Dienstag, 16. Juni 2015

Feministischer Killerinstinkt und weibliche Empathie






Feministischer Killerinstinkt und weibliche Empathie

[letzte Nachträge vom 25.07.2015]

Inhalt


Wir erleben seit letzter Woche (seit dem 08.06.2015) eine in dieser Form einzigartige öffentliche soziale Hinrichtung einer Person, die gegen feministische Sprachvorschriften verstoßen hat. Der Vorfall stellt selbst die Demontage von Lawrence Summers, der 2005 wegen einer wissenschaftlich korrekten, aber politisch unkorrekten Äußerung als Präsident von Harvard abgesetzt wurde, deutlich in den Schatten.

Es handelt sich um den Nobelpreisträger Tim Hunt. Die ihm zu Last gelegte Untat bestand i.w. darin, in einer Rede den - aus dem Kontext gerissenen - Satz fallengelassen zu haben, weibliche Mitarbeiter würden weinen, wenn man sie kritisiert, und es wäre eventuell besser, in geschlechtergetrennten Laboren zu arbeiten. Er wurde binnen 48 Stunden von seiner Honorarprofessur (die nicht zu verwechseln ist mit seiner normalen Professur, von der er bereits emeritiert ist) und sämtlichen akademischen Positionen entfernt. Bis vor der Rede war er noch aktiver Forscher, seine wissenschaftliche Tätigkeit scheint hiermit abrupt beendet worden zu sein, sogar das Arbeitsverhältnis seiner Frau (an der gleichen Universität) wurde erheblich beeinträchtigt.

Das "Women in science incident" ist mit der Vernichtung von Hunt als integerer Person und anerkanntem Forscher vorerst abgeschlossen und man kann den Vorfall nun retrospektiv analysieren. Markante Beobachtungen sind:

  1. Hunt wurde auf Basis unsicherer Informationen (Details s.u. "Was sagte Hunt wirklich", ferner mehrere Nachträge) und alleine aufgrund von unbewiesenen Anklagen eliminiert. Genaueres, z.B. ob seine Aussagen erkennbar ironisch gemeint waren, wurde erst nach seiner Eliminierung bekannt. Gelegenheit zur Verteidigung wurde ihm nicht gegeben, Entschuldigungsversuche wurden allenfalls gegen ihn verwendet, weil zu halbherzig und nicht 100% feministische Dogmen reproduzierend. Der Vorfall weist somit die vergleichbare Grundstruktur auf wie die Feme-Prozesse, die an US-amerikanischen Colleges gegen männliche Studenten geführt werden, die wegen "rape" angeklagt sind.
  2. Ob seine Äußerungen sexistisch sind, ist großenteils Ermessenssache - zumal ähnliche Aussagen auch von Feministinnen getätigt werden - und vor allem wegen der unklaren Umstände nicht eindeutig zu entscheiden. Er selber hat diese Absicht eindeutig verneint, diese Wertung spielte aber für den feministischen Racheakt an ihm keine Rolle.
  3. Vorgeworfen wurde ihm vor allem, seine Äußerung sei schädlich für Frauen in den Naturwissenschaften und habe die Frauenförderung dort erheblich zurückgeworfen. ("With one short speech he has set back the cause of women in science.") Dieser Vorwurf ist völlig absurd, denn - sofern ein solcher Effekt überhaupt besteht, was nicht offensichtlich ist - wurde und wird er in erster Linie durch die feministischen Akteure verursacht, nicht durch Hunt. Die Anklägerinnen sind selber die Haupttäter, indem sie seine Aussage weltweit verbreitet haben, verbunden mit dem Hinweis, daß Mädchen diese unbedingt als einschüchternd empfinden sollten. Es wäre ein leichtes gewesen, diese Einschüchterung zu vermeiden, indem man einfach die Aussagen unerwähnt gelassen und Kritik an Hunt weniger öffentlichkeitswirksam angebracht hätte. Die öffentlichkeitswirksame Demontage von Hunt muß daher als Hauptabsicht der Kampagne gegen ihn angesehen werden.
  4. Wie in den vorstehenden Punkten dargestellt sind die Vorwürfe gegen Hunt weitgehend Ermessenssache und wegen der inneren Widersprüche und der Mittäterschaft der Journalistinnen (Punkt 3) unglaubwürdig. Der Haupteffekt, der intendiert sein dürfte, war der eines Schauprozesses mit öffentlicher sozialer Hinrichtung, der eine breite, ggf. feminismuskritische Öffentlichkeit einschüchtern und die Gefährlichkeit nicht linientreuer Äußerungen demonstrieren soll.
  5. Das Verhalten der Akteure in diesem Vorfall steht in krassem Gegensatz zu den eigenen Theorien über die Eigenschaften von Frauen und den Argumenten für Frauenförderung: der geringe Frauenanteil wird immer wieder begründet mit der "männlichen kompetitiven Kultur" in diesen Fächern, die Frauen benachteiligt, weil Frauen empathischer und konsensorientierter sind. Diese männliche Kultur ist daher zwecks Chancengleichheit zu beseitigen. Tatsächlich zu beobachten war bei den Damen, die an dieser Jagd auf Hunt mitwirkten, hingegen ein ungebremster, von allen Skrupeln befreiter Killerinstinkt, eine ungeliebte Person möglichst rasch und vollständig bei maximaler Schmähung sozial zu vernichten, um ein Exempel zu statuieren und die eigene Macht zu demonstrieren. Da es sich hier überwiegend um medienerfahrene Journalistinnen handelte, kann auch nicht von einem Versehen ausgegangen werden.
  6. Eine besondere Rolle bei der Hetzjagd gegen Hunt spielte die Presse, die unter Mißachtung jeglicher journalistischen Sorgfaltspflichten unzuverlässige Informationen als gesicherte Fakten darstellte.
Im Einzelnen:

Was sagte Hunt wirklich?

Hunts Worte fielen im Rahmen einer kurzen Ansprache vor einem Dinner, das für rund 100 überwiegend weibliche Wissenschaftsjournalisten gegeben wurde, in eher lockerer Atmosphäre, also nicht in einem wissenschaftlichen oder wissenschaftspolitischen Vortrag. Auslöser des Mediensturms waren zwei weitgehend identische Tweets von Connie St Louis am 8. Juni 2015, 00:29 / 8. Juni 2015, 00:37. In diesem behauptet sie, Hunt habe gesagt,
"Let me tell you about my trouble with girls - 3 things happen when they are in the lab; you fall in love with them, they fall in love with you and when you criticise them, they cry. .... I'm in favour of single-sex labs."
In einer späteren Veröffentlichung am 14.06.2015 umschreibt eine andere Anwesende, Deborah Blum, die Aussagen nur noch sinngemäß:
But maybe I should tell you about my trouble with girls. These included the fact that 1) women scientists fall love with male scientists 2) vice versa 3) women cried when criticized and this combination of problems lead to the conclusion that (4 ) perhaps we would all be better off with male-female segregated laboratories.
Was Hunt exakt gesagt hat, ist letztlich unbekannt und vermutlich nicht rekonstruierbar, da es kein Manuskript und offenbar auch keine Tonaufzeichnung seiner Rede gibt. Hunt streitet aber nicht ab, sinngemäß diese 4 Aussagen getätigt zu haben.

Das BBC-Interview von St Louis. Neben diesen schriftlichen Zeugenaussagen hat St Louis in einem Interview mit dem BBC Radio 4 Today Programme behauptet, Hunt habe über die 4 konkreten Äußerungen hinaus - für die man vielleicht 20 Sekunden Sprechzeit braucht - noch wesentlich länger "increasingly offensive" Äußerungen getätigt, die das Publikum "stony faced" hinterlassen hätten:

Connie St Louis, who attended the talk, told the Today Programme that Hunt continued for six or seven minutes -- his diatribe getting increasingly offensive as the audience remained stony faced; they clearly were not appreciating the joke, but that did not sway him from his course. (Wired, 10.06.2015)
Weiter hätte das so geschockte Publikum Notizen von dem Vorfall angefertigt:
After he had finished, there was this deathly silence. ... A lot of my colleagues sat down and were taking notes because they couldn't believe in this day and age that somebody would be prepared to stand up and be so crass, so rude in a different culture and actually to be so openly sexist as well. (Daily Mail, 10.06.2015)
Extrem seltsam in diesem Zusammenhang ist, daß diese angeblichen Notizen nie aufgetaucht sind, obwohl praktisch das komplette Publikum aus professionellen Journalisten bestand. Es sind jedenfalls keine weiteren Darstellungen des Vorfalls von Zeugen außer den beiden vorstehenden bekannt geworden, die die "increasingly offensive" Äußerungen bestätigen oder Beispiele dafür benennen, weder zum Zeitpunkt des Demontage Hunts noch später. Anderen Darstellungen zufolge erhielt Hunt nach seinem Toast den üblichen höflichen Applaus, von Pfiffen, Buhrufen oder ähnlichen, eigentlich zu erwartenden Mißfallenskundgebungen ist nichts bekannt.

Die gravierenden Vorwürfe von St Louis in dem BBC-Interview sind daher mit hoher Sicherheit falsch (s. auch Nachträge 26.06.2015 und Nachträge 08.07.2015), wurden aber in etlichen Zeitungsartikeln ungeprüft weitergegeben und als gesicherte Erkenntnis dargestellt und waren vermutlich auch maßgeblich für die Entscheidung, Hunt von seinen akademischen Ehrenämtern zu entfernen.

Der Sexismus in Hunts Aussagen

Aussage (1): Männer verlieben sich am Arbeitsplatz in Frauen.

Dies ist eine statistisch kaum haltbare pauschale Aussage über Männer. Man warnt Männer seit langem eindringlich davor, sich am Arbeitsplatz von den Reizen weiblicher Mitarbeiter beeinflussen zu lassen, auch dann, wenn diese ostentativ versuchen, entsprechende Reflexe auszulösen. Die weit überwiegende Mehrheit Männer folgt diesem Rat. Auch wenn Ausnahmen nicht ganz selten sind, widerlegen sie die Regel nicht.

Als sexistisch gelten gemeinhin Aussagen, die sachlich nicht zutreffen und die geeignet sind, das Ansehen der Betroffenen zu reduzieren. Da die Aussage überwiegend nicht zutrifft und "den Männern" unterstellt, ihr Gefühlsleben nicht unter Kontrolle zu haben, kann man hier eine schwache Form von Sexismus gegen Männer diagnostizieren. Spekulationen, dies würde Männer von den MINT-Berufen abschrecken, sind nicht bekannt.

Aussage (2): Frauen verlieben sich am Arbeitsplatz in Männer.

Analog zu Aussage (1).

Aussage (3): Frauen weinen, wenn man sie kritisiert.

Wenn man "weinen" wörtlich nimmt, dann ist dies eine statistisch falsche Aussage, tatsächlich weinen Frauen nur in Einzelfällen. Wenn man "weinen" im übertragenen Sinn als "empfindlich auf Kritik reagieren", vor allem im Vergleich mit Männern, versteht, handelt es sich um eine statistisch durchaus korrekte Aussage. Die Korrektheit dieser Aussage wird kurioserweise gerade aus feministischen Kreisen in anderen Kontexten immer wieder bestätigt, wenn es darum geht, was Frauen daran hindert, MINT-Fächer zu wählen. Die höhere Empathie und Konsensorientierung wurde schon oben unter Punkt 5 erwähnt. Die emotionale Empfindlichkeit von Frauen wird inhaltlich auch in Handbüchern zur Personalführung und Anleitungen zur Frauenförderung häufig thematisiert.

Zum Weinen bzw. ausgeprägten emotionalen Reaktionen selber findet man zahllose Quellen, wie man(n) mit weinenden Frauen umgehen soll oder warum die Männer eigentlich nicht weinen. Die stets um das Wohl der Frauen besorgte Zeit meint sogar, Männer sollten besser nicht weinen: "... der Mann, der sich Reaktionsweisen zugesteht, die traditionell als weiblich gelten, macht damit noch lange nicht den Frauen Platz. Vielmehr besetzt er damit auch noch diesen Platz - den Platz des spontanen Gefühlsausbruchs, der eingestandenen Verletzlichkeit. ... Die Frauen sollten sich gut überlegen, ob sie ihn [den tränenfreien Mann] wirklich zurücktauschen wollen gegen die alte männliche Heulsuse, die noch aus ihrer Larmoyanz einen Vorteil zieht im Geschlechterkampf." D.h. die Option, weinen bzw. emotional reagieren zu können, wird sogar im Einzelfall in feministischen Quellen exklusiv für Frauen reklamiert.

In der Summe ist es nicht klar, daß die Aussage (3) sexistisch ist. Im übertragenen Sinne ist sie nicht ganz falsch, und die Emotionalität von Frauen wird vielfach eher als Vorteil gewertet.

Aussage (4): Labore sollten eventuell besser geschlechtergetrennt sein.

Wenn man "laboratories" als Räumlichkeiten versteht, dürfte diese Idee völlig unrealistisch sein. Realistischerweise könnten allenfalls Arbeitsgruppen homogen zusammengesetzt sein. Mit "perhaps we would all be better off" ist auch klar ausgedrückt, daß es sich um eine Spekulation handelt. Die implizite Aussage, daß gemischte Teams mehr Probleme haben als homogene, ist zwar in vielen Fällen bestätigt worden, kann aber so pauschal nicht aufrechterhalten werden. Die analoge Aussage hinsichtlich Schulunterricht wird seit langem kontrovers diskutiert, der Standpunkt, Koedukation teilweise zu vermeiden, ist durchaus verbreitet und gilt nicht als Sexismus. Reine Mädchenschulen haben den Ruf, bei den Mädchen viel bessere Lernerfolge in den MINT-Fächern zu erreichen. Die Nachwuchsforscher in den Laboren sind großenteils 22 - 25 Jahre alt, also nicht viel älter als Abiturienten. Die These, daß sich die Erfolge von reinen Mädchenschulen, also geschlechtergetrenntem Unterricht, in einem anderen Kontext wiederholen lassen, ist keineswegs unplausibel. (Auf einem anderen Blatt steht, daß die betroffenen Forscherinnen vermutlich nicht mit geschlechtergetrennten Arbeitsgruppen einverstanden wären.)

