Falschaussagen über das GPG
- Falschaussage "Frauen bekommen für die gleiche Arbeit 23% weniger Lohn als Männer."
- Falschaussage "Frauen bekommen für die gleiche Arbeit 6, 7 oder 8% weniger Lohn als Männer."
- Falschaussage: "Das Gender Pay Gap wird durch Diskriminierung von Frauen verursacht."
- Falschaussage "'Frauenberufe' werden schlechter bezahlt als 'Männerberufe'."
- Falschaussage "In der DDR gab es kein GPG."
- Falschaussage "Wegen des Gender Pay Gaps tritt vor allem die Frau in den Jahren nach der Geburt beruflich kürzer."
- Falschaussage "Ein Teil des (bereinigten) GPGs wird durch unterschiedliche Zugangschancen auf bestimmte Tätigkeitsfelder oder Leistungsgruppen verursacht."
... Insgesamt liegt der unbereinigte Gender Pay Gap, das heißt der prozentuale Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen in Deutschland bei rund 23 %. ... Als messbare Hauptursachen des Gender Pay Gap können eine zwischen weiblichen und männlichen Arbeitnehmern divergierende Berufs- bzw. Branchenwahl (vier Prozentpunkte) sowie die ungleich verteilten Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation (fünf Prozentpunkte) identifiziert werden. .... Schließlich trägt auch der höhere Anteil von Frauen in geringfügigen Beschäftigungen zum Gender Pay Gap bei (zwei Prozentpunkte). ... Der bereinigte Gender Pay Gap liegt in Deutschland bei etwa acht Prozent. Dies bedeutet, dass im Durchschnitt Frauen auch dann weniger als Männer verdienen, wenn sie vergleichbare Arbeit leisten. Der ermittelte Wert ist eine Obergrenze. Er wäre geringer ausgefallen, wenn der Berechnung weitere lohnrelevante Eigenschaften - vor allem Angaben zu Erwerbsunterbrechungen - zur Verfügung gestanden hätten.
Von "gleicher Arbeit" kann keine Rede sein: die in das unbereinigte GPG einfließenden Beschäftigungsverhältnisse betreffen ungleich verteilte Berufe, Branchen und Arbeitsplatzanforderungen. Auch die Webseite des Statistischen Bundesamts zu Gender Pay Gap, https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/BevoelkerungSoz ... ap.html, drückt dies klar und deutlich aus:Aussagen zum Unterschied in den Verdiensten von weiblichen und männlichen Beschäftigten mit gleichem Beruf, vergleichbarer Tätigkeit und äquivalentem Bildungsabschluss sind damit [mit dem unbereinigten GPG] nicht möglich.
Wieviel genau weniger, weiß das Statistische Bundesamt nicht, es hat auch nicht behauptet, es genau zu wissen, sondern völlig korrekt extra betont, daß nicht alle lohnrelevanten Eigenschaften der Beschäftigungsverhältnisse bekannt waren und insofern das tatsächliche GPG wahrscheinlich irgendwo zwischen 0 und 8% liegt. Wenn man etwas genauer hinsieht, stellt man fest, daß sogar ziemlich viele lohnrelevante Daten fehlen und von daher das tatsächliche bereinigte GPG wesentlich kleiner sein muß als die 8%. Auch der Begriff "vergleichbar" ist vor diesem Hintergrund zu sehen: vergleichbar sind Personen schon dann, wenn die leider unvollständigen Daten des Bundesamts über ihre Qualifikation bzw. den Arbeitsplatz identisch oder sehr ähnlich sind.
Der eigentliche Fehler in der obigen Falschaussage liegt also im Begriff "gleiche Arbeit": damit wird suggeriert, die Daten des Statistischen Bundesamts würden alle lohnrelevanten Eigenschaften enthalten, was nicht stimmt.
Tatsächlich haben zwei andere Analysen, bei denen detailliertere Daten verfügbar waren, so kleine Gender Pay Gaps gefunden, daß diese nicht mehr als statistisch relevant angesehen werden können:
- Nur 2 Prozent Gehaltsunterschied. Pressemitteilung, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, 14.01.2013. https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/beitra ... -102500
- Position: Gender Pay Gap. VBW, 10.2014. https://www.vbw-bayern.de/Redaktion/Frei-zugaengliche-Medien/Abteilungen-GS/Sozialpolitik/2014/Downloads/20141006-Gender-Pay-Gap-final.pdf
- Und hier noch zur Unterhaltung ein Bericht, warum männliche Krankenschwestern mehr verdienen als weibliche: "There are more male nurses than ever. Highly specialized, technically qualified male nurses, who get paid more than female nurses because SEXISM!
