Freitag, 27. Juli 2018

#MeTwo - die Empörungsindustrie schiebt neue Kampagne an


Feministische Hashtag-Kampagnen tun zwar so, als seien sie Graswurzelbewegungen, sie sind in Wirklichkeit aber mediale Kampagnen (bzw. Astroturfing). Die #MeToo-Kampagne, die bisher erfolgreichste Kampagne, ist in den letzten 9 Monaten von den einschlägig interessierten feministischen Medien so ziemlich zu Tode geritten worden und langweilt die meisten Leute nur noch. Außerdem haben mit MeToo die Frauen opferstatustechnisch sozusagen eine Monopolstellung erreicht, was anderen Gruppen, die sich ggf. sogar höher auf der Opferstatushierarchie wähnen, kaum gefallen konnte.

Abhilfe schafft die neuste Kampagne, #MeTwo. Hashtags sind zwar extrem wertvolle politische Handelsmarken, fallen aber nicht unter den gesetzlichen Markenschutz. Deswegen wurde hier #MeToo lizenzgeführenfrei plagiiert, und zwar nicht nur der Name, sondern auch gleich die Werbetexte und Aufschreie:
Tausende Menschen mit Migrationshintergrund berichten auf Twitter unter #MeTwo, wie sie im Alltag diskriminiert werden.

Sonntag, 15. Juli 2018

#WalkAway, Brandon Straka und der russische Geheimdienst





In den USA braut sich gerade eine interessante Geschichte zusammen, die mit einem schwulen Friseur anfängt und inzwischen die internationale Politik erreicht hat. Aktuell in der Hauptrolle: der russische Geheimdienst.

Das Coming-Out von Brandon Straka

Alles fängt an am 26.05.2018. Da postete Brandon Straka, ein schwuler Friseur und angehender Schauspieler in New York, der auf Facebook und Youtube unter dem Benutzernamen "The Unsilent Minority" unterwegs ist, das Video #WalkAway Campaign - WHY I LEFT LIBERALISM & THE DEMOCRATIC PARTY. Das Video ist eine flammende Anklage gegen die Demokraten und eine Begründung, warum er aus der Partei austritt und von ihr weggeht. Einige Textauszüge:
The Democratic Party has adopted a deleterious belief system, happily and without skepticism, separating people into groups based of off identity and organizing them into camps of victims and oppressors
(Die Demokratische Partei hat ein schädliches Glaubenssystem angenommen, vergnügt und ohne jede Skepsis, in dem sie Menschen auf der Grundlage ihrer Identität in Gruppen trennt und sie in Lager von Opfern und Unterdrückern organisiert hat)
...
... social justice warriors who intentionally misrepresent and misconstrue facts, evidence, and events to confirm their own biases that everybody who does not comply with their prejudicial conclusions and follow their orders is a racist, a bigot, a nazi, a white supremacist, homophobic, islamophobic, xenophobic, misogynistic - an "alt-right extremist".

(... Soziale-Gerechtigkeits-Krieger, die Fakten, Beweise und Ereignisse absichtlich falsch darstellen und missverstehen, um ihre eigenen Vorurteile zu bestätigen, damit jeder, der sich nicht an ihre voreingenommenen Erkenntnisse hält und ihren Befehlen folgt, ein Rassist, ein Fanatiker, ein Nazi, ein weißer Rassist, homophob, islamophob, fremdenfeindlich, frauenfeindlich - ein "alt-right-Extremist" ist.)
...
The left has decided that the solution to problems with race relations in America... is MORE racism.

(Die Linke hat entschieden, dass die Lösung für Probleme in den Rassenbeziehungen in Amerika.... MEHR Rassismus ist.)
Straka veröffentlichte später am 17.06.2018 ein vollständiges Transkript des Videos.

Mittwoch, 27. Juni 2018

Juliane Leopold und die feministische Übernahme der öffentlichen Medien




Die Tagesschau-Meldung

Im Rahmen der aktuellen Fußball-Euphorie (oder -Depression) droht eine Meldung übersehen zu werden, deren längerfristige Bedeutung für die Feminismus-Debatte vermutlich kaum unterschätzt werden kann. Am 26.06.2018 schreibt die Tagesschau "In eigener Sache":
Juliane Leopold wird tagesschau.de-Leiterin
Weiter erfährt man zu dieser Personalie, daß Leopold (natürlich) beste Voraussetzungen mitbringt, äußerst erfolgreich ist (sic!), das Profil von tagesschau.de weiter schärfen wird und bereits "seit 2016 das Team von tagesschau.de in Fragen von strategischer Entwicklung der Website" berät.

2014 war sie Gründungs-Chefredakteurin von Buzzfeed Deutschland, das eher ganz unten auf der journalistischen Qualitätsskala steht und dessen Hauptkompetenz clickbaiting ist. Zum Ende hin erfahren wir noch:
Leopold ist Mitgründerin des Blogs kleinerdrei.org, der für den Grimme Online Award 2014 nominiert wurde [aber offenbar keinen Preis gewann].

Was die Tagesschau nicht schreibt

Die Aussage, Leopold sei Mitgründerin des Blogs kleinerdrei.org ist korrekt, läßt aber alles, was für einen uninformierten Leser tatsächlich interessant ist, vorsichtshalber aus, und vermittelt nicht entfernt ein angemessenes Bild von der Person, mit der er es hier zu tun hat.

Dienstag, 10. April 2018

Pseudo-Debatten in der Wagenburg (von Jens Jessen, Bernd Ulrich et al.)

Inhaltsübersicht

Thesen

Am 04.04.2018 erschien in der ZEIT ein als Hauptbeitrag prominent plazierter Essay von Jens Jessen "Der bedrohte Mann". Die Bedrohung liegt laut Jessen darin, daß Männer systematisch von der Geschlechterdebatte ausgeschlossen würden und stattdessen ein radikalisierter Feminismus totalitäre Strukturen realisiert habe, die jede substantielle Kritik unterdrücke. Der Leitartikel erzeugte ein erhebliches Blätterrauschen in den Feuilletons und den zu erwartenden aggressiven Shitstorm von Feministen gegen Jessen in den "sozialen" Netzen (der unfreiwillig Jessens Thesen bestätigt). Thesen zum Artikel:
  1. Der Artikel ist sehr gut geschrieben. Seine Thesen als solche sind prinzipiell richtig, aber für jemanden, der außerhalb der feministischen Filterblase lebt, nichts neues, sondern eher Standardwissen.
  2. Die Thesen von Jessen sind aufgrund des Feuilleton-Formats nicht explizit und präzise formuliert, insbesondere soweit es sich eigentlich um empirische Aussagen über "die Feministinnen", "die Männer" o.ä. handelt. Qualitativ belegt er die Existenz der postulierten Phänomene mit vielen guten Beispielen, dies sagt aber nichts über die quantitative Relevanz der Phänomene aus. Kurz gesagt behandelt er ein soziologisches Problem mit dem Handwerkzeug eines Literaturwissenschaftlers, das funktioniert nicht.
  3. Aufgrund der in b. genannten Defizite bietet der Essay zahllose Angriffspunkte für Falschinterpretationen und Unterstellungen, die auch prompt en masse bei den feministischen Kommentatoren zu beobachten waren (sofern sie den Essay überhaupt gelesen haben) und die dort das etablierte Wagenburg-Denken nur verstärkt haben.
  4. In Rahmen der Publikationsstrategie der ZEIT bzw. von ZEIT Online betrachtet ist der Jessen-Essay der durchschaubare Versuch, so etwas wie eine offene Debatte über den Feminismus vorzutäuschen. Unter hunderten Artikeln, die jährlich feministische Propaganda verbreiten, befinden sich pro forma immer 2 - 5% feminismuskritische, dies ist einer davon. In 4 Wochen wird er vergessen sein.
  5. Das eigentlich Interessante an diesem Fall ist das geschickte Empörungsmanagement der ZEIT und die scheinbare Unmöglichkeit, auch 5 Jahre nach der Aufschrei-Kampagne männliche, feminismuskritische Standpunkte in der Öffentlichkeit zu vertreten. Der Essay ist ein Aufreger mit einigen für Feministinnen ziemlich provokanten Wahrheiten. Auf Kosten von 2 oder 3 vor Wut gekündigten Abonnements feuert er den feministischen Aktivismus an und gibt der ZEIT in der Replik, die sie mit dem Artikel zusammen angekündigt hat, die Chance, sich als Hüter der feministischen Ideologie zu präsentieren und die Wagenburg wieder nach außen abzudichten.