In der Summe ist die Spekulation, eventuell besser in geschlechtergetrennten Arbeitsgruppen zu arbeiten, keine unzutreffende, herabsetzende Äußerung einzelner Personengruppen und insofern kein Sexismus.

Die Ironie in Hunts Aussagen

Hunt hat selber wiederholt geäußert, seine Aussagen seien als Scherz gemeint gewesen. Die Verantwortung dafür, daß Ironie als solche erkannt wird - also Aussagen nicht ernst zu nehmen sind - trägt in erster Linie der Sprechende. Wir wissen nicht, ob Haut durch Stimme, Gestik oder andere Mittel im Vortrag die geplante Ironie deutlich gemacht hat und können daher nur die Transkription seiner Äußerungen heranziehen.

Die beiden ersten Aussagen sind offensichtlich falsch und können daher nicht wirklich ernst gemeint sein. Nach diesem Anlauf sollte man eigentlich folgern können, daß dies auch für die dritte Aussage gilt, auch wenn dies dort nicht so klar ist und etwas mehr Denkleistung erfordert.

In dieser Hinsicht muß man Hunt vorwerfen, daß die Ironie viel deutlicher hätte sein müssen und selbst in besser formulierter Form wahrscheinlich unpassend für den Anlaß gewesen wäre. Wenn Hunt außerdem auf sich selber gehört hätte, wäre ihm die Gefahr bewußt gewesen, daß das überwiegend weibliche Publikum emotional auf die die Kritik an Frauen, die man aus seinen Äußerungen herauslesen kann, reagieren würde (allerdings nicht mit Weinen, sondern einer vernichtenden Attacke auf ihn) und daß er eher zurückhaltend mit solchen Stilmitteln hätte operieren müssen.

Was Hunt nicht sagte

Ein Hauptvorwurf, der Hunt in vielen Kommentaren gemacht wird, ist "saying that women should be kept out of the lab because they were distracting" (Bishop). Offensichtlich hat er dies nicht wörtlich gesagt, denn selbst bei geschlechtergetrennten Laboren sind Frauen im Labor, nur ohne Männer, und gemeint hat er es auf keinen Fall.

Dieser Hauptvorwurf ist eine freihändige Interpretation dessen, was Hunt tatsächlich sagte. Diese Interpretation erfordert mehrere Annahmen, und zwar (1) die wörtlichen Aussagen als einseitig negativ für Frauen zu werten, (2) die Schuld an eventuellen Beziehungskonflikten einseitig den Frauen zuzuschreiben, und (3) Mechanismen zu unterstellen, die Frauen aufgrund dieser Schuld aus den Laboren verbannen. Die 1. Annahme ist nicht korrekt, s.o., die 2. willkürlich, die 3. Annahme ist völlig absurd und appelliert an den ewigen Opferstatus der Frauen (oder zeugt von einem ausgesprochenen Minderwertigkeitskomplex).

Die wichtigste Hunt unterstellte Behauptung ist daher eine willkürlich und falsche Interpretation dessen, was er wirklich sagte.

Das zerstörte weibliche Selbstvertrauen

In vielen feministischen Kommentaren wird der Schaden, den Hunts Äußerung verursacht, so beschrieben: Stellen Sie sich vor, eine junge Wissenschaftlerin bewirbt sich auf eine Stelle bei Herrn Hunt und weiß, welche Meinung er von Frauen hat, nämlich daß sie die Männer bei der Arbeit stören und immer nur jammern. Wird sie sich überhaupt noch bewerben oder eine Karriere in den Naturwissenschaften anstreben?

Sofern man spontan dieser These zustimmt, hat man ungewollt einen Selbsttest bestanden, ob man von einem feministischen Tunnelblick befallen ist. Diese Horrorvision appelliert an typische weibliche Ängste - eine Standarddiskurstechnik in der Geschlechterdebatte - und ist weitgehend irrational, denn sie basiert auf völlig unrealistischen bzw. sehr kuriosen Annahmen. Unterstellen wir also, daß unsere Wissenschaftlerin von den feministischen Nachrichtendiensten informiert wurde und nicht imstande war, die Ironie in Hunts Worten zu erkennen. Das Selbstvertrauen unserer Wissenschaftlerin kann jetzt höchstens unter folgenden Annahmen angeknackst werden:

  • Sie weiß nicht, daß Herr Hunt bestenfalls über eine Handvoll Stellen in seinem Einflußbereich entscheidet. Für tausende anderer Stellen ist seine vermutete Meinung völlig belanglos. Sofern sie die falsch verstandene Äußerung von Hunt bei allen anderen Vorgesetzten, sogar den weiblichen, unterstellen würde, wäre das eine fahrlässige, unwissenschaftliche Verallgemeinerung.
  • Sie glaubt, nur Frauen wären von Hunts Überlegungen betroffen, obwohl sie für Männer und Frauen gleichermaßen gelten.
  • Sie hat, obwohl sie offenbar schon eine Weile nicht ganz ohne Erfolg an der Uni ist, immer noch nicht bemerkt, daß Frauen in allen wissenschaftlichen Qualifizierungsphasen laufend mit Mentoringprogrammen und anderen einseitigen Förderungen beglückt werden und daß bei jeder Gelegenheit durch Frauenbeauftragte schärfstens kontrolliert wird, daß Frauen auf keinen Fall im Nachteil sind.
Jemand, der einen speziellen britischen Humor so falsch interpretiert, ist entweder nicht sehr qualifiziert oder hat schon vorher ein angeknackstes Selbstvertrauen und muß immer in Watte gepackt werden. Beides disqualifiziert für eine Forscherkarriere, da sollte man keine so gravierenden Denkfehler machen und viel Selbstvertrauen haben, denn Forschung ist mit vielen Rückschlägen und viel Frust verbunden, entweder weil die Untersuchungen nicht wie gewünscht laufen oder weil konkurrierende Forschergruppen schneller waren und zuerst publiziert haben. Forschung ist wie Bundesliga, nicht wie Ponyhof.

Gesamtbewertung

Die Tim-Hunt-Affäre ähnelt in vieler Hinsicht der Matt-Taylor-Affäre und der länger zurückliegenden Demontage von Lawrence Summers. Gemeinsam ist allen Vorfällen die absurde Relation zwischen Anlaß und Auswirkungen, die persönliche Schädigung anstelle einer politischen Debatte und der unübersehbare Killerinstinkt feministischer Akteure, jeden sozial zu vernichten, der es wagt, sich unbotmäßig zu äußern oder zu handeln. Das offensichtliche Ziel ist, Kritik mundtot zu machen, frei nach Mao Tse-Tungs Devise "Bestrafe einen, erziehe hundert." Dazu muß man nicht mehr wie früher, z.B. in den politischen Säuberungen, Personen physisch umbringen oder in Gulags verfrachten, die soziale Isolierung und Abstufung zum unberührbaren sexistischen Paria reicht im Zeitalter der Medienherrschaft und des Staatsfeminismus völlig für eine soziale Vernichtung.

Die an Männer gerichtete Botschaft ist klar verständlich: jede auch nur entfernte Kritik an Frauen oder an feministischen Dogmen, jede sachlich korrekte, aber politisch inkorrekte Äußerung kann jederzeit die medialen Killerkommandos auf den Plan rufen ein und existenzielles Risiko darstellen.

Für das Verhältnis zu Frauen in beruflichen Kontexten ergibt sich die - nicht für jeden neue - Erkenntnis, daß Frauen sozusagen eine unsichtbare Maschinenpistole mit sich herumtragen: sie können, wenn sie sich aus irgendeinem Grund falsch behandelt fühlen, jederzeit auf die Killerkommandos zurückgreifen. In Deutschland ist das offene Tragen von Schußwaffen in der Öffentlichkeit strikt verboten. Vordergründig deshalb, weil die Unfallgefahr viel zu hoch ist, hintergründig aber auch, weil die Demonstration, jemand anderen jederzeit vernichten zu können, die Kräfte- und Machtverhältnisse nachhaltig ändert. Genauso wie ein Staat mit Atomwaffen diese nicht wirklich gegen seine Nachbarn einsetzen muß, um diese nachhaltig einzuschüchtern.

Die öffentlichen Exekutionen von Personen, die sich nicht feminismuskonform verhalten haben, ist daher zuallervorderst als Machtdemonstration zu verstehen und als Hinweis, daß jede einzelne Frau über dieses Machtmittel verfügen kann.

Konsequenzen

Die offensichtliche Lektion für jeden Mann: Keine Witze über Frauen! Absolut keine! (sofern wenigstens eine Frau ihr Hörweite, und auch sonst höchstens bei guten Bekannten)

Weitere Veröffentlichungen

Nachträge

  • Obwohl es eigentlich überflüssig zu erwähnen ist, gibt es jedenfalls keinerlei Hinweise, daß Hunt sich in der Realität diskriminierend gegenüber Frauen verhalten hat. Im Gegenteil wird von allen, die ihn näher kennen, bestätigt, daß er viele Frauen bei ihrer wissenschaftlichen Karriere unterstützt hat.
  • Hunt ist mit Sicherheit ein genialer Wissenschaftler, aber ein grottenschlechter Pressesprecher, auch in eigener Sache. So kann seine Äußerung über sich selber, er sei ein ``chauvinist pig'', wahlweise als korrektes Faktum, Ironie, britischer Humor, Ausweichmanöver und beliebige Kombination davon verstanden werden. Wenn er über Grundkenntnisse in Maskulismus verfügt hätte, dann wäre ihm bekannt gewesen, daß unsere Medien sehr feministisch geprägt sind und solche Aussagen selbstmörderisch sind und er besser kein einziges Wort mehr gesagt hätte.
  • Boris Johnson, Bürgermeister von London, geht in einem sehr lesenswerten Beitrag Male and female are different: hardly earth-shattering news auf die Absurditäten der feministischen Argumentationen ein.
  • Tanja Gabriele Baudson merkt an, nicht die Emotion sei unprofessionell, sondern der unprofessionelle Umgang mit Emotionen, und weist auf alte Forschungsergebnisse hin, wonach Frauen in der Regel eine höhere Emotionalität zugeschrieben wird, was nicht zuletzt an der höheren sozialen Akzeptanz liegen dürfte.
  • Der Gastgeber der Veranstaltung, die Korea Federation of Women's Science & Technology Associations (KOFWST) veröffentlicht am 16.06.2015 eine Pressemitteilung, in der sie offenbar am gleichen Tag in demütigendem Tonfall Hunt aufgefordert hat, sich innerhalb von 24 Stunden formell zu entschuldigen, und er dies auch getan hat. Der Vorwurf an ihn, sexistisch zu sein (nach welcher Definition auch immer), bezieht sich auf die Aussagen 1 - 3 und wesentlich auf (ungeschickte) Äußerungen Hunts in späteren Interviews. Seltsam mutet an, daß die KOFWST über eine Woche brauchte, um einen äußerst scharfen Brief zu schreiben, und die weitergehenden Vorwürfe von St. Louis im BBC-Interview nicht erwähnt.
  • Ebenfalls am 16.06.2015 veröffentlicht Deborah Blum den Artikel Sexist Scientist: I Was Being `Honest', in dem sie darstellt, der erste Tweet von St. Loius sei von Ivan Oransky, einem Teilnehmer des Dinners, abgesprochen worden.
  • Daß selbst hartgesottene professionelle Feministinnen gelegentlich Emotionen zeigen und Tränen vergießen, demonstrierte soeben Stefanie Lohaus, Chefredakteurin des Missy Magazine, vor wenigen Tagen vor großem Publikum ("Stefanie Lohaus muss ihre Brille abnehmen, weil ihr die Tränen kommen"). Allerdings nicht wegen Kritik, sondern wegen eines Lobes. Was die Sache mit der Emotionalität von Frauen noch komplizierter macht. Zumal die meisten chauvinist pigs das wieder süß und rührend bei den Frauen finden. Die Geschlechterwelt ist kompliziert.
  • Ob die Reisewarnung der französischen Regierung vom 18.06.2015 vor Witzen mit sexuellen Bezügen in den USA durch die Hunt-Affäre verursacht ist, ist nicht bekannt.