Insofern ist die immer wieder anzutreffende pauschale Aussage, alle Frauen würden gleichmäßig 7, 8 oder 23% weniger Lohn als Männer erhalten, falsch bzw. eine bewußte Irreführung der Öffentlichkeit (von Aussagenden, denen die Wahrheit eigentlich bekannt sein müßte).
- Hans-Ulrich Brautzsch, Katja Drechsel, Birgit
Schultz: Unbezahlte Überstunden in Deutschland. IWH, Wirtschaft im Wandel, Jg. 18 (10), 2012, S.
308-315, 2012. https://www.iwh-halle.de/d/publik/wiwa/10-12-4.pdf
S.5: " Männliche Arbeitnehmer leisten im Durchschnitt mehr Überstunden als Frauen (vgl. Tabelle 2). Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass bei Frauen der Anteil der Teilzeitbeschäftigten höher ist als bei Männern. Bei den Männern war auch der Anteil der nicht kompensierten Überstunden deutlich höher als bei Frauen."
- Walter Joachimiak: Frauen verdienten 2010 in Führungspositionen
30 % weniger als Männer. Statistisches Bundesamt, 04.10.2012. https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2012/10/PD12_345_621.html
zeigt u.a. die starke Abhängigkeit der Verdienstunterschiede von den Berufsgruppen und Altersklassen
- Alexander Durin: Lohndiskriminierung von Frauen. Telepolis, heise.de, 21.03.2013. https://www.heise.de/tp/artikel/38/38799/1.html
gut lesbare Zusammenfassung mehrerer Studien
- Claudia Finke: Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen 2006. Statistisches Bundesamt, Artikelnummer: 5621001-06900-4, 10.2010. https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Ver ... ionFile
- Walter Joachimiak: Frauenverdienste - Männerverdienste: Wie groß ist
der Abstand wirklich? Statistisches Bundesamt, 19.03.2013. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/STATmagazin/VerdiensteArbeitskosten/2013_03/Verdienste2013_03.html
Geht ausfühlich darauf ein, daß Männer und Frauen unterschiedliche Berufe wählen und die Merkmale dieser Berufe Hauptursache für die Gehaltsunterschiede sind.
- Lini S. Kadaba: The Reverse Gender Gap. Lehigh University, 10.10.2013. https://ed.lehigh.edu/news-events/news/reverse-gender-gap-0
- Glenn Kessler: Fact checking the 2013 State of the Union speech. Washington Post, 12.02.2013. https://www.washingtonpost.com/blogs/fact-checker/post/ ... og.html
- Chuck Ross: Report: Obama official apologizes for misleading rhetoric on gender pay gap. Daily Caller, 08.04.2014. http://dailycaller.com/2014/04/08/report-obama-official ... ay-gap/
- Aaron Sharockman: "Young women today in metropolitan areas" who are childless and single are out-earning childless, single young males. Politifact, 09.04.2014. https://www.politifact.com/factchecks/2014/apr/09/genev ... -gop-p/
Dieser Fehlschluß kommt oft in Verbindung mit dem unrichtig dargestellten Gender Pay Gap (GPG) vor, ist von der konkreten Art und Größe des GPG aber unabhängig.
Nachteile (und Vorteile) können aber viele Ursachen haben. Eine alternative Theorie besagt, daß Frauen weniger Wert auf Karriere legen und mehr Wert auf ein Privat- bzw. Familienleben, also in statisch relevantem Ausmaß andere Präferenzen haben. Noch eine (unhöfliche) Theorie besagt, daß Frauen keine Lust haben sich abzurackern und es auch nicht brauchen, weil die Männer dies tun und ihnen das Geld in der Ehe oder durch Sozialtransfers auch ohne eigene Leistung zufließt. Keine dieser Theorien, insb. die diffuse Diskriminierungsannahme, wird durch das GPG auch nur entfernt bewiesen. Soziale Theorien kann man nur direkt beweisen.
- Wenn positive GPGs eine Diskriminierung von Frauen beweisen, dann müßten negative GPGs eine Diskriminierung von Männern beweisen - ein politisch im Staatsfeminismus unvorstellbarer Gedanke.
