- Merksätze
- Übersicht
- Arten von Sprachmanipulationen
- Offizielle Begründungen für genus-bezogene Sprachdeformationen
- Gegenderte Sprache und Gendersterne als Propagandainstrument und Machtsymbol
- Innere Widersprüche
- Zweifel an der Wirksamkeit gegenderter Schreibweisen
- Umfragen und demokratische Legitimierung
- Anmerkungen
- Literatur
- Linguisten behandeln das Thema aus der Perspektive, welche Bedeutung (Semantik) die Sprache hat und wie diese entsteht bzw. sich entwickelt, speziell die Bedeutung der grammatischen Geschlechter (Genus).
- Sprachdidaktiker debattieren die Lernschwierigkeiten, die durch die Deformationen entstehen, also die Schädigung von Personen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist oder die lernbehindert sind.
- Literaturliebhaber fokussieren auf die Zerstörung des Sprachstils und der Ausdrucksfähigkeit der Sprache, ferner die Entwertung des literarischen Fundus.
- Soziologen betrachten die Rolle der Sprache als Distinktionsmerkmal und Mittel zur Trennung von sozialen Gruppen.
- Politologen analysieren die Rolle von Gendersternen und anderen anormalen Sprachfiguren als Propagandainstrument bzw. Machtsymbol, analog zu anderen politischen Symbolen wie Hammer und Zirkel, Halbmond, Hitlergruß usw. Ihre freiwillige Verwendung stellt ein Bekenntnis zur feministischen Ideologie dar bzw. propagiert deren hegemoniale Machtstellung. Ihre erzwungene Verwendung ist eine Unterwerfungsgeste (analog zum Grüßen des Gesslerhuts). Ferner stellen die auffälligen genusbezogenen Deformationen eine Methode des Agenda Setting dar. Durch die mantrahafte Wiederholung wird der Opferstatus von Frauen und sexuellen Minderheiten sozial konstruiert und der Eindruck erzeugt, die Interessen dieser Gruppen seien eines der wichtigsten gesellschaftlichen Probleme.
- Die Sprachmanipulationen bzw. -Deformationen müssen in erster Linie in der politischen Dimension, also als Propagandainstrument und Machtsymbol verstanden werden. Nicht unzufällig werden Gendersterne weit überwiegend von aktivistischen Personen in politischen oder medialen Machtpositionen propagiert.
- Repräsentative Umfragen zeigen eindeutig eine starke bis sehr starke Ablehnung der Genderisierung der Sprache in der Bevölkerung, die Genderisierung der Sprache ist somit nicht demokratisch legitimiert bzw. sogar das glatte Gegenteil des Volkswillens.
- Die immer wieder vorgebrachte Behauptung, Frauen seien beim sog. "[generischen] Maskulinum" nicht oder "nur" mitgemeint, ist linguistisch gesehen falsch. In der Umgangssprache wird das sogenannte "Maskulinum" immer verwendet, wenn das Geschlecht unbekannt ist oder keine Rolle spielen soll, also Personen beliebigen Geschlechts gemeint sind. Es ist immer "generisch" und sollte es besser als "Androgynum" oder Standardgenus bezeichnet werden.
- Männer sind beim Maskulinum (vor allem im Plural als Gattungsbegriff) auch "nur" mitgemeint. Es gibt keinen grammatischen Fall, mit dem man zuverlässig nur männliche Wesen bezeichnen kann. Hierfür müßte man einen speziellen weiteren, explizit männlichen Fall einführen. Um sicher zu sein, muß man explizit das Adjektiv "männlich" (z.B. "männliche Lehrer") voranstellen.
- Die Begründungen, Frauen würden durch ein Androgynum mental geschädigt, sind in sich inkonsistent bzw. falsch. Namentlich die Sapir-Whorf-Hypothese ist längst widerlegt.