Sonntag, 18. März 2018

Faust in der Tasche - die Wirkungen der MeToo-Kampagne

Inhaltsübersicht

Merksätze

  1. Die MeToo-Kampagne ist unter den ca. 60 feministischen Twitter-Kampagnen der letzten 5 Jahre mit Abstand die umfangreichste und mit bisher 5 Todesopfern die folgenreichste.
  2. Die feministischen Kampagnen sind vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie durch die großen Medien massiv unterstützt und sozusagen industriell produziert werden. Wir zeigen dies hier am Beispiel der MeToo-Kampagne, die von ZEIT Online mit knapp 200 Artikeln von ca. 120 Autoren massiv gesponsort wurde.
  3. Die Artikel der ZEIT-Online-Kampagne vertreten zu ca. 90% feministische Standpunkte bzw. Propaganda, kritische Artikel sind die Ausnahme. Die medienpsychologische Gesamtwirkung der Kampagne ist eine pauschale Hetze gegen "die Männer".
  4. Daß die Kampagne i.w. feministische Propaganda und Desinformation betreibt, wird von einem sehr großen Teil der Leser durchschaut, wie man an den weit überwiegend negativen Kommentaren erkennt. Die Kampagne unterminiert daher (ggf. ungewollt) das ohnehin schwindende Vertrauen in die Presse.
  5. Die Protagonisten schreiben ihrer Kampagne zu, eine gesellschaftliche Debatte über eventuelle Probleme im Geschlechterverhältnis anzuschieben. Tatsächlich scheint es umgekehrt zu sein: die Fronten werden vielfach verhärtet, eine rationale Diskussion wird unwahrscheinlich, und - wie eine Protagonistin wohl zu recht vermutet - ein Großteil der Männer verabschiedet sich aus der Diskussion, mit der Faust in der Tasche.

Sonntag, 28. Januar 2018

Cat Man, Aziz Ansari und die Strafbarkeit von schlechtem Sex




Eine typische Eigenschaft von feministischen Twitter-Kampagnen besteht darin, einen beliebigen Anlaß zu haben, der nach einer bald folgenden thematischen Verallgemeinerung der Kampagne i.d.R. darauf hinausläuft, den immerwährenden Alltagssexismus, unter dem Frauen leiden, und deren Opferstatus zu beschwören.

So auch bei der MeToo-Kampagne: Nur eine winzige Minderheit von Frauen kommt in Kontakt mit einem kriminell agierenden Filmmogul. Alltäglicher sind hingegen Kontakte, bei denen Männer aufdringlich sind und/oder die nach einem brauchbaren Anfang im weiteren Verlauf unangenehm werden, oder kurz gesagt wo der Sex schlecht ist.

Dieses Problem war der Thema des kürzlich in die Schlagzeilen hochgeschwappten Skandals um Aziz Ansari. Diese Affäre hatte wiederum einen Vorläufer im Dezember 2017 in Form einer intensiven Debatte um die Kurzgeschichte "Cat Man", die hier kaum wahrgenommen wurde. Den enormen Presserummel um die Aziz-Ansari-Affäre versteht man wohl nur richtig vor dem Hintergrund der "Cat Man"-Debatte. Beide Debatten weisen viele Gemeinsamkeiten auf und behandeln unter der Oberfläche Themen, die seit 10 oder mehr Jahren im Rahmen der Title-IX-Gesetzgebung hitzig, um nicht zu sagen unversöhnlich debattiert werden.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Was Catherine Deneuve wirklich sagte

Inhaltsübersicht

Eine Überraschung aus Frankreich

Vorgestern geschah etwas Unerwartetes. Die MeToo-Kampagne läuft seit gut 10 Wochen nahezu ungestört auf vollen Touren, sie hat bereits 3 Selbstmorde verursacht, und sie metastasiert gerade erfolgreich in Form von Satelliten- und Folge-Kampagnen - z.B. TimesUp.

Kritik an der unübersehbaren moralischen Panik, Aufgabe rechtsstaatlicher Minimalstandards und Lynchjustiz kam bisher nur von notorischen Lästermäulern wie Brendan O'Neill oder Thomas Fischer. Deren mediale Reichweite ist indes vernachlässigbar im Vergleich zu den feministischen Medien, die wie üblich auch diese feministische Twitter-Kampagne nach Kräften unterstützt haben.

Am 09.01.2018 erschien nun ein offener Brief in Le Monde, unterzeichnet von 100 französischen Frauen, darunter sehr prominente wie Catherine Deneuve.

Inhaltlich findet man, wenn man sich schon mit den Wirkungen der vielen feministischen Kampagnen befaßt hat, fast nur altbekannte Argumente. Anders gesagt kann ich als aufgeklärter Masku praktisch jedem Satz zustimmen, einige sogar dick unterstreichen.

Während der Brief inhaltlich nichts Neues bringt, ist er hinsichtlich seiner Medienwirksamkeit sozusagen ein Kanonenschlag. Der mediale Widerhall war beträchtlich - Catherine Deneuve ist so etwas wie eine Nationalheilige -, fast alle großen Zeitungen berichteten darüber. Die mediale Reichweite dieses Offenen Briefs dürfte größer sein als die alle bisherigen Kritiken an der MeToo-Kampagne zusammen.

Dies machte natürlich eine umgehende Antwort erforderlich. Als eine der ersten und noch am gleichen Tag ging Barbara Kostolnik vom hochfeministischen WDR zum Gegenangriff über und titelt, damit auch gleich klar ist, wer hier recht hat, auf tagesschau.de: Der Irrtum der Madame Deneuve, und weiter:

Eine "Freiheit zu belästigen" fordern die französische Schauspielerin Cathérine Deneuve und 99 weitere Frauen in der Zeitung "Le Monde".
Kostolnik benutzt den Begriff "belästigen" mehrfach. Im Original heißt es:
nous défendons une liberté d'importuner, indispensable à la liberté sexuelle.
Dass Verb importuner bedeutet lästig sein, lästig fallen, jemandem auf die Nerven gehen, in Kontext dieses Briefs kann man es auch mit "aufdringlich sein" übersetzen. Das deutsche (sexuell) "belästigen" ist nach Dutzenden Aufschrei- und Sexismus-Kampagnen eng mit dem Begriff Sexuelle Belästigung verbunden, dieser wiederum deckt ein Spektrum von Verhaltensformen ab, die zum Teil Straftatbestand sind.