- Das bereinigte GPG ist bei Selbständigen noch
viel höher als bei Angestellten.
Als "Schuldige" des üblicherweise berichteten GPGs werden
stets die Arbeitgeber angesehen. Erwähnt werden muß in
diesem Zusammenhang, daß in die vielfach zitierte
Destatis-Erhebung nur abhängig Beschäftigte einbezogen
sind, nicht hingegen Selbständige:
"In der VSE 2006 werden alle im Produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich .... beschäftigten Arbeitnehmer abgedeckt. Neben den Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten beinhaltet die Erhebung auch Angaben zu geringfügig Beschäftigten, Arbeitnehmern in Altersteilzeit sowie Auszubildenden. Selbständige werden nicht in die Erhebung einbezogen."
Für Selbständige wurde eine separate Analyse durchgeführt:Daniel S.J. Lechmann, Claus Schnabel: What explains the gender earnings gap in self-employment? Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Erlangen, 03.2012. https://doku.iab.de/externe/2012/k120402r07.pdf
Das unbereinigte Gap beträgt hier 44 %, davon sind nur 22 % auf die bekannten Einflußfaktoren zurückführbar. Es verbleibt eine Differenz von ca. 20 %, die nicht auf die bekannten Einflußfaktoren zurückführbar ist. Die Ursachen für diesen sehr hohen Rest von ca. 20 % konnten bislang noch nicht erklärt werden. Es ist aber offensichtlich ausgeschlossen, daß die üblichen Verdächtigen, die Arbeitgeber, die "Schuldigen" sein können.
- Asiaten diskiminieren Schwarze und Weiße in
den USA!?
In den USA werden die Durchschnittsverdienste zusätzlich nach ethnischen Gruppen unterschieden, s. Median weekly earnings of full-time wage and salary workers, by sex, race, and ethnicity, 2009. Demnach liegen die Verdienste von Weißen nahe dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung, die von Asiaten deutlich darüber und die von Schwarzen und Hispanics / Latinos deutlich darunter. Asiaten verdienen insg. rund 50% mehr als Schwarze. Die Schlußfolgerung, daß die Asiaten die Schwarzen und Latinos diskriminieren oder daß Arbeitgeber für die gleiche Arbeitsleistung Asiaten rund 50% mehr als Schwarzen bezahlen, ist aber offensichtlich absurd.
... trotzdem beträgt der [bereinigte] Gehaltsunterschied nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Deutschland fast acht Prozent. Es ist davon auszugehen, dass dieser Unterschied aufgrund von bewusster oder unbewusster Diskriminierung zustande kommt.Nein, davon ist nicht auszugehen, das bereinigte GPG ist nicht Folge von Diskriminierungen, sondern vor allem Folge von fehlenden Daten! Die Aussage der Zeit widerspricht außerdem direkt der Aussage des Statistischen Bundesamts, daß ein tatsächlich bereinigtes GPG kleiner als 8% ist. Ferner existiert ein bunter Strauß an soziologischen Theorien über die Ursachen des GPG, die man durchweg nicht als Diskriminierungen interpretieren kann.
Eine Variante dieser Falschaussage ist "Die Gehaltslücke schließt sich, wenn mehr Frauen typische 'Männerberufe' übernehmen." (z.B. hier: Spiegel Online, 18.03.2016). Diese Prognose enthält als implizite Aussage die obige Falschaussage, 'Männerberufe' seien besser bezahlt.
Eine weitere Variante ist die Behauptung: "Mit der Verweiblichung eines Berufs sinken seine Löhne." Mehr hierzu s.u..
Diese i.w. äquivalenten Falschaussagen sind Grundlage unzähliger Maßnahmen, mit denen Frauen überredet werden sollen, "Männerberufe" zu ergreifen.
Die begriffliche Trickserei liegt hier in der Pauschalisierung "die Berufe" und dem komplett undefinierten Begriff "besser bezahlt".
Bei einer relativ großen Gruppe von Berufen im Handwerk, Bauwirtschaft oder Militär ist Körperkraft und Ausdauer wichtig; für diese Berufen eignen sich nur sehr wenige Frauen, Frauen wären hier nicht kosteneffizient und haben ein erheblich größeres Verletzungs- und Ausfallrisiko. Diese Berufe sind daher aus biologischen Gründen Männerberufe. Es ist völlig sinnlos, ihre Bezahlung mit Frauenberufen zu vergleichen, weil definitionsgemäß nicht die gleiche Arbeitsleistung verglichen wird.