- Die therapeutische Wirksamkeit gegenderter Schreibweisen ist unbewiesen, es bestehen erhebliche Zweifel, ob die davon erhofften Segnungen eintreten.
Danach stellen wir diverse offizielle Begründungen und Motivationen für Sprachmanipulationen zusammen, z.B. die auf der Sapir-Whorf-Hypothese beruhende Behauptung, Frauen oder bestimmte Minderheiten würde durch nicht gegenderte Schreib- und Sprechweisen psychisch geschädigt, wodurch wiederum die Demokratie gefährdet wird.
Neben den offiziellen Begründungen sind allerdings versteckte oder nur selten offen geäußerte Absichten nicht übersehbar, i.w. feministische Agitation und Agenda Setting.
Wie auch vielen anderen Gelegenheiten zeigen sich auch hier in den Begründungen innere Widersprüche.
Hinsichtlich der Wirksamkeit gegenderter Schreibweisen bestehen erhebliche Zweifel.
Abschließend wird eine Bewertung der Sprachmanipulationen und eine Einschätzung der Auswirkungen gegeben.
In neuerer Zeit stellen radikalere feministische Strömungen die Forderung auf, bei jeder sprachlichen Gelegenheit Tiefstriche ("Mörder_innen") oder Sternen ("Frauen*", "Vergewaltiger*innen") zu benutzen, die als expliziter Hinweis auf Intersexuelle, Transsexuelle und andere sehr kleine Minderheiten zu verstehen sind. Die Spracheingriffe betreffen hier die elementare Syntax. Es ist nicht klar, wie diese Sonderzeichen auszusprechen sind. Bisher übliche gegenderte Formen wie "Schülerinnen und Schüler" werden strikt abgelehnt, weil sie als heteronormativer Sexismus gelten [heteronormativ = Zwang, sich für eines der Geschlechter männlich bzw. weiblich zu entscheiden].
Von besonders fanatischen Protagonisten werden noch weitergehende Verformungen der Sprache gefordert, z.B. aus-x-en von Wortbestandteilen, die ein Geschlecht oder die Zugehörigkeit zu einer privilegierten, Gruppe andeuten könnten, oder beliebige störende Eingriffe, mit denen offenbar der Leser aus seinem Alltagstrott aufgeweckt werden soll. Die resultierenden Texte sind stellenweise kaum noch lesbar. Paradoxerweise muß man genau wissen, welche Wortteile weggelassen oder durch x oder * ersetzt wurden, um die Texte verstehen oder vorlesen zu können, d.h. die verzerrten Schreibungen sind nicht mehr ohne Kenntnis der normalen Schreibung verstehbar.
Neben Wortverformungen werden in manchen Kreisen auch gängige Sprachmuster verboten, z.B. werden mit dem Indefinitpronomen 'man' gebildete Sätze ("Man spricht deutsch.") als diskriminierende Sprachhandlung geächtet.
Sowohl gesprochene wie geschriebene Sprache repräsentieren, was man denkt. Die feministischen Sprachmanipulationen und die damit verbundene politische Korrektheit zielen letztlich darauf, das Denken der Menschen zu kontrollieren, also sich der feministischen Ideologie und ihren Realitätswahrnehmungen und Wertvorstellungen zu unterwerfen. Das Instrumentarium reicht von
- Deformationen der elementaren Syntax über das
- Verbot bestimmter Worte (oder die Umdefinition der Bedeutung von Worten, z.B. Sexismus) bis hin zum
- Verbot bestimmter Meinungen (Syntax und Semantik der Sprache sind hier nicht betroffen).
- Frauen werden bzw. fühlen sich gar nicht oder "nur" mitgemeint, wenn man die übliche Sprechweise, das sog. generische Maskulinum, benutzt.
- Die Sprache ist alleinige Ursache dieses Textverständnisses.
- Frauen werden dadurch psychisch geschädigt.
