Inhalt

Einstiegslektüre:

* Maskulismus in zwei Minuten
* Kernthemen und -Forderungen
* Maskulismus für Anfängerinnen

"Maskulismus die radikale Ansicht,
daß Männer keine Schweine sind,
sondern Menschen."

Hauptthemen:

* Maskulismus
* Feminismus und feministische Politik
* Gender-Studies und feministische Theorie
* Feministische Rhetorik und Kampfbegriffe
* Medien und feministische Propaganda

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Samstag, 18. März 2017

Volksverdummung in der Tagesschau

In unserer Demokratie haben die Presse und die Medien ja eigentlich die Aufgabe, die Öffentlichkeit parteiunabhängig und möglichst objektiv zu informieren. Anläßlich des heutigen Equal Pay Days liefert die Tagesschau einen Beitrag in der Rubrik #kurzerklärt von Charlotte Gnändiger vom WDR mit dem Titel Werden Frauen beim Verdienst benachteiligt?

Der Beitrag ist pure Propaganda, die wesentlichen Fakten werden falsch dargestellt, große Teile gehen komplett am eigentlichen Thema vorbei, und wo er das Thema Lohnunterschied behandelt, versucht er vor allem zu skandalisieren und zu desinformieren. Der Beitrag kann direkt als Werbematerial für die Grünen oder die SPD in den aktuellen Wahlkämpfen verwendet werden, weil er das Thema völlig einseitig und ideologisch verzerrt darstellt. Besser wäre Frau Schwesig statt Frau Gnändiger im Video aufgetreten.

Transkription mit Kommentaren

[Sprecherin:] An den ersten 55 Arbeitstagen jedes Jahres arbeite ICH - umsonst!
Daß die Sprecherin tatsächlich die ersten 55 Arbeitstage jedes Jahres umsonst arbeitet, ist eher unwahrscheinlich und dieses Jahr mit einiger Sicherheit falsch, da sie alleine für dieses Video gewisse Einkünfte gehabt haben sollte. Natürlich ist die Falschaussage nicht wörtlich gemeint, also irgendwie ironisch (wir lachen später darüber). Unterbewußt werden jedenfalls schon im ersten Satz Emotionen geschürt, zumal hier eine schutzbedürftige attraktive junge Dame behauptet, sie selber werde diskriminiert.
[Kunstpause]
Zumindest theoretisch.
Denn statistisch gesehen bekommen Frauen in Deutschland soviel weniger Gehalt als Männer, daß sie bis zum 18. März gerade nichts verdienen.
Diese Aussage ist objektiv falsch. Das GPG bezieht sich auf die Bruttostundenlöhne. Diese falsche Aussage bezieht sich aber auf das Jahresbruttoeinkommen. Da Männer im Schnitt ca. 39 Stunden pro Woche arbeiten, Frauen aber nur ca. 32, also fast 20% weniger, ist die Einkommensdifferenz beim Jahresbruttoeinkommen noch deutlich größer als als beim Bruttostundenlohn.
Alles nur Statistik? Oder werden Frauen beim Verdienst tatsächlich benachteiligt?
Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich 21% weniger als Männer.
Das ist das berüchtigte unbereinigte GPG, das Äpfel mit Birnen vergleicht, das eine "Unstatistik" bzw. Fake-Statistik ist und das daher als Basis für den Equal Propaganda Day benutzt wird.
Damit gehören sie seit Jahren zu den Schlußlichtern in Europa.
Der Begriff "Schlußlicht" ist eine im Prinzip willkürliche negative Bewertung einer statistischen Größe im Vergleich zu anderen statistischen Größen, nämlich unbereinigten GPGs von anderen Ländern.
Implizit unterstellt wird hier, daß die kleineren Zahlen irgendwie gut oder zumindest besser sind. Eine Begründung für die relative Bewertung wird nicht gegeben.
Unterschlagen wird, daß in Ländern mit kleinerem GPG typischerweise die Erwerbsbeteiligung von Frauen deutlich geringer ist, weil die Möglichkeiten für Frauen, in Teilzeit zu arbeiten, dort viel schlechter sind. Da Teilzeitbeschäftigung einer der wesentlichen stundenlohnsenkenden Faktoren ist, entfallen in diesen Ländern die schlechter bezahlten Teilzeitbeschäftigungen ersatzlos und das GPG wird um mehrere Prozentpunkte kleiner. D.h. eine faktische Verschlechterung der Arbeitsmöglichkeiten für Frauen wird als mehr Gerechtigkeit verkauft! Dieser Ländervergleich ist eine reine Volksverdummung!
Aber: für diese Statistik zählt nur der Durchschnittslohn von Männern und Frauen.
Sie berücksichtigt nicht, daß Frauen eher in schlechter bezahlten Branchen arbeiten, häufiger in Teilzeit und selten als Führungskräfte.
Rechnet man diese Unterschiede mit ein, dann schrumpft die Lohnlücke auf noch 6%.
Nein, die letzte Aussage ist falsch. Das tatsächlich bereinigte GPG (das keine moralisch bewertete "Lücke", sondern eine emotionslose statistische Größe ist) liegt irgendwo zwischen 0 und 6%, die 6% sind nur eine Obergrenze. Wahrscheinlich liegt es unter 3%.
Manche sagen deshalb: alles nicht so schlimm mit der Lohnlücke, dem Gender Pay Gap.
Es gibt eben Unterschiede in Arbeitsart und -Zeit.
Bingo! Wo sie recht hat, hat sie recht!
Ja, die gibt es, und zwar auch im privaten.
Das zeigt der Gender Care Gap, also die Lücke in Sachen Versorgung von anderen, und diese Lücke ist groß.
Man beachte den heimlichen Themenwechsel. Das GPG betrifft nur Beschäftigungsverhältnisse und die darin gezahlten Bruttostundenlöhne. Was Männer und Frauen in ihrer privaten Freizeit machen, hat aber auf die Bruttostundenlöhne keinen direkten Einfluß. Deswegen gehen langatmige Erläuterungen zum durchschnittlichen Privatleben von Männern und Frauen komplett am Thema vorbei.