"importuner" hier mit "belästigen" zu übersetzen ist eindeutig falsch, es denunziert die Autorinnen des Offenen Briefs, Straftaten zu verharmlosen, obwohl sie in ihrem Brief genau dies explizit ablehnen. Außerdem wird die Textstelle "liberté d'importuner" sinnentstellend aus ihrem Zusammenhang gerissen (mehr dazu hier). Bei jemandem, der aus dem ARD-Hörfunkstudio Paris berichtet, sollte man genügend Französischkenntnisse vermuten, um diesen Fehler zu vermeiden - sofern hier nicht Absicht vorlag, denn die Falschübersetzung setzt die metoo-Kritikerinnen in ein schlechtes Licht, und man vermeidet eine inhaltliche Auseinandersetzung mit deren Thesen. Die findet im übrigen bei Kostolnik nicht statt, sie scheint den eigentlichen Inhalt des Offenen Briefs (der die Kollateralschäden der MeToo-Hexenjagd und die Selbständigkeit von Frauen thematisiert) gar nicht verstanden zu haben.

Die falsche Übersetzung "Freiheit zu belästigen" kam bzw. kommt auch bei anderen "Qualitätsmedien" vor, u.a. im Bayerischen Rundfunk, im Focus, im Standard, im Stern im Tagesspiegel, in der Welt und in der ZEIT. Die Welt und die ZEIT haben indes nach ca. einem Tag den Titel geändert, die Welt übersetzt "liberté d'importuner" jetzt mit "Freiheit, aufdringlich werden zu dürfen", die ZEIT mit "Freiheit, lästig zu sein", beides akzeptable Übersetzungen.

Versuch einer brauchbaren Übersetzung

Der nächste Abschnitt enthält eine Übersetzung des kompletten offenen Briefs, die auf dem Text beruht, der hier publiziert wurde. Das immer etwas gestelzt wirkende Französisch ist nicht ganz einfach in flüssiges Deutsch zu übersetzen, Fehler sind meine. Hinweise auf Übersetzungsfehler und Verbesserungsvorschläge bitte hier.

Kontext der "liberté d'importuner"

Die Textstelle "liberté d'importuner" steht meiner Meinung nach in einem bestimmten textlichen Kontext, der wesentlich für ihre Interpretation und die Botschaft der Verfasserinnen ist. (Wer den Brief noch nicht kennt, sollte ihn ggf. zunächst lesen, um sich eine eigene Meinung zu bilden.)

"liberté d'importuner" erscheint - neben einem Zwischentitel, der vermutlich von der Redaktion eingefügt wurde - nur an zwei Textstellen. Bei der ersten Textstelle wird sie als Analogie zur Freiheit eines Künstlers, mit seinen Werken und deren Aussage der Öffentlichkeit lästig zu fallen, definiert. Diese künstlerische Freiheit ist wesentlich für künstlerische Kreativität, und eine sexuelle Begegnung zweier Personen wird hier als etwas Kreatives und Experimentelles verstanden, und nur unter dieser Grundannahme wird an dieser Stelle die "liberté d'importuner" gefordert.

Bei der zweiten Textstelle wird die "liberté d'importuner" als Gegenpol der Freiheit, Nein zu sexuellen Angeboten zu sagen, dargestellt. Implizit wird hier ein Aushandlungsprozeß unter zwei gleichberechtigten Personen unterstellt.

Implizit werden Frauen hier und an anderen Stellen als starke, selbstverantwortliche Persönlichkeiten verstanden. An keiner der beiden Textstellen wird Freiheit so verstanden, daß eine der beteiligten Personen willkürlich oder gewalttätig die andere, wehrlose Person belästigen kann. Die Übersetzung "Freiheit zu belästigen" suggeriert fälschlich das Gegenteil, nämlich ein Recht auf Willkür und Belästigung auf der einen Seite und ein Verbot auf der anderen Seite, sich dagegen zu wehren.

Die Freiheit der Frauen, lästig zu sein

Eine besondere Kuriosität der Debatte besteht darin, die geschlechtsneutrale Formulierung der Freiheits-Forderung zu übersehen. Die "liberté d'importuner" muß selbstverständlich auch für Frauen gelten, und man kann durchaus davon ausgehen, daß Deneuve et al. diese Freiheit auch für Frauen fordern.

Dies ist eine zwangsläufige Konsequenz daraus, daß Deneuve et al. Frauen als starke Persönlichkeiten verstehen, die nicht immer nur passive Opfer in sozialen Interaktionen sind, sondern selber auch einmal offensiv sind und Risiken eingehen und dabei Fehler machen. Diese Gleichrangigkeit von Männern und Frauen war ein Ideal früherer feministischer Wellen, ist aber bei dem heute dominierenden Denken in Identitätspolitiken und Opferstatus-Hierarchien kaum noch vorstellbar.



Deutsche Übersetzung des Offenen Briefs von Catherine Deneuve und 99 anderen Frauen

Vergewaltigung ist ein Verbrechen. Aber hartnäckiges oder ungeschicktes Flirten ist kein Verbrechen, und Galanterie ist keine Machismo-Aggression.

Die Weinstein-Affäre hat zu einer legitimen Bewußtmachung sexueller Gewalt gegen Frauen geführt, besonders am Arbeitsplatz, wo einige Männer ihre Macht mißbrauchen. Dies war notwendig. Aber diese offene Ansprache der Probleme verwandelt sich heute in ihr Gegenteil: Man macht uns Vorschriften, was wir sagen dürfen, wir sollen schweigen über das, was uns wütend macht, und diejenigen, die sich weigern, solchen Verfügungen zu gehorchen, werden als Verräter, als Komplizen angesehen!

Nun ist es typisch für den Puritanismus, im Namen eines vermeintlichen Allgemeinwohls Argumente für den Schutz der Frauen und ihrer Emanzipation zu übernehmen, um sie besser an den Status des ewigen Opfers zu fesseln, bzw. von armen kleinen Dingern, die unter dem Einfluß dämonischer Phallokraten stehen, wie in den guten alten Zeiten der Hexerei.

Denunziationen und Anklagen

Tatsächlich hat #metoo in der Presse und in den sozialen Netzwerken zu einer Kampagne öffentlicher Denunziationen und Anklagen von Einzelpersonen geführt, die, ohne die Möglichkeit zu haben, zu reagieren oder sich zu verteidigen, genau auf die gleiche Stufe gestellt wurden wie Sexualstraftäter. Diese Schnellgerichtsbarkeit hat bereits ihre Opfer, Männer, die in Ausübung ihres Berufes bestraft wurden, zum Rücktritt gezwungen wurden usw., deren ganzes Unrecht darin bestand, ein Knie berührt zu haben, versucht zu haben, einen Kuß zu erhaschen, bei einem professionellen Abendessen über "intime" Dinge gesprochen zu haben oder sexuelle Botschaften an eine Frau geschickt zu haben, die sich umgekehrt nicht von dem Mann angezogen fühlte.