- Frauen werden gar nicht mitgemeint, werden also ausgeschlossen. Beispielsweise denken Frauen - vor allem feministisch geprägte -, wenn der Begriff "Lehrer" verwendet wird, angeblich nur an männliche Lehrer.
- Frauen werden nur mitgemeint. Wenn der Begriff "Lehrer" verwendet wird, denken Frauen angeblich, daß damit primär männliche Lehrer gemeint sind, weibliche Lehrer als Sonderfall oder Ausnahme nur mitgemeint sind.
- als Bezeichnung für eine Tiergattung, also für alle Exemplare, egal ob männlich oder weiblich; hier abstrahiert man von allen speziellen Merkmalen der Exemplare
- als Bezeichnung für ein Exemplar, dessen Geschlecht identisch mit dem grammatischen Geschlecht ("Genus") des Worts ist. Ein Kater ist also eine Katze, und eine Hündin ist ein Hund.
Ein Gattungsbegriff kann als Wort nur ein grammatisches Geschlecht haben. Egal, ob das männlich oder weiblich ist, der Gattungsbegriff bezeichnet immer die ganze Gruppe der Exemplare. Das völlig willkürliche grammatische Geschlecht des Gattungsbegriffs macht keine Aussage über das biologische Geschlecht des oder der Bezeichneten.
Worte wie "Lehrer", "Bürger" oder "Student" haben die gleiche Doppelverwendung wie Hund und Katze: Als Gattungsbegriff und als Bezeichnung eines der biologischen Geschlechter.
Die These, die grammatische männliche Form würde im Prinzip immer nur Männer bezeichnen, ist also linguistisch gesehen völlig unhaltbar, weil es sich bei den beklagten Verwendungen praktisch durchweg um Gattungsbegriffe handelt. Ein männliches Exemplar einer Gattung ist nur dann gemeint, wenn dies aus dem Kontext klar ist ("Der große Arbeiter vorne links ist Leiter der Gruppe.").
Die grammatische männliche Form im Plural bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch immer potentiell Männer und Frauen. Wenn man nur Männer bezeichnen will, dann muß man dies durch den Kontext klären (z.B. "die männlichen Leser sollen ..."), von alleine ist dies nie klar. Anders gesagt sind beim sog. Maskulinum im Plural Männer immer nur mitgemeint, das Maskulinum ist hier immer generisch, es gibt kein nichtgenerisches Maskulinum. Statt des Begriffs Maskulinum ist daher der Begriff Androgynum korrekter (s. Brühlmeier).
Die androgyne Form wird in der Praxis weitaus häufiger gebraucht als eine rein männliche oder weibliche Bezeichnung, sie ist auch von daher der Normalfall. Ein Übersetzer von Deutsch nach Englisch müßte also das Wort "Lehrer" als "teacher" übersetzen, nicht als "male teacher".
Hier wird eine ganz erstaunliche Bewußtseinsspaltung postuliert: die gleichen Personen verstehen diese Worte laufend in der Umgangssprache korrekt als Gattungsbegriff und benutzen sie sogar selber so, sollen aber trotzdem unterbewußt ein davon abweichendes Verständnis haben.
Daß die These vom der unterbewußten männlichen Assoziation nicht haltbar ist, zeigen Gegenbeispiele wie Grundschullehrer, Arzthelfer, Kindergärtner oder Flugbegleiter, bei denen man an Frauen denkt, weil dies in der Realität stark frauendominierte Berufe sind. Mit Verkäufern, Lehrern und anderen gemischt besetzten Berufen assoziiert man gar keine einseitige Geschlechtszugehörigkeit, wie Stereotypforscher (Gabriel (2008), Kennison (2003)) nachgewiesen haben.