Der einzige Sinn des Exkurses über die Haushaltsarbeitszeiten besteht darin, Frauen wieder einmal als Opfer zu stilisieren.

Mehr als doppelt soviel wie Männer arbeiten Frauen, wenn es um Haushalt, Kinder, und die Pflege von Angehörigen geht. Fast 90 Minuten mehr sind es - pro Tag.
Leider verrät uns Frau Gnändiger nicht, auf welcher Quelle die Angabe "90 Minuten mehr pro Tag" beruht. Männer arbeiten im Schnitt ca. 39 Stunden pro Woche, Frauen aber nur ca. 32. Nach diversen Quellen ist die Summe von beruflicher Arbeitszeit und privater (die nur sehr unzuverlässig zu messen ist) bei Männern und Frauen praktisch gleich. D.h. die hier postulierten 10.5 Stunden Mehrarbeit im Haushalt pro Woche erscheinen deutlich zu hoch.

Die Erwähnung von "Haushalt, Kinder, und die Pflege von Angehörigen" ist irreführend.
Die Belastung durch Kinder dauert nur ca. 13 - 15 Jahre, verglichen mit einem Berufsleben von ca. 40 Jahren beträgt die Zeit der Kindererziehung also nur rund ein Drittel.
Laut Hammer (2014) werden rund 5 Millionen ältere Menschen in Deutschland von etwa ebenso vielen Angehörigen zu Hause betreut und gepflegt. Rund ein Drittel dieser Angehörigen, ca. 1.8 Millionen bzw. 36%, sind Männer. M.a.W. betreuen 3.2 Millionen Frauen ältere Menschen. Auf die Gesamtzahl der Erwerbstätigen (ca. 21.3 Millionen Männer, 18.6 Millionen Frauen) bezogen sind das nur kleine Anteile.