Das zweite Kriterium ist rein demographisch und lautet, daß der Beruf vorwiegend von Männern ausgeübt wird, aber ohne besondere Probleme auch von Frauen ausgeübt werden könnte. Beispiel: Ingenieur, früher einmal, heute nicht mehr: Arzt oder Richter. D.h. die Klassifizierung 'Männerberuf' ist zeitlich und geographisch nicht konstant und damit gar kein valides Merkmal für einen Beruf im Sinne einer Qualifikation und der typischen Tätigkeiten.
Insg. bleibt weitgehend unklar, was "die Männerberufe" und "die Frauenberufe sind, typischerweise werden in den Debatten ein bis zwei Beispiele, die geeignet sind, Neidkomplexe auszulösen, willkürlich herausgepickt.
Generell sind die Versuche, die Falschaussage durch Vergleich einzelner 'Männerberufe' und 'Frauenberufe' zu "bewiesen", hochgradig defizitär und dienen nur der Stimmungsmache (mehr dazu anschließend). Umgekehrt kann man fragen, ob es denn valide Beweise oder zumindest plausible Hinweise gibt. Das Faktum, das man das GPG nahezu vollständig bereinigten kann, kann als weitgehende Widerlegung der Falschaussage angesehen werden: die Bereinigung führt die Lohndifferenzen auf Qualifikationsmerkmale u.a. Faktoren zurück, nicht hingegen auf das Geschlecht. Wenn tatsächlich alleine ein hoher Frauenanteil in einem Beruf zu einer Lohnsenkung führen würde, müßte das Geschlecht auch als statistisch relevanter und quantifizierter Einflußfaktor erscheinen.
In den Debatten wird die pauschale Falschaussage meist durch Vergleich einzelner 'Männerberufe' und 'Frauenberufe' "bewiesen". Die verglichenen Berufe weisen typischerweise aber erhebliche Unterschiede in der Dauer der Ausbildung, also der Investition in ein Studium bzw. die persönliche Qualifikation auf, sind also gar nicht sinnvoll vergleichbar. Die oft beneideten Ingenieure hatten seinerzeit ein Studium mit einer Regelstudienzeit von 10 Semestern (+ Praktika), das ziemlich hart war und tatsächlich i.d.R. 12 - 14 Semester dauerte. Im Vergleich dazu sind viele 'Frauenberufe' Ausbildungsberufe, bei denen man 4 - 6 Jahre früher fertig ist und beginnt, Geld zu verdienen. Letztlich werden hier Äpfel mit Birnen verglichen, dann von "besser bezahlt" zu sprechen ist Dummenfang.
An dieser Stelle muß wieder einmal auf die Liste der lohnrelevanten Einflußfaktoren für die vergleichsweise gut verdienenden Ingenieure verwiesen werden. Ein Blick auf die Einflußfaktoren zeigt sofort, daß ein Ingenieurabschluß alleine keineswegs ein überdurchschnittliches Einkommen garantiert, sondern lange Betriebserfahrung, die richtige Branche, die Betriebsgröße u.a. Faktoren hinzukommen. Die Behauptung, der akademische Abschluß bzw. Beruf alleine wären entscheidend für ein gutes Gehalt bzw. die "bessere Bezahlung", ist Dummenfang, dies blendet alle anderen lohnrelevanten Faktoren aus. Diese monokausale Begründung der hohen Gehälter ist nicht haltbar: Hauptursache für höhere Löhne sind die höheren Bildungsinvestitionen, die Wahl profitabler Branchen und weitere o.g. Faktoren.
Mit "sinken" dürfte i.a. nicht gemeint sein, daß die Löhne tatsächlich sinken (das kommt nur sehr selten vor), sondern daß sie nicht ähnlich wie "vergleichbare" Berufe steigen.
