also Forscher und Forschungsgegenstand, und Politik und Wissenschaft trennen und die Gender Studies zum Teil der wissenschaftlichen Normalität machen zu wollen und sich damit "mit keiner guten Sache gemein zu machen". Diese Stellungnahme reproduziert i.w. die bekannte feministische Standpunkttheorie, die außerhalb der Gender Studies als unwissenschaftlich gilt.
Bei 'feministischen Ansätzen' handelt es sich zwar teilweise um empirische Beschreibungen gesellschaftlicher Verhältnisse, diese Beschreibungen werden aber mit Werturteilen und politischer Strategie vermischt. Da keine Trennung von Beschreibungen, Erklärungen, Werturteilen, Hoffnungen und Wünschen erfolgt, sind solche Aussagen einer systematischen empirischen und theoretischen Analyse und rationalen wissenschaftlichen Diskussion nur schwerlich zugänglich. Damit handelt es sich bei 'feministischen Ansätzen' nicht um Theorien im Sinne der analytischen Wissenschaftstheorie". ... Die wissenschaftstheoretische Kritik 'feministischer Ansätze' bezieht sich weiterhin auf die Vermischung von Entdeckungs- und Begründungszusammenhang: Aus der möglichen Tatsache, dass Wissenschaftler andere Themen als Wissenschaftlerinnen untersuchen, lässt sich nichts über die Gültigkeit der gewonnenen Ergebnisse folgern. ... Der dritte wissenschaftstheoretische Kritikpunkt bezieht sich auf die vorgebliche Verwendung spezieller Datenerhebungs- und Datenanalysemethoden. Die hierbei anzulegenden Gütekriterien sind aber in keiner Weise 'geschlechtsabhängig'. Gütekriterien wissenschaftlicher Forschung sind universell gültig.
- Hans Peter Klein Didaktik der Biowissenschaften, U. Frankfurt am Main (FAZ),
- Ulrich Kutschera, Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie, U. Kassel, dessen Radiointerview im RBB am 11.07.2015 eine ganze Reihe von Artikeln, u.a. im Spiegel, zur Folge hatte und der Anfang 2016 ein eigenes Buch zum Thema Gender-Feminismus veröffentlich hat, in dem er die Gender Studies mit dem Kreationismus vergleicht,
- Axel Meyer, Evolutionsbiologie, U. Konstanz, dessen Buch Adams Apfel und Evas Erbe zu etlichen Folgeartikeln und Interviews führte. Meyer hat sich schon vor Jahren in seiner lesenswerten Kolumne "Quantensprung" im Handelsblatt kritisch zu Butler und den Gender Studies geäußert.
Eine weitere sehr ausführliche Kritik an den feministischen Gender-Theorien stammt von dem Diplom-Biologen Matthias Rahrbach (2015).
In my own experience, feminism has been by far the most difficult aspect of liberal bias to overcome. Deeply ingrained habits of liberal feminist thought are augmented by widespread intimidation and enforcement, as accusations of sexism are considered sufficient to condemn both an idea and anyone who even suggests it. This is especially difficult because the feminist bias masquerades as opposing bias. (Baumeister (2015))
Gender studies might be prey to selective accounts of reality on the basis of ideological preferences. ... the present study lends empirical support to the criticisms concerning ideological bias, both in terms of objectivity and choice of explanatory factors.Söderlund (2017) enthält ferner eine umfangreiche Bibliographie von wissenschaftlichen Kritiken der Gender-Studies.
Erwähnenswert ist ferner die generelle Kritik an der blank-slate-Hypothese.