Dieses Fieber, die "Schweine" in den Schlachthof zu schicken, ist weit davon entfernt, Frauen dabei zu helfen, sich zu ermächtigen und selbst zu stärken. Es dient in Wirklichkeit den Interessen der Feinde sexueller Freiheit, den religiösen Extremisten, den schlimmsten Reaktionären und denjenigen, die meinen, im Namen einer im Kern viktorianischen Vorstellung vom Guten und von Moral, daß Frauen "besondere" Wesen sind, Kinder mit Gesichtern von Erwachsenen, die verlangen, beschützt zu werden.

Umgekehrt wird den Männern befohlen, sich an die Brust zu schlagen und in den Tiefen ihres retrospektiven Bewußtseins ein "Fehlverhalten" zu finden, das sie vor zehn, zwanzig oder dreißig Jahren gehabt haben könnten und das sie nun bereuen sollten. Die öffentliche Beichte, das Eindringen selbsternannter Staatsanwälte in die Privatsphäre, ist die Art und Weise, wie man ein Klima totalitärer Gesellschaften erzeugt.

Die Säuberungswelle scheint keine Grenzen zu kennen. Mal wird ein Akt von Egon Schiele auf einem Plakat zensiert; ein ander Mal fordert man die Entfernung eines Balthus-Gemäldes aus einem Museum mit der Begründung, es sei eine Rechtfertigung für Pädophilie. Indem man Mensch und Werk verwechselt, fordert man ein Verbot der Roman Polanski-Retrospektive in der Cinémathèque und eine Verschiebung derjenigen, die Jean-Claude Brisseau gewidmet ist. Ein Akademiker beurteilt Michelangelo Antonionis Film Blow-Up als "frauenfeindlich" und "inakzeptabel". Angesichts dieses Revisionismus bekommen es John Ford (La Prisonnière du désert) und sogar Nicolas Poussin (The Sabine Kidnapping) mit der Angst zu tun.

Schon jetzt fordern einige Verlage einige von uns auf, unsere männlichen Charaktere weniger "sexistisch" zu machen, mit weniger Exzessen über Sexualität und Liebe zu sprechen oder die "Traumata weiblicher Charaktere" offensichtlicher zu machen! Hart am Rande der Lächerlichkeit will ein Gesetzentwurf in Schweden jeden, der einen Geschlechtsverkehr beabsichtigt, zur Einholung einer ausdrücklichen Zustimmung zwingen! Noch so ein Geniestreich, und zwei Erwachsene, die miteinander Sex haben wollen, müssen vorher mit einer "App" auf ihrem Telefon ein Dokument abhaken, in dem sie die Praktiken, die sie akzeptieren und bzw. ablehnen, genau auflisten.

Die unverzichtbare Freiheit, lästig zu sein

Der Philosoph Ruwen Ogien verteidigte die Freiheit, lästig zu sein, als unverzichtbar für die künstlerische Kreativität. Ebenso verteidigen wir eine Freiheit, lästig zu sein, als unverzichtbar für die sexuelle Freiheit. Wir sind heute ausreichend informiert, um zu wissen, daß der Sexualtrieb von Natur aus offensiv und ungesittet ist. Wir sind aber auch scharfsichtig genug, um ungeschicktes Flirten nicht mit sexueller Aggression zu verwechseln.

Uns ist vor allem bewußt, daß die menschliche Person nicht monolithisch ist: eine Frau kann am selben Tag ein professionelles Team führen und es genießen, sexuelles Objekt eines Mannes zu sein, ohne eine "Schlampe" oder ein abscheulicher Komplize des Patriarchats zu sein. Sie kann sicherstellen, daß ihr Lohn dem von Männern entspricht, sie wird sich aber nicht für immer traumatisiert fühlen, weil sie in der U-Bahn betatscht wurde, selbst wenn dies als ein Vergehen betrachtet wird. Sie kann einen solchen Vorfall sogar als Ausdruck extremen sexuellen Elends oder gar als Nicht-Ereignis betrachten.

Als Frauen erkennen wir uns selbst nicht in diesem Feminismus wieder, der über die Verurteilung von Machtmißbrauch den Eindruck erweckt, generell Männer und Sexualität zu hassen. Wir sind der Meinung, daß die Freiheit, Nein zu einem sexuellen Angebot zu sagen, nicht ohne die Freiheit möglich ist, jemandem lästig zu sein. Und wir sind der Meinung, daß wir imstande sein müssen, auf diese Freiheit, lästig zu sein, anders zu reagieren, als uns in der Rolle des Opfers zu verkriechen.

Für diejenigen von uns, die sich entschieden haben, Kinder zu bekommen, halten wir es für sinnvoller, unsere Töchter so zu erziehen, daß sie informiert und bewußt genug sind, um das Leben in vollen Zügen zu leben, ohne eingeschüchtert zu werden oder sich schuldig zu fühlen.

Zwischenfälle, die sich auf den Körper einer Frau auswirken können, beeinträchtigen nicht unbedingt ihre Würde und sollten sie nicht, so hart sie manchmal sein mögen, zwangsläufig zu einem ewigen Opfer machen. Weil wir nicht auf unseren Körper reduzierbar sind. Unsere innere Freiheit ist unantastbar. Und diese Freiheit, die wir schätzen, ist nicht ohne Risiken und Verantwortlichkeiten.



Nachträge

  1. Ein sehr lesenswertes Interview von Catherine Millet, eine der Autorinnen des offenen Briefs, ist in der FAZ vom 14.01.2018 erschienen.
  2. Catherine Deneuve weist in einer Stellungnahme am 14.01.2018 in der Zeitschrift Liberation die Kritik zurück, der offene Brief bzw. sie persönlich würde sexuelle Gewalt verharmlosen. Übersetzung s.u.
  3. Die am meisten kontroverse Forderung des offenen Briefs ist die nach der "liberté d'importuner". Wenn man die Mißverständnisse durch die falschen Übersetzungen, die nicht überall auftraten oder teilweise vorgeschoben waren, einmal beiseite läßt, hat diese Forderung immer noch erstaunlich viel Protest erzeugt. Erstaunlich deswegen, weil diese Forderung eigentlich zwingend ist, wenn man Frauen grundsätzlich als starke, selbstverantwortliche Persönlichkeiten versteht (s.o.), ein zentraler Standpunkt der Autorinnen.

    Genau diesem Verständnis widersprechen relevante feministische Strömungen vehement. Diese Strömungen verstehen Frauen als eher asexuelle, antriebslose Wesen, die ihre Ablehnung von sexuellen Kontakten nicht klar verbalisieren können und dies auch nicht müssen, stattdessen verpflichtet bereits eine "nicht enthusiastische" Zustimmung einer Frau den Mann in der aktiven Rolle, seine Bemühungen zur Anbahnung sexueller Kontakte sofort abzubrechen, eine Fortsetzung wird genauso wie eine Vergewaltigung verurteilt. Dieses Verständnis war Grundlage der sozialen Hinrichtung von Aziz Ansari, die wenige Tage nach dem offenen Brief stattfand, Details s. Die Aziz-Ansari-Affäre.