Wenn also mit bestimmten Gattungsbezeichnungen unterbewußt das männliche oder weibliche Geschlecht verbunden wird, dann handelt es sich um deskriptive Stereotype. Diese entstehen abhängig von der sozialen Umwelt und den dort beobachtbaren sozialen Verhältnissen. Diese Stereotype können auch nicht durch betont geschlechtsneutrale Formulierungen unterdrückt werden: "Auf der Baustelle waren 5 Maurerinnen und Maurer" wirkt allenfalls lächerlich, weil jeder weiß, daß Maurer praktisch zu 100% Männer sind.
Die feministische Theorie (Quellenangaben s. (1)) unterstellt fälschlich, daß Stereotype durch die Sprache erzeugt werden.
Noch einen Schritt weiter gehen gängige feministische (Erkenntnis-) Theorien, wonach Sprache Wirklichkeit schafft, weil man nur wissen und verstehen kann, was man auch sprachlich formulieren kann. Demzufolge kann man durch Veränderung der Sprache - hier also gendern - auch die Wirklichkeit verändern, eine Grundidee totalitärer Systeme.
Diese Theorien beruhen u.a. auf der Sapir-Whorf-Hypothese, wonach die Art und Weise, wie ein Mensch denkt, stark durch Grammatik und Wortschatz seiner Muttersprache beeinflußt oder bestimmt wird. Offensichtlich kann die gleiche Wirklichkeit in verschiedenen Sprachen anders dargestellt werden, ggf. mit Informationsverlust. Die sprachliche Wiedergabe der Wirklichkeit hängt also von der Sprache ab (2). Hier werden Wirklichkeit und Wirklichkeitswahrnehmung (bzw. Meinungen) gleich gesetzt. Die Wirklichkeit selber existiert aber unabhängig von Sprachen und wird nicht von irgendwelchen Merkmalen einzelner parallel existierender Sprachen (z.B. in einer mehrsprachigen Gesellschaft) beeinflußt. Daher ist die These, daß die Sprache die Wirklichkeit schafft und man durch Veränderung der Sprache die Wirklichkeit ändern kann, absurd. Beispielsweise sind weibliche Dachdecker extrem selten und männliche Dachdecker der Normalfall. Diese Wirklichkeit und die entsprechende Wahrnehmung kann durch penetrante Formulierungen wie "Dachdeckerin oder Dachdecker" nicht verändert werden.
Diese Erkenntnis gilt insb. für gegenderte Sprache. Der Symbolcharakter von Genderschreibweisen ist besonders offensichtlich bei Gendersternen, -Tiefstrichen, -Doppelpunkten oder noch radikaleren Sprachdeformationen, die außerhalb der konventionellen Syntax der Schriftsprache oder sogar außerhalb des Zeichensatzes liegen. Derartige unorthographische Konventionen sind Linguisten zufolge soziolinguistische Marker, die die Weltsicht derjenigen vermitteln, die es verwenden. Weniger plakativ, aber kein bißchen weniger als Machtsymbol wirksam sind orthographisch noch korrekte, aber unübliche, auffällige Sprachmuster oder politisch aufgeladene Kampfbegriffe (z.B. "Werktätiger", "Bevölkerungsaustausch", "cis-Männer", "heteronormativ", "Gleichstellung", "zugewiesenes Geschlecht").
Die Verwendung von solchen ideologischen Symbolen stellt wie ein Parteiabzeichen ein Bekenntnis zur jeweiligen Ideologie dar. Gendersterne usw. sind also ein Bekenntnis zum Feminismus, Transaktivismus oder ggf. zur ganzen woken Religion. Ideologische Symbole haben zwei Funktionen:
- Nach innen: sie sind ein klassisches Instrument der Identitätspolitik, sollen also durch ständige Wiederholung an die Zugehörigkeit zur Ideologie erinnern und die Mitglieder im Sinne einer Gehirnwäsche auf die Ideologie einschwören.
- Nach außen sind sie ein Machtsymbol, das
- analog zu nichtsprachlichen Symbolen wie Nationalflagge,
anderen Hoheitszeichen, Hakenkreuz oder Parteiabzeichen - den
Machtanspruch einer Ideologie seinen Gegnern gegenüber
dokumentieren soll.