- Roy F. Baumeister: Recognizing and coping with our own prejudices: Fighting liberal bias without conservative input. Behavioral and Brain Sciences 38:e132, Cambridge University Press, DOI: https://doi.org/10.1017/S0140525X14001423, 01.2015. https://www.cambridge.org/core/journals/behavioral-and- ... AE2A89D
- Stefan Hirschauer: Wozu Gender Studies? Ein Forschungsfeld zwischen Feminismus und Kulturwissenschaft. Forschung und Lehre 11/14, S. 880-882, 11.2014. https://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=17324
- Armin Himmelrath: Professor gegen Genderforschung: "Jung, attraktiv, muss gut kochen können". Spiegel, 04.09.2015. https://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/universitae ... 88.html
- Hans Peter Klein: Heldenhafte Spermien und wachgeküsste Eizellen. FAZ, 30.05.2015. https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/gender-studi ... le=true
Eine massive Kritik der Unwissenschaftlichkeit der Gender Studies. Der Autor lehrt Didaktik der Biowissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
- Ingo Kahle / Ulrich Kutschera: Gender Mainstreaming: 'Unfug, Religion, feministische Sekte.' - Zu Gast bei Ingo Kahle: Prof. Dr. Ulrich Kutschera, Evolutionsbiologe, Uni Kassel. inforadio.de, 11.07.2015. https://www.youtube.com/watch?v=rbWhlsb_Tzs
- Ulrich Kutschera: Das Gender-Paradoxon - Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. Reihe: Science and Religion. Naturwissenschaft und Glaube, LIT-Verlag, 2016. https://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-13297-0 Rezension auf geschlechterallerlei.wordpress.com, 28.03.2016
- Axel Meyer: Adams Apfel und Evas Erbe. Bertelsmann, 24.08.2015. https://www.randomhouse.de/Buch/Adams-Apfel-und-Evas-Erbe/Axel-Meyer/e453095.rhd
- Matthias Rahrbach: Warum Frauen eben doch nicht benachteiligt sind. Verlag Natur und Gesellschaft, 2015. https://www.verlag-natur-und-gesellschaft.de
- Rainer Schnell, Paul B. Hill, Elke Esser: Methoden der empirischen Sozialforschung. De Gruyter, 2013. https://www.amazon.de/gp/product/3486728997/
- Therese Söderlund, Guy Madison: Objectivity and realms of explanation in academic journal articles concerning sex/gender: a comparison of Gender studies and the other social sciences. Scientometrics 112:2, p.1093-1109, 30.05.2017. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5502066/
- Stephan Trinkaus: Wissenschaft braucht den Feminismus nicht. Fachgesellschaft Geschlechterstudien, 06.11.2014. https://www.fg-gender.de/wp-content/uploads/2014/11/Wis ... cht.pdf
Auch eine einschlägige Denomination einer Professur garantiert natürlich nicht, daß diese gesellschaftlich relevante Themen untersucht und - noch kritischer - zu validen Ergebnissen kommt. Übersichten über die konkret behandelten Themen der existierenden Gender-Professuren sind nicht auffindbar; einen repräsentativen Überblick gibt vermutlich die Liste der Projektanträge für das Förderprogramm "Frauen an die Spitze", s. Bundestagsdrucksache 16/11754. Von den über 100 Anträgfen wurde nur rund die Hälfte gefördert, rund 30 daraus werden in einem Bericht des BMBF beschrieben).
Die ersten 5 Projekte in diesem Bericht untersuchen alle die Frage, warum so wenig Frauen MINT-Fächer wählen und wie man die (seit ca. 30 Jahren erfolglos betriebenen) Werbemaßnahmen verbessern könnte. Die Antworten kennt man längst, sie sind allerdings politisch / ideologisch unkorrekt, deshalb forscht man weiter nach - bildlich gesprochen - der Quadratur des Kreises. M.a.W. sind die Forschung zwar thematisch einschlägig, die Ergebnisse aber entweder aufgrund ideologische Vorgaben und voreingenommener Forschungsansätze nicht valide. (Sofern ein Forscher entgegen ideologischen Vorgaben forscht, kann er zwar valide Resultate erzielen, allerdings werden diese nicht politisch verwertet.)
- die weitreichende Ideologisierung und Voreingenommenheit des Forschungspersonals und politische Instrumentalisierung der Wissenschaften, damit zusammenhängend
- teilweise gravierendes Versagen der wissenschaftlichen Qualitätssicherungssysteme und
- die geringe Reproduzierbarkeit von empirischen Forschungsergebnissen in der Psychologie und Soziologie; diese liegt i.w. daran, daß die soziologischen Forschungsmethoden an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stoßen (nicht jede interessierende Frage hat automatisch eine Antwort).
- Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Petra Sitte, Dr. Kirsten Tackmann, Cornelia Hirsch, Volker Schneider (Saarbrücken) und der Fraktion DIE LINKE. - Drucksache 16/11588 -. Bundestag, Drucksache 16/11754, 27.01.2009. https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/117/1611754.pdf
- Frauen an die Spitze - Forschungsergebnisse der Förderlinie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. BMBF, 11.2013. https://www.bmbf.de/pub/Frauen_an_die_Spitze___Forschun ... ung.pdf
- Stefan Kühl: Das Theorie-Praxis-Problem in der Soziologie. Soziologie, 32:4, S.7-19 2003, http://www.uni-bielefeld.de/soz/forschung/orgsoz/Stefan ... ie-.pdf
Bekanntere Falle wie die Sokal-Affäre zeigen punktuell sehr deutlich das Versagen der Qualitätssicherung in den Gender Studies, man kann aber einwenden, das seien nur Einzelfälle. Das enorme Ausmaß des Versagens der Qualitätssicherung in den Gender Studies (bzw. allgemeiner gesagt Teilen der Soziologie) ist von einem anonymen Insider mit dem Twitter-Konto @Real_PeerReview dokumentiert worden. Alle Tweets bestanden darin, die Original-Zusammenfassung von Gender Studies-Publikationen zu zeigen und darin wenige markante Zeilen oder Sätze hervorzuheben, die offensichtlich haarsträubender Unsinn sind (z.B. daß biologische Geschlechter sozial konstruiert sind) oder nicht einmal elementarste Qualitätsstandards eingehalten wurden.
In 2015 veröffentlichte @Real_PeerReview über 1000 (!) derartige Tweets, das Konto hatte rund 10,000 Follower und wurde so zu einem Politikum. Der anonyme Insider wurde daraufhin von Fach-"Kollegen" - die ihn offenbar entdeckt hatten - massiv bedroht (s. Rosiak (2016) und Neff (2016)) und löschte das Twitter-Konto. Allerdings wurden die wesentlichen Inhalte der Tweets hier archiviert: http://s3-us-west-2.amazonaws.com/peerreviewedgarbage/real_peerreview.html
Im Juni 2016 gründete sich daraufhin eine neue Gruppe von Nutzern, die unter dem Twitter-Konto New Real Peer Review (@RealPeerReview) weiter machen und seitdem wiederum mehrere 100 Tweets bzw. "Rezensionen" veröffentlicht haben.
Es sind natürlich nicht alle Publikationen der Gender Studies derart niveaulos wie die hier angeprangerten. Allerdings wird die schiere Masse an Unsinn, der in den Gender Studies angeblich "peer-reviewed" ist, durch diese Materialsammlung gut dokumentiert.
- Blake Neff: 13 Of The Dumbest Academic Papers To Actually Get Published. The Daily Caller, 11.06.2016. https://dailycaller.com/2016/06/11/13-of-the-dumbest-ac ... lished/
- Luke Rosiak: Social Justice Warriors Declare Battle On Colleague For Exposing Their `Research'. The Daily Caller, 11.06.2016. https://dailycaller.com/2016/06/11/social-justice-warri ... search/
Sofern überhaupt mit Vergleichen gearbeitet wird, ist allenfalls ein Vergleich mit anderen Diziplinen und deren Relevanz sinnvoll. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts (s. Personal an Hochschulen 2013, S.94ff, Personal nach Fächergruppen) gibt es an Universitäten bei den großen Massenfächern ca. 1000 Professuren, bei kleinen Fächern ca. 100 - 300. Beispiele: Vermessungswesen 53, Musik 219, Evangelische Theologie 331, Politikwissenschaften 350, Philosophie 375, Sozialwissenschaften 478, Psychologie 626, Maschinenbau 903, Rechtswissenschaften 993. D.h. die Ausstattung der Gender Studies ist vergleichbar mit einem etablierten Nebenfach, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn man die Ressourcen, die ein Fach erhalten soll, als willkürliche politische Lenkungsentscheidung ansieht, ist die Frage also, ob man dieses Fach für entsprechend relevant hält und eine angemessene Gegenleistung erhofft - ob die Gegenleistung erbracht wird, wird die Zukunft zeigen.