Weitere Nachträge 26.06.2015

  • Am 24.06.2015 veröffentlicht die Times einen (nicht frei zugänglichen) Artikel Leaked transcript shows `sexist' scientist was joking, der u.a. im Daily Mail zitiert wird (Revealed: 'Sexist' Nobel winner went on to praise women scientists in SAME SPEECH, continuing after criticised comments by saying 'Now seriously...'). Danach hat ein Vertreter des Europäischen Forschungsrates (ERC), einer EU-Forschungsförderorganisation, als ERC-Botschafter an der Konferenz teilgenommen und ein Protokoll der Rede angefertigt, das auch SPIEGEL ONLINE vorliegt. Demnach waren die inkriminierten Sätze von Hunt eindeutig eingerahmt in Aussagen, die zweifelsfrei eine ironische Absicht erkennen lassen:
    It's strange that such a chauvinist monster like me has been asked to speak to women scientists. Let me tell you about my trouble with girls. Three things happen when they are in the lab: you fall in love with them, they fall in love with you, and when you criticise them they cry. Perhaps we should make separate labs for boys and girls?
    Now seriously, I'm impressed by the economic development of Korea. And women scientists played, without doubt an important role in it. Science needs women and you should do science despite all the obstacles, and despite monsters like me.
    Die Korrektheit dieses Protokolls wurde von Connie St Louis bestritten, namentlich die Überleitung "Now seriously, ...". Die andere Zeugin, Deborah Blum, konnte sich nicht genau genug erinnern, um diese Überleitung bestätigen oder verneinen zu können.
  • Die Daily Mail publizierte am 26.06.2015 den Artikel Guy Adams: A very flawed accuser: Investigation into the academic who hounded a Nobel Prize winning scientist out of his job reveals troubling questions about her testimony.

    Darin werden Connie St Louis, der wichtigsten Zeugin in diesem Fall, erhebliche und systematische Falschaussagen hinsichtlich ihrer akademischen Verdienste auf ihrer universitären Webseite und anderen Selbstdarstellungen nachgewiesen. Zugespitzt formuliert scheint sie eine bestenfalls drittklassige Wissenschaftlerin zu sein, die versucht, dies durch nicht zutreffende Behauptungen wissenschaftlicher Verdienste zu kaschieren. Für den Fall Hunt ist dies nicht direkt relevant, indirekt aber insofern, als diese Zeugin in der Vergangenheit wiederholt objektiv falsche Aussagen öffentlich tätigen konnte, ohne dafür bisher zur Rechenschaft gezogen worden zu sein.

    Ferner hat St Louis ihre Darstellung des Skandals selber mehrfach verändert:

    Curiously, that 1,000-word piece, in which St Louis recalled the scandal, was heavily edited after publication. Around 30 changes, some of them significant, were made to it. In an apparent contradiction of usual Guardian policy, the version now running online contains no disclaimer detailing this fact.
  • Rund 2 Wochen nach dem Vorfall stellt sich der Erkenntnisstand zusammengefaßt so dar:

    • Die Vorwürfe gegen Hunt basierten zum Zeitpunkt seiner Entlassung weitgehend auf einer einzigen Zeugin, St Louis. Deren Vorwürfe in dem BBC-Interview, die wesentlich über die inkriminierten Aussagen 1 - 3 bzw. 4 hinausgehen und wesentlich für die Entlassung Hunts gewesen sein dürften, sind nie konkretisiert oder von anderen Zeugen bestätigt worden, was angesichts der Anwesenheit von rund 100 Journalisten äußerst seltsam ist. Das Protokoll des ERC-Botschafters widerspricht den Vorwürfen eindeutig. Insgesamt sind die Vorwürfe in dem BBC-Interview daher unglaubwürdig. Die generelle journalistische Glaubwürdigkeit von St Louis ist zusätzlich durch ihre systematischen Falschaussagen in ihren Selbstdarstellungen stark erschüttert.
    • Trotz der z.T. naheliegender Zweifel an den Vorwürfen wurden die Vorwürfe gegen Hunt in weiten Teilen der (feministischen) Presse ungeprüft weitergegeben und als Fakten dargestellt. Feministische Redakteurinnen konnten in diesem Fall innerhalb von 1 - 2 Tagen praktisch ohne jede Kontrolle ihren Jagd- bzw. Killerinstinkt gegen jeden austoben, der gerüchteweise im Verdacht steht, sich nicht feminismuskonform zu verhalten.
    • Für die Zeit ist, als feministisches Meinungsorgan, automatisch klar, wessen Aussagen glaubwürdig und welche Indizien zu bezweifeln sind: Anna Behrend: Nicht witzig, Herr Hunt. Die Zeit, 26.06.2015. http://www.zeit.de/wissen/2015-06/sexismus-wissenschaft-tim-hunt-scherz
      "Doch Spaß beiseite: Zum einen darf die Richtigkeit dieses Protokolls bezweifelt werden. Die britische Dozentin für Wissenschaftsjournalismus Connie St Louis war anwesend, als Hunt seinen Toast ausbrachte und machte seine Äußerungen auf Twitter bekannt."
      Die Autorin der Zeit befindet weiter, daß hat "Hunt in die verbale Kloschüssel griff". Das kann man eher von ihr selber behaupten.

Weitere Veröffentlichungen

Weitere Nachträge 08.07.2015

  • In einer weiteren Publikation erhärtet Louise Mensch die Vorwürfe gegen Connie St. Louis, falsch berichtet zu haben. Die Behauptung von St. Louis, es habe ein "tödliches Schweigen" nach der Rede geherrscht, kann als eindeutig falsifiziert angesehen werden.

    Louise Mensch: The Tim Hunt Reporting Was False. Royal Society, Please Give Him Due Process. unfashionista.com, 07.07.2015. http://unfashionista.com/2015/07/07/the-tim-hunt-report ... rocess/

    Sehr detaillierte Rekonstruktion weiterer Details der Geschehnisse während und unmittelbar nach der Tischrede von Tim Hunt; präsentiert mehrere Zeugenberichte sowie ein inzwischen aufgetauchtes Foto, wonach während der Rede etliche Personen lachten und nach der Rede kurz applaudiert wurde.
  • Es gibt zwei aktive Petitionen, Tim Hunt zu rehabilitieren:

    1. Stephen Ballentyne: Bring Back Tim Hunt!
      http://www.ipetitions.com/petition/bring-back-tim-hunt
    2. Reinstate Tim Hunt
      https://www.change.org/p/university-college-london-reinstate-tim-hunt-2

Weitere Nachträge 25.07.2015

Nachdem inzwischen immer mehr Details der Vorgänge nach der Tischrede von Hunt bekannt sind und deren Ablauf genau rekonstruiert wurde, kann es inzwischen als gesichert gelten, daß
  1. die (Selbst-) Ironie in der Rede eindeutig erkennbar war und vom Publikum mehrheitlich auch so erkannt wurde, die zentralen Vorwürfe gegen ihn also widerlegt sind,
  2. der Skandal von Connie St Louis, Deborah Blum und wenigen weiteren zentralen Aktivisten planmäßig konstruiert wurde und daß dabei systematisch mit Falschaussagen und sinnentstellenden Zitierungen gearbeitet wurde, und
  3. die tatsächliche soziale Vernichtung Hunts durch ein Netzwerk von feministischen Journalistinnen in medialen Machtpositionen erfolgte, die unter Mißachtung jeglicher professioneller Standards auf Zuruf eine gemeinsame Schmähkampagne durchführten.
In Punkt 3, der exemplarischen Aufdeckung eines feministischen Journalistinnen-Netzwerks, das systematisch Desinformation betreibt und soziale Kontrolle ausüben will, liegt die übergeordnete Bedeutung dieses Skandals, die über die Person Hunt hinausgeht.

Weitere neue Veröffentlichungen


Sonntag, 8. März 2015

Die lex FiDAR, ihre Verfassungswidrigkeit und die Kollateralschäden im allgemeinen Rechtsbewußtsein


Nach jahrelangem Kampf und endlosen Debatten ist am 06.03.2015 das "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst" im deutschen Bundestag mit den Stimmen von CDU und SPD beschlossen worden.

Ein Sieg auf ganzer Linie für die 6. Macht im Staate, den institutionalisierten Feminismus, angeführt in diesem Fall durch den FidAR e.V., der im Namen der zehn führenden "Spitzenfrauen"-Verbände seit Jahren intensive Lobby-Arbeit betreibt und dessen Präsidentin, Monika Schulz-Strelow, als "Die Frau hinter der Frauenquote" gefeiert wird.

Harte Geschlechterquoten, also insbesondere Frauenquoten, stehen offensichtlich und eklatant im Widerspruch zu allen 3 Absätzen von Artikel 3 des Grundgesetzes und sind in fast allen Kontexten verfassungswidrig. Dies wurde in den jahrelangen Debatten oft genug thematisiert, man sollte annehmen können, daß es von daher allgemein bekannt ist.

Nichtsdestotrotz waren ersten Entwürfe der lex FiDAR nach Auffassung von Experten, die der Bundestag beauftragt hatte, "verfassungswidrig" und "technisch schlecht" - allerdings nicht wegen der Frauenquote, sondern weil das Gesetz geschlechtsneutral formuliert war und damit auch zu einer Männerquote führen konnte. Zu dieser Juristenschelte hinzu kamen massive Proteste von Gleichstellungsbeauftragten und insb. von den Grünen gegen die rechtliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen in diesem Gesetz [1]. Im Endeffekt wurde die Männerquote gestrichen, das Gesetz verletzt also auch in dieser formalen Hinsicht Artikel 3 des Grundgesetzes.

Man fragt sich, wie es dazu kommen konnte und was man daraus für den Zustand des Rechtsstaats und des allgemeinen Rechtsbewußtseins folgern kann. Hierzu zwei Thesen:

  1. Eine Schlüsselrolle bei der Durchsetzung der lex FiDAR spielen Juristen, die sich in ihren Gutachten als Soziologen betätigen und die hochgradig strittige soziale Analysen, die eine allgegenwärtige "strukturelle Diskriminierung der Frau" postulieren, zu wissenschaftlich bewiesenen Fakten veredeln, aus denen gravierende rechtliche Konsequenzen gezogen werden können.
  2. Wenn man das allgemeine Rechtsbewußtsein danach beurteilt, welche Argumente von den Quotenbefürwortern vorgebracht werden, dann dominieren völlig absurde Argumentationsmuster (logische Fehlschlüsse, Beweislastumkehrungen) und ein Sozialneid-Argument, nach denen man den Männern ruhig per Gesetz etwas wegnehmen kann, weil man überzeugt ist, sie hätten es mit unredlichen Mitteln erworben. Hier ist i.w. die feministische Propaganda verinnerlicht worden, die seit Jahren von der Presse und interessierten Parteien verbreitet wird.

Grundrechte sind nicht verabsolutierbar

An dieser Stelle muß man zunächst vor einem häufigen Irrtum von Quotenkritikern warnen - verbunden mit einer mittelscharfen Selbstkritik am Maskulismus, der sich mit dieser Frage bisher unzureichend und unterkomplex befaßt hat -, Artikel 3 oder die Grundrechte generell würden absolut und ohne jede Einschränkung gelten. Grundrechte (Artikel 1 - 19 der Grundgesetzes) sind keine direkt praktizierbaren Rechtsvorschriften, sondern nur Grundsätze und Randbedingungen, wie konkrete Gesetze zu gestalten sind. Diese Grundsätze können sich im Detail widersprechen, dann müssen Kompromisse gefunden werden. Im konkreten Fall des Artikels 3 stehen einer Verabsolutierung insb. folgende andere Grundrechte bzw. Artikel der Verfassung entgegen:
  • Artikel 6, Absatz (4): "Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft." Absatz 4 begründet ein Grundrecht auf Mutterschutz für Mütter und erlaubt daher eine ungleiche rechtliche Behandlung von Müttern und Nicht-Müttern.
  • Aus Artikel 6 kann insgesamt gefolgert werden, Eltern speziell zu fördern und anders als Nicht-Eltern zu behandeln.
  • Artikel 20, Absatz (1) "Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat." Dieser Artikel definiert einen "sozialen (Bundes-) Staat" als Staatsziel (Sozialstaatsprinzip). Das Sozialstaatsprinzip ist nur unscharf definiert und in besonderem Maße auslegungsbedürftig.

Juristen als Amateursoziologen

Harte Geschlechterquoten verletzen offensichtlich GG Artikel 3 (oder sogar Menschenrechte), weil bestimmte lukrative Positionen für Frauen reserviert werden. D.h. diese Grundrechtsverletzung muß durch gegenläufige Vorschriften der Verfassung relativiert werden.

Als typisches Beispiel juristischer Argumentationen sei hier die Stellungnahme zum Entwurf des BGREMBG und des BGLEIG von Gutachter Torsten von Roetteken (BT-DRUCKS. 18/3784) zitiert (ein weiteres Beispiel ist das Gutachten von Papier / Heidebach).

In diesem langen Text wird immer wieder von "der strukturellen Benachteiligung von Frauen" geredet. Obwohl dieser zentrale Begriff mantraartig wiederholt wird, findet man keine Definition, worin die strukturellen Benachteiligungen bestehen und welche Strukturen dort wirken sollen. Zumindest die Intention wird klarer auf S. 13 im Satz "Es geht um die Beseitigung in der sozialen Wirklichkeit bestehender faktischer Ungleichheiten." - was man auch als Enteignung bezeichnen kann - und in der These "Gleichberechtigung war und ist in erster Linie ein Frauengrundrecht" (die auf die 1986 verstorbene Elisabeth Selbert zurückgeht, also nicht mehr ganz taufrisch ist). Indirekt wird klar, daß für den Gutachter eine "strukturelle Benachteiligung" immer dort besteht, wo Frauen weniger als die Hälfte der Macht haben.

Kampfbegriff "Strukturelle Benachteiligung"

Die mysteriöse "Struktur", die die Benachteiligung der Frauen verursacht, ist also ganz einfach die Statistik. Konsequenterweise kann der Gutachter bei Männern "derzeit keine validen Anhaltspunkte für eine strukturelle Benachteiligung von Männern aufgrund ihres Geschlechts am Arbeitsmarkt" erkennen, obwohl man so ungefähr auf beiden Augen blind sein muß, um juristische, organisatorische und personelle Strukturen zur einseitigen Förderung von Frauen zu übersehen, die mehrere 1000 Frauenbeauftragte umfassen und die zu jährlichen Milliardenausgaben führen.