Der Feminismus hat heute eine so hegemoniale mediale und politische Machtposition, daß er große Teile der Bevölkerung und des öffentlichen Lebens gegen deren Willen zwingen kann, trotz der sprachlichen Mängel gegenderte Sprech- und Schreibweisen zu benutzen, Diese erzwungene Benutzung feindlicher Machtsymbole hat eine ähnliche Funktion wie das erzwungene Grüßen des Gesslerhuts oder die Verbeugung vor den Statuen des Diktators Kim Jong Un in Nordkorea (vier Sekunden im 90-Grad-Winkel). Es handelt sich hier also um Unterwerfungsgesten, mit der den Untergebenen das Machtgefälle ständig ins Bewußtsein zurückgerufen werden soll und mit der man den Willen des Gegners brechen will und die nach längerem Druck so stark verinnerlicht werden, daß sie ohne jedes Nachdenken freiwillig ausgeführt werden.
Gegenderte Sprache ist ein Propagandainstrument, mit dem das Non-Problem des Geschlechterkriegs gehyped wird. Es kann einen ggf. täglich hundertfach begegnen und ist extrem auffällig, insofern also eines der massivsten existierenden Propagandainstrumente. Antje Schrupp, eine der einflußreichsten deutschen Feministinnen, betont den Sinn von gegenderter Sprache: sie soll Sichtbarkeit für die Geschlechterdifferenz erzeugen (3). Schrupp will auch den Begriff Differenzfeminismus genau in diesem Sinne verstanden wissen.
Der systematische Einsatz dieses Propagandainstruments in den Medien, insb. in den öffentlich-rechtlichen Medien, die zur parteilichen Neutralität verpflichtet sind, stellt eine wesentliche Verzerrung des öffentlichen Debattenraums dar und ist zutiefst undemokratisch: Journalisten in medialen Machtpositionen können ihre private Ideologie unter den Deckmantel der angeblichen Nichtdiskriminierung verbreiten.
- Bei negativ besetzten Begriffen wird nämlich regelmäßig auf die Anwendung der Theorie verzichtet, also nur die männliche Form des negativ besetzten Begriffes benutzt. Eine Schädigung des männlichen Selbstbewußtseins wird entweder nicht befürchtet - was die Schädigungstheorie widerlegen würde - oder bewußt in Kauf genommen. Letzteres wäre aus Gründen der Gleichbehandlung dann auch Frauen zuzumuten, zumal der Feminismus keine Gelegenheit ausläßt, Männer sprachlich aktiv zu diskreditieren, z.B. als potentielle Vergewaltiger oder Unterdrücker. Im Vergleich dazu scheint das Leid, das durch eine nur implizite Miterwähnung verursacht wird durchaus erträglich. (Es handelt sich hier, wie unschwer erkennbar ist, um ein weiteres Beispiel für den Doublespeak des Feminismus .)
- Während große Teile des Feminismus auf explizit
weiblichen Wortformen (egal ob durch Binnen-I oder
Aufzählung) besteht, lehnen andere Strömungen dies als
heteronormativ ab und insistieren auf Gendersternen oder noch weitergehenden Verformungen der Sprache, die keine
Geschlechtszugehörigkeit mehr erkennen lassen, z.B. durch
aus-X-en von Wortbestandteilen ("Profx"), also letztlich
einer androgynen Wortform (sofern man sich überhaupt noch
verständlich ausdrücken will).
Völlig widersprüchlich ist, wie das angeblich lebenswichtige Problem gelöst wird, alle Geschlechter sprachlich zu repräsentieren. Androgyne Formen wie "Profx" machen alle Geschlechter unsichtbar (einer der schlimmsten Vorwürfe gegen das Standardgenus, s.a. nächsten Abschnitt). Der Genderstern steht für eine ganze Reihe weiterer Geschlechter (s. Bell (2016)) und macht diese untereinander unsichtbar.