Man kann bei einem schon länger existierenden Fach - also auch bei den Gender Studies, seit wenigstens 20 Jahren existieren - auch im nachhinein den Aufwand und die erzielten Leistungen eines Fachs vergleichen. Eine heute dominierende Leistung sind Absolventen und deren Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt. Hierzu sind keine seriösen Untersuchungen bekannt. Ein Großteil der Lehrleistung fließt in Nebenfachveranstaltungen ("Gender Studies für Maschinenbauer") und dürfte keinen meßbaren Einfluß auf die Chancen der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt haben. Die wissenschaftliche Leistung eines Fachgebiets kann mit Methoden der Wissenschaftsevaluation bewertet werden, und zwar sowohl hinsichtlich der wissenschaftlichen Qualität als auch der gesellschaftlichen Relevanz. Die großenteils massive Kritik ist hinlänglich bekannt.
- Bildung und Kultur - Personal an Hochschulen 2013. Fachserie 11 Reihe 4.4, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, 17.09.2014. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bil ... ionFile
Die Strukturen der Hochschulfinanzierung sind kompliziert und abhängig von den Ländern, ferner historisch immer wieder modifiziert worden. Daher können die Titelfrage und die vorstehend zitierte Diskussionsfrage nur vom Grundsatz her beantwortet werden. Grundsätzlich geht für jeden Studienplatz oder Lehrstuhl in den Gender Studies auf Dauer in anderen Studienfächern ein Studienplatz bzw. Lehrstuhl verloren. Analog gilt das für kleinteiligere Studienangebote und andere Ressourcen, die zur Durchführung der Studiengänge benötigt werden. Entscheidend für das Verständnis der Zusammenhänge sind zwei Aspekte:
- Universitäten werden durch die Bundesländer finanziert. Aus Sicht eines Bundeslandes ist eine Universität ein sehr großer Kostenblock (typisch: 100 - 200 Mio. Euro/Jahr), der aus dem regulären Haushalt des Landes, z.B. im Teilhaushalt des Wissenschaftsministeriums, finanziert werden muß. Der Etat-Ansatz für die Hochschulen kann nicht ohne weiteres verändert werden und ist in erster Näherung als konstant anzunehmen, zumal die meisten Ausgaben (Personal, Infrastrukturen) sehr langfristige Kostenblöcke sind. Daher stehen grundsätzlich alle Fachgebiete in Konkurrenz um diese begrenzten Mittel. Die eigentliche Frage ist also, welche Faktoren eine längerfristige Änderung des gesamten Mittelvolumens und der Verteilungsschlüssel auf die Fächer bewirken.
- Aus gesellschaftlicher Sicht soll den hohen Kosten natürlich eine möglichst hohe "Leistung" gegenüberstehen, also insb. die Bereitstellung von möglichst vielen Studienplätzen bzw. letztlich die "Produktion" von Absolventen für den Arbeitsmarkt. Dieses Effizienzprinzip war schon immer sichtbar in Fächern mit Numerus clausus wie Medizin, in denen weitaus mehr Interessenten als Studienplätze vorhanden waren. Die Bundesländer berechnen daher nach sog. Kapazitätsverordnungen (KapVO) - Beispiel: Niedersachsen - Aufnahmekapazitäten der einzelnen Studiengänge einer Universität. Teilweise werden diese Kapazitäten durch einen numerus clausus als harte Obergrenze der Neuimmatrikulationen durchgesetzt, z.B. im Fach Medizin. Teilweise werden mehr Studenten neu aufgenommen, als seriös betreut werden können, zu Lasten der Qualität der Lehre. Das politische Ziel ist jedenfalls eine Auslastung von ca. 100%, also weder eine Überlastung noch brachliegende Kapazitäten.
Die Lehrkapazität ist die Summe der Lehrverpflichtungen der Personen, die zu dieser Lehreinheit gehören.