Übersetzung der Stellungnahme von Catherine Deneuve zur Kritik am Offenen Brief

Anmerkungen: einige Stellen der Stellungnahme von Deneuve am 14.01.2018 sind mehr oder weniger unverständlich. Diese Stellungnahme ist weniger sauber fomuliert als der offene Brief, der von mehreren Autorinnen gemeinsam redigiert worden war. Mit [*] markierte Stellen sind mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht richtig übersetzt.

Ja, ich liebe die Freiheit. Ich liebe nicht die Eigenschaft unserer Zeit, daß jeder das Recht zu haben glaubt, zu urteilen, zu schlichten, zu verurteilen. Eine Zeit, in der einfache Denunziationen in sozialen Netzwerken zu Bestrafung, Entlassung und manchmal und oft zu medialer Hinrichtung führen. Ein Schauspieler kann digital aus einem Film gelöscht werden, der Regisseur einer großen New Yorker Institution kann gezwungen werden zurückzutreten, weil er vor dreißig Jahren mit seinen Händen jemanden an den Hintern gefaßt hat, das alles ohne irgendeine andere Form von Anklage und Prozeß. Ich entschuldige nichts. Ich urteile nicht über die Schuld dieser Männer, weil ich dafür nicht qualifiziert bin. Und nur wenige sind dies.

Nein, ich mag diese Treibjagden [*] nicht, die heute allzu häufig vorkommen. Daher meine Vorbehalte, schon ab Oktober zu diesem Hashtag "Balance ton porc".

Es gibt, ich bin nicht naiv, viel mehr Männer, die diesen Verhaltensweisen ausgesetzt sind als Frauen. Aber warum ist dieser Hashtag keine Einladung zur Denunziation? [*] Wer kann mir versichern, daß es keine Manipulationen oder Schläge unter die Gürtellinie geben wird? Daß es keine Selbstmorde von Unschuldigen geben wird? Wir müssen zusammenleben, ohne "Schweine" oder "Hündinnen", und ich gestehe, daß ich diesen Text "Wir verteidigen die Freiheit ..." energisch, wenn nicht sogar vollkommen richtig gefunden habe.

Ja, ich habe diese Petition unterzeichnet, und ich halte es heute für absolut notwendig, darauf hinzuweisen, daß ich nicht einverstanden bin mit der Art und Weise, in der sich einige Unterzeichner individuell das Recht nehmen, sich in den Medien zu verbreiten, in einer Weise, die den Geist dieses Textes verfälscht. Im Fernsehen zu sagen, daß man eine Vergewaltigung genießen kann, ist schlimmer, als all jenen ins Gesicht zu spucken, die dieses Verbrechen erlitten haben. Diese Worte suggerieren denjenigen, die daran gewöhnt sind, Gewalt anzuwenden oder Menschen mit Hilfe der Sexualität zu zerstören, daß das alles nicht so schlimm ist, denn es kommt ja vor, daß das Opfer das genießt. Aber wenn man ein Manifest unterschreibt, das andere Menschen anspricht, hält man sich zurück und vermeidet es, sie mit der eigenen verbalen Inkontinenz zu behelligen. [*] Es ist unwürdig. Und offensichtlich behauptet nichts in diesem Text, daß Belästigung gut ist, sonst hätte ich ihn nicht unterschrieben.

Ich bin Schauspielerin, seit ich 17 bin. Ich könnte natürlich sagen, daß ich Situationen erlebt habe, die mehr als unfein sind, oder daß ich von anderen Schauspielerinnen weiß, daß Filmemacher ihre Macht niederträchtig mißbraucht haben. Es ist aber ganz einfach nicht meine Aufgabe, an der Stelle meiner Kolleginnen zu reden. Was traumatisierende und unhaltbare Situationen schafft, ist immer Macht, eine hierarchische Position oder eine Form von Einfluß. Die Falle schließt sich, wenn es unmöglich wird, Nein zu sagen, ohne seinen Job zu riskieren, oder Demütigungen und erniedrigenden Sarkasmus zu erleiden. Deshalb glaube ich, daß die Lösung darin besteht, unsere Jungen und Mädchen gleichermaßen zu erziehen. Aber auch evtl. Vorschriften in Unternehmen, die bewirken, daß bei Belästigung sofort eine Strafverfolgung eingeleitet wird. Ich glaube an die Gerechtigkeit.

Ich habe diesen Text letztlich aus einem Grund unterschrieben, der meiner Meinung nach essentiell ist: die Gefahr der Säuberung [Zensur] in den Künsten. Sollen wir Sade in Plejade verbrennen? Leonardo da Vinci als pädophilen Künstler bezeichnen und seine Gemälde vernichten? Die Gauguins aus den Museen abholen? Egon Schieles Zeichnungen zerstören? Die Platten von Phil Spectors verbieten? Dieses Klima der Zensur macht mich sprachlos und besorgt über die Zukunft unserer Gesellschaften.

Ich wurde manchmal beschuldigt, nicht feministisch zu sein. Muß ich daran erinnern, daß ich einer der 343 Schlampen war, neben Marguerite Duras und Françoise Sagan, die das Manifest "Ich habe abgetrieben" unterschrieben haben, das Simone de Beauvoir geschrieben hat? Abtreibung wurde damals strafrechtlich verfolgt und mit Gefängnis bestraft. Deshalb möchte ich den Ewiggestrigen, den Rassisten und den Traditionalisten aller Art, die es strategisch geschickt finden, mir ihre Unterstützung anzudienen, sagen, daß sie mich nicht täuschen können. Sie werden weder meine Dankbarkeit noch meine Freundschaft gewinnen, ganz im Gegenteil. Ich bin eine freie Frau und werde es auch bleiben. Ich grüße brüderlich alle Opfer von abscheulichen Taten, die sich eventuell von dem offenen Brief, der in der Monde erschienen ist, angegriffen fühlen. Bei ihnen, und nur bei ihnen, entschuldige ich mich.

Mit freundlichen Grüßen.

Catherine Deneuve



Quellen


Dienstag, 7. November 2017

Empirische Sozialforschung nach feministischer Art


Ein Gedankenexperiment

Beginnen wir mit einem kleinen Gedankenexperiment: welche deutsche Partei könnte folgenden Aufruf, der an alle Deutschen gerichtet ist, auf ihrer Webseite veröffentlichen?
Kriminalität durch Flüchtlinge

Was ist Ihnen passiert?

Ein gestohlenes Smartphone, Schlägereien, sexuelle Belästigungen - haben Sie schon mal diese oder ähnliche Kriminalität durch Flüchtlinge erlebt? Was haben Sie dagegen unternommen? Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen. Ihre Daten behandeln wir vertraulich.

Was haben Sie erlebt, nachdem Sie die Polizei, ihren Bürgermeister oder einen Bundestagsabgeordneten auf die Gewalt durch Flüchtlinge aufmerksam gemacht haben? Wie haben sich diese Verantwortlichen verhalten? Wie haben Ihre Verwandten und Kollegen reagiert? Hat es Ihnen in Ihrem Beruf geschadet, dass Sie sich gewehrt haben - oder vielleicht sogar gutgetan?