Im Kern hantiert das Gutachten mit soziologischen Begriffen wie "Struktur" oder "in der sozialen Wirklichkeit bestehenden faktischen Ungleichheiten", die eine soziologische Analyse suggerieren, aber tatsächlich eine substanzlose, einseitige feministische Sichtweise sind, im Endeffekt also klassische feministische Propaganda bzw. feministisches Doublespeak [2]. Das Gutachten veredelt diese Propaganda nun zu alternativlosen juristischen Zwängen.

Ohne diese Veredelung der feministischen Propaganda bricht die komplette Logik, nach der GG Artikel 3 für Männer außer Kraft gesetzt werden kann, in sich zusammen. Das Grundgesetz erlaubt es keineswegs, beliebige soziale Ungleichheiten mit dem Brecheisen zu beseitigen; andernfalls könnte man jeden Vermögenden enteignen.

Kollateralschäden im allgemeinen Rechtsbewußtsein

Die Öffentlichkeit wird seit langem von unseren feministischen Medien im Sinne der feministischen Agenda indoktriniert. Die verfassungsrechtlichen Güterabwägungen, die oben angedeutet wurden, sind für die breite Öffentlichkeit zu kompliziert, d.h. man arbeitet dort lieber mit einfachen, aber griffigen Formen sie "die Hälfte des Himmels gehört den Frauen" - her damit!

Selbst Zeitschriften wie die Süddeutsche oder die Zeit, die für sich in Anspruch nehmen, das Bildungsbürgertum und ein intellektuell anspruchsvolleres Publikum zu bedienen, vermeiden es nach meinem Eindruck, die komplizierten juristischen Fragen anzuschneiden und die extreme Fragwürdigkeit der Quoten zu diskutieren. Viele Artikel sind viel eher platte Stimmungsmache auf Bildzeitungsniveau.

Der Erfolg gibt dieser Strategie durchaus recht. Beispiele von Argumenten von Quotenbefürwortern in den Diskussionsforen dieser Zeitschriften sind:

Was haben Sie gegen die Quote?
Viele Foristen sind intellektuell und bei den Staatskundekenntnisse überfordert, die offensichtliche Grundrechtsverletzung zu erkennen.
Beweisen Sie mir doch, daß die Quote einen Schaden anrichtet.
Die klassische Beweislastumkehr. Daß die Quotenbefürworter ein Grundrecht beschädigen, ist normal und Ausgangsbasis, eine eigene Notwendigkeit, dies zu rechtfertigen, wird nicht erkannt, oder dies wird sogar abgelehnt.
Die Quote betrifft nur eine kleine Minderheit von Männern.
Die Todesstrafe in den Ländern, wo es sie gibt, ebenfalls. Ein perverses Pseudoargument, mit dem sämtliche Menschenrechtsverletzungen abgesehen von Massenmorden verharmlost oder entschuldigt werden können.
Die Männer haben die Posten nur, weil sie Seilschaften bilden und keine Frauen hereinlassen, das ist eine Tatsache. Durch die Quote wird dieses Problem endlich angegangen.
Frei erfundene Annahmen werden für Fakten gehalten, jede Selbstreflexion wird strikt abgelehnt, an wundersame Wirkungen der Quote wird blind geglaubt. Der Begriff "Seilschaften" kann im übrigen als volkstümliche Variante des Arguments "strukturellen Benachteiligung von Frauen" angesehen werden.

Die meisten Quotenbefürworter - von denen sich viele offenbar als Teil des Bildungsbürgertums betrachten - demonstrieren ein intellektuelles Niveau, das vorsichtig formuliert mit dem Begriff "Bildung" kaum vereinbar erscheint (womit nicht gesagt ist, daß es bei allen Quotengegnern besser wäre). Viele Argumente sind simples Ausleben von Sozialneid und Kastendenken: man kann "den Männern" ruhig per Gesetz etwas wegnehmen, den es ist ungerecht, daß sie mehr haben. Argumente wie "es sind nur wenige Betroffene" sind alte rassistische Denkmuster. Daß unser Grundrecht keine Kollektivrechte zuläßt, die im Rang über den Grundrechten von Individuen stehen, kann sich fast niemand vorstellen.

Letztlich ist die feministische Propaganda, die seit Jahren von der Presse, den feministischen Lobby-Vereinen und interessierten Parteien verbreitet wird, um der lex FiDAR den Boden zu bereiten, vollständig verinnerlicht worden.

Unklar ist, ob die Foristen in den wichtigsten Foren repräsentativ für die Bevölkerung sind. Hinzu kommt der schwer einschätzbare Einfluß der Zensur in den Foren. Umgekehrt werden die Foren oft als die neue politische Öffentlichkeit angesehen und stellen selber Meinungsmultiplikatoren dar. So gesehen hat die feministische Propaganda nach meinem Eindruck zu einer deutlichen Entintellektualisierung in der "gebildeten" politischen Öffentlichkeit (jenseits der Bildzeitung) geführt. [Nachtrag: hierzu passend: Die Quotenwalze]

Wenn die These von der Entintellektualisierung stimmt, dann stellt sich die Frage, ob man politisch noch etwas bewirken kann, indem man nur intellektuell und wissenschaftlich argumentiert. Und ob nicht die logische Konsequenz eine Entkoppelung von politischer Arbeit - die auch nur noch auf Propagandamethoden setzt - und wissenschaftlich orientierter Arbeit ist, mit der man sich als einzelner allerdings hoffnungslos überfordert.


Anmerkungen

[1] Quellen zur den Protesten gegen die rechtliche Gleichbehandlung von Männern:
  • Koalition modifiziert Gesetzentwurf zur Frauenquote. Spiegel, 02.03.2015. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/frauenquote- ... 32.html
    ... Das heißt de facto, dass Männer bei Einstellung und beruflichem Aufstieg bevorzugt würden, falls sie im jeweiligen Bereich unterrepräsentiert sind. Diese Form der "Männerförderung" sei verfassungswidrig, stellten mehrere Experten fest. Denn allein aus der Feststellung, dass ein Geschlecht in einem bestimmten Bereich in der Minderheit sei, folge noch keine tatsächliche Benachteiligung.
  • Koalition soll Männerquote fallenlassen. Handelsblatt, 04.03.2015. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gruenen ... 80.html
  • Heide Oestreich: Fatale Männerpolitik. TAZ, 26.02.2015. https://www.taz.de/Debatte-Gleichstellungsgesetz/!155351/
    "... De facto fördert unsere patriarchal geprägte Gesellschaft Männer - wo auch immer. ... Tatsache, dass Männer [im Niedriglohnbereich] regelmäßig bevorzugt werden, so dass sie bald nicht mehr [dort] arbeiten. Männern wird, durch viele Studien bewiesen, viel mehr zugetraut als Frauen - auch wenn das von ihrer Leistung nicht gedeckt ist. ... Künftig wird in der Praxis das Arbeitsfeld [der Gleichstellungsbeauftragten] schlicht verdoppelt ... [die] Gleichstellungsbeauftragte ... wird zur Männersucherin - und für den Kampf um die guten Frauenjobs ist sie weitgehend neutralisiert, weil man sie nun mit Männerarbeit zuschütten kann. ..."
  • Dietrich Creutzburg, Joachim Jahn: Gutachter verreißen Gesetzentwurf zur Frauenquote. FAZ, 23.02.2015. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolit ... le=true
    Das geplante Gesetz zur Einführung einer Frauenquote ist in wichtigen Passagen verfassungswidrig und lässt sich in Teilen wohl auch nicht mit Europarecht vereinbaren. Diese Auffassung vertreten gleich mehrere Gutachter in ihren Stellungnahmen für die Fachausschüsse des Bundestags.... Nach Auffassung des Gutachers Torsten von Roetteken, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Frankfurt, gehen diese Pläne schon von der "rechtlich und politisch falschen Annahme" aus, dass der öffentliche Sektor eine geschlechterparitätische Besetzung von Stellen und Ämtern erreichen müsse. "Dieses Ziel ist offensichtlich verfassungswidrig und mit dem vorrangigen Recht der Europäischen Union unvereinbar", .... Allein aus der Feststellung, dass ein Geschlecht in einem Bereich unterrepräsentiert sei, folge noch keine "tatsächliche Benachteiligung". Dies sei aber die Voraussetzung dafür, dass die Verfassung eine Ungleichbehandlung ... erlaube. ....
  • Heide Oestreich: Alle gegen die Quote. TAZ, 28.07.2014. https://taz.de/Umstrittenes-Gleichstellungsgesetz/!143225/
    Das Mitte 2014 vorgestellte Quotengesetz von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat zwei markante Merkmale:
    Die Zahl der Arbeitsplätze für (ausschließlich weibliche) Gleichstellungsbeauftragte soll drastisch erhöht werden, indem künftig schon für Dienststellen ab 50 Beschäftigten statt bisher 100 eine Gleichstellungsbeauftragte angestellt werden muß. Alleine das Verteidigungsministerium braucht dann 200 statt 100 Beauftragte.
    Ferner werden die Gleichstellungsbeauftragten dazu verpflichtet, die Interessen des jeweils unterrepräsentierten Geschlechts zu vertreten. Dies ist schon fast als revolutionär zu bezeichnen, denn in den bisherigen "Gleichstellungs"gesetzen werden die Gleichstellungsbeauftragten zur ausschließlichen Vertretung der Interessen von Frauen verpflichtet. Prompt protestiert der Arbeitskreis von etwa 150 Gleichstellungsbeauftragten der Bundesbehörden gegen die Gefahr, nicht mehr alle Zeit und Energie für die Förderung von Frauen investieren zu können.

[2] Es handelt sich hier um einen typischen Fall von feministischem Doublespeak: ein etablierter, diskussionsrelevanter Begriff - hier "soziale Struktur" - wird in sein Gegenteil verkehrt oder inhaltlich entkernt.

Die erwünschte willkürliche "Beseitigung in der sozialen Wirklichkeit bestehender faktischer Ungleichheiten" ist zunächst schlicht eine Enteignung, die nur von Sozialneid getrieben ist. Soziale Ungleichheiten sind als solche nicht illegal, sondern nur dann, wenn sie auf unfaire, "ungerechte" Weise zustande gekommen sind. Eine klassische feministische Schlußfolgerung besteht nun darin, jeden Nachteil für Frauen zu einer (schuldbehafteten) Diskriminierung umzuinterpretieren, die beseitigt werden muß. Diese Schlußfolgerung ist falsch und unzulässig (und wird auf Männer natürlich nicht angewandt). Auch der Halbsatz in GG Artikel 3(2) "Der Staat ... wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin" kann nicht so interpretiert werden, daß ein Nachteil für "die Frauen" (hier genaugenommen für eine spezielle Gruppe von selbsterklärten Spitzenfrauen) durch eine Diskriminierung von Männern ersetzt wird.

Die Schlußfolgerung, daß ein Nachteil eine Diskriminierung anzeigt, ist zulässig, wenn die Nachteile von gesellschaftlichen Strukturen wie z.B. ungleichen Rechten, nachweislich schlechteren Noten bei gleicher Leistung etc. verursacht werden. Genaugenommen ist der beobachtbare statistische Nachteil dann eine logische Konsequenz von gesellschaftlichen Strukturen, und der Zusammenhang kann plausibel dargestellt werden.

Im Fall der quer über alle Branchen zu findenden geringen Frauenanteile in Aufsichtsräten lassen sich aber illegale gesellschaftliche Strukturen nicht nachweisen, insb. keine solche, die in der Kontrolle und Verantwortung der Personen und Instanzen liegen, die in die entsprechenden Auswahlprozesse involviert sind (oft genannte, aber frei erfundene Strukturen wie "das Patriarchat" oder "Seilschaften" sind nicht nachweisbar).

Der schlagwortartige Begriff "strukturelle Benachteiligung von Frauen" dient nun genau dazu, die Existenz illegaler gesellschaftlicher Strukturen zu suggerieren, sie aber nicht nachweisen zu müssen. Der Begriff "Struktur" wird hier völlig entkernt und inhaltlich auf eine Statistik reduziert.

Im Endeffekt gelingt es durch diese Doublespeak-Technik, in der politischen Öffentlichkeit die falsche Schlußfolgerung von einem Nachteil für Frauen zu einer (von den Männern zu verantwortenden) Diskriminierung zu kaschieren.


Samstag, 14. Februar 2015

Ich brauche Maskulismus, weil ...

Allen Unkenrufen und Dämonisierungsversuchen zum Trotz hat sich der Maskulismus™ in den letzten Jahren gut entwickelt. Grob festmachen kann man dies an einer gestiegenen Anzahl von aktiven Blogs, an immer mehr und qualitativ besseren Kommentare in den Foren der großen Zeitungen, und ggf. durch diesen "Druck von der Basis" veranlaßt sogar vereinzelten Artikeln in Mainstream-Medien, die sich im Gegensatz zu früher trauen, Standpunkte von Männern zu thematisieren und dabei - kaum vermeidbar - feministische Dogmen zu hinterfragen.

Aber da geht noch mehr, und so ist dieser Blogpost einerseits ein Versuch, noch mehr Interessenten für die Anliegen von Männern zu aktivieren und im Idealfall auch zu aktiver Mitarbeit zu motivieren. Wie immer in Leben gilt auch hier: nur wer mitmacht, kann gestalten. Dabei gehe ich von der These aus, daß der Maskulismus nur deshalb erfolgreich sein konnte, weil die Aktivisten überzeugt davon waren, ihn zu brauchen, und weil sie Spaß oder andere Erfolgserlebnisse dabei hatten. Umgekehrt kann man sich (speziell als Anfänger) auch zuviel von maskulistischem Engagement erhoffen. Weiter unten folgen dazu einige ernüchternde Kommentare und zumindest Hinweise, wie man Frustrationen vermeiden kann.

Maskulismus macht Spaß, weil ...

Wenn man danach fragt, warum die bisherigen Aktivisten aktiv wurden bzw. sind, was ihnen Spaß macht und worin die Erfolgserlebnisse bestehen, dann bekommt man keine einheitliche Antwort. Die gefühlt häufigsten und wichtigsten Gründe sind:
  • konkrete politische oder gesellschaftliche Änderungen: Ich ärgere mich über bestimmte gesellschaftliche Zustände, die ich als Unrecht empfinde, z.B. die Aufhebung von Grundrechten für Männer durch Frauenquoten oder die Diskriminierung von Trennungsvätern, und möchte etwas dagegen tun, z.B. das von der Regierung kürzlich beschlossen Quotengesetz wieder abschaffen. Ziel sind hier konkrete politische Änderungen. Ein anderes Beispiel sind die offensichtlich haarsträubend falschen feministischen Theorien über biologische Einflüsse auf das Verhalten von Männern und Frauen, die nichtsdestotrotz konzeptuelle Basis von vielen "Interventionen" sind (die deshalb zum Scheitern verurteilt sind).
  • allgemeines Interesse an der Geschlechterthematik: Ich halte die Geschlechterthematik für interessant und wichtig, andererseits auch kompliziert, und ich möchte gerne qualifiziert mitreden können, weil ich nämlich sowieso gerne debattiere, z.B. im Bekanntenkreis oder ggf. in einer Partei. Ziel ist hier sozusagen die persönliche Weiterbildung, sowohl in Sachfragen als auch in der Rhetorik. Konkrete politische Ziele sind noch nicht vorhanden, abgesehen von dem sehr abstrakten Ziel, die Interessen von Männern besser zu vertreten, wobei man aber das Gefühl hat, diese genauer verstehen zu müssen, bevor man konkrete Forderungen in die Welt setzt.
  • Unterhaltung und Small Talk: Wie vor, aber ohne eine ernsthafte Weiterbildungsabsicht und eher eher - frei nach Karl Valentin - nach dem Motto "es ist schon alles gesagt gesagt worden, aber noch nicht von mir und ausgeschmückt mit meinen privaten Gefühlen und Erlebnissen".
  • Interesse an den wissenschaftlichen Hintergründen: Während das Ziel der Weiterbildung beim vorigen Punkt "nur" eine gute einschlägige Allgemeinbildung ist, ist der wissenschaftliche Anspruch hier höher. Ich will zumindest die Meinungen von Experten hinterfragen können und ggf. (nicht für die Allgemeinheit geschriebene) Originalpublikationen lesen können. Die Menge des Wissens und des lesenswerten Materials wächst hier explosionsartig an und man muß die jeweilige Wissenschaftsmethodik kennen, um Publikationen verstehen und beurteilen zu können. Wegen der nötigen Vorkenntnisse und der Stoffülle muß man sich hier i.d.R. auf ein Fachgebiet einschränken.
  • Kontakt zu Gleichgesinnten- bzw. Interessierten: Ich möchte mich gerne Personen, die ähnliche Interessen und Meinungen haben, austauschen. Das ist der Hauptzweck vieler Vereine, Parteien und Stammtische. djadmoros hat eine dazu passende Stammtisch-Theorie: "Ein Stammtisch ist ein Ort der ungeschützten Rede unter Leuten mit mehr oder weniger gleichen Ansichten oder einer anderen, nicht auf Meinung beruhenden Verbundenheit. 'Ungeschützte Rede' bedeutet, dass man sich in einem (mehr oder weniger) geteilten Vorverständnis eines Themas befindet, und zudem in einer Situation der 'Kopräsenz', in der man zusätzlich zu den reinen Aussageinhalten über Kontext- und persongebundene Informationen zur sprachpragmatischen Deutung einer Aussage verfügt. Sowohl die Chance, eine korrekte Interpretation von Sprecherintentionen vorzunehmen als auch die Chance, auf Selbstbestätigung zu treffen, sind in solchen Kontexten vergleichsweise hoch."
  • Frauen verstehen und persönliche Beziehungen mit Frauen verbessern: Ich spare mir hier den Witz mit der Autobahn über den Atlantik. Realistisch betrachtet, z.B. bei den Themen der Posts und Kommentare in den einschlägigen Blogs, scheint sehr großes Interesse an diesem Thema zu bestehen. Erkennbar ist dies z.B. an der häufigen Thematisierung von Pick-Up-Techniken, die rein gar nichts mehr zu tun haben mit politischen Themen wie der Verfassungswidrigkeit vieler feministischer Aktionen. Das Thema "Frauen verstehen" ist im Kern ein privates. Die feministische Strategie "das Private ist politisch", also die Gesellschaft für die Lösung der persönlichen Probleme verantwortlich zu machen, war indessen historisch zu erfolgreich, um es nicht zu kopieren.
  • Randalieren und provozieren (dies ist nicht das gleiche wie seinen Unmut über bestimmte Zustände äußern; dies ist auch ohne verbale Entgleisungen möglich). Für derartig motivierte Personen soll hier explizit keine Werbung gemacht werden, auf die können die anderen gut verzichten. Erwähnen muß man sie in trotzdem, denn anonyme Foren bilden ein ideales Betätigungsfeld für solche Zeitgenossen.
Es gibt noch weitere Gründe, warum maskulistische Aktivitäten Spaß machen können, die vorstehende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Gründe sind inhaltlich verzahnt und nicht strikt trennbar. Daher werden meist mehrere Arten von "Erfolgserlebnissen" gleichzeitig mit unterschiedlicher Intensität angestrebt und auch erreicht.

Die Menge der Themen und möglichen Aktivitäten zu groß, um alles machen zu können. Wie auf der Seite Maskulismus-Varianten dargestellt sind alleine Fachthemen extrem vielfältig, ebenso die Liste der politischen bzw. sozialen Forderungen des Maskulismus. Man muß also auswählen. Bei den meisten Aktivisten scheint dies zufalls- und lustgesteuert zu geschehen, nur bei einer Minderheit planmäßig und an konkreten Zielen orientiert.

Der Maskulismus braucht mich, weil ...

Die vorstehende Auflistung von "Spaßfaktoren" und potentiellen Erfolgserlebnissen war egozentrisch insofern, als der persönliche Spaß als Antriebskraft im Vordergrund stand. Das Motivationsproblem wird regelmäßig auch von einer anderen Warte aus diskutiert, wenn Forderungen formuliert werden, der Maskulismus™ möge doch bitte nächstes Jahre die Aufgaben X, Y und Z erledigen, wenn beklagt wird, die Männerrechtsbewegung sei unwirksam und im Vergleich zum Feminismus praktisch nicht existent usw.

Wunschlisten oder wohlmeinende Ratschläge, was man besser tun sollte, kann man mit einem Achselzucken zur Kenntnis nehmen. Allerdings kommt man beim oben genannten Ziel "konkrete politische oder gesellschaftliche Änderungen" - das für viele das wichtigste ist - nicht an der Erkenntnis vorbei, daß man als einzelner wenig erreichen kann und die Chancen in einer Gemeinschaft ungleich höher sind. Dies führt zu der Frage, welche politischen Ziele mit den vorhandenen Ressourcen tatsächlich erreichbar sind.

An dieser Stelle muß leider ein riesiger Unterschied zum Feminismus betont werden. Frauen werden in unserer Kultur von Kindesbeinen an flächendeckend dahingehend indoktriniert, sich selber als diskriminiert anzusehen und "die Männer" als die Unterdrücker. Jungen werden im Gegensatz dazu demotiviert, für ihre Rechte einzutreten. Das Resultat ist ein relativ große "Freiwilligenarmee" von jungen Frauen, die sich als Feminist bezeichnen und die aktiv für die Frauenseite eintreten. Dem steht auf der männlichen Seite nahezu nichts gegenüber (Männer werden typischerweise erst viel später aktiv). Zum quantitativen Unterschied kommt ein qualitativer: Die feministischen Akteure sind propagandistisch keine völligen Anfänger mehr und haben die gängigste feministische Propaganda (z.B. das 22% gender pay gap, das am equal pay day zelebriert wird) immer wieder auf dem Tablett serviert bekommen und voll verinnerlicht. Demgegenüber muß die männliche Seite die Gegenargumente selber herausfinden. D.h. die beiden Freiwilligenarmeen und das Nachwuchspotential auf beiden Seiten unterscheiden sich erheblich.

Hinzu kommt die Feministische Infrastruktur, in der tausende feministische Akteure auf Staatskosten finanziert und über sehr gut ausgebaute Managementstrukturen koordiniert werden. Die in der Feministischen Infrastruktur Beschäftigten arbeiten großenteils in Vollzeit, können also mit einem viel höheren Zeitbudget agieren als maskulistische Akteure, die ihre Freizeit opfern. Angestellten kann der Arbeitgeber vorgeben, was sie tun bzw. erreichen sollen und welche ideologischen Dogmen gelten, bei Freiwilligen geht das nicht. In der Summe ist der Maskulismus z.B. nicht kampagnenfähig, also nicht fähig, Demonstrationen, Pressekampagnen oder ähnliche öffentlichkeitswirksame Aktionen zu organisieren, zu bewerben und durchzuführen. Eine Audienz bei Politikern zu bekommen, ist extrem schwierig, ein männerseitiges Äquivalent zu der Demutsadresse eines Kanzlerkandidaten Steinbrück bei feministischen Lobbyvereinen ist unvorstellbar.

Es liegt hier natürlich nahe, einem Verein wie z.B. Manndat oder einem der väterrechtlichen Vereine beizutreten. Allerdings leben Vereine vom persönlichen Zusammentreffen und mündlichen Diskussionen und Absprachen. Nichts gegen Debatten auf Blogs, aber E-mail, Blogposts u.ä. schriftliche Diskussionsformen sind weitaus ineffizienter als mündliche Kommunikation. Da es nur sehr wenige Vereine gibt, steht diese Option nicht jedem wirklich offen. So oder so ändern einige kleinere Vereine nichts daran, daß sich die Größe und Kampfkraft der "Armeen" auf beiden Seiten um Größenordnungen unterscheidet.

Hinzu kommt die feministische Indoktrination, die die meisten Mainstream-Medien betreiben. Durch die nahezu geschlossene Indoktrination fast aller MSM und parteipolitische Sprech- und Denkverbote, in deren Rahmen u.a. jegliche Formulierung von männlichen Interessen sofort als rechtsradikal dämonisiert werden, wurde lange eine relevante männliche Beteiligung an der Geschlechterdebatte und eine Ideenentwicklung männlicher Standpunkte verhindert.

Maskulismus als Graswurzelbewegung

Ein Vergleich der Kräfteverhältnisse auf beiden Seiten fällt also leider deprimierend aus. Dies steht in auffälligem Gegensatz zur einleitenden Behauptung, der Maskulismus habe sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Es gibt tatsächlich eine Reihe von Indizien hierfür, aber eine genauere Analyse, worin diese jüngeren Erfolge bestehen und wieso sie möglich waren, steht noch aus. Einige Vermutungen hierzu [die sich in kommenden Versionen dieses Blogposts noch ändern können] sind:
  • Die technische Entwicklung hat durch immer leichter nutzbare Blog-Systeme und soziale Medien wie Twitter oder Facebook seit ca. 10 Jahren eine operative Plattform geschaffen, über die das Kommunikationsmonopol der MSM unterlaufen werden konnte und eine Gegenöffentlichkeit entstehen konnte.

    Eine Schlüsselrolle spielen - trotz häufiger Zensur - mMn die Kommentarfunktionen der MSM. Durch die Kommentarfunktionen wurden viele Erstkontakte zu alternativen Informationsquellen hergestellt.

    Das Aufkommen der Gegenöffentlichkeit (auch in anderen Themengebieten) verlief parallel zum Ansehensverlust der MSM. Die MSM reagieren in letzter Zeit dagegen, indem Kommentarfunktionen eingeschränkt oder ganz abgeschafft werden. Die Möglichkeit, über Kommentarfunktionen Erstkontakte herzustellen, wird u.U. in Zukunft viel geringer sein.

  • Durch das immer diktatorischere Auftreten feministischer Politiker und Akteure wurden bei vielen Männern die Schmerzgrenze überschritten und die Wahrnehmung, das sei alles nur "Gedöns", revidiert. Beispiele sind die Sprachdeformationen, politisch korrekte Denk- und Sprechverbote, die Frauenquoten und die offensiv propagierte feministische Privilegientheorie.

    Diese feministischen Exzesse sind selbst für Anfänger offensichtlicher Unsinn oder verfassungswidrig. Die Entwicklung von Gegenpositionen war deswegen sehr einfach und sehr vielen Personen autark möglich, auch ohne eine zentrale Steuerung. Insofern ist der Maskulismus (genauer gesagt die Feminismuskritik) eine Graswurzelbewegung. Erkennen kann man dies u.a. daran, daß immer wieder die gleichen Diskussionen auf den diversesten Blogs oder Foren geführt werden (die meisten nicht unter dem Etikett Maskulismus) oder auch in privaten Gesprächen von Personen geäußert werden, die den Begriff Maskulismus nicht kennen.

    Die massenhaft zu beobachtende Feminismuskritik war wegen der offensichtlichen Defizite der feministischen Positionen ein leichtes Spiel. Unklar bleibt, was danach kommt. Auch eine berechtigte Kritik ist noch kein konstruktiver Gegenentwurf.

Als ein Erfolg des Maskulismus kann jedenfalls festgehalten werden, die feministische Diskurshegemonie zumindest reduziert zu haben. Wenn heute irgendwo ein Text mit einer der üblichen feministischen Propagandaaussagen erscheint, dann erscheinen nach kurzer Zeit Kommentare mit Gegendarstellungen, sofern möglich im gleichen Medium, zumindest aber auf maskulistischen Blogs.

Zur Funktion der maskulistischen Blogosphäre

Die maskulistischen Blogs werden oft dafür kritisiert, nur reinen Palaver zu enthalten - also den Spaßfaktor Small Talk zu befriedigen -, sich in sehr theoretischen Details zu verzetteln oder sinnlose Flügelkämpfe zu veranstalten, jedenfalls nichts zur Erreichung politischer Ziele beizutragen. Das ist im Prinzip richtig, übersieht aber mMn wichtige Funktionen der maskulistischen Blogosphäre:
  • Auch Small Talk führt zu Lerneffekten, wenn auch nicht systematisch und effizient. Besser dies als gar nichts. Interesse an einer intensiveren Beschäftigung entsteht ggf. erst später.
  • Den generell besseren Wissensstand der maskulistischen Akteure führe ich weitgehend auf die Blogosphäre zurück, ich sehe auch keinen Ersatz hierfür in anderen Medien.
  • Um auf aktuelle tagespolitische Themen schnell reagieren zu können - was oben als gebrochene feministische Diskurshegemonie bezeichnet wurde -, braucht man aktive Foren, in denen "täglich etwas los ist" und man sehr kurzfristig Gesprächspartner finden kann.
Für andere Funktionen ist die maskulistischen Blogosphäre nicht geeignet. Ihr das zum Vorwurf zu machen, ist aber falsch. Für andere Funktionen, z.B. politische Aktionen oder Forschung, braucht man eben andere, besser geeignete Strukturen, z.B. Vereine oder maskulistische Lehrstühle an Universitäten. Wichtig wäre es, sich über die Limitationen der Blogosphäre klar zu werden und über andere, geeignetere Strukturen nachzudenken, bei denen nicht unbedingt jeder mitmachen kann und muß.

Was tun?

Kurze Antwort: Spaß haben.

Lange Antwort: sich über die Ziele, die man verfolgt, bewußter werden, und auf dieser Basis klare Entscheidungen. Es ist nicht falsch und kein Charakterfehler, "nur" Unterhaltung mit Small Talk zu suchen und lose informiert sein zu wollen, was gerade aktuell ist. Wenn man mehr erreichen will, muß man mehr Zeit investieren und kann nicht nur lustgetrieben agieren, sondern muß sich auf seine konkreten Ziele konzentrieren und sich ggf. in die Disziplin einer Gruppe einordnen. Es ist dann nicht mehr reine Unterhaltung, sondern mutiert zu seriöser Arbeit, die auch mal anstrengend sein kann. Das haben die Frauen aber auch geschafft, also ....

Ergänzende Quellen

Montag, 9. Februar 2015

#QuestionsForMen und #FalseFeministAssertions

Inhaltsübersicht

#QuestionsForMen und #FalseFeministAssertions

Zur Zeit ist der Hashtag #QuestionsForMen auf Twitter en vogue und wird als die australische Version des Aufschreis gehandelt.

Von dort scheint es auch auf andere Medien überzuschwappen. Daher werfen wir hier ausnahmsweise nicht die Frage auf, ob man sich überhaupt an den üblichen verbalen Prügeleien auf Gezwitscher beteiligen sollte, anscheinend kommt man nicht an diesem Phänomen vorbei.

Die Fragen richten sich laut Hashtag an "die Männer", praktisch aber oft an einen konkreten Mann, und sind immer von Frauen zu stellen. Man kann diese Fragen wörtlich nehmen und versuchen, sie direkt zu beantworten - dann ist man in den meisten Fällen schon hereingefallen, weil man ungewollt feministische Propaganda bestätigt.

Diese Fragen sind nämlich keine normalen Fragen zwecks Informationsgewinn ("Bist Du schon einmal nachts durch eine dunkle Stadt gelaufen?"). Es sind auch keine rhetorischen Fragen ("Ist das Dein Ernst?"), die nur mit ja oder nein beantwortet werden können und bei denen es um Zustimmung oder Ablehnung zu einer Selbstverständlichkeit bzw. einer vorherigen Behauptung geht.

Stattdessen sind diese Fragen fast immer implizite Behauptungen, die inhaltlich falsch sind und als feministische Propaganda einzustufen sind. Genauer gesagt trifft das nur auf die "interessanteren" Fragen zu; manche Fragen sind schlicht dumm oder die Fragestellerin ist mit der Bildung impliziter Behauptungen überfordert.

Die Fragen betreffen jeweils einen Sachverhalt, in dem sich Männer und Frauen unterscheiden - nach Auffassung der Fragestellerin zuungunsten von Frauen. Die Frage fragt typischerweise, ob ein negativer Zustand oder Vorfall bei Männern (oder bei dem konkreten angesprochenen Mann) vorkommt. Die erwartete Antwort ist, daß dies bei "den Männern" nicht oder nur selten vorkommt. Dies dient aber nur dazu, implizit eine oder mehrere entgegengesetzte Behauptungen über Frauen zu machen bzw. im Unterbewußtsein des Gefragten zu aktivieren und so ein diffuses Schuldgefühl zu erzeugen. Ein Beispiel:

#questionsformen In a job interview have you ever been asked how you will juggle work and home?

- Jane Caro (@JaneCaro) February 3, 2015

(Bist Du schon irgendwann einmal bei einem Vorstellungsgespräch gefragt worden, wie du Job und Haushalt zugleich unter einen Hut bringen kannst?)

Die erwartete Antwort auf die wörtlich genommene Frage ist "Nein", denn so viele Vorstellungsgespräche hat man i.a. nicht und die Frage nach dem Haushalt wäre indiskret und seltsam (zumindest in Deutschland und sofern man das Thema als Bewerber nicht selber angesprochen hat). Selbst wenn einem Mann die Frage schon ein oder wenige Male gestellt worden ist, interessiert diese Auskunft als solche die Fragestellerin überhaupt nicht - was sollte sie mit der Information anfangen?

Implizite Behauptungen

Im Kontext derartiger Fragen wird stets unterstellt, daß für Frauen i.w. das Gegenteil wie für Männer zutrifft. In unserem Beispiel kann das sein:
(a) Nur Frauen werden durch Job und Haushalt doppelt belastet.
(b) Frauen werden immer wieder / häufig / jedesmal indiskret danach gefragt, wie sie neben dem Job den Haushalt schmeißen, und damit in diese Rolle gedrängt.
(c) Frauen haben deswegen schlechtere Chancen, einen Job zu bekommen.

Die impliziten Behauptungen für Frauen sind aus mehreren Gründen unscharf: Die Bildung des Gegenteils der Aussage über "die Männer" hat i.d.R. Interpretationsspielraum. Ferner ist die Behauptung über die Männer ggf. aufgrund der Antwort nicht sehr präzise. Die Unschärfe der impliziten Behauptungen über Frauen ist aber ein Vorteil, sie ist ein bekannter rhetorischer Trick (Hypnosetechnik Ambiguität). D.h. es wird ein ganzer Schwarm nur angedeuteter Vorwürfe geäußert, die ein diffuses Schuldgefühl erzeugen sollen und auf die man sich nicht direkt beziehen kann, um sie erwidern. Die impliziten Behauptungen sind in der Regel in ihrer Pauschalität falsch oder unbewiesen.

Mögliche Reaktionen

In der Regel ist es falsch, die Frage wörtlich zu nehmen und als Auskunftsfrage zu beantworten. Mit der erwarteten Antwort werden nur die impliziten Behauptungen bestätigt.

Wenn die korrekte Antwort das Gegenteil der erwarteten Antwort ist - z.B. "ja, das wurde ich in jedem zweiten Vorstellungsgespräch gefragt" - dürfte diese unerwünschte Antwort angezweifelt oder als atypisch dargestellt werden und allenfalls zum baldigen Abbruch des Gesprächs führen. Dies läßt aber die impliziten Behauptungen unwidersprochen im Raume stehen.

Bessere Reaktionen:

  • Ggf. mit einer Gegenfrage die impliziten Behauptungen explizit machen:

    "Warum interessiert Dich das so sehr?"

    "Willst Du damit andeuten, als Frau würde man das in jedem Bewerbungsgespräch gefragt? Gibt es zu dieser These irgendwelche Belege?"

  • Ggf. den postulierten Unterschied zwischen Männern und Frauen zu hinterfragen:

    "Verrate ich Dir nur, wenn Du mir sagst, wie oft das Dir schon passiert ist."

    "Wäre interessant zu wissen, ob so eine blöde Frage heutzutage bei Männern häufiger als bei Frauen vorkommt, denn bei Vorstellungsgesprächen ist meistens eine Frauenbeauftragte dabei, die fuchsteufelswild wird, wenn man einer Frau so eine Frage stellt. Bei einem Mann hört sie diese Frage dagegen gerne, wegen des Aufbrechens von Rollenmustern."



Nachtrag 24.06.2015: 21 Beispiele in 8 Kategorien

Aus gegebenem Anlaß eine Liste von #FalseFeministAssertions, die mir in den letzten Tagen begegnet sind. Alle getarnt als #QuestionsForMen, praktisch alle mit impliziten Falschbehauptungen, die belegen sollen, wie schrecklich es den Frauen überall geht. Die Falschbehauptung ist jeweils offensichtlich, am besten gibt man die üblichen Standardantworten wie
"Warum interessiert Dich das so sehr?"
"Willst Du damit andeuten, daß ..?"
"Haben Sie für die versteckte Behauptung irgendwelche Belege?"

In einigen Fällen bieten sich zusätzliche, auf die Falschbehauptung bezogene Antworten und Gegenfragen an.

Thematische Übersicht:

FFA-J: Arbeit / Job

Ablehnung

Pseudo-Frage FFA-J1: Bist du schon einmal in einem Job abgelehnt worden, weil du ein Mann warst?

Spezielle Antwort: s.o.

Männerberuf

Pseudo-Frage FFA-J2: Reagieren die Leute überrascht, wenn sie hören, dass du gut in Technik oder Mathematik oder Maschinenbau oder Astrophysik bist?

Spezielle Antwort: Nicht alle, aber viele, verbunden mit der Frage, wie es sich so lebt als Nerd. Ansonsten: Was ist jetzt daran so schlimm?

FFA-P: Politik / Macht

Machtpositionen

Pseudo-Frage FFA-P1: Ist dir bekannt, dass es auf der Welt viel weniger Frauen in Machtpositionen gibt als Männer?

FFA: Andeutung, die sei ungerecht.

Spezielle Antwort: Ja!!

FFA-A: Aussehen

Sich herausputzen

Pseudo-Frage FFA-A1: Wurde von dir als junger Erwachsener wie selbstverständlich erwartet, dass du dich für das andere Geschlecht herausputzt, "weil du niemals jemanden finden wirst, wenn du dir so wenig Mühe gibst"?

Spezielle Antwort: Jau, fast täglich, ich leider heute noch darunter!

Kritik weil zu sexy

Pseudo-Frage FFA-A2: Bist du schon einmal vom Unterricht nach Hause geschickt worden, weil deine Kleidung die Mitschüler des anderen Geschlechts angeblich zu sehr ablenkt?

Spezielle Antwort: Leider nein.

Belästigung weil zu sexy

Pseudo-Frage FFA-A3: Wirst du auf der Straße von Frauen belästigt, wenn du im Sommer Shorts trägst?

Spezielle Antwort: Ui, klingt ja spannend, sollte ich mal ausprobieren. Klappt das mit rasierten Beinen besser?
Ansonsten: Shorts im Sinne von Hot Pants gibt es für Männer nicht, und selbst wenn die Teile bis zum Knie gehen würden, würde ich auf der Straße mit mißbilligenden Blicken belästigt, im Verwandtenkreis dann gerne auch wörtlich mit der Bemerkung, Shorts sähen bei Männern mit diesen pelzigen Beinen ja fürchterlich aus (was übrigens fast immer stimmt ;-) ).

Rasur

Pseudo-Frage FFA-A4: Erwartet die Gesellschaft von dir, dass du immer mit komplett haarlosen Beinen und Achselhöhlen unterwegs ist, und wird hinter deinem Rücken über dich getuschelt, wenn dem nicht so ist?

Spezielle Antwort: Männer dürfen gar keine Achselhöhlen vorzeigen, egal ob mit oder ohne Haaren.

FFA-I: Intelligenz

Hübsch vs. intelligent

Pseudo-Frage FFA-I1: Wird von dir erwartet, dass du entweder hübsch oder intelligent sein musst und du sonst nichts wert bist, du aber - um Gottes Willen - doch nicht beides sein kannst?

Spezielle Antwort: Männer können nicht "hübsch" sein in dem Sinne, alleine damit gesellschaftlichen Erfolg oder Erfolg bei den Frauen zu haben. Insofern haben Männer die hier unterstellte Auswahl gar nicht.

FFA-S: Sexualität / Anmache / Belästigung / Vergewaltigung

Flirten

Pseudo-Frage FFA-S1: Hattest du schon einmal Angst vor einer Frau an einer Bar, die mit dir geflirtet hat und sich partout nicht abwimmeln lassen wollte?

Alleine im Club

Pseudo-Frage FFA-S2: Hast du als Teenager darauf geachtet, abends beim Clubbesuch immer mindestens zwei deiner Freunde bei dir zu haben, weil du sonst riskierst hättest, vergewaltigt zu werden?

Spezielle Antwort: Bist Du oder eine Deiner Freunde jemals selber vergewaltigt worden?

Schlampe

Pseudo-Frage FFA-S3: Hast du schon einmal von jemandem gehört, der einen Jungen, der gerne Sex hat, als "Schlampe" bezeichnet hätte, oder der ihm erzählt hätte, dass er nie eine "gute" Frau finden wird, weil er keine Jungfrau mehr ist?

Spezielle Antwort: Bei Jungen sagt man nicht Schlampe, sondern Aufreißer, Casanova, Herzensbrecher, Hurenbock, Lustmolch, Weiberheld, Wüstling oder so ähnlich, um seine Abscheu vor der toxischen Männlichkeit auszudrücken.

Nacktfotos

Pseudo-Frage FFA-S4: Hast du schon einmal gehört, dass ein Junge in der Schule als Flittchen verschrien war und niemand etwas mit ihm zu tun haben wollte, weil ein Mädchen Nacktfotos von ihm verbreitet hat?

Nachpfeifen

Pseudo-Frage FFA-S5: Pfeift man dir nach wie einem Hund, wenn du draußen unterwegs bist?

Spezielle Antwort: Die meisten Männer interessieren sich nicht für Hunde und pfeifen Hunden nicht nach. Ansonsten: Nein, Frauen drücken fremden Männern gegenüber generell nie aus, daß sie sie sexuell attraktiv finden, weder in höflicher noch in unhöflicher Weise.

FFA-B: Benehmen / Gesellschaftliche Erwartung

Höflichkeit

Pseudo-Frage FFA-B1: Wird von dir erwartet, dass du höflich, zurückhaltend und "rein" bist, nur aufgrund deines Geschlechts?

Spezielle Antworten: Ich fürchte, Höflichkeit wird unabhängig vom Geschlecht von allen Leuten erwartet. Sofern man speziell als Mann nicht zurückhaltend genug ist, wird man(n) auch gerne mal als #breitmacker beschimpft, nicht nur im Bus. Radikale Feministinnen haben geradezu eine Psychose, Männer würden zuviel Raum einnehmen.

Nackter Oberkörper

Pseudo-Frage FFA-B2: Würde man dich extrem komisch anschauen, wenn du im Freibad mit nacktem Oberkörper herumlaufen würdest?

Dominanter Charakter

Pseudo-Frage FFA-B3: Wirst du als rechthaberisch, herrisch und als "Bitch" bezeichnet, wenn du einen dominanten Charakter hast?

Spezielle Antwort: Männer gelten eigentlich immer als rechthaberisch, herrisch, Breitmacker, Mitglied im Patriarchat usw., selbst wenn sie gar keinen dominanten Charakter haben.

FFA-R: Repräsentation / Sichtbarkeit

In Filmen / Büchern

Pseudo-Frage FFA-R1: Musst du suchen, bist du Filme oder Bücher findest, in denen dein Geschlecht ebenso zahlreich, wichtig und in ebenso einem positiven Licht repräsentiert wird wie das andere?

Spezielle Antwort: Wie oft warst Du schon im Kino? Die Schurken, Mörder, Dummköpfe und miesen Charaktere sind fast ausnahmslos männlich. Negative weibliche Charaktere wären Misogynie. Da bleiben natürlich weniger Rollen für Frauen übrig.

In der Kirche

Pseudo-Frage FFA-R2: Hast du schon einmal darauf geachtet, dass es noch nie einen weiblichen Papst gab?

FFA-V: Verschiedenes

Eier vs. Pussy

Pseudo-Frage FFA-V1: Hast du schon einmal darüber nachgedacht, warum "Eier haben" eine positive Bezeichnung zu sein scheint, während mit "eine Pussy sein" nur Negatives assoziiert wird?

Spezielle Antwort: Ich dachte, Pussy wäre irgendwie schnuckelig gemeint. Eine bekannte deutsche Comedy-Feministin hat übrigens eine Fernsehshow namens Pussy Terror. Das ist witzig gemeint und bedingt, daß Pussy ein positiv besetzter Begriff als Gegensatz zu Terror ist.

Fräulein

Pseudo-Frage FFA-V2: Schon einmal darüber nachgedacht, warum es kein männliches Äquivalent zu der Anrede "Fräulein" für unverheiratete Frauen gibt - weil offenbar erst ein Ehemann eine Frau zur Frau macht?

Spezielle Antwort: Du hast echt gute Geschichtskenntnisse! in welchem Jahrhundert ist dieser Brauch eigentlich zum letzten Mal beobachtet worden?

Männlicher Geschmack

Pseudo-Frage FFA-V3: Sind andere erstaunt oder ungläubig, wenn sie hören, dass du Videospiele oder Rockmusik magst, und stellen dir dann Testfragen darüber, weil sie glauben, dass du lügst, um dem anderen Geschlecht zu gefallen?


Nachtrag 08.02.2016: 36 versteckte falsche Behauptungen über Männer

Am 25.02.2016 wurde auf Youtube ein Buzzfeed-Video hochgeladen, in dem sechs Frauen ``36 Questions Women Have For Men'' äußern. Dieses Video erzeugte eine enorme Resonanz mit Dutzenden von Videoantworten und Blogposts.

Der Hauptunterschied zu den früheren #QuestionsForMen liegt darin, daß man sie nicht selber lesen muß, sondern von attraktiven jungen Damen vorgelesen bekommt. Inhaltlich wird durchgängig mit dem gleichen "Trick" wie schon oben beschrieben gearbeitet.

Lucas Schoppe hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht, die 36 Fragen in ihre impliziten Aussagen zu übersetzen. Zu einem großen Teil der impliziten Aussagen kann man nur eine Bemerkung von weiter oben wiederholen: sie sind schlicht dumm, oder aber die Fragestellerinnen waren mit der Bildung impliziter Behauptungen intellektuell überfordert.


Mittwoch, 26. November 2014

Männerquoten an Grundschulen


Die aktuellen Quotenbeschlüsse der großen Koalition stellen einen Dammbruch dar, der endlich den Weg aufweist, die Unterrepräsentanz von Männern an Grundschulen zu beheben. Das Problem fehlender Männer an Grundschulen wird seit Jahrzehnten immer wieder diskutiert und als gesellschaftlich vorrangig angesehen. Alle Appelle an die Verantwortlichen waren vergeblich, Maßnahmen zur Behebung des Problems sind kaum erkennbar oder nur halbherzig. An den vorhandenen frauendominierten Strukturen sind alle bisherigen Maßnahmen gescheitert.

Die Beschlüsse der Koalition zur Frauenquote stellen einen Durchbruch zur Lösung des Problems dar. Das neue Gesetz führt ein Kollektiv - das der Frauen - als Rechtssubjekt ein, das bestimmte Rechte, eben reservierte Plätze auf Besetzungslisten, hat. Wenn sich also ein besser qualifizierter Mann auf eine Stelle bewirbt, die für Frauen reserviert ist, dann stehen seine Rechte als Individuum zurück hinter den Rechten, die die Frau als Mitglied des Kollektivs besitzt.

Die Einführung von Kollektiven als Rechtssubjekte ist analog auf das ungelöste Problem der Grundschulen anwendbar. An Grundschulen müssen künftig 30% aller Arbeitsplätze für Männer reserviert werden, unabhängig von deren Qualifikation. Alle freiwerdenden Stellen sind bis zum Erreichen der Quote für Männer zu reservieren.

Um ein ausreichendes Angebot an männlichen Lehrkräften sicherzustellen, sind außerdem 30% der Studienplätze an Lehramtsstudiengängen für Männer zu reservieren. Diese Studiengänge sind bisher zu ca. 90 % weiblich dominiert; auch dieser Zustand ist seit Jahrzehnten als gravierendes Problem erkannt worden, das dringend gelöst werden muß. Studien weisen eindeutig nach, daß das unterrepräsentierte Geschlecht mit erhöhten Studienschwierigkeiten zu kämpfen hat und leichter aus dem Studium verdrängt wird. Die gängigen Pseudo-Argumente, Männer hätten keine Lust auf Lehramt, sind unbewiesen und sind von interessierter Seite gestreute Propaganda. Männer werden außerdem strukturell daran gehindert, sich in Grundschullehramts-Studiengänge zu immatrikulieren, da wegen der hohen Attraktivität dieses Berufs fast überall ein harter numerus clausus (z.T. härter als in der Medizin) vorliegt und Jungen bei gleicher Leistung erwiesenermaßen schlechter benotet werden. Ferner wird ihnen eingeredet, sie seien dafür nicht geeignet.

Verantwortlich zur Durchsetzung der Quote sind die Universitäten bzw. die Schulbehörden. Plätze, die nicht ordnungsgemäß besetzt werden, bleiben offen, um die Verantwortlichen endlich zu ernsthaften Maßnahmen zu bewegen und um verkrustete Strukturen aufzubrechen.

Einwände, durch die Diskriminierung von Frauen würde die Verfassung gebrochen und das allgemeine Rechtsempfinden gravierend verletzt, sind gegenstandslos, weil diese Effekte ja sowieso schon durch die Frauenquoten vorhanden sind, und weil diese Einwände von Ewiggestrigen stammen, die eine buntere und vielfältigere Lehrerschaft verhindern wollen.

Hashtags: #Grundschulen #Bildung #Sarkasmus #Doppelstandards


Samstag, 11. Oktober 2014

Gleichstellung nach Düsseldorfer Art

Gleichstellung ist ein weitverbreiteter Begriff, der intuitiv verständlich - "irgendwie gleich(er?) machen" - erscheint. Er ist es aber nicht, im Gegenteil ist er bei näherem Hinsehen sehr kompliziert. Offensichtlich kann man nicht alle Leute gleich machen oder stellen, sondern allenfalls "gleicher" machen bzw., um die Logik nicht zu sehr zu vergewaltigen, weniger ungleich bzw. ähnlicher machen. Was dies bezogen auf soziale Merkmale bedeutet, hängt sehr von den Umständen ab und ist hier ausführlicher dargestellt.
Im real existierenden Feminismus ist die Welt einfacher gestrickt, dort ist Gleichstellung praktisch gleichbedeutend mit der Forderung nach einer Frauenquote. Die Höhe der geforderten Frauenquote beträgt fallweise 30%, 50% oder sogar 100%, scheint also keine Naturkonstante zu sein, sondern erheblich von Ermessensspielräumen, um nicht zu sagen der Tageslaune relevanter Personen, abzuhängen, in denen der diffuse Begriff "Gleichstellung" konkretisiert wird. Die Forderung nach einer Frauenquote ist i.d.R. verbunden mit der strikten Ablehnung einer Männerquote.
Angestrebt werden meistens harte Quoten, die dem Kollektiv der Frauen Machtpositionen bzw. lukrative Stellen unabhängig von der Bewerberlage und der Qualifikation der Bewerber garantieren (ein Beispiel ist die 30%-Quote, die aktuell bundesweit für Aufsichtsräte angestrebt wird). Derartige harte Frauenquoten sind allerdings in allen relevanten Kontexten eindeutig verfassungswidrig, sie widersprechen offensichtlich Artikel 3 des Grundgesetzes.
Dies ist auch unseren feministischen Akteuren bekannt und hat zu diversen Ausweichmanövern geführt. Das bekannteste davon ist im Zusammenhang mit Stellenbesetzungen die "Bevorzugung von Frauen bei gleicher Qualifikation". Diese Regel wird inzwischen großflächig eingesetzt. Da sie Männer nicht wörtlich ausschließt, gilt sie als weiche Quote, die rechtlich zulässig ist. Weil "gleiche Qualifikation" indessen kein klar definierter Begriff ist, ist diese Regel geradezu eine Einladung zum Mißbrauch. Derartige Mißbräuche zugunsten von Frauen sind hinreichend oft dokumentiert und beklagt worden.
Das Papier/Heidebach-Gutachten
Insgesamt hat diese Regel aber nicht ausgereicht, um die politisch gewünschten Frauenquoten zu erzielen. Dies hat der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, insb. dessen Emanzipationsministerium, keine Ruhe gelassen und dazu geführt, ein hochkarätiges Rechtsgutachten in Auftrag zu geben, das "... rechtliche Spielräume zur verbindlichen Festlegung von Zielquoten sowie zur Verankerung von Sanktionen" prüfen sollte. Dieses Gutachten liegt seit einer Weile vor:
Hans-Jürgen Papier, Martin Heidebach: Rechtsgutachten zur Frage der Zulässigkeit von Zielquoten für Frauen in Führungspositionen im öffentlichen Dienst sowie zur Verankerung von Sanktionen bei Nichteinhaltung. Ministerium für Inneres und Kommunales, NRW, 30.05.2014. http://www.mgepa.nrw.de/mediapool/pdf/presse/pressemitt ... ten.pdf
In den Pressemitteilungen des Emanzipationsministeriums wird das Rechtsgutachten als Meilenstein bezeichnet. Das ist es auch. Es ist trotz seiner Länge von rund 60 Seiten sehr lesenswert. Erstens bestätigt es an mehreren Stellen zumindest für den öffentlichen Dienst männerrechtliche Standpunkte, z.B. daß harte Frauenquoten grundsätzlich verfassungswidrig sind. Zweitens dokumentiert es die Hinterhältigkeit, mit der die verfassungsmäßige Gleichberechtigung unterlaufen werden soll.
Wie unterläuft man das Grundrecht auf Gleichberechtigung?
Die "Bevorzugung von Frauen bei gleicher Qualifikation" ist nur dann wirksam, wenn ein männlicher und weiblicher Kandidat gemäß den Anforderungen einer Stellenausschreibung gleich qualifiziert sind. Je genauer nun die Anforderungen spezifiziert sind und je genauer man die Qualifikation mißt, z.B. durch Zeugnisnoten, Zertifikate, Berufserfahrung usw., desto seltener greift die weiche Quote und umso häufiger greift das Prinzip der Bestenauslese, wonach geschlechtsunabhängig der qualifizierteste Kandidat gewählt wird.
Den Wunsch der Landesregierung nach einer "verbindlichen Festlegung von Zielquoten" kann man nun realisieren, indem man die legale Form der Frauenbevorzugung durch eine weiche Quote möglichst häufig anwendbar macht. Hierzu wird sinngemäß vorgeschlagen, die Meßgenauigkeit bei der Beurteilung der Qualifikation von Bewerbern zu reduzieren. Wenn man beispielsweise Noten auf ganze Zahlen rundet, werden die Schulnoten 1.6 und 2.4 beide zu einer 2.0 und somit gleich. Man kann auch ganz darauf verzichten, die Note zur Bewertung heranzuziehen und man kann vorteilhafte, aber nicht strikt notwendige Qualifikation nicht mehr in der Stellenausschreibung erwähnen, also können sie auch nicht mehr zum Vergleich von Bewerbern herangezogen werden. Spannend wird es, wenn mehrere "gleich qualifizierte" Frauen gewinnen und eine ausgewählt werden muß: wird dann gewürfelt oder werden nachträglich Kriterien verwendet, die bei Männern nicht verwendet wurden?
Die Vergröberung, mit der die geforderten Qualifikationen in Stellenbeschreibungen dargestellt werden und mit der die Qualifikation von Bewerbern beurteilt wird, kann nichtöffentlich erfolgen, z.B. in Form von internen Durchführungsbestimmungen für Besetzungsverfahren oder indem Frauenbeauftragte Qualifikationsbeschreibungen oder Kandidatenbeurteilungen, die zu detailliert sind, blockieren. Derartige Maßnahmen würden öffentlich kaum bekannt werden und wären von betroffenen Männern juristisch kaum anzugreifen.
Im Endeffekt wird das Prinzip der Bestenauslese weitgehend ausgehebelt, also Art. 33 Abs. 2 GG unterlaufen, um damit die Gleichberechtigung nach Art. 3 Abs. 2 GG aushebeln zu können.
Das Papier/Heidebach-Gutachten diskutiert in vielen Details die rechtlichen Klippen, an denen dieses Vorhaben scheitern kann. Allerdings kann man alleine die Absicht, Grundrechte in ihrer Substanz zu unterlaufen, als zutiefst korrupt und verfassungsfeindlich ansehen.
Ministerielles Doublespeak
Das Düsseldorfer Emanzipationsministerium bestätigt einmal mehr eindrucksvoll, daß es den Sonderpreis für Doublespeak redlich verdient hat, und zwar mit folgender Pressemitteilung anläßlich der Veröffentlichung des Gutachtens:
Emanzipation: Landesregierung will mehr Frauen in Führungspositionen im öffentlichen Dienst (Pressemitteilung). Ministerium für Inneres und Kommunales und Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, 08.07.2014. http://www.mgepa.nrw.de/ministerium/presse/pressemittei ... dex.php
Der Begriff "Emanzipation" im Titel verblüfft - das Unterlaufen von Grundrechten stellt natürlich auch eine Art von Emanzipation dar, allerdings eine, die man eher von verfassungsfeindlichen Organisationen erwarten würde.
Im Text wird beklagt, die bisherigen Auswahlverfahren würden "die Quote aushebeln". Welche Quote? Gibt es ein Gesetz, das eine harte Quote für bestimmte Populationen öffentlich Bediensteter vorschreibt? Das Gesetz wäre verfassungswidrig und müßte von Amts wegen nicht nur ausgehebelt, sondern aufgehoben werden.
Die Pressemitteilung unterstreicht die Bedeutung des "Gleichstellungsgebots". Die am Ende der Pressemitteilung verlinkten Erläuterungen zum Gutachten erwähnen ein "Gleichstellungsgebot des Grundgesetzes nach Art. 3 Abs. 2 GG" gleich drei Mal. Leider kommt der Begriff "Gleichstellung" im Grundgesetz nicht vor, weder im Art. 3 Abs. 2, noch an anderer Stelle. Dies ist kein Zufall, die gemeinsame Verfassungskommission von Bundesrat und Bundestag hat seinerzeit diesen Begriff explizit vermieden.
Anmerkung: Wenn es so etwas wie ein Gleichstellungsgebot mit Verfassungsrang gäbe, dann wäre dieses Gebot auch nicht selektiv bei einzelnen Machtpositionen anwendbar, die bei feministischen Interessenvertretungen Neidkomplexe auslösen, sondern müßte flächendeckend angewandt werden, angefangen über die Lehrerschaft an Grundschulen über die Population der LKW-Fahrer bis hin ... zur Leitung des Emanzipationsministeriums (5 von 6 leitenden Positionen bis auf Abteilungsleiterebene sind weiblich besetzt) sowie im Berufsfeld der Gleichstellungbeauftragten.
Die Pressemitteilung behauptet ferner: "Verfassungsrechtler Prof. Papier unterstreicht die Bedeutung des Gleichberechtigungsgebots". Das ist inhaltlich durchaus korrekt, war aber vermutlich nicht gemeint, denn Gleichstellung ist das Gegenteil von Gleichberechtigung. Eventuell ist das MGEPA schon ganz konfus vom eigenen Doublespeak.
Im Gutachten von Prof. Papier kommt das Wort "Gleichstellungsgebot" jedenfalls nicht vor. Statt diesen unklaren und propagandistisch platten Begriff zu verwenden, weist das Gutachten immer wieder auf notwendige, im Detail sehr komplizierte Güterabwägungen zwischen den involvierten Gesetzen hin. Hierbei fließen Spekulationen über die Auswirkungen bisheriger Gesetze ein, die im Prinzip soziologische Analysen der deutschen Gesellschaft der letzten 20 - 30 Jahre sind. Man fragt sich hier, ob sich Juristen nicht aufs Glatteis begeben, wenn sie sich fachfremd als Soziologen betätigen und ob hier nicht hauptberufliche Soziologen mitreden sollten.
Insgesamt stellt der Eindruck, den die Pressemitteilung des MGEPA hinterläßt, den Inhalt des Gutachtens beinahe auf den Kopf. Die prinzipielle Absicht, harte Frauenquoten auf Umwegen zu erzwingen, ist verfassungswidrig, und die geplanten Brachialmaßnahmen zugunsten von Karrierefrauen sind nicht alternativlos, sondern basieren auf willkürlichen politischen Güterabwägungen und sind hart am Rande der Legalität.
Fazit
Das Gutachten von Papier/Heidebach ist sehr lesenswert, denn es zeigt, wie schwierig es ist, abstrakte politische Wunschvorstellungen in die Realität umzusetzen, und welche Fallstricke im Detail auftreten. Das Gutachten bekräftigt teilweise männerrechtliche Positionen hinsichtlich der Verfassungswidrigkeit von Frauenquoten, teilweise enthält es auch Klarstellungen, daß viele einseitige, oft monierte Maßnahmen zur Frauenförderung legal sind. Die Argumente gelten aber mit vertauschten Rollen analog für Männer.
Die Landesregierung bzw. das MGEPA demonstrieren mit ihrer Pressemitteilung, aber auch schon durch die Ziele der Auftrags (s. Abschnitt II. "Zielquoten" des Gutachtens), daß man an einer seriösen und ergebnisoffenen Debatte nicht interessiert ist, sondern lieber feministische Propaganda betreibt. Exemplarisch zeigt sich dies an dem frei erfundenen "Gleichstellungsgebot des Grundgesetzes nach Art. 3 Abs. 2 GG".
Abzuwarten bleibt, ob NRW oder andere Länder bzw. der Bund die in dem Gutachten angeregte Methode realisieren werden, über die Aushebelung des Prinzips der Bestenauslese indirekt (über eigentlich nachrangige Gesetze, die weiche Quoten definieren) auch das Grundrecht auf Gleichberechtigung auszuhebeln. Auch hier droht wieder einmal, daß wie üblich beim Gender Mainstreaming die öffentliche Debatte umschifft wird und auf dem Verwaltungsweg Tatsachen geschaffen werden.

Sonntag, 20. Juli 2014

Doublespeak-Sonderpreis für das Emanzipationsministerium NRW


Viele denkende Menschen finden deshalb zum Maskulismus, weil ihnen logische Widersprüche im herrschenden Feminismus auffallen. Wenn man dann nachhakt, findet man keine Lösungen, sondern immer mehr Widersprüche und Argumentationsfehler. Nach einer Weile festigt sich der Eindruck, daß dahinter ein System steckt. Das System hat einen Namen, Doublespeak.

Doublespeak ist eine Diskussions- bzw. Kommunikationsstrategie, bei der der Sinn von Worten verzerrt, vernebelt oder sogar in sein Gegenteil verkehrt wird. Ziel ist dabei, Falschaussagen und Argumentationsfehler zu verschleiern, indem der Diskussionsgegner damit beschäftigt wird, die Widersprüche und Fehler herauszufinden (ähnlich wie die Hypnosetechnik Ambiguität), und ihm ggf. zu suggerieren, er sei zu dumm, um qualifiziert an der Debatte teilzunehmen, ihn also einzuschüchtern. Besonders gut funktioniert dies, wenn Doublespeak aus einer Machtposition heraus praktiziert werden kann, z.B. durch Frauenministerien.

Unverzichtbarer Teil der Ausbildung zum Maskulisten ist daher ein intensives Training, feministisches Doublespeak (a) zu erkennen und (b), sofern man mitreden darf, darauf geeignet zu reagieren, also im Regelfall den inneren Widerspruch benennen und zurückzuweisen. Auf diesem Blog ist die Zahl der Beispiele von Doublespeak in letzter Zeit immer weiter gestiegen, zur Zeit sind die vorhandenen Beispiele in folgende Gruppen eingeteilt (Anzahl in Klammern):

Wann die runde Zahl von 20 Beispielen überschritten wurde, ist nicht mehr genau rekonstruierbar. Jedenfalls soll man solche runden Zahlen bekanntlich feiern, und was läge näher, als einen

Sonderpreis für das "schönste" Doublespeak-Beispiel

zu vergeben. Nun denn, die Konkurrenz war hart und die Entscheidung war schwierig, aber sie ist gefallen, and [... fanfaren ...] the winner is [trommelwirbel]:

Das Emanzipationsministerium in NRW

Genaugenommen heißt das Ministerium Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter. Chef ist Barbara Steffens (Grüne). Frau Steffens bezeichnet sich gerne prägnant als Emanzipationsministerin, alleine auf den Seiten des Ministeriums findet die google-Suche Emanzipationsministerin Barbara Steffens site:mgepa.nrw.de derzeit 290 Treffer.

Nun versteht man heutzutage unter Emanzipation normalerweise "die Befreiung von Gruppen, die aufgrund ihrer Rasse, Ethnizität, Geschlecht, Klassenzugehörigkeit usw. diskriminiert und von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen waren". Nach dieser Definition, aber auch nach dem eigenen Selbstverständnis, ist der demokratische Maskulismus Emanzipation in Reinstform, denn im herrschenden hegemonialen Feminismus wird die Bevölkerungsgruppe der Männer dank feministischem Gender Mainstreaming systematisch von politischen Entscheidungsprozessen, die sie betreffen und benachteiligen, ausgeschlossen. Genau dagegen kämpft der Maskulismus, und betrieben wird der hegemoniale Feminismus von Parteien und Ministerien wie denen von Frau Steffens.

Emanzipation richtet sich gegen staatliche Willkür, gegen staatliche Kontrolle von Information, gegen autoritäre staatliche Gedankenlenkung und Volksverdummung. Eine staatlich gelenkte Emanzipation kann es begrifflich nicht geben. Ein "Ministerium für Emanzipation" ist eine ähnlich absurd-dreiste Begriffskonstruktion wie das legendäre Ministerium für Wahrheit oder eine Abteilung für Pazifismus bei der Bundeswehr. Emanzipation ist etwas anderes als institutionalisierte einseitige Frauenförderung, dafür gibt es den Begriff Staatsfeminismus.

Wären wir hier im Feuilleton der FAZ, würde man umfänglich ausloten, wieso in diesem Lande überhaupt eine derart abenteuerliche Begriffskonstruktion offizieller Namensbestandteil eines Ministeriums sein kann, was das über diese Regierung aussagt, und wieso das Doppelsprech niemandem mehr auffällt.
Fühlt sich die NRW-Regierung vom Volk unterdrückt und das Emanzipationsministerium dient dazu, sich vom Volk und von den Zumutungen durch die Wählerschaft zu emanzipieren?
Will das Emanzipationsministerium das Volk vor doppelplusunguten Gedanken schützen, die vom Patriarchat als Klassenfeind verbreitet werden und die die schutzlosen Opfer dazu verleiten könnten, unwissentlich Gedankenverbrechen gegen den Feminismus zu begehen?
Man weiß es nicht, es bleiben viele Fragen offen. Wir werten dies als weiteren Beweis für die Meisterschaft, mit der unser Preisträger das Doublespeak beherrscht.