Die Gesamtnachfrage nach Lehrleistung ergibt sich aus der Anzahl der aktuell immatrikulierten Studenten und den einzelnen Veranstaltungen, die diese laut Studienordnung besuchen müssen und die von dieser Lehreinheit pro Semester anzubieten sind. Dabei kommt es nicht darauf an, ob diese Veranstaltungen Teil des Hauptfachs, eines Nebenfachs oder eines Themenblocks sind, es zählt jede einzelne Veranstaltung und deren Teilnehmerzahl.
Der entscheidende Mechanismus, über den Gender Studies andere Fächer verdrängen, ist also in erster Linie das Erzeugen einer möglichst hohen Nachfrage nach Lehrleistung. Diese kann am direktesten durch Pflichtfächer realisiert werden, die den Besuch entsprechender Veranstaltungen erzwingen und für die dauerhaft Lehrkapazität bereitgestellt werden muß. Dabei spielen auch Einzelveranstaltungen in Massenfächern wie BWL, Lehrämter, Maschinenbau usw. eine große Rolle. In Wahlpflichtgebieten, wo die Immatrikulierten theoretisch unter mehreren Angeboten wählen können, kann durch Ausweitung der Gender Studies-Veranstaltungen und Reduktion konkurrierender Angebote faktisch Nachfrage erzeugt werden.
Dies ist ein offensichtliches Motiv, warum Anbieter von Gender-Studies-Lehrangeboten oft fordern, in allen möglichen (Massen-) Studiengängen, z.B. Maschinenbau, mit einem Gender-Pflichtmodul vertreten zu werden: neben der enormen Ausweitung der propagandistischen Reichweite wird hierdurch eine vergleichsweise hohe Lehrnachfrage generiert, die wiederum den Stellenbestand absichert.
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.Aus Absatz (3) folgt, daß jeder privat forschen und seine Erkenntnisse (als Meinung oder Wissenschaft) äußern und verbreiten darf. Aus Absatz (3) folgt nicht, daß der Staat oder die Länder zu jedem beliebigen Fachgebiet Professuren oder Studiengänge einrichten und finanzieren muß. Im einzelnen:
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
Bei Professuren und anderen staatlich finanzierten Forschern haben die Stellen eine Widmung (Denomination), d.h. ein Stelleninhaber verpflichtet sich in seinem Arbeitsvertrag bzw. durch Annahme des Rufs, auf einem bestimmten Gebiet zu forschen und zu lehren. Üblicherweise ist die Forschungs- und Lehrbefugnis (Venia Legendi) auf ein bestimmtes Fachgebiet beschränkt. Bei den oft erwähnten "ca. 200 Gender-Professuren" sind die Gender Studies oder ein ähnlicher Begriff in der Widmung explizit erwähnt. Die Stelleninhaber sind gem. Absatz (3) frei hinsichtlich der Forschungsmethoden und -Ergebnisse, ebenfalls hinsichtlich der inhaltlichen Gestaltung der Lehre (im Gegensatz zu allgemeinbildenden Schulen, bei denen relativ genaue Lehrinhalte und Lehrpläne ministeriell vorgeschrieben werden).
Absatz (3) macht keine Aussage darüber, nach welchen Kriterien öffentliche Mittel für Forschung und Lehre bereitgestellt werden, dies ist der politischen Willensbildung überlassen. Ein Hauptkriterium ist hierbei die Nachfrage nach Absolventen der entsprechenden Studiengänge auf dem Arbeitsmarkt. Die Absolventen werden aber praktisch nur für feministischen Aktivismus ausgebildet, also die Konstruktion von sozialen Problemen, während fast alle Arbeitgeber eher interessiert an der Lösung von Problemen sind.
In feministisch regierten Bundesländern wird man offiziell typischerweise ein hohes öffentliches Interesse an den Forschungsergebnissen der Gender Studies konstatieren. Faktisch dienen diese Lehrstühle aber als Machtinstrument zur Indoktrination möglichst vieler Studenten und zur öffentlichen Finanzierung der Feministischen Infrastruktur.