Nach rund 3 Wochen hat die Partei 262 Fälle gesammelt und verkündet triumphierend:
Hunderte Bürger haben uns Straftaten von Flüchtlingen geschickt, die sie im Alltag miterleben mußten.

Weil womöglich viele Leser durch diese offensichtliche Hetzkampagne, die ausschließlich kriminelle Flüchtlinge darstellt und dadurch beim Leser den falschen Eindruck erwecken will, alle Flüchtlinge seien kriminell, nervlich zu sehr aufgewühlt werden, beenden wir das Gedankenexperiment an dieser Stelle mit dem expliziten Hinweis, daß keine deutsche Partei einen solchen Aufruf durchgeführt hat.

Ein reales Experiment

Stattgefunden hat ein strukturell identischer Aufruf aber trotzdem, mit dem kleinen Unterschied, daß dort "die Frauen" die Rolle "der Deutschen" und "die Männer" die Rolle "der Flüchtlinge" spielen.

Der Aufruf erschien wörtlich am 20.10.2017 auf ZEIT Online, nur die Rollen und die Beispiele für Belästigungen oder Straftaten wurden ausgewechselt. Die 262 gesammelten Fälle wurden am 07.11.2017 veröffentlicht, man bekommt zusätzlich eine Klassifikation der Fälle geliefert, die versucht, dem ganzen den Anstrich empirischer Sozialforschung zu geben.

Damit diese Fallsammlung auch richtig interpretiert wird, die Einzelfälle also unzulässig generalisiert werden, erläutert der Artikel:

Wie alltäglich anzügliche Blicke, sexistische Sprüche, der lange verharmloste Klaps auf den Po und zweideutige Angebote aber sind, zeigt sich gerade auch an den Erfahrungen, die Frauen unter dem Hashtag #MeToo teilen.
Wenn wir einmal von ca. 25 Millionen Frauen in Deutschland ausgehen, die nicht im Greisen- oder Kindesalter sind, ausgehen, dann sind 262 Fälle bzw. betroffene Personen eher eine Minderheit und können schon von daher nicht "zeigen", daß diese Vorfälle für alle Frauen alltäglich sind, wie hier suggeriert wird.

Man kann diese Anzahl auch nicht einfach hochrechnen, denn es wurde sicherheitshalber nicht nach Frauen gefragt, die nicht belästigt wurden, das wäre auch langweilig und sogenanntes derailing gewesen. Wie schon bei der #aufschrei-Kampagne sind weder diese 262 Fälle noch die deutschen Tweets der #metoo-Kampagne repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.

Männer sollten draußen bleiben

Der Aufruf richtete sich übrigens nur an Frauen:
Viele Frauen werden am Arbeitsplatz sexuell belästigt. Wir wollen wissen: Was haben Sie erlebt, als Sie gegen aufdringliche Chefs und Kollegen vorgegangen sind?
Auf unerklärliche Weise haben es trotzdem 7 Männer geschafft, sich in diese Umfrage hineinzudrängeln. Bzw. sie sind hineingelassen worden, denn so kann man den Eindruck erwecken, Männer seien so gut wie nie bzw. um den Faktor 254/7 = ca. 36 weniger häufig als Frauen betroffen.

Fazit

Soziale Probleme werden sozial konstruiert, und die Festigung des Opferstatus aller Frauen ist sozusagen Lebenszweck des Feminismus. Dazu sind alle Methoden recht. Ob es sich hier mehr um die Methode der Angsterzeugung oder Täuschung (durch die suggerierte falsche Generalisierung) handelt, können wir offen lassen - irgendwie trifft beides zu.

Quellen


Mittwoch, 6. September 2017

Der Tagesschau-Faktenerfinder

Inhaltsübersicht

Zusammenfassung

Ihre hohe Affinität zu feministischen Sichtweisen beim sogenannten Gender Pay Gap hat die Tagesschau schon einmal vor gut einem Jahr wortreich und melodramatisch in der Rubrik #kurzerklärt deutlich gemacht. Inhaltlich war das ganze eher eine Volksverdummung. Damals war der Anlaß der Equal Propaganda Day. Den hatten wir dieses Jahr schon, aber wir hatten noch keine Bundestagswahl, und so besteht noch Gelegenheit, die postfaktische Realitätswahrnehmung von Martin Schulz zu unterstützen.

Hierzu passend liefert die Tagesschau in der neuen Rubrik "faktenfinder" einen Neuaufguß des aktuellen Stands feministischer Propaganda zum GPG unter den spannenden Titel "Wie hoch ist der Gender Pay Gap wirklich?"

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zum GPG kennt man eigentlich sehr gut. Ebenfalls sehr gut weiß man, daß das statistische Bundesamt kein vollständig bereinigtes GPG berechnen kann, weil ihm dazu die Daten fehlen. Genau diesen zentralen Sachverhalt läßt der faktenerfinder-Artikel weg, er zitiert noch nicht einmal die entsprechende Destatis-Publikation vollständig, berichtet also inkorrekt.

Während der erste Teil des Textes noch versucht, dem Titel gemäß die Höhe der GPGs bei den GPG-Varianten zu erklären - nicht immer erfolgreich und zum Teil falsch, s.o. - ergeht sich die zweite Hälfte in themenfremden Schilderungen des Leidens der Frauen in Deutschland, die mit dem GPG nichts zu tun haben, Spekulationen über Ursachen des GPGs und willkürlichen, ideologieabhängigen Bewertungen dieser vermuteten Ursachen.

Der Tagesschau-Fakten(er)finder profiliert sich als Versuch, die angekratzte Diskurshoheit wiederherzustellen, indem man sich selber zum Hort ultimativer Wahrheiten hochstilisiert. Wenn man dann aber die gleiche abgestandene Propaganda wie schon früher serviert, fällt das womöglich auf und geht nach hinten los, so in diesem Fall.

Nachtrag: In einem parallel auf Facebook am 04.09.2017 erschienenen Video "Sechs oder 21 Prozent: Wie hoch ist der Gender Pay Gap wirklich?" stellt die Tagesschau noch weitere Falschbehauptungen auf.



Die Höhe des GPGs

Die erste Unrichtigkeit finden wir gleich in der fett gedruckten Zusammenfassung:
Zwischen Männern und Frauen liegt offiziell eine Lohnlücke von 21 Prozent. Doch es gibt auch einen "bereinigten" Wert, der bei sechs Prozent liegt. Wie groß ist der Gender Pay Gap denn nun?
Wenn mit den Anführungszeichen bei "bereinigten" gemeint sein sollte, daß das GPG vom Destatis nur unvollständig bereinigt wird, also ein "nur scheinbar bereinigtes GPG" ist, dann wäre der Text korrekt.

Man hat aber eher den Eindruck, die Anführungszeichen sollten andeuten, daß das Bereinigen irgendwie Unsinn ist, denn das Leiden der Frauen wird dadurch geringer. Dazu passend wird nicht von einer Stundenlohndifferenz geredet, sondern moralisierend von einer Lohnlücke, damit schon einmal alle wissen, wer die Guten und wer die Bösen sind.