- Schreibweisen mit Gender-Tiefstrichen, -Sternen oder -Doppelpunkten und sogar radikale Deformationen wie "Profx" sind funktional gesehen ein Androgynum bzw. ein Ersatz für das "generische Maskulinum", sind der Theorie zufolge also genauso schädlich, weil sie den Krieg zwischen den Geschlechtern unsichtbar machen. Schlimmer noch, die angeblich männliche Form nimmt den meisten Raum ein, die Frauen werden nur durch ein kleines Anhängsel "..in(nen)" repräsentiert, das als Diminutiv wirkt und die Depressionen bei Frauen verstärkt. (Analog dazu wird von den gleichen Kreisen die Bezeichnung "Flüchtling" wegen des Diminutivs "-ling" strikt abgelehnt.)
- Das weibliche Selbstbewußtsein wird nach weiteren feministischen Theorien nicht nur durch die Sprache, sondern durch alle möglichen Alltagserfahrungen ständig geschädigt (Männer sind größer und stärker, verdienen mehr, sind übergriffig etc.). Paradoxerweise setzen die feministischen Kreise, die gegenderte Schreibweisen propagieren, alles daran, den Opferstatus im Bewußtsein von Frauen aufrecht zu erhalten, z.B. durch Hypnosetechniken wie z.B. ständige Triggerwarnungen und durch Förderung einer sehr verengten Weltsicht, die nur noch Dinge wahrnimmt, die man irgendwie als Diskriminierung von Frauen interpretieren kann. Dies ist kaum anders zu erwarten, denn vom Opferstatus der Frauen hängt die allgegenwärtige Frauenförderung, ein Wirtschaftszweig mit mehreren tausend Arbeitsplätzen, ab.
- Die meisten verunstaltenden Schreibweisen sind selber eine hochwirksame Hypnosetechnik (Präsupposition) zur Verstärkung des subjektiv empfundenen Opferstatus. Um die Texte verstehen oder vorlesen zu können, muß man nämlich die ursprünglichen, sprachlich eleganteren Textvarianten kennen. Der Unterschied zwischen gegenderter und normaler Schreibweise (bzw. zwischen geschriebener und gesprochener Sprache) muß daher zwangsläufig ständig mental verarbeitet werden. Im Endeffekt sind gegenderte Schreibweise daher ein aufdringlicher Hinweis auf diesen Unterschied, und sie enthalten die kaum kaschierte Botschaft, daß Frauen von der normalen Sprache diskriminiert werden, verstärken also den Opferstatus.
- Die gegenderten Schreibweisen sollen das Denken der Menschen (auch der Männer) verändern, um auf diesem Wege die soziale Realität zu verändern. Dies beruht auf der Hypothese in der feministischen Linguistik, daß die Sprache die Realität formt. Diese Hypothese ist hochumstritten und schon insofern offensichtlich falsch, daß viele Aspekte der Realität nicht vom Menschen beeinflußbar oder änderbar sind. Es ist eher umgekehrt so, daß die Sprache die Realität nachbildet (s. z.B. Dewald (2008), Brodkorb (2020)).
Die repräsentativen Umfragen zur Genderisierung der Sprache - Auflistung s.u. - zeigen generell eine starke bis sehr starke Ablehnung. Die Fragen variieren etwas, gefragt wird typischerweise nach der allgemeinen Zustimmung, ob man die mehr oder weniger krassen Genderisierungsformen privat benutzt und ob man sie beruflich nutzt bzw. dazu gezwungen wird.
Die Genderisierung der Sprache wird also in der Bevölkerung völlig eindeutig abgelehnt, sie ist in diesem Sinne nicht demokratisch legitimiert. Daß sie gegen den Willen der Bevölkerung insb. mit Unterstützung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk durchgesetzt wird, ist daher eine klassische top-down-Transformation der Gesellschaft, die in diesem Fall von politischen bzw. medialen Eliten ausgeht.