Für viele Frauen ein Grund, warum sie beruflich nicht so durchstarten können wie Männer, und so Gehaltseinbußen inkauf nehmen müssen.
Für viele Männer kann man genau das gleiche sagen. Statistisch sind diese Sonderbelastungen bei Männern und Frauen heutzutage nicht besonders unterschiedlich. Hier wird wahrheitswidrig suggeriert, daß nur Frauen von den privaten Sonderbelastungen betroffen sind! Beruflich durchstarten können vor allem kinderlose Frauen und Männer. Diese Gruppe verdient gut genug, um die eventuell pflegebedürftigen Eltern professionell betreuen zu lassen. Die Argumentation, das Gender Care Gap sei eine wesentliche indirekte Ursache für das GPG, ist reiner Dummenfang.
Rechnen wir es einmal aus mit den durchschnittlichen 6% Unterschied.
Das macht bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 3500 Euro schon 210 Euro weniger im Monat.
Und im ganzen Jahr sind es sogar mehr als 2500 Euro weniger.
Legen wir einmal 45 Beitragsjahre zugrunde, wie es die Politik gerne tut, dann verdienen Frauen im Laufe ihres Berufslebens mehr als 113.000 Euro weniger als Männer.
Wir hatten die 6% Gehaltsunterschied schon als Fake News enttarnt und sollten besser keinen Hochrechnungen aus Basis falscher Ausgangsgrößen anstellen. Da sich Teilzeitbeschäftigung lohnsenkend auswirkt, kann man Teilzeitlöhne auch nicht auf Vollzeitbeschäftigungen hochrechnen, denn bei Vollzeitbeschäftigung entfällt der Teilzeit-Abschlag. Diese Hochrechnung ist unseriös.

Diese Hochrechnungen liefern keine neuen Informationen, sondern dienen nur zur Skandalisierung (macht 8 von 10 Goebbels-Propagandapunkten). Zufällig übersehen wird auch, daß dieser Mehrverdienst weitgehendst von Sozialabgaben (ca. 30%) und Spitzensteuersatz (ca. 40%) abgeschöpft und sozial umverteilt wird (insb. an Frauen im Rahmen des Familienlastenausgleichs). Auf dem Konto des Empfängers kommt bestenfalls ein Drittel an.

Geld, das ihnen übrigens auch bei der Rente fehlt.
Noch ein Themenwechsel? Erziehungszeiten - ein wesentlicher Einflußfaktor auf das GPG - werden bei der Rente zumindest teilweise als Beitragszeiten angerechnet. Hier wird in bester Propagandamanier ein hochkomplexes Thema - Rentenberechnung - kurz angerissen, unheilschwanger das Leid der Frauen erwähnt, und einmal mehr das immerwährende Opferabo der Frauen als Faktum bestätigt.

Dreist und postfaktisch ist dieser Hinweis auf die Rente insofern, als der Anteil der Personen, die von Altersarmut betroffen sind, bei Männern höher ist als bei Frauen. Wenn überhaupt, dann sind also Männer und nicht Frauen bei dem Risiko Altersarmut aufgrund des Geschlechts benachteiligt.

Der neuste Ansatz der großen Koalition: ein Gesetz für Lohngerechtigkeit.
Es setzt vor allem auf Transparenz. Angestellte größerer Firmen dürfen künftig erfragen, wieviel Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen.
Frauen könnten so leichter für sich einfordern, was männliche Kollegen vielleicht schon bekommen.
Das Auskunftsrecht kann wenig ändern, denn es gibt kein relevantes bereinigtes GPG. Die lex Schwesig kann das GPG nicht wesentlich verändern.
Aktuell schließt sich die Lohnlücke nur sehr langsam.
Ginge es in diesem Tempo weiter, dann könnten bestenfalls meine Enkelinnen vom Ende des Gender Pay Gaps profitieren - in knapp 50 Jahren.
Seit Jahren schließt sich die Mathematikkompetenz- und Seriösitätslücke bei Feministinnen sehr langsam, man hat eher den Eindruck, es wird nur noch schlimmer. Dazu trägt auch dieser Tagesschau-Beitrag bei.

Erschreckend ist hier vor allem, daß ein sich seriös gebendes Medium wie die Tagesschau derartiger faktenwidriger, teilweise aufhetzender feministischer Propaganda einen kostenlosen Werbeplatz einräumt.


Nachtrag:

Unter dem Video schreibt sich Frau Gnändinger mit 3 n, in der Seitenleiste nur mit 2 n. Vermutlich ist Gnändiger richtig, der Name wurde daher oben im Text korrigiert.