Nach einigen i.w. richtigen Ausführungen zum unbereinigten GPG wird es dann gleich wieder spannend beim bereinigten GPG, das:

"bei sechs Prozent lag."
Als Beleg hierzu zitiert wird die Destatis-Pressemitteilung Nr. 094 vom 14.03.2017. In dieser Pressemitteilung findet sich folgender Hinweis:
Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass der bereinigte Gender Pay Gap möglicherweise geringer ausgefallen wäre, wenn weitere lohnrelevante Einflussfaktoren für die statistischen Analysen zur Verfügung gestanden hätten.
Mit etwas investigativem Journalismus findet man schnell heraus, daß ein vollständig bereinigtes GPG auf alle Fälle geringer ausfällt, denn dem Destatis fehlen wesentliche lohnrelevante Daten. Der Tagesschau-Artikel weist sogar auf eine Untersuchung hin, die bessere Daten hatte (es gibt weitere) und die dementsprechend auf deutlich kleinere bereinigte GPGs kommt. Die deutlich verschiedenen GPG-Werte lösen keinerlei Nachdenken darüber aus, wer denn nun recht haben könnte. Genommen wird ohne nähere Begründung der feministisch opportunere Wert. Anstatt Unklarkeiten nachzugehen wird in der Beschreibung des bereinigten GPGs nicht sein Berechnungsverfahren dargestellt, sondern das Faktoid präsentiert, das GPG sei
"[auf] den geringere(n) Anteil von Frauen in Führungspositionen zurückzuführen"
Bei dem verwandten Rechenverfahren, der Oaxaca-Blinder-Zerlegung, werden die Stundenlöhne logarithmiert, um Ausreißer wegzufiltern. D.h. die Führungspositionen, die 1. nicht von Eigentümern besetzt sind, die 2. von Angestellten im Sinne der Arbeitnehmerdefinition der VSE besetzt sind, und die es 3. in die Stichprobe der VSE geschafft haben, die nur ca. 5% der Arbeitnehmerschaft umfaßt, dürften statistisch irrelevant sein. Letztlich ist der Hinweis auf die Führungspositionen als GPG-Erklärung unsubstantiiert und dient nur der üblichen feministischen Propaganda. Weiter geht es mit:
Diskriminierung ist nur ein Faktor

Ein Problem bei der Debatte um den Gender Pay Gap ist, dass die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern umstandslos mit dem Ausmaß von Entgeltdiskriminierung gleichgesetzt wird.

Das Problem des faktenerfinders ist, daß er umstandslos und ohne Beweis davon ausgeht, daß Diskriminierung überhaupt ein relevanter Faktor ist. Das IW Köln widerlegt die faktenerfinder-These. Weiter:
Der bereinigte Gender Pay Gap dient daher dazu, aufzuzeigen, dass die sogenannte "unerklärte" Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern (die auf Diskriminierung von Frauen beruhen könnte), geringer ist als beim unbereinigten Gender Pay Gap.
Der - um genau zu sein - Bruttostundenlohnunterschied könnte auf allen möglichen Ursachen beruhen, z.B. auf einer streßfreien work-life-Balance vieler Frauen, die sich selbige von ihren Göttergatten finanzieren lassen. Fakten sind übrigens plausibel belegte Aussagen, keine privaten, im Konjunktiv des Selbstzweifels formulierten Vermutungen.



Spekulationen über das GPG

In der zweiten Hälfte geht der Text zu reinen Spekulationen über, warum es das GPG gibt. Mit dem Titel hat das nicht mehr viel zu tun.
Die Entgeltlücke eher kleinzurechnen, ist aus Sicht der Arbeitgeber legitim.
Überrascht und erschüttert erfahren wir hier, daß die Arbeitgeber offenbar bei der Berechnung des GPGs mitrechnen dürfen und das Ergebnis mit abgefeimten Tricks nach unten drücken und daß das zumindest aus Sicht der gewissenlosen Arbeitgeber legal ist, also juristisch vertretbar, aber doch anrüchig. Gerüchten zufolge arbeiten aber beim Destatis keine Arbeitgeber, sondern öffentliche Angestellte oder Beamte. Ferner ist die Oaxaca-Blinder-Zerlegung ein Standardverfahren zur Berechnung von Einkommensdifferenzen zwischen Bevölkerungsgruppen, da kann man nichts klein- oder großrechnen.

Schade übrigens, daß nicht auch erwähnt wurde, daß es aus Sicht der SPD und der Grünen legitim ist, die Entgeltlücke großzurechnen.

Gender Pay Gap von 21 Prozent ist real
Ausnahmsweise richtig, das unbereinigte GPG ist in der Tat eine so reale Bedrohung für die Statistik-Kompetenz der Bevölkerung, daß Statistiker davor warnen und es schon zweimal zur Unstatistik des Monats erklärt haben.

Das bereinigte GPG ist übrigens auch real, sozusagen ein Faktum, über dessen Fund man sich freuen könnte. Welches von beiden GPGs ist jetzt realer?

Denn der Unterschied beim Durchschnitts-Stundenlohn wird ja nicht geringer, weil man die Vergleichsgrößen ändert.
Arghh. Wieder eine Live-Vorführung von Innumeracy. Das bereinigte GPG wird nach der Oaxaca-Blinder-Zerlegung berechnet, da werden keine Durchschnitte von Stundenlöhnen berechnet. Vereinfacht ausgedrückt - speziell für die ARD - wird beim Bereinigen ein sinnloses Rechenverfahren durch ein komplett anderes, weitaus sinnvolleres Verfahren ersetzt.
Mit dem "erklärten" Teil ist gemeint, dass Frauen im Durchschnitt ... Aus Sicht derjenigen, die sich für mehr Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern stark machen, ist damit aber noch keineswegs "erklärt", warum zum Beispiel Erziehungs-, Pflege- und Gesundheitsberufe schlechter bezahlt sind als technische Tätigkeiten.
Man beachte, wie hier klammheimlich von einem wertfreien statistischen Begriff, dem bereinigten GPG, zu einem moralischen Begriff, einer nicht näher definierten "Lohngerechtigkeit", übergegangen wird.

Lohn ist ein Entgelt für Arbeitsleistung, bezieht sich also auf ein Arbeitsverhältnis. Gerecht ist ein Lohn nach gängiger Auffassung dann, wenn er die Anforderungen und Belastungen angemessen kompensiert und wenn für i.w. gleiche Anforderungen und Belastungen i.w. der gleiche Lohn gezahlt wird. Letzteres ist der Fall, das vollständig bereinigte GPG liegt höchstwahrscheinlich in der Größenordnung von 2%, das ist im Rahmen des statistischen Rauschens.

Wenn hier eine fehlende "Lohngerechtigkeit" insinuiert wird, wird damit der Referenzrahmen verschoben, und zwar vom reinen Arbeitsverhältnis auf den gesamten langjährigen Ausbildungs- und Berufswahlprozeß. Z.B. wird es zu einem Unrecht erklärt, daß Männer vor Jahrzehnten mehr in ihre Ausbildung investiert haben als Frauen und daher heute mehr Lohn bekommen.

Wer sich einigermaßen seriös mit Berufswahlprozessen und Präferenzen bei der Arbeits- und Lebensplanung befaßt, käme nie auf die Idee, diese komplizierten und vielfältigen Prozesse pauschal und ohne jegliche Argumente als "ungerecht" zu bezeichnen. Das Tagesschau-Faktoid "Lohnungerechtigkeit" ist eine willkürliche Setzung und damit eine freie (oder ideologiegetriebene) Erfindung.