Nach der zur Zeit aktuellsten Meinungsumfrage 2019/20 ist für 27 % die Geschlechterbetonung "eher wichtig" oder "sehr wichtig", für 62 % "eher unwichtig" oder "sehr unwichtig". 21 % halten eine geschlechterbetonte Sprache für schädlich für die deutsche Sprache.
- Mehrheit lehnt geschlechtergerechte Sprache ab. FAZ, 11.09.2017. https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/mehrh ... 66.html
- Umfrage: Mehrheit lehnt geschlechtergerechte Sprache ab. Merkur, 11.09.2017. https://www.merkur.de/politik/umfrage-mehrheit-lehnt-ge ... 27.html
- Susanne Gaschke: Mehrheit der Frauen will keine Gendersternchen. Welt, 31.05.2020. https://www.welt.de/politik/deutschland/article20864726 ... ab.html
- INSA-Sprachumfrage 2019/20 (Teil 6): Was bedroht die deutsche Sprache? Deutsche Sprachwelt, 31.01.2020. https://deutsche-sprachwelt.de/2020/01/insa-sprachumfra ... prache/
- INSA-Sprachumfrage 2019/20 (Teil 7): Gendersterne haben wenige Freunde. Deutsche Sprachwelt, 31.01.2020. https://deutsche-sprachwelt.de/2020/01/insa-sprachumfra ... reunde/
(1) Die fehlerhafte Gleichsetzung von deskriptiven Stereotypen und linguistischen Effekten tritt regelmäßig in Anpreisungen von gegenderten Schreibweisen auf. Beipielsweise zitiert Lobin (2018) u.a. Gabriel (2008) und Kennison (2003). Diese beiden angeblichen Belege für linguistische Effekte untersuchen aber "nur" das Vorhandensein von Stereotypen, dazu noch im Englischen, also einer Sprache, bei der nur in wenigen Ausnahmefällen wie actor/actrice männliche und weibliche Wortformen vorhanden sind. Diese und weitere gravierende Argumentationsfehler werden in Scholten (2018) im Detail dargestellt.
(2) Interessanterweise behaupten andere feministische Theorien, daß Stereotype oft unterbewußt - also nicht sprachlich repräsentiert - sind und das Denken und Handeln von Männern, die Frauen diskriminieren, steuern. Ggf. behaupten die "Täter" sogar sprachlich das sozial erwünschte bzw. politisch korrekte Gegenteil, handeln aber nicht danach. Die zentrale These, daß die Sprache das Denken und Handeln formt, gilt hier plötzlich nicht mehr.
(3) Hierwird einmal mehr die alte Analyse von Steven Pinker bestätigt, wonach der (Gender-) Feminismus den Machtkampf zwischen den Männern und den Frauen als das zentrale Problem schlechthin ansieht.
- Mathias Brodkorb: Der Narzissmus der gendergerechten Sprache. Cicero, 13.10.2020. https://www.cicero.de/innenpolitik/gendersternchen-gene ... sprache
- Arthur Brühlmeier: Sprachfeminismus in der Sackgasse. Deutsche Sprachwelt Ausgabe 36, Sommer 2009, 2009. https://www.vds-münchen.de/fileadmin/galerie/2009-08-01 ... mus.pdf
- Ulrich Dewald: Kontrovers: Feministische Linguistik. Bild der Wissenschaft, 16.01.2008. https://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/57723/
- Peter EisenbergPeter Eisenberg: Das missbrauchte GeschlechtDas missbrauchte Geschlecht. Süddeutsche ZeitungSüddeutsche Zeitung, 02.03.2017. https://www.sueddeutsche.de/kultur/essay-das-missbrauchte-geschlecht-1.3402438, https://www.sueddeutsche.de/kultur/essay-das-missbrauchte-geschlecht-1.3402438
- Ute Gabriel, Pascal Gygax, Oriane Sarrasin, Alan Garnham, Jane Oakhill: Au pairs are rarely male: Norms on the gender perception of role names across English, French, and German. Behavior Research Methods 40:1, p.206-212, 02.2008. https://link.springer.com/article/10.3758%2FBRM.40.1.206
- Stefan Gödde erlebt groteske Szenen in Nordkorea. Kölner Stadt-Anzeiger, 09.10.2014. https://www.ksta.de/stefan-goedde-erlebt-groteske-szenen-in-nordkorea-583170
- Joachim Güntner: Rechtschreibreform und Nationalsozialismus. NZZ, 07.06.2001. https://www.nzz.ch/article7FJTV-1.506009
- Shelia M. Kennison, Jessie L. Trofe: Comprehending Pronouns: A Role for Word-Specific Gender Stereotype Information. Journal of Psycholinguistic Research 32:3, p.355-378, 05.2003. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12845944/
- Tomas Kubelik: Genug gegendert!: Eine Kritik der feministischen Sprache. Projekte-Verlag Cornelius, 11.09.2013. https://www.amazon.de/Genug-gegendert-Kritik-feministis ... 4862514
- Tomas Kubelik: Unterwegs zur Herrschaft der political correctness, 19.11.2013, http://www.cuncti.net/haltbar/625-unterwegs-zur-herrsch ... ectness
- Henning Lobin, Damaris Nübling: Genus, Sexus, Nexus. Warum eine geschlechtergerechte Sprache nicht nur sinnvoll und wichtig, sondern auch demokratische Pflicht ist. Süddeutsche Zeitung, 07.06.2018, Seite 11, 07.06.2018. https://www.sueddeutsche.de/kultur/2.220/genderdebatte- ... 4003975
- Daniel Scholten: Der Führerin entgegen! Was die wissenschaftliche Erforschung des deutschen Genusystems zur Genderideologie und ihrem Gendersprech zu sagen hat. Belles Lettres - Deutsch für Dichter und Denker, München, 16.10.2014. https://www.belleslettres.eu/print/genus-gendersprech-v1.pdf
- Daniel ScholtenDaniel Scholten: Die empirischen Forschungen der feministischen LinguistikDie empirischen Forschungen der feministischen Linguistik. www.belleslettres.eu, Video 1:50:30 (273 MB)www.belleslettres.eu, Video 1:50:30 (273 MB), 15.11.2018. https://www.belleslettres.eu/content/deklination/gender ... che.php, https://www.belleslettres.eu/content/deklination/gender ... che.php
- Antje Schrupp: "Gegenderte" Sprache: Es geht nicht um Diskriminierung, sondern um Sichtbarkeit. antjeschrupp.com, 01.09.2020. https://antjeschrupp.com/2020/09/01/gegenderte-sprache- ... arkeit/
- Anatol Stefanowitsch: Geschlechtslos in Hannover. ZEIT Online, 26.01.2019. https://www.zeit.de/kultur/2019-01/gender-sprache-gesch ... ansicht
- Harald Stücker: Wer zu Fuß geht - Feministische Sprachmagie. 17.04.2013. https://evidentist.wordpress.com/2013/04/17/feministische-sprachmagie/
- LoMi: Wenn Worte schuldig sind und Interpreten nur Automaten, 13.03.2014 http://suwasu.wordpress.com/2014/03/13/wenn-worte-schul ... omaten/
- Anne Wizorek / Kester Schlenz (Interview): Anne Wizorek im stern: Die Erkenntnis aus #aufschrei? "Sexismus existiert". Stern, 20140925. https://www.stern.de/familie/leben/anne-wizorek-im-ster ... 02.html
- Dieter E. Zimmer: Leuchtbojen auf einem Ozean der Gutwilligkeit. ZEIT Nr. 09/1996, 23.02.1996. https://www.zeit.de/1996/09/Leuchtbojen_auf_einem_Ozean ... ansicht