Zunächst bleibt hier offen, ob besonders viele und wichtige Berufe unter diese Definition fallen. Die meisten Frauen streben nach wie vor wenige weiblich dominierte Berufe an, an dieser Hitparade ändert sich kaum etwas. Sofern man überhaupt Veränderungen feststellen will, muß man sehr lange Zeiträume betrachten - 20 oder 50 oder 100 Jahre. In diesen langen Zeiträumen können sich das Berufsbild, die Position dieses Berufs auf dem Arbeitsmarkt (z.B. Verknappung von Arbeitskräften oder Überschuß durch Arbeits-Immigration) und weitere lohnrelevante Faktoren ganz erheblich verändern. Dies gilt ebenfalls für die zum Vergleich benutzten Berufe. D.h. alleine die These, daß sich die Bezahlung "eines Berufs" verändert hat, macht die unzulässige Annahme, "ein Beruf" sei etwas historisch und hinsichtlich der Lohnfindung konstantes (das gilt auch nicht für neutrale oder männerdominierte Berufe).
Speziell in Deutschland und im Zeitraum der letzten 40 - 50 Jahre sind zeitliche Lohnvergleiche von "einem Frauenberuf" insofern problematisch, als in diesen Zeitraum eine enorme Bildungsexpansion stattfand, die in mehreren Branchen zu einer massiven Vergrößerung des Angebots an weiblichen Arbeitskräften führte. Da sich zugleich nicht das Angebot an männlichen Arbeitskräften entsprechend verringerte, kam es zu einem Überangebot an Arbeitskräften.
Beispiel: Wenn bei einem bisherigen Frauenanteil von 20% die Zahl der Frauen vervierfacht wird und die Zahl der Männer konstant gehalten wird, würden danach jeweils 80 Frauen 80 Männern gegenüberstehen, die Frauenquote würde 50% betragen und das Gesamtangebot an Arbeitskräften würde 160% des vorherigen Angebots betragen. Es ist aber stark zu bezweifeln, daß sich das Angebot an - gut bezahlten - Arbeitsplätzen im gleichen Maße erhöht. Es kommt zu einem Preisverfall der Arbeit, ein Phänomen, das unter dem Schlagwort Überakademisierung in großem Umfang zu beobachten ist und das zu berechtigten Zweifeln führt, ob sich ein Studium immer lohnt.
Zusammengefaßt ist die Behauptung, eine Verweiblichung eines Berufs würde seine Löhne senken, in dieser Pauschalität unklar, unbewiesen, in vielen Einzelfällen sogar falsch und ein plumper Appell an das notorische Gefühl von Frauen, überall diskriminiert zu werden.
Nach den gängigen feministischen Theorien waren damit alle Bedingungen erfüllt, um das GPG auf statistisches Rauschen zu reduzieren. Nach Stephan (1990) betrug 1988 das unbereinigte GPG in der DDR immerhin 16%. Eine Hauptursache war, daß Frauen häufig die weniger qualifizierten und schlechter bezahlten Arbeiten ausführten. Daneben spielte eine Rolle, daß körperlich schwere belastende Arbeiten besser bezahlt, aber nur von Männern ausgeübt wurden, ferner Nachtzuschläge überwiegend von Männern eingenommen wurden.
Das Beispiel DDR ist einer deutlichsten Beweise, daß man von einem GPG nicht auf ungerechte Entlohnungen oder Diskriminierungen schließen kann, dies ist ein Fehlschluß.
- Helga Stephan, Eberhard Wiedemann: Lohnstruktur und Lohndifferenzierung in der DDR - Ergebnisse der Lohndatenerfassung vom September 1988. Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 23. Jg./1990, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2013. https://doku.iab.de/mittab/1990/1990_4_mittab_stephan_wiedemann.pdf
Wenn man davon ausgeht, daß der weniger verdienende Ehepartner aus finanziellen Gründen die Hauptlast der Kinderbetreuung übernimmt, dann sind hierfür Gehälter vor der Geburt des ersten Kinds wesentlich. Erstgebärende haben ein Durchschnittsalter von knapp 30 Jahren. Relevant sind also die Gender Pay Gap (GPGs) für maximal die Alterskohorten bis ca. 30 - 35 Jahre. Nach einer auch von Feministinnen vielzitierten Publikation des Statistischen Bundesamts Finke (2010), dort S.32, beträgt das unbereinigte GPG für die Altersklassen
- 24 Jahre und jünger: 2,0 %,
- 25 bis 29 Jahre: 8,5 %,
- 30 bis 34 Jahre: 14,2 %
- 35 bis 39 Jahre: 21,2 %
- 40 bis 44 Jahre: 25,6 %
- 45 bis 49 Jahre: 26,4 %
- 50 bis 54 Jahre: 27,1 %
- 55 bis 59 Jahre: 29,1 %
- 60 Jahre und älter: 29,5 %
Der unbereinigte Gender Pay Gap betrachtet den geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied in allgemeiner Form. Auf diese Weise wird auch der Teil des Lohnabstands erfasst, der durch unterschiedliche Zugangschancen beider Geschlechtergruppen auf bestimmte Tätigkeitsfelder oder Leistungsgruppen verursacht wird. Beim statistisch bereinigten Gender Pay Gap hingegen werden diese strukturellen Unterschiede herausgerechnet.Diese Argumentationen arbeitet ausgesprochen hinterhältig mit Begriffsverschiebungen und impliziten unbewiesenen Behauptungen.
- als rein statistischer Wert, also die Wahrscheinlichkeit, bestimmte Dinge zu tun. Die Chance, daß ein Mann Grundschullehrer wird, ist wesentlich kleiner als bei einer Frau.
- Mit "Chance" meint man vor allem im Kontext von Chancengleichheit soziale Wirkmechanismen, die die beobachteten Verteilungen auf Berufsgruppen, Fächer o.ä. bewirken. Sie werden aber fast nie genauer angegeben, sondern nur unheilschwanger angedeutet. Beispielsweise ist die Chance eines Manns, Gleichstellungsbeauftragter zu werden, sehr gering, denn fast alle einschlägigen Gesetze reservieren diesen Arbeitsmarkt für biologische Frauen. Diese Gesetze stellen einen benennbaren Wirkmechanismus dar, sind also eine soziale Struktur, die Männer strukturell diskriminiert. Der Anteil der Männer an den Grundschullehrern und Sekretären ist ebenfalls sehr gering, aber nicht durch ein Gesetz oder eine andere soziale Struktur verursacht, sondern durch höhere Präferenzen für andere Berufe.
- unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten:
Unterschiedliche "Chancen" im Sinne unterschiedlicher Wahrscheinlichkeiten sind offensichtlich vorhanden. Die unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten ergeben sich aus den gleichen Daten, aus denen das GPG berechnet wird, sie sind eine sehr vereinfachte statistische Analyse der Daten. Diese Wahrscheinlichkeiten als Ursache des GPGs hinzustellen, ist sinnlos, weil beide auf den gleichen Daten basieren. Die Argumentation wird bei dieser Begriffsvariante von "Chance" zu einer nichtssagenden Tautologie. - diskriminierende soziale Wirkmechanismen:
Die ebenfalls mitgemeinte Bedeutung von "unterschiedlichen Zugangschancen" im Sinne diskriminierender sozialer Wirkmechanismen (wie z.B. Zugangsbeschränkungen zu Stellen von Gleichstellungsbeauftragten) ist hier frei erfunden. Es werden keinerlei Belege benannt bzw. konkrete Wirkmechanismen angedeutet (vgl. soziologische Erklärungsmodelle für das GPG). Die reine Statistik ist aber kein Beweis für eine soziale Wirkstruktur.
Implizit wird hier also die unbewiesene Hypothese aufgestellt, es gäbe relevante diskriminierende Wirkmechanismen und sie hätten einen Effekt, der über dem statistischen Rauschen und der Rechenungenauigkeit der Schätzverfahren liegt. Statistiken können aber die Existenz sozialer Wirkmechanismen prinzipiell nicht beweisen. Einen argumentativen Salto rückwärts macht nun der letzte Satz
Beim statistisch bereinigten Gender Pay Gap hingegen werden diese strukturellen Unterschiede herausgerechnet.Hier wird ad hoc der neue unklare Begriff "strukturelle Unterschiede" eingeführt, mit dem unterschiedliche "Zugangschancen" gemeint sein dürften. Aus den Daten herausrechnen kann man aber nur Einflußfaktoren, zu denen entsprechende Daten vorliegen. Deswegen kann man die Wirkung dieser hypothetisierten, unbekannten diskriminierende Wirkmechanismen nicht quantifizieren und nicht herausrechnen.
Dies ist der eigentlich relevante, wenngleich gut versteckte Desinformation in dieser Argumentation, und in diesem Sinne wird sie auch regelmäßig in feministischen Medien interpretiert: Es wird suggeriert, das bereinigte GPG sei durch diskriminierende soziale Wirkmechanismen verursacht (während es in Wirklichkeit Folge fehlender Daten ist).