Wenn man keine Argumente hat, baut man gerne Strohmänner auf, wir lesen noch einmal den letzten Satz:

Aus Sicht derjenigen, die sich für mehr Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern stark machen, ist damit [mit dem "erklärten" Anteil des GPGs] aber noch keineswegs "erklärt", warum zum Beispiel Erziehungs-, Pflege- und Gesundheitsberufe schlechter bezahlt sind als technische Tätigkeiten.
Der Vergleich ist in seiner Pauschalität hanebüchen, ein Arzt verdient z.B. deutlich mehr als ein Ingenieur, aber so genau kommt es beim Faktenfinden auch nicht drauf an.

Daß die GPG-Bereinigung keine Erklärung liefert, warum verschiedene Berufe verschieden bezahlt werden, ist nicht weiter erstaunlich. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die hier durchscheinende Erwartung ist haarsträubender Unsinn und läßt auf ein tiefgreifendes Unvermögen, Statistiken zu verstehen, bei "denjenigen, die sich für mehr Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern stark machen", schließen. Die Bezahlung in unterschiedlichen Branchen bzw. Berufen hängt von allen möglichen Faktoren ab, von der statistisch unterschiedlichen Präferenz bei der Berufswahl allenfalls am Rande.

"Frauenberufe" sind schlechter bezahlt
Wieder mal ein Klassiker aus der feministischen Propagandakiste, die feministische Falschaussage "'Frauenberufe' werden schlechter bezahlt als 'Männerberufe'".
Sorgearbeit wird vor allem von Frauen geleistet
Sorry, aber was hat das mit gerechten Bruttostundenlöhnen von Angestellten für bestimmte Arbeiten zu tun? Soll man mehr Lohn bekommen, solange man seine Eltern selber pflegt? Außerdem stimmt es leider nicht, daß Frauen statistisch wesentlich mehr Haushalts- und Sorgearbeit leisten als Männer, s. feministische Falschaussage (Soziales) "Frauen leisten viel mehr unbezahlte Arbeit im Haushalt als Männer".
Alleinerziehende Mütter tragen hier ein besonders großes Risiko für Verdiensteinbußen
Das könnte damit zusammenhängen, daß bei der gängigen Rechtssprechung regelmäßig der Erzeuger ihrer Kinder dazu verurteilt wird, die Frau zu versorgen, sie hat es nicht nötig, selber Geld zu verdienen. Die halbe Wahrheit wegzulassen ist auch hier wieder einmal eine ganze Falschheit.
Deutliche Zahlen
Bzw. passend herausgesuchte Zahlen. Zitiert wird unter dieser Überschrift eine "repräsentativen Studie" - repräsentativ für Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, also nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung - wonach diese Gruppe etwa die gleichen Schulabschlüsse wie Männer hat, aber weniger arbeitet. Was ist daran ungerecht, wer ist - im Falle eines Unrechts - der Schuldige, und in welchem Zusammenhang steht dieses Pseudofaktum mit dem GPG, also einer Stundenlohndifferenz?
"Heiratsmarkt" entlohnt Frauen besser
Stimmt, das merkt man als Mann schon beim ersten Date und der Frage, wer bezahlt. Wie dem auch sei, in welchem Zusammenhang steht dieses Pseudofaktum mit dem GPG, also einer Stundenlohndifferenz?
Vom Gender Pay Gap zum Gender Pension Gap
Die ARD hört sicher gerne, daß der Anteil der Personen, die von Altersarmut betroffen sind, bei Männern höher ist als bei Frauen, Details s. feministische Falschaussage (Soziales) "Altersarmut ist ein Frauenproblem".
Deutschland liegt in Europa weit hinten
Die faktenerfinder läßt auch hier vorsichtshalber die unpassende Hälfte der Fakten weg. U.a. das WSI - das weiter oben im Text zitiert wurde, als es passend war - klärt auf:
Bei der Interpretation des Gender Pay Gap im Ländervergleich ist generell zu beachten, dass dieser jeweils das Resultat einer Vielzahl länderspezifischer Faktoren ist: ... Beispielsweise kann ein geringer Gender Pay Gap auch mit einer insgesamt niedrigen Erwerbstätigenquote von Frauen in diesem Land einhergehen, wie es in Malta, Polen oder Italien der Fall ist. (2) Der geringe Gender Pay Gap in diesen Ländern ist dann teilweise darauf zurückzuführen, dass Frauen in der Familienphase (wenn die Kinder noch klein sind) zumeist gar nicht arbeiten, während sie in vielen anderen Ländern hingegen nur in geringfügigem Umfang erwerbstätig sind, und dadurch im Durchschnitt geringere Stundenlöhnen erzielen als Männer.
Deutschland liegt in Europa weit vorne, wenn man auf die richtigen Zahlen sieht.
Von echter Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ist Deutschland - bei aller Komplexität der Debatte - nach wie vor weit entfernt.
Wenn hier etwas von etwas weit entfernt ist, dann die ARD von ideologiefreier, sachlich korrekter Information.

PS: Veröffentlicht wurde der Artikel am 04.09.2017 um 20:33 Uhr, nach drei Kommentaren wurde die Kommentierung beendet, der letzte Kommentar kam um 20:56 Uhr durch, immerhin 23 Minuten nach Veröffentlichung. Wirklich großzügig.



Nachtrag (06.09.2017, 17:00)
Parallel zum Fakten(er)finder-Artikel hat die Tagesschau auf Facebook am 04.09.2017 ein Video veröffentlicht: "Sechs oder 21 Prozent: Wie hoch ist der Gender Pay Gap wirklich?". Das Video ist wesentlich weniger umfangreich, enthält aber trotzdem reihenweise Falschbehauptungen:
  1. 0:11: Falschbehauptung "für gleiche Arbeit" bekommen Frauen 6 % weniger.

    Diese Aussage ist falsch. Selbst wenn man hinzufügt: "im Durchschnitt", ist es immer noch falsch, weil wegen der Arbeitsmarktsegregation auch ungleiche Arbeit in der GPG-Werte einfließt, Details s. hier und hier.

  2. 0:19: "Mütter verdienen weniger, Väter mehr"

    Was soll hier gesagt werden? Stillende Mütter? Mütter, die ein minderjähriges Kind im Haushalt haben? Teilzeitarbeitende Mütter?

  3. 0:24: "Frauen kümmern sich mehr um Familie = weniger Zeit für Arbeit"

    Das Argument ist Unsinn, das GPG bezieht sich auf den Bruttostundenlohn, der wird pro Arbeitsstunde bezahlt. Falsch ist die optische Unterstellung, der Männer würden nichts im Haushalt leisten uns sich nicht um die Kinder kümmern.

  4. 0:26: zusätzliche Behauptung durch ein Symbol für einen alten Mann, daß nur Frauen Pflegeleistungen erbringen

    Diese Aussage ist falsch.

  5. 0:37: "21% ist der reale Unterschied"

    Damit soll offenbar angedeutet werden, daß das bereinigte GPG von 6% nicht real ist - eine Lüge. Das bereinigte GPG ist sogar realer, weil es eine sinnvollere Aussage über die Realität macht das unbereinigte GPG.